Fieses Virus

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[Triggerwarnung: Im Text wird Gewalt beschrieben.] Während des Lockdowns sind die Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen nahezu überall stark angestiegen. Nicht für alle ist das eigene Zuhause ein sicherer Ort, und leider ist es viel zu oft so unglaublich schwer, eine solche Situation zu verlassen. Mit genau diesem Thema hat sich Tatiana Flores beschäftigt. Sie hat in diesem Jahr beim #onlinegelände mitgemacht – und dabei herausgekommen ist dieses Gedicht, das gar nicht mal so leicht zu verdauen ist… 

Ich habe morgens Angst aufzuwachen,
Versuche mir erst gar nicht auszumalen,
Was er mit mir machen könnte.
Ich fühle mich schuldig eine Frau zu sein,
Weiß nicht mehr an wem es liegt,
An mir oder ihm.
Ich bin eine Frau, wiederholt er immer wieder,
Jedes Mal, wenn er mich schlägt.
Er platzt auf meine Haut und dieselben Wunden,
Immer und immer wieder,
Doch mit jedem Wort, mit jedem Schlag, mit jedem Tritt,
Stirbt ein Teil meiner Seele in mir,
Er zündet sie an, sie verbrennt und ist im Nu vernichtet.
Ich bleibe hier und ertrage es wegen den Kindern,
Wegen Max und Lilli,
Ich will, dass sie es irgendwann besser haben,
Ein Leben frei von Angst und Gewalt.
Ich frage mich jeden Abend immer wieder,
Wann es wohl so weit ist,
Dieses andere Leben, diese Utopie, diese bessere Welt,
Und jedes Mal, wenn ich meine äußerlichen Wunden versorge,
Wer wirklich das schlimmste Virus ist,
Die Männer die keinen anderen lieben oder respektieren können,
Außer sich selbst, oder dieses fiese Virus,
Dass sie am Besten alle umbringen soll.

Mehr dazu:

  • Auf der Seite des kostenlosen Hilfetelefons gibt es nicht nur Beratung für Betroffene häuslicher Gewalt, sondern auch für unterstützende Personen, und das in vielen verschiedenen Sprachen.

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