Querpässe gegen Homophobie im Fußball

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Heute ist IDAHOBIT (Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter* und Trans*Feindlichkeit). Viele Fußballvereine zeigen heute die Regenbogenflagge auf ihren Social Media Accounts, geoutet hat sich aber noch kein aktiver Profifußballer in Deutschland. Johanna-Maria hat ihre Gedanken dazu für uns aufgeschrieben.

Ein Coming-out ist immer ungewiss. Im Zentrum die Fragen: Wie werden meine Freunde reagieren? Was sagen meine Eltern dazu? Was macht das mit mir? Für viele Sportlerinnen und Sportler, besonders männliche Fußballer, hat ein Coming-out oft noch drastischere Konsequenzen. Sie fragen sich häufig: Werde ich dadurch meine Arbeit verlieren und einer gescheiterten Existenz gegenüberstehen?

Mit dem Outing des tschechische Fußballnationalspielers Jakub Jankto 2023 kam eine Bewegung ins Rollen, die nun auch in Deutschland angekommen zu sein scheint. In einem Land, in dem sich lange Zeit kein aktiver deutscher Fußballspieler geoutet hat, nehmen Thomas Hitzlsperger, Lucas Krzikalla und Marcus Urban eine Vorbildfunktion ein. Sie machten ihre Homosexualität öffentlich und gestanden, dem Verstecken – sich verstellen, leiden, klein machen, lügen zu müssen – endlich ein Ende setzen zu wollen.

Indem die Sexualität der Spieler zukünftig an einem Tag – dem 17. Mai – in den Vordergrund rückt, wird nicht nur deutlich, wie wichtig dieser Tag des Outings im Leben vieler ist, sondern auch, wie unwichtig die Sexualität im Sport zuvor immer war. Dass sowohl das Wissen als auch das Unwissen über die Sexualität der Spieler aber genauso keinerlei Auswirkungen auf sportliche Parameter hat, weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft.

Nicht die Spieler, die sich outen wollen, sollten sich fürchten müssen, sondern die Vereine, Zuschauer und Vorsitzenden, die diese Männer wegen ihrer Sexualität diskriminieren.

Der 17. Mai ist der Tag gegen Homophobie, angelehnt an den § 175 StGB, der über 24 Jahre sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte und ihre Verfolgung ermöglichte. Dieser Tag soll, vom schwulen-Jugendnationalspieler Marcus Urban initiiert, Mut machender Anlass für andere Fußballer sein, sich öffentlich in Gruppen zu outen. Damit spiegelt die Aktion etwas wieder, was derzeit auch schnell falsch verstanden werden kann: Dass Toleranz ein Trend ist, der an einem Tag im Monat auf seine Gültigkeit geprüft werden soll.

Was es braucht sind Vereine, die ihre Spieler im Spiel und Können unterstützen, nicht wegen oder trotz ihrer sexuellen Orientierung, Hautfarbe oder Religion, unterstützen, um tolerant wirken zu können. Sie müssen es auch leben und dabei verstehen, dass dieser Wandel im Fußball nicht leicht sein wird, stellt Fußball doch einen traditionsreichen, geschichtsträchtigen und besonders emotionalen Sport dar, in dem auch manch Freunde zu Feinden mutieren können. Es braucht vertrauliche Ansprechpartner, an die sich Fußballer anonym wenden können. Hier spielt die Kampagne von Benjamin Näßler eine große Rolle, die sich eine Erweiterung von Gesprächsangeboten durch Plakate für schwule Spieler zum Ziel gesetzt hat. Und zuletzt benötigt es eine Solidarisierung unter den Fußballern deutschlandweit, die signalisiert, dass Homosexualität akzeptiert wird und gegen Anfeindungen gemeinschaftlich vorgehen. Denn wer als die Spieler selbst haben es mehr in der Hand, den Diskurs über die Thematik zu lenken und anderen – Zuschauern, Trainern, Vorsitzenden, ein Vorbild zu sein? Betroffenen Spielern Sicherheit und Verständnis entgegenzubringen? Zu bestimmen, was toleriert wird und was eine Grenze überschreitet? Und dass immer die Gemeinschaft und der Sport im Vordergrund steht und die Tatsache, dass man sich wohlfühlen darf und soll für das, was und wer man ist. Quasi Querpässe von einem Spieler zum anderen, die keinen Platz für gegnerisches Einschreiten bieten und es ermöglichen, die Geschwindigkeit des Spieltempos zu kontrollieren.

Hi, mein Name ist Johanna-Maria und ich habe ein Faible für Bücher und Literatur. In meiner Freizeit lese und tanze ich gern, auch der Kraftsport hat es mir angetan. Ich liebe es, meine Gedanken auf Papier zu bringen und hoffe, dass ich mit meinen Texten ein wenig Inspiration geben und zum Nachdenken anregen kann. Das Schaffen einer gerechteren Gesellschaft genießt für mich höchste Priorität; deshalb bin ich hier.