Der Weg zum Mann

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Schon eine Weile haben wir nichts mehr von unserem Autor Nev gehört – jetzt endlich gibt’s neuen Lesestoff von ihm, er meldet sich mit einem Update aus seinem Leben. Wo steht er gerade, auf seinem Weg zum Mann? Was sind die nächsten Schritte? 

So, ihr Lieben. Es ist wieder an der Zeit meinen GedankenWirrWarr aus meinem Kopf zu lassen. Eine halbe Ewigkeit ist vergangen seit meinem letzten Text. In dieser Zeit ist einiges  passiert. Wie es so ist im Leben, es gibt Auf und Abs. Einige Tiefschläge, die mir den Boden unter den Füßen weggerissen haben. Aber auch schöne Momente mit liebevollen Menschen. Mein Anderssein  spielt immer wieder eine Rolle. Die Liebe, für die ich sehr dankbar bin, habe ich gefunden. Sie treibt mich an, obwohl ich selbst  ein kleiner Faulpelz bin. Ich begann im Juli 2018 meine psychotherapeutische Behandlung, die ich im Dezember 2019 erfolgreich abschließen konnte. Ja, was heißt erfolgreich abschließen. Mein Therapeut sagte während einer Sitzung einmal zu mir: „Wie soll ich einen Menschen therapieren, bei dem es nichts zu therapieren gibt.“ Ich bin fest und war immer fest in meiner Entscheidung, den Weg zum Mann zu gehen. Für die, die meine Geschichte nicht kennen – ich kam im Jahr 1993 als Mädchen namens Lora zur Welt. Ich lebe in einer Kleinstadt im Süden von Brandenburg. Eine Besonderheit in der Provinz möchte man denken. Doch so ist es tatsächlich nicht. Die Menschen in meinem Umfeld gehen sehr gelassen und aufgeschlossen mit diesem Thema um. Manche wissen es vielleicht auch nicht, was für mich auch eine Art Akzeptanz ist. Nun ist meine Therapie, wie schon erwähnt, beendet und ich stellte mich im Januar in einer Klinik vor, um die ersten beiden Operationen zu planen und zu verwirklichen. Der erste Schritt optisch offensichtlich Mann zu sein, ist die Mastektomie -die Entfernung der Brust. Die zweite Operation ist die Hysterektomie mit Adnexen – also die Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke. Diese beiden Operationen bringen mich einen riesigen Sprung weiter zum vollendeten Mann. Der Sommer kommt und als Mann mit einem bekleideten Oberkörper an den Strand zu gehen, mag sehr sehr seltsam sein. Und ja, das ist es auch. Man ist eingeschränkt in seinem Handeln. Nicht völlig frei.
Bei der Hysterektomie ist es so, dass mir ein zweiter großer Makel oder sagen wir, eine große Nebenwirkung der „Krankheit Frau“ abgenommen wird. Für biologische Frauen ist es schon eine Belastung Monat für Monat die Böse Woche zu bekommen. Schmerzen, Unwohlsein, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit. Damit und wahrscheinlich mit vielen Beschwerden mehr, haben diese zarten Wesen zyklisch zu kämpfen. Nun dürft ihr euch gern vorstellen, wie es für einen Mann ist, der regelmäßig Besuch bekommt, der noch nicht einmal erwünscht ist. Aber es gibt ja immerhin einen Lichtblick und der Spuk ist bald vorbei.
Ich werde euch zukünftig weiter auf dem Laufenden halten und euch gern über meine Geschichte und den langen Weg informieren.

Fazit ist, dass jeder einen Traum oder ein Ziel hat. Jeder von uns trägt sein eigenes Paket. Niemand kann uns diese Last abnehmen, doch haben wir immer Menschen an unserer Seite, die uns unterstützen und uns motivieren, niemals den Glauben an uns selbst zu verlieren.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man sich oft allein fühlt. Ich bin der Einzige, dem es auf der Welt so geht. Doch das stimmt nicht. A) gibt es tausende und aber tausende Menschen, die das gleiche Schicksal haben und B) sind wir mal ehrlich – es gibt viel schlimmere Geschichten als unsere.
Bleibt gesund in dieser verrückten Zeit und bleibt zuhause und kämpft!

Mehr dazu:

Ich bin NevSamuel und komme aus einem kleinen Dorf im Süden Brandenburgs. MeinTestgelände nutze ich als Plattform um mich mitzuteilen, Anregungen zu geben und selbst Dinge zu verarbeiten.

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