Behind The Song „Magnolia“ - Ein Einblick in das Songwriting von David Novell

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Hejj ihr – ich bin David aus Leipzig und trete mit meiner Musik unter dem Namen „David Novell“ im Internet und auf Bühnen auf. Heute gebe ich euch einen Einblick in meinen Song “Magnolia” und spreche über die Entstehung und mein Songwriting!

In meinen Texten tauchen häufig Figuren mit unterschiedlichen Gender-Identitäten auf, deren Erfahrungen sich in den besprochenen Themen ähneln oder sich an manchen Punkten überschneiden. Ich spiele gerne mit den Erwartungen der Hörenden: Was verbinden sie mit bestimmten Vorstellungen von Gender?

Dabei mische ich biografische Erlebnisse in die Erfahrungswelt der Figuren ein und lasse Raum für eigene Interpretationen. Ich versuche mit meinen Lyrics eine Fläche vorzugeben und damit Platz für eigene Gedanken zu schaffen. Das macht meine Songs interaktiv, da sie nicht nur eine Botschaft von mir an die Außenwelt sind, sondern zum Austausch einladen.

Der Song „Magnolia“ beginnt mit einer äußeren Beschreibung einer Person mit „Sie“-Pronomen. Im Verlauf des Songs wird immer mehr klar, dass es sich um meine eigene Story handelt. Nach dem Hören der ersten Strophe haben viele wohl nicht unbedingt mich als Erscheinungsbild im Kopf. Das mag zum einen an der Distanz liegen, die durch die Third-Person-Perspektive aufgebaut wird, aber auch daran, was gemeinhin mit dem Pronomen „Sie“ verbunden ist und am beschriebenen Outfit.

Wie wir uns kleiden, hat einen großen Einfluss auf die Außenwahrnehmung. Die Bedeutung für die Selbstwahrnehmung ist davon nicht frei, hat aber vor allem eine subjektive Komponente. Für mich ist es so, dass ich mich am wohlsten fühle, wenn ich in einer spezifischen Situation genau das tragen kann, was ich gern möchte. Das bedeutet eben manchmal einfach einen bequemen 2-Min-Look mit Jogger und Hoodie Boots an, Jacke und Taschefertig zum Rausgehen. In so einem Look fühle ich mich entspannt, aber nicht unbedingt sexy. Den Look, den ich im Song beschreibe, also Crop Top, Stockings und Lederrock, trage ich jetzt seltener, wenn ich nur mal schnell zum Konsum gehe (für die, die nicht aus “dem Osten” kommen: ein i.d.R. kleines Lebensmittelgeschäft). Das ist vielleicht eher meine Abendgarderobe, wenn ich mit Friends etwas trinken gehe oder einen Club besuche. Diese Etablissements kann ich mir natürlich mehr aussuchen als die Straßen, durch die ich laufe und in denen ich mit mehr random Menschen konfrontiert werde. Dennoch kann es natürlich auch in vermeintlichen Safer Spaces passieren, dass man unangenehme Erfahrungen macht.

Mit einem Klick aufs Cover kommt ihr zu MAGNOLIA auf Spotify.

Die Auseinandersetzung mit intolerantem Verhalten und Diskriminierung ist ein zentrales Thema meiner Musik. Ich habe sehr oft erlebt, wie Menschen versuchen, das Selbstbewusstsein anderer durch abwertendes Verhalten zu beeinträchtigen. In der Vergangenheit habe ich solche Angriffe persönlich genommen, doch mittlerweile erkenne ich, dass sie viel eher ein Spiegel der Unsicherheiten anderer sind.

Aber zurück zum sexy Teil: so wie die Person zu Anfang im Song beschrieben wird – ich nenne sie jetzt „Magnolia“ – sehe ich mich selbst gern. Gleichzeitig lasse ich aber auch kritische Töne mit einfließen, da ich nicht so Fan von Idealisierungen bin. Ich möchte lieber die Komplexitäten und den konfusen Wechsel aus Ups and Downs abbilden. Es geht mir also darum, ein starkes Mantra zu erschaffen, aber dabei eben die eigenen Problematiken nicht auszulassen.

Es scheinen im Verlaufe der Strophe neben den selbstbewussten Momenten auch immer wieder kritische Fragen durch, z.B. wenn es um das Konsumverhalten geht („Hitzkopf / trinkt oft“). Auch werden Erfahrungen mit Roofies (“sie ist vorsichtig seit den Roofies”) und patriarchaler Gewalt genannt. Im Refrain kulminieren alle diese Eindrücke, indem ich ihr aktuelles Leben als Kampf um bessere Tage beschreibe („She’s fighting for better days“).

Letztlich wird klar, dass hinter der oberflächlichen Beschreibung des äußeren Erscheinungsbildes mehr steckt als eine reine Konsumentscheidung.

Den Kampf, den ich gekämpft habe und immer noch kämpfe, meinen eigenen Körper und Look zu „ownen“, ist längst nicht immer nur der gegen die Diskriminierung und Objektifizierung durch Mainstream-Männer. Auch in linken Kreisen wird es teilweise angefeindet, wenn Personen nach ihrer Meinung „zu viel Wert auf ihr Äußeres legen“. Oder wenn Menschen, die einen diskriminierenden „Feminismus“-Begriff haben, dich ausschließen wollen, weil sie dich auf dein Äußeres reduzieren. Oft wird daraus dann auch direkt auf den Charakter oder die Erfahrungen bzw. Nicht-Erfahrungen von Personen geschlossen. Das tun neben Männern auch Frauen und nicht-binäre Personen. Bei letzteren kommt dies aber in meiner Erfahrung deutlich weniger vor, vielleicht ja weil mit Nicht-Binär-Sein oft gezwungenermaßen eine viel heftigere Auseinandersetzung mit Unsichtbarkeit und Ausschluss stattgefunden hat als bei vielen Cis-Personen? Wie denkt ihr darüber?

„Magnolia“ hat auch noch eine zweite Strophe. In dieser werden der angedeutete Kampf und die Prozesse, die sie im Privaten durchlaufen hat, noch deutlicher beschrieben. Außerdem geht es darin um das daraus gewonnene Selbstvertrauen und das eigene Aufblühen im neu gefundenen Bezug zu sich selbst.

Danke an alle Lesenden, an MeinTestgelände für die Plattform und an Oskar, der mich zu dieser Kollabo inspiriert hat. Ich bin immer offen für Feedback und Austausch! Folgt mir gern auf Instagram, um den offiziellen Release nicht zu verpassen und mehr von meiner Arbeit mitzubekommen.

Hejj, ich bin David Novell aus Leipzig. Ich schreibe und produziere Genre-offene Songs mit Fokus auf Hip Hop und Experimental Pop. In meiner Musik teile ich unter anderem meine Erfahrungen als nicht-binäre Person. Ich spreche auch über gesellschaftskritische und politische Perspektiven, verstehe aber meine Texte und Musik nicht dezidiert als Polit-Content. Humor und Ernst sind für mich keine Gegensätze, sondern gehören zusammen. Ich stehe für einen starken künstlerischen Ansatz und die Dekonstruktion von binärem Denken. Mit dem ganzen oberflächlichen Industrie-Müll kann ich nichts anfangen. Musik ist Kunst und braucht Zeit, um zu reifen. Also folgt mir gerne, um meine Arbeit nicht zu verpassen!