Sunny: Ein Tag in unserer Gesellschaft

Sunny Text ein Tag in unserer Gesellschaft

Wir durften euch ja schon einige Texte aus dem LizzyNet-Schreibwettbewerb „Das ist mir was wert!“ (gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen) präsentieren, und heute ist Zeit für einen weiteren Text. Diesmal ist es ein Gedicht, geschrieben von Sunny. Es trägt den Titel „Ein Tag in unserer Gesellschaft“ und setzt sich mit Mode, Körpern, Schönheit, Normen, Sexismen, Vorurteilen und Schubladendenken auseinander. Viel Spaß beim Lesen!

Wie üblich stehe ich in der Pause
Mit der anderen Aufsicht draußen.
Still beobachte ich und laufe.
Und während ich so über den Hof schlendere muss ich grinsen,
denn mein Blick fällt auf die kleine Emma ganz hinten.
Über den gelben Schuhen trägt sie eine rosa Hose zu ihrem orangenen Oberteil,
das ist schon ein wirklich schräger Style.
Lächelnd denke ich, wie schön es ist,
dass Mode bei den Kindern nicht
bestimmt wer dazugehört
denn an Kleidung hat sich hier noch nie jemand gestört.
Aber warum denken wir Jugendlichen und Erwachsenen
Die Persönlichkeit hinge ab von irgendeinem Modetrend?
Wieso tragen wir nicht alle was wir wollen,
statt zu denken was wir anziehen sollen?
Warum assoziiert man einen anderen Kleidungsstil
als komisch oder denkt sofort nach, dass diese Mode einem nicht gefiel.
Ist es nicht langweilig, dass wir alle dasselbe tragen,
ist es nicht viel beeindruckender mal was anderes zu wagen?
Zwar ist unsere Gesellschaft toleranter als vor Jahren,
aber warum Klamotten immer noch die Macht haben
Mobbing auszulösen, sollten wir durchaus hinterfragen.

Als ich nach der Arbeit zuhause dann vorm Spiegel steh,
bin ich etwas frustriert, denn mir gefällt nicht, was ich seh.
Aber warum finde ich meine Oberschenkel zu dick?
Ich mache doch Sport und bin körperlich fit.
Warum mag ich mein Aussehen nicht?
Das ist keineswegs eine angeborene Sicht.
Man hat es uns beigebracht,
die Gesellschaft hat diese Selbstkritik entfacht.
Und wird Kritik zu Selbsthass,
sagen die Medien wieder das sei krass.
Wie könne es nur dazu kommen,
jemand hat den Menschen das Vertrauen in die eigene Schönheit genommen.
Dass dieser jemand unsere Gesellschaft ist,
erwähnen sie dabei natürlich nicht.

Ich habe die Gedanken satt,
schüttle sie einfach von mir ab,
denn ich mache mich jetzt fertig,

aber nicht mehr mit Gedanken,
denn ich werde jetzt beim Feiern Komplimente tanken.
Und noch während ich mich schminke frage ich mich
Machst du das eigentlich für andere oder nur für dich?
Ich weiß es nicht, aber ich gehe jetzt feiern.
Dort, wie immer dieselbe Leier.
Jeder labert und grabscht dich an,
und du wehrst dich nicht, bei keinem Mann.
Du willst keine Szene machen,
es gehört eben dazu, dass sie dich ungefragt anfassen.
Aber ist das nicht auch irgendwie falsch?
Man fällt nicht einfach jedem um den Hals.
Trotzdem ist es mir egal,
ich hätte ja die Wahl,
etwas dagegen zu unternehmen,
doch ich will Spaß haben, statt mich aufzulehnen.
Möchte an diesem Abend keine Diskrimination oder Sexismus sehen.
Denn merkt euch, das Motto vom Tanzinsel Festival reicht:
Tanzend sind wir alle gleich!
Ich begleite meine weißen Freunde zur Raucherpause.
Da stehen wir fünf weißen alle draußen.
Als meine Freunde wieder rein gehen,
bleibe ich jedoch stehen.
Ich hab einen jungen Mann kennengelernt,
und er sieht nicht aus wie der typisch deutsche Thomas oder Bernd.
Und es dauert keine ein paar Minuten, nicht mal zehn,
Da haben uns die Türsteher gesehen.
Sofort fragen sie ob alles in Ordnung ist bei mir,
ich dachte sie sehen nur, dass ich frier,
doch es liegt an dem Syrer neben mir.
Sofort denken sie man könne ihm nicht vertrauen,
er bedroht hier bestimmt alle Frauen.

Dem ist nicht so.
Ich mag ihn und bin froh,
als er mich nach meiner Nummer und einem Date fragt,
und ich ganz verliebt ja sag.

Als ich meinen Freundinnen erzähle,
dass wir für das Date einen Dönerladen wählen,
beschweren sie sich
„wie unromantisch“
ob er sich nicht
mehr Mühe geben will,
doch nach meiner Antwort sind sie still.
Ich fand es schön, unser Candlelight-Döner,
ja ich fand es sogar schöner,
als jeden Spießer-Laden,
doch eins muss ich trotzdem sagen:
Die Bedienung dort war nicht mein Geschmack,
weil sie meinen Begleiter einfach kritisiert hat,
warum er der Dame nicht das Essen ausgibt,
worauf hin ich sagte „Emanzipation siegt“ .
Ich lud ihn ein,
zahlte den Döner und brachte ihn heim.
Wieso bedeutet das angeblich keine Frau zu sein?
Diese Gender Klischees regen sowieso nur auf,
doch das Gespräch auf der Feier setzte da nochmal ein Krönchen drauf.
Hatten wir doch einen Transgender Typen getroffen
Und das erzählte er ganz offen.
Geboren als Frau sei er jetzt ein Mann,
und dass er auf Typen steht wisse er auch schon lang.
Und dann mischt sich diese Dumme ein,
und meinte „hättest du mal Frau geblieben sein!“
Warum soll Liebe nur zwischen Mann und Frau existieren?
Kann sich nicht auch das gleiche Geschlecht in gegenseitiger Liebe verlieren?
Aber ich vergaß, Frauen dürfen ja auch kein Fußball spielen,
Männer dürfen sich nicht das Gesicht peelen,
Mädchen spielen nicht mit Autos,
und spielt ein Junge mit Puppen lachen andere laut los.

Und als ich all das abends im Bett vor mich hin denke,
merke auch ich in meinem Kopf diese Schubladen und Schränke.

Ich wünsche mir also, dass vor allem ich aber auch alle anderen
Nur noch positive und nicht diskriminierende Gedanken
Denken
Und uns gegenseitig mehr Liebe schenken
Um die Gesellschaft in richtige Bahnen zu lenken.

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„Wir sind die LizzyNet-Redaktionsgruppe aus Köln und arbeiten mit bei meinTestgelände, weil wir hier ausgewählte Beiträge von LizzyNet-Wettbewerben vorstellen möchten, die sich mit aktuellen Themen rund um Jugendliche und Gender beschäftigen.

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