Ausnahmezustand auf der Welt

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Romantische Beziehungen werfen oft viele Fragen auf. Einige davon hat Phuong festgehalten und damit eine wunderschöne Beschreibung von Emotionen geschaffen. Kennt ihr das auch?

Kennst du das Gefühl, wenn du Realität und Fantasie miteinander
verwechselst oder gar nicht voneinander unterscheiden kannst?
Kennst du das, wenn du tausend Gespräche durch redest, die du gerne mit
Personen hättest?
Kennst du das, wenn dich ein Blick komplett rausbringen kann?
Oder das eine Gefühl, wenn du ein Buch liest, und es dich ganz tief
trifft?
Oder, wenn du denkst, dass dich niemand mag oder dass du niemanden*
wichtig bist?
Hast du manchmal auch die Angst, dass Menschen im Hintergrund schlecht
über dich reden und sie sich gegen dich zusammentun?
Kennst du das, Angst zu haben too much zu sein?
Oder diese Momente, wenn du einfach wieder zu viel darüber nachdenkst,
dir den Kopf zerbrichst?
Kennst du das wenn du dir in deinem Kopf durchgehst wie dein Leben und du
selbst sein könnte?
Kennst du das, wenn du eifersüchtig wirst und Angst bekommst, dass dir
jemand die Liebe für dich nehmen kann?
Kennst du das, wie du manchmal traurig deswegen werden und dich klein
fühlen kannst?
Kennst du das, wenn du einfach gerne Nähe und Intimität hättest? Wenn du
eine Person kennenlernst, die du so magst und gerne mit ihr einfach
stundenlang quatschen magst?
Kennst du das, wenn du das Bedürfnis nach Sicherheit und Verbindlichkeit
hast? Jemanden wichtig zu sein?

 

Kennst du das, wenn du Menschen einfach so richtig kennenlernen möchtest?
Wissen möchtest, wer sie sind, wovon sie träumen, was ihre Ängste sind,
wie sie sind wenn sie verletzlich sind, was sie wütend macht, wie sie zu
anderen Menschen sind, wie sie die Beziehung mit sich selbst führen?
Kennst du das, dass crushen allein schon so schön ist, das Gefühl frei zu
lieben und zu genießen nur des Liebens wegen?
Kennst du das, wenn du einfach kuscheln magst? Und dich mit den
jeweiligen Personen im Bett verkriechen möchtest?
Kennst du das, wenn du wissen möchtest, wie die Person aussieht wenn sie
morgens aufwacht?
Kennst du das, wenn du dich in Erinnerungen festhängst?
Wenn du die Person, trotz allem noch unendlich liebst – sie und die alte
Zeit vermisst?
Wenn du dich an so viele kleine schöne, intime und zärtliche Momente
erinnern kannst?
Kennst du das, wenn du eine Person so sehr vermisst, dass es schmerzen
kann?
Kennst du das, dich neu zu verlieben, dich frei und lebendig fühlen
lässt?
Kennst du diese Tage, wo du dich selber richtig gut aussehend findest?
Kennst du das, wenn du so richtig zu dir selber zurückfindest und
aufblühst?

 

Kennst du das, wenn du so sehr mit dir selber als Person so kämpfst, und
dich die ganze Zeit in einem Streit mit dir aufhältst?
Kennst du das, dass du deine eigene Selbstkritik nicht loslassen kannst?
Wenn du so nach Aufmerksamkeit, Bestätigung und Anerkennung sehnst, und
wenn sie da ist, du trotzdem für dich selber nicht gut genug bist?
Kennst du das, wenn sich Menschen in deinem Umfeld gut verstehen und sich
lieb haben und du dich einfach für sie freust?
Kennst du das, wenn du Angst davor hast Entscheidungen mitzuteilen, weil
du die Personen verletzen könntest, aber sie sich dann mit dir freuen?
Kennst du das, wie du so oft in Schutz gehst, weil du dein ganzes Leben
gelernt hast Schutzmechanismen aufzubauen?
Kennst du das, wenn die dir Welt einfach so richtig beschissen und
dramatisch erscheint? Oder sie in deiner Realität auch so ist?
Kennst du das, wenn du einfach nicht aufhören kannst an diese eine Person
zu denken?
Kennst du das, wenn du Angst davor hast dich neu zu verlieben, dich zu
öffnen, dich nackt und verwundbar zu zeigen?
Kennst du das, wenn du dich davor schämst Gefühle offen zu zeigen?
Kennst du das, dass du dich sogar davor schämst dich selber zu lieben und
toll zu finden?
Kennst du das, wenn du außer Kontrolle bist, irrational, machtlos,
ohnmächtig?
Kennst du das, nicht ernstgenommen zu werden und Menschen sich über dich
lustig machen

Phương (alle Pronomen) findet im Schreiben den Weg aus der Selbstsabotage hin zur Begegnungin zärtlicher Selbstfürsorge. Geboren im Jahr der Katze, unter der Sonne im Skorpion und im Element Wasser übt Phương sich im bedingungslosen Lieben und im Glauben. Künstlerischer Ausdruck unterstütztdie Komplexität, die Phương verkörpert, welche sich durch die multidimensionale Biografiein der (vietnamesischen) Diaspora und einem queeren trans Körper nährt.Schreiben ist eineForm des Loslassen, Zulassen, Verbinden und Atmen für Phương.Instagram: @maro_poebelarts