Asexuelle Lust als Erfahrung

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Ein Text über Zuneigung, Abneigung und die vielen Facetten der Lust von Phuong

Ich liebe lange Kuscheleinheiten, sanfte Berührungen auf meinem Körper, das Gewicht eines anderen Körpers auf meinem; ich mag es, fest gehalten zu werden, ich mag es, stundenlang zu knutschen und mich an jemandes Bein zu reiben; ich mag gegenseitige und gemeinsame Masturbation; ich liebe es, mich schick zu machen und stundenlang mit mir selber zu tanzen; ich liebe es, die Schulter von anderen zu berühren; ich liebes es die Nase und Augen eines anderen zu küssen; ich liebe es, mit anderen Körpern zu tanzen; ich liebe es, laut und schamlos zu einem Lieblingslied zu singen; ich liebe es, das von meiner Mutter gekochte Essen zu essen; ich liebe es, mir Zeit zu nehmen, um meinen Taro-Milchtee zu trinken; ich liebe es stundenlang in der Badewanne zu sitzen; ich liebe es gemeinsam Mittagsschlaf zu machen; ich mag Schwimmen und die Art, wie das Wasser mich küsst; ich liebe es, Fahrrad zu fahren und den Wind, der alle meine Sorgen wegbläst; ich liebe es zu schlafen und die Berührung weicher Laken auf meiner Haut; meine Füße, die den Boden und sein nasses Gras berühren; ich fühle mich frei, wenn ich mit einer geliebten Person laut lachen kann; ich liebe es, ein Lied so laut wie möglich mit meinen Kopfhörern zu hören, der Geruch von Bernstein gibt mir Klarheit und Ruhe; ich liebe es, gemeinsam zu kochen und bei Kerzenlicht und schöner Musik zu essen; ich mag den sanften Geruch von Schweiß, der Geruch von brennender Kohle gibt mir Heimweh; der Schmerz und die Verletzung in Beziehungen lassen mich lebendig fühlen, das Geräusch des Lachens meiner kleinen Nichte und meines kleinen Neffen berühren mich tief; ich liebe es mit meiner Nichte zu koexistieren und kreativ zu sein; ich liebe es lange zu texten; ich liebe random Telefonate; ich liebe Regen und Donner; …
Aber ich mag das soziale Konstrukt von Sex nicht; wie Sex Positivity, Body Positivity, Antirassismus, Anti-Ableismus und Anti-Fetischisierung von BiPoC-Körpern nicht in den Mittelpunkt stellt; ich fühle mich unwohl in hypersexuellen cis-schwulen Szenen, die Hypersexualisierung von Teenager-Mädchen und BiPoC-Körpern, ich mag das Konzept nicht, dass ältere Frauen nicht begehrenswert sind und nicht begehren können. Ich hasse den sexuellen und sexualisierten Blick, den die Leute auf mich projizieren, ich hasse die rassistischen und sexuellen Stereotypen über BiPoC-Körper und das Konzept von „Sub“ und „Dom“, ich hasse es, dass es beim Flirten nur um Berührung geht, es verunsichert mich dass es in Beziehungen oft nur um Genitalien geht und ich verstehe nicht warum es immer um Sex gehen muss.
Ich würde doch so gerne über deine und meine Kindheitstraumata, Kindheitsträume, liebste Kindheitserinnerungen, Traumberufe, Lieblingsbücher und -filme, Lieder, die wir gehört haben, als wir jung und emo waren, reden; erzähl mir von deinem ersten Liebeskummer, wer hat dir dein Herz gebrochen; erzähl mir von deinen inneren Dämonen, wofür schämst du dich, was hasst du und was magst du an dir, welche Erfahrungen haben dein Leben verändert, welche Menschen hast du bisher getroffen, was gibt dir Orientierung und Hoffnung, wovor hast du Angst im Leben, Ich würde gerne wissen, wie du kämpfst, ich bin neugierig darauf, die Energie in der Luft zu spüren, wenn wir nur nebeneinander chillen, was ist dein Lieblingsgericht, das wir kochen könnten, bist du ein Sommer-, Frühlings-, Winter- oder Herbstmensch, Lieblingsessen und -geschmack, Lieblingsgeräusch, ich würde gerne fünf Minuten lang Augenkontakt haben, ich würde mir gerne einfach etwas mehr Zeit nehmen, einen Tee trinken, zusammen campen gehen und die Sterne beobachten, gemeinsam malen; gemeinsam nichts machen, zusammen einkaufen gehen und uns gegenseitig bei den Haushaltsaufgaben unterstützen; deinen Abwasch machen, dir Essen mitgeben, für dich da sein wenn es dir schlecht geht und deine Siege mit dir feiern; ich würde gerne von dir lernen wollen, weil du die Dinge anders siehst und machst als ich; ich würde gerne mit dir im Park unter der Sonne liegen, Liebesbriefe schreiben nur des Lieben wegen, ich würde gerne verzeihen lernen, gemeinsam verreisen, uns über Zeit und Umstände hinweg lieben und wertschätzen, ehrlich lieben und gehen wenn uns die Wege trennen und zurück zueinander finden wenn wir es möchten.

Phương (alle Pronomen) findet im Schreiben den Weg aus der Selbstsabotage hin zur Begegnungin zärtlicher Selbstfürsorge. Geboren im Jahr der Katze, unter der Sonne im Skorpion und im Element Wasser übt Phương sich im bedingungslosen Lieben und im Glauben. Künstlerischer Ausdruck unterstütztdie Komplexität, die Phương verkörpert, welche sich durch die multidimensionale Biografiein der (vietnamesischen) Diaspora und einem queeren trans Körper nährt.Schreiben ist eineForm des Loslassen, Zulassen, Verbinden und Atmen für Phương.Instagram: @maro_poebelarts