How to mansplain Feminism

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„Warum Feminismus scheitert“ – Parabelritters Video missversteht Männer als Opfer. Johanna & Claire dröseln das auf.

2021 wurden vom Bundeskriminalamt der Bundesrepublik Deutschland insgesamt 7.417 sexuelle Belästigungen nach Paragraph § 184i StGB erfasst. Davon wurden 7.248 Straftaten von männlich gelesenen Personen verübt und 169 Straftaten von weiblich gelesenen Personen. Zahlen, die der YouTuber Alexander Prinz, auch bekannt als „Der Dunkle Parabelritter“, in seinem Video „Warum Feminismus scheitert!“ nicht erwähnt. Generell finden FLINTA* – Personen überraschend wenig Erwähnung in dem Video, das sich dem Titel und Thumbnail zufolge ganz um das Thema Feminismus drehen soll – stattdessen spricht er 19 Minuten und 24 Sekunden über Männer. Männer, die Opfer der Unterdrückung des Patriarchats seien, Männer, die deshalb nichts für ihre Handlungen könnten, Männer, die Angst davor haben müssten ihre Meinung zu äußern und so weiter. Mit bewundernswerter Leichtfertigkeit schafft Prinz es, an dem Inhalt eines Themas (Feminismus) vorbeizureden.

Prinz produziert seit 2012 Videos für seinen Kanal “ Der Dunkle Parabelritter “. Bis 2021 veröffentlichte er dort Videos zum Musikgenre Metal und allem drum herum. Seitdem spricht er in seinen Videos über politische und gesellschaftskritische Themen. Am 06.12.2022 veröffentlichte er ein Video mit dem Titel “ Warum Feminismus scheitert!”.

Zuerst sollte die Richtige Definition des Wortes “Patriarchat” geklärt werden, wobei es sich nicht, wie fälschlicherweise vom Dunklen Parabelritter angenommen, um eine ausschließliche Ausübung der Macht durch “Vaterfiguren” und Männern in Machtpositionen handelt. Zwar ist der Ursprung des Wortes auf beschriebene Machtpositionen zurückzuführen, doch hat sich die Bedeutung seit den alten Griechen weiterentwickelt: der heute gängige feministische Patriarchatsbegriff “beschreibt dabei das System, das von Männern für Männer gemacht wurde und wird”, so Ulla Scharfenberg in ihrem Feministischen Blog “Der Hase im Pfeffer”. Weiter beschreibt sie treffend: “Das Patriarchat umfasst alle Normen und Wertvorstellungen unserer Gesellschaft, die die Vormachtstellung des Mannes aufrechterhalten und schützen. Dabei sind im Patriarchat alle benachteiligt, die vom cis männlichen, heterosexuellen Ideal abweichen, also längst nicht nur Frauen!”. Dass nicht auch weiße heterosexuelle cis Männer unter dem Patriarchat leiden, bestreitet weder sie, noch andere moderne Feminist*innen. Doch, dass Männer vom Patriarchat ebenso unterdrückt würden wie Frauen, ist, auch wenn Laurie Penny das in ihrer 2015 veröffentlichten Arbeit “Feminismus: Die Befreiung der Männer” schreibt, nicht richtig. Denn die Gender Pay Gap oder die Statistiken zu sexueller Belästigung und Vergewaltigung sind nicht frei erfunden. Auch im Jahr 2023 arbeiten weniger FLINTA*-Personen in Machtpositionen als Männer. Mehr Frauen arbeiten in Care-Berufen und werden dementsprechend schlechter bezahlt. Es ist leider nicht nur ein Reddit-Witz, dass es 2017 mehr Bürgermeister mit dem Vornamen Thomas in deutschen Großstädten gab als Bürgermeisterinnen*. Das Patriarchat wurde von Männern gemacht und wird auch heute von ihnen aufrechterhalten.
Auch scheint Prinz das Konzept des modernen Feminismus nicht verstanden zu haben. In mehreren Abschnitten des Videos nennt er Aussagen und Argumente, die er im weiteren Verlauf zu widerlegen gedenkt. Dabei benennt er aber die Personen, die diese Aussagen getätigt haben sollen, nicht. Da dieses Video nun “Warum Feminismus scheitert!” heißt, liegt es nahe, dass er diese Aussagen dem Feminismus oder den Feminist*innen in den Mund legt. Für den Kontext hier kurz die Definition von Feminismus des Dudens: “Oberbegriff für verschiedene Strömungen, die sich für die Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Freiheit aller Geschlechter, v. a. von Frauen, und gegen Sexismus einsetzen, z. B. durch das Anstreben einer grundlegenden Veränderung gesellschaftlicher Normen (z. B. der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur”. Feminismus will Gleichberechtigung. Dass männlich gelesene Personen nicht auch unter dem Patriarchat leiden, ist im modernen Feminismus mittlerweile common sense. Ebenso unterstützt die feministische Bewegung Aussagen wie, dass Männer von Natur aus gefährlich seien und unabwendbar Täter seien, wie Prinz es in besagtem Video behauptet, nicht. Keine männlich gelesene Person ist von Geburt an “Täter”; zu einem*r Täter*in wird man durch Handlungen. Und das erkennt der Feminismus an. Männer werden zu Tätern, wenn sie andere Personen belästigen, unterdrücken und Schaden zufügen. Niemand ist von Geburt an Täter*in. Bei Feminismus geht es nicht, wie von dem Dunklen Parabelritter beschrieben, um eine Umerziehung der Männer, bei der sie nicht mitsprechen dürften und jedes “kleine bisschen Mann sein herausgelöscht werden” müsse. Es geht um FLINTA*-Personen und ihre Rechte.
“Wenn du pauschal die Hälfte der Gesellschaft zu Tyrannen erklärst, bist du ein Sexist”, sagt Prinz im weiteren Verlauf des Videos. Abgesehen davon, dass dies kaum eine*r tut, ist auch diese Definition von Sexismus inkorrekt. Laut Duden ist die korrekte Definition die “Vorstellung, nach der ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die
(daher für gerechtfertigte gehaltene) Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteilung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts”.

In dem gesamten Video spricht Prinz Männern immer wieder eine Opferrolle zu, die sehr kritisch zu betrachten ist. Durch Aussagen wie “die meisten Männer wissen noch nicht mal, dass es sie krank macht, dass sie fremdbestimmt sind”, wenn er über toxisches männliches Verhalten spricht, nimmt er den Männern die Verantwortung für ihre Taten und Handlungen. Zwar sind Männer ebenfalls Opfer von Rollenbildern und leiden bestimmt sehr unter dem ihrem Geschlecht zugewiesenen Stereotypen, doch sind sie genauso entscheidungsfähig wie alle anderen (Geschlechter) auch und dementsprechend auch selber verantwortlich. Man(n) kann nicht das “Verhalten gegenüber anderen Männern, gegenüber Frauen” oder den sehr interessanten Fakt, dass Männer ihren Stress nach Außen kanalisieren würden und das zu Gewalt führen würde, mit der toxischen Wirkung der gesellschaftlichen Normen auf Männer entschuldigen, wie es der Parabelritter tut.
Dazu verbreitet er schwerwiegende Falschinformationen. Angeblich würden Männer umerzogen werden, wobei sie nicht mitsprechen dürften, erklärt er seinen Fans, wobei er sich höchstwahrscheinlich mal wieder auf “den Feminismus“ bezieht. “Jedes kleine bisschen Mann sein [muss] ausgelöscht werden“, zitiert Prinz (ohne Quellenangabe). Falsche Definition von Aktivismus, Extremismus und Sexismus folgen, wodurch ein hetzerisches Bild gegen “den Feminismus“ geprägt wird. Auch Laurie Penny missinterpretiert Prinz: in seinem Video, das ja eigentlich alles erklären soll, lässt er nur leider Zitate wie “Ziel des Feminismus ist ja nicht nur, dass sich Frauen von Männern emanzipieren, sondern dass sich alle Menschen aus der Zwangsjacke geschlechtsspezifischer Unterdrückung befreien” oder “Frauen merken, dass Männer sie schon von ihrer Erziehung her nicht als Individuen betrachten, sondern als Kategorie, als soziales Problem, das es zu lösen gilt. Wenn Männer merken, dass Frauen sie genauso sehen – als feindliches Terrain –, reagieren sie häufig verletzt und zornig” aus. Letzteres beschreibt das Verhalten des Youtubers erschreckend treffend.
Bei seinen teilweise angeführten Quellen lässt er auch gerne ausschlaggebende Informationen weg: Das Magazin “Men’s Health” reproduziert, wie vom “Parabelritter” treffend gesagt, männliche Schönheitsideale. Dabei ist jedoch der Verantwortliche für die Inhalte gemäß § 18 Abs. 2 MStV, der Director Digital Ulrich Dehne – kurz gesagt ein Mann. Hier reproduzieren Männer Schönheitsideale über Männer und für Männer.

Durch den Titel des Videos könnte suggeriert werden, dass der Inhalt desselben sich mit dem Thema Feminismus kritisch auseinandersetzt. Doch im Verlauf besagten Videos wird deutlich, dass es lediglich der inkompetente Hilfeschrei eines weißen Mannes ist, der seine Privilegien nicht checkt. Eine Antwort auf die Frage, weshalb der Feminismus nun scheitern würde, erhält die zuschauende Person nicht, dafür aber ein beachtliches Maß an „Argumenten“, frei nach der Definition des Dunklen Parabelritters selbst. Mit seinem in höchstem Maße eingeschränkten Blick auf die „Probleme der Männer“ gelingt es ihm diese als gleichwertig denen der feministischen Bewegung zu setzen – ein wunderbares Beispiel für den sogenannten whataboutism. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass eigentlich alle Punkte, die der Feminismus kritisiert in diesem Video zusammengefasst dargestellt werden: mansplaining, Diskriminierung (auch anderer nicht weißer, cis-Männlicher Personengruppen), Diskreditierung, Sexismus und natürlich auch Unterdrückung der FLINTA*. Kurz gesagt, diese 19 Minuten sind ein großes Argument, weshalb Feminismus auch heute noch dringend notwendig ist.
Da Meinungsfreiheit herrscht, darf jede*r über jedes Thema sprechen. Mensch sollte sich nur gut überlegen, ob Mensch eine Qualifikation hat, um über betreffendes Thema zu reden. Falls Mensch diese nicht hat, wird Mensch nahegelegt, betroffene und qualifizierte Personen über das Thema sprechen zu lassen. Niemand wird in die “repressive, in die politisch rechte Ecke gestellt”, wenn sie sagt, dass Männer auch Opfer sind (an dieser Stelle wurde bewusst das generische Femininum verwendet). In die Antifeministische Ecke wird gestellt, wer Männern die gleichwertige Opferrolle wie FLINTA*s zuspricht, wer die Ideologie Maskulinität vertritt, wer ein Video dreht und es “Warum Feminismus scheitert!” nennt.

Hi, mein Name ist Claire (geb. 2003) und meine Pronomen sind sie/ihr. Mein Ziel ist es, nach meinem Studium als Journalistin zu arbeiten. Ich bin Feministin und Antifaschistin und freue mich daher sehr für meinTestgelaende schreiben zu dürfen. Gleichzeitig diskutiere ich sehr gerne und freue mich auch immer über konstruktive Kommentare zu meinen Texten und trete da sehr gerne in den Diskurs :)