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	<title>Gewalt &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Gewalt &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<item>
		<title>Ich wollte dir nur sagen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/08/16095/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophie]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Aug 2024 07:31:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Es hat gedauert bis Sophie wieder mit der S-Bahn zur Uni fahren konnte. Warum lest ihr in ihrem Text. Lieber Mann, Mitte dreißig, dunkelgrauer Jogginganzug in der S-Bahn zur Uni. Eigentlich nehme ich die S-Bahn zur Uni gerne. Ich mag es, die Zeit zum Lesen zu nutzen oder noch schnell eine Übungsaufgabe für das kommende]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es hat gedauert bis Sophie wieder mit der S-Bahn zur Uni fahren konnte. Warum lest ihr in ihrem Text.</strong><span id="more-16095"></span></p>
<p>Lieber Mann, Mitte dreißig, dunkelgrauer Jogginganzug in der S-Bahn zur Uni.<br />
Eigentlich nehme ich die S-Bahn zur Uni gerne. Ich mag es, die Zeit zum Lesen zu nutzen oder noch schnell eine Übungsaufgabe für das kommende Seminar zu lösen. Manchmal treffe ich Kommilitonen und verquatsche mich oder ich schlafe einfach noch die halbe Stunde.<br />
So viele Menschen nehmen die S-Bahn jeden Tag und trotzdem musste ich auf dich treffen.<br />
Der Platz neben dir war frei – eigentlich denkt man sich nichts dabei, warum auch, es ist ja noch nie etwas passiert. Warum sollte gerade mir etwas passieren? Ich lasse mich nicht leicht aus der Fassung bringen. Außerdem sind hier noch andere Leute und es ist hell. Und trotzdem ist es passiert und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es okay ist. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht darüber nachdenke. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht mehrere Monate gebraucht habe, um wieder genau diese S-Bahn-Strecke zu fahren.<br />
Aber das ist nicht der Grund aus dem ich Schreibe.<br />
Ich wollte dir nur sagen, dass ich weiß, dass ich nichts falsch gemacht habe. Ich wollte dir nur sagen, dass du vielleicht dachtest, dass du so mit mir umzugehen kannst, aber das kannst du nicht. Ich wollte dir nur sagen, dass ich gerne mit der S-Bahn zur Uni fahre und dabei mit meinen Freund*Innen rede, die letzte Nachricht meines Crushs beantworte, meiner Familie einen schönen Tag wünsche und mich zum Mittag verabrede, die Lektüre zur nächsten Veranstaltung lese, leicht panisch das neue 49€-Ticket in der App herunterlade, weil es schon wieder ein neuer Monat ist und der Kontrolleur vor mir steht und auch, dass ich mich gerne neben Menschen setze, die ich nicht kenne. Ich wollte dir nur sagen, dass es ein wenig Zeit gebraucht hat, aber ich jetzt stärker bin als davor.<br />
Sophia</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Von Männern zum Tode verurteilt. Das System: &#8222;Femizid&#8220;</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/05/von-maennern-zum-tode-verurteilt-das-system-femizid/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 May 2023 08:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Femizid]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[MeinTestgelände Autor Tom schreibt darüber, wie die Femizide in Filmen mit denen im echten Leben zusammenhängen. [TW: Gewalt an Frauen*]. „Ich werde die Straßen von diesen Nutten befreien und keiner wird mich davon abhalten“, ist nicht nur ein absolut frauenverachtender Satz, sondern ein Zitat des Serienmörders Saeed aus dem Film „Holy spider“, der aktuell in]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>MeinTestgelände Autor Tom schreibt darüber, wie die Femizide in Filmen mit denen im echten Leben zusammenhängen. [TW: Gewalt an Frauen*].</strong><span id="more-15473"></span></p>
<p>„Ich werde die Straßen von diesen Nutten befreien und keiner wird mich davon abhalten“, ist nicht nur ein absolut frauenverachtender Satz, sondern ein Zitat des Serienmörders Saeed aus dem Film „Holy spider“, der aktuell in den Kinos läuft.<br />
Saeed legitimiert seine Morde. Und zahlreiche Männer und von Männern abhängige Frauen schützen ihn. „Ich hab gehört, es geht ihm nur um sittenlose Frauen“, heißt es in einer Szene, in der der Mörder sich bei der Schlange vor der Bäckerei über die sogenannten Spinnenmorde umhört, die die Bewohner:innen der Pilgerstadt Mashhad im Nordosten des Irans in Aufruhr versetzen. Bis dahin hat Saeed 12 Frauen getötet. Er gibt sich als potenzieller Freier aus und bringt sie nachts an einem bestimmten Ort der Stadt auf seinem Moped in die Wohnung seiner Familie. Saeed ist verheiratet, Familienvater zweier Kinder und begeht in Unwissenheit seiner Familie die Morde. In der Wohnung angekommen gibt er den Frauen, die sich aus Gründen von Armut und Abhängigkeiten zwangsprostituieren, das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen. Er bietet ihnen frisches Obst an und zeigt ihnen, wo sie sich im Bad sauber machen können. Es wird ein Bild von Frauen gezeichnet, die die Zwangsprostitution als allerletztes Mittel sehen, um sich und teilweise ihre Kinder über die Runden zu bringen und körperlich geschändet, wie auch seelisch geschädigt am seidenen Faden ihres Lebens hängen. Als die Frauen sich ein Stück weit in Sicherheit wiegen, erwürgt oder erdrosselt Saeed sie. Dabei nutzt er seine körperliche Überlegenheit maximal aus. Nach dem Mord schnürt er seine Opfer in einem Sack zusammen und wirft sie dann an einem bestimmten Ort ab, wo er, wie er sagt, auch die anderen Frauen „entsorgt“ hat. Am Tag darauf ruft er einen Journalisten an, um das Rampenlicht für seine Morde auf sich zu ziehen und zeigt diesem seine Wut, wenn nicht genug über ihn berichtet wird.<br />
Saeed ist ein Mörder, der gesehen und gefeiert werden will für seine Taten. Er sieht sich als Held und Auserwählten Gottes. In „Holy Spider“ sagt er selbst: „Gott hat mich doch nicht nur erschaffen, damit ich in meinem Leben nicht nur ein einfacher Zimmermann bleibe.“ Er fühlt sich berufen dazu und wird von dem iranisch-dänischen Filmemacher Ali Abbasi als angespannten und fragilen Mann dargestellt, der in seinem parallel geführten Alltag als religiös und konservativ sozialisierter Familienvater selbst in strenger Beobachtung seines Schwiegervaters steckt.<br />
Aufgedeckt werden seine Morde durch die Journalistin Rahimi, die für die Recherche ihre körperliche Unversehrtheit mehrmals riskiert. Aus Teheran kommt sie in die Stadt Mashhad und nimmt sich dort ein Hotelzimmer. Als der Mann an der Rezeption sieht, dass sie alleine unterwegs ist, will er ihr das Zimmer nicht vermieten, bis sie ihm ihren Presseausweis zeigt.&#8220;Wenn Sie bitte Ihre Haare bedecken würden?&#8220;, sagt der Mann zu ihr. &#8222;Das ist meine Sache&#8220;, antwortet die Journalistin &#8222;Aber die Sittenpolizei&#8230;&#8220;, entgegnet der Mann.<br />
Beim Interview mit dem Polizisten Rostami wird sie nicht ernst genommen. Rostami nimmt den Fall gelassen und tut wenig dafür, den Frauenmörder zu fassen. Als Rostami sie später im ihrem Hotelzimmer besucht, sexualisiert er die Journalistin. Sie macht ihm mehrmals deutlich, den Fokus des Gespräches auf den Fall lassen. Rostami hat anderes im Sinne. Er belästigt sie sexuell und spricht Drohungen aus, die seine Macht ihr gegenüber widerspiegeln. Der Mann aus der Justiz blockiert ebenfalls ihre Recherche: „Sie glauben, dass wir hinter verschlossen Türen konspirieren. Ich kann ihnen nur raten, vorsichtig zu sein. Ganz besonders in der heiligen Stadt Mashhad.“ Und selbst ihr Kollege, der Journalist, der die Anrufe des Mörders empfängt, rät ihr mehrmals von diesem Fall ab. Im Porträt der Journalistin kommt immer wieder heraus, dass sie sich selbst „sittenlos“ verhalten habe, was ihre Recherchen erschwert und sie in das Radar des Mörders bringt. Als angestellte Redakteurin in Teheran wurde sie von ihrem Chefredakteur selbst belästigt, hat diesen Versuch abgeblockt und daraufhin ihren Job und ihren Status verloren.<br />
Um die Frauenmorde des Spinnenmörders aufzudecken, gibt sie sich selbst als Zwangsprostituierte aus. Saeed schafft es, sie zu sich in die Wohnung zu bringen. Bei seinem Versuch, sie zu ermorden, kann Rahimi fliehen, ihn daraufhin anzeigen und einen Tag später die Verhaftung des Spinnenmörders durchsetzen.<br />
Ab diesem Punkt im Film wird die Macht des Systems „Femizid“ noch sichtbarer. Seine Familie steht hinter ihm. Sein Schwiegervater versucht als mächtiger Mann in der Gesellschaft mittels seiner Kontakte den Mord offiziell legitimieren zu lassen. Und selbst einige Bürger:innen der Stadt Mashhad demonstrieren für seine Freilassung.Das Selbstbild des Frauenmörders wird durch die Anhänger:innen gestärkt und die Reue für seine Taten im Keim erstickt. Saeed befürchtet keine Strafen und wartet auf seinen offiziellen Freispruch. Selbst wenn er sterben würde, wird jemand anders seine Taten fortsetzen. Vielleicht sogar sein eigener Sohn, der in der letzten Szene des Films am Beispiel seiner kleineren Schwester zeigt, wie sein Vater die Frauen außer Gefecht gesetzt und ermordet hat.<br />
Der Film „Holy Spider“ ist inspiriert von der realen Mordserie der Spinnenmörders Anfang der 2000er Jahre und soll, wie der Regiesseur Ali Abbasi im Interview der Tageszeitung TAZ erklärt, (seine) Wut transportieren. Wut über die Generationen „tief verwurzelte Scheinheiligkeit und Misogynie der iranischen Gesellschaft und wie sich das Regime dieses zunutze macht.“ Holy Spider wurde in Jordanien gedreht, da das Ministerium für Kultur und islamische Führung den Drehort im Iran nicht genehmigt hat.<br />
Seit dem 16. September 2022 entlädt sich die Wut vieler FLINTA und Allys mit den Worten „Jin, Jiyan, Azadi“ (auf Deutsch übersetzt: „Frau, Freiheit, Leben“) über ein frauenverachtendes System mit dem Funken der tödlichen Gewalt der Sittenpolizei an Jina Mahsa Amini auf der Straße. Kopftücher brennen. Das Regime versucht die landesweiten Proteste zu unterdrücken. Die Polizei geht gewaltsam gegen Demonstrierende vor. Menschen sterben. Journalist:innen aus der ganzen Welt wird die Berichterstattung erschwert, das Internet wird eingeschränkt. Am 09.01.23 berichtet die Deutsche Welle, dass nach Angaben der Nachrichtenwebsite der iranischen Justizbehörde „Misan“ 17 Menschen in letzter Instanz wegen „Kriegs gegen Gott“ zum Tode verurteilt werden.<br />
Der Tod von Jina Masha Amini war kein Einzelfall im Iran und kein Einzelfall auf dieser Welt. Ein Mord an Frauen, begangen und legitimiert von Männern, die vermeintlich die Ehre in der Familie oder in der Gesellschaft herstellen wollen, ist kein Einzelfall. Femizide werden systematisch geplant, vollzogen und verharmlost. Jeden Tag wird laut Statistischem Bundesamt in Deutschland ein Tötungsversuch an einer Frau registriert. Jeden dritten Tag wird eine Frau durch ihren Mann oder Ex-Mann getötet. Frauenverachtende Hassverbrechen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Scham</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/04/15433/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Apr 2023 13:33:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Scham]]></category>
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					<description><![CDATA[Lina schämt sich. Für ganz schön viel… Aber für eins ganz sicher nicht! [CN: sexualisierte Gewalt] Mir ist aufgefallen, dass ich eine unfassbare Schambehaftete Person bin. In vielen Kontexten schäme ich mich für meine pure Existenz: Ich habe in der 5. Klasse mal erzählt ich hätte 20 Vornamen, weil ich dachte das wird mich richtig]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lina schämt sich. Für ganz schön viel… Aber für eins ganz sicher nicht! [CN: sexualisierte Gewalt]</strong> <span id="more-15433"></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Mir ist aufgefallen, dass ich eine unfassbare Schambehaftete Person bin. In vielen Kontexten schäme ich mich für meine pure Existenz:</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ich habe in der 5. Klasse mal erzählt ich hätte 20 Vornamen, weil ich dachte das wird mich richtig cool machen. Spoiler Alert: hat es nicht. Ich bin mir auch nicht sicher wie ich mir das vorgestellt habe: Woah Lina, ich finde dich echt peinlich aber jetzt da ich weiß, dass du außerdem noch Christoph, Maria und Herbst heißt, will ich dich unbedingt in die Gruppe das coole Aufnehmen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ich habe mich unfassbar dafür geschämt. Dass mich meine Mutter losgeschickt hat zum Klopapier kaufen, denn mich hätte ja jemand aus der Schule sehen können. Und dann hätten sie gewusst, dass ich auch, also ich meine, dass ich, auf Toilette gehe.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Im Sommer hatte ich immer zwei Ansätze, punkt 1: ich ziehe mich zu warm an und schäme mich für die menschliche Reaktion des Schwitzens oder punkt 2: ich ziehe mich Hitzegerecht an und schäme mich für meinen Körper. Es hat 20 Jahre gebraucht um zu begreifen, dass sich viele Menschen nicht für ihren Körper, sondern ihren Charakter schämen sollten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Kind fand ich es so peinlich einen Helm beim Fahrradfahren aufzusetzen. Es hätte ja meine Frisur die Mama gemacht hat in dem sie mir einen Topf aufgesetzt hat und rumgeschnitten hat kaputt gehen können. Richtig armselig war das unter Kindern, wenn dir dein Leben wichtiger als deine Frisur war.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Meine Oma hat letztens gesagt sie wünscht sich zu Weihnachten nichts anderes, als dass ich glücklich bin. Und ich dachte nur so – scheiße Hannelore, hättest du dir nicht eine Fritteuse oder so wünschen können? Ich schäme mich, dass ich meine Großeltern zu wenig besuche.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ich bin der festen Überzeugung, dass das Leben nur auf so lange ausgelegt ist, dass wir immer wieder etwas Neues zum Schämen haben. Momentan kann ich mich wenigstens nur erinnern. In 10 Jahren kann ich auch noch die Chatverläufe von meinen Fehltritten lesen, da muss ich dann definitiv austeigen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Was ist das mit Menschen, Pflanzen bekommen in ihrem Leben Blüten und leckere Früchte, süße Tiere bekommen süßere Babies und wir bekommen Existenzängste und Rückenschmerzen. Überlegene Art – ich weiß ja nicht.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Heutzutage schäme ich mich dafür, wenn der Postbote um 9 kommt, und ich bin noch in eine Decke gewickelt, oder um 11 oder 14 Uhr, oh man ich bin halt Student, es tut mir leid</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ich habe mich dafür geschämt, wenn meine Mutter mich zum Toilettenpapier holen – Lina das wissen wir schon – ich schäme mich, wenn mich jemand darauf hinweist, dass ich eine Geschichte schon erzählt habe. Irgendwann werden sie merken, dass ich nur ein Konstrukt aus 3 wechselnden Geschichten bin und Geschichten was ich letztens gegessen habe. </span></p>
<p><span style="color: #000000;">Mir ist letztens aufgefallen, dass ich die Zeilen von jedem einzelnen Culcha Candela Song kenne. Wie ich eine Lampe anschließe? Nein. Steuererklärung? Nein. H-a doppel m-er hamma yeah. Wie sehr bin ich darauf abgegangen und dachte so coole Musik wird nie wieder geschrieben und am Ende war das:</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Eiskalt<br />
Step ich im Club mit meinen Jungs<br />
Eiskalt<br />
Alles gefriert um uns herum</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Eiskalt<br />
Tau mich auf Girl, ich will&#8217;s sehn<br />
Eiskalt<br />
Kann ich deiner Hitze wiederstehn</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ah – ah Eiskalt</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #000000;">Mit Mitte 20 haben wir glaube ich alle einen Ex für den wir uns schämen und nicht wissen wie wir mit so jemanden zusammen sein konnten, aber hey jemand ist auch aktuell mit Mark Foster zusammen? Ich finde da haben wir nicht so sehr verkackt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Mittlerweile habe ich gelernt, dass ich mich nicht für meinen Körper schämen muss oder den Raum den ich einnehme. Das ich mich nicht schämen muss meine Meinung zu sagen und dass ich One Direction hören kann so viel ich möchte. Die Scham wurde mir von außen wie eine Weste aufgelegt und ich finde Westen unnötig, denn wenn ich friere dann an den Armen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Und gerade für diese eine Sache kann ich mich nicht schämen. Ich schäme mich nicht in den Urlaub gefahren zu sein. Ich schäme mich nicht in diesem Wellness Hotel meinen Körper in einen Badeanzug gesteckt zu haben. Ich schäme mich nicht eine Massage gebucht zu haben. Ich schäme mich nicht, dass ich nicht wusste wie Massagen ablaufen. Ich schäme mich nicht, dass du ohne zu fragen meine Unterhose ausgezogen hast und gemacht hast was du wolltest.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Nur weil mir manchmal der Respekt vor meinem Körper fehlt, heißt das nicht, dass du respektlos mit meinem Körper umgehen kannst. </span></p>
<p><span style="color: #000000;">Das einzige über, dass ich mich dabei schäme ist, dass ich dachte mir könnte sowas nicht passieren. Das der erste Gedanke daran ging mich zu fragen was ich falsch gemacht habe. Ich dachte ich bin stark und sag was ich will und ich sage nein. Ich habe nichts gesagt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ich bin ein unfassbar schambehafteter Mensch, aber dafür darf ich mich nicht schämen. Ich stehe täglich auf einer Bühne und ich muss darüber reden. Ich muss Aussage um Aussage machen um solche Taten zu verhindern oder betroffenen Mut zu geben. Mir wurde diese Bühne gegeben um mich nicht zu verstecken.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ich schäme mich nicht Betroffen zu sein und ich schäme mich nicht, dass euch gesagt zu haben. </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wimpernschlag</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/02/wimpernschlag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2023 15:43:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[One Billion Rising]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute ist nicht nur Valentinstag, heute ist auch One Billion Rising. Am Tag der Liebe soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass jede dritte Frau weltweit Gewalt erfahren hat. Dazu präsentieren wir euch heute den Poetry Slam Text &#8222;Wimpernschlag&#8220; von Abdul und Lisa. Mehr von Lisa und Abdul findet ihr u. a. auf ihren Instagram Kanälen:]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute ist nicht nur Valentinstag, heute ist auch One Billion Rising. Am Tag der Liebe soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass jede dritte Frau weltweit Gewalt erfahren hat. Dazu präsentieren wir euch heute den Poetry Slam Text &#8222;Wimpernschlag&#8220; von Abdul und Lisa.</strong><span id="more-15313"></span></p>
<p>Mehr von Lisa und Abdul findet ihr u. a. auf ihren Instagram Kanälen:</p>
<p><a href="https://www.instagram.com/lisa.bruexk/">https://www.instagram.com/lisa.bruexk/</a> &amp; <a href="https://www.instagram.com/ak.chahin/">https://www.instagram.com/ak.chahin/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Alltägliche Transfeindlichkeit – eine kurze Reise in das Leben von FaulenzA</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/12/alltaegliche-transfeindlichkeit-eine-kurze-reise-in-das-leben-von-faulenza/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FaulenzA]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Dec 2022 13:35:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Transfeindlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[TW Gewalt gegen Menschen: Vielleicht sollten all die Trans*-Hater*innen sich mal diesen Alltagbericht von FaulenzA durchlesen &#8211; was es bedeutet, als trans* Person vor die Tür zu gehen, selbst im vielfältigen Berlin: angepöbelt &#8211; erniedrigt, mit Gewalt bedroht. Und für uns Allies zeigt sich, wie wichtig Solidarität mit allen, die von sexistischen Übergriffen bedroht sind,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>TW Gewalt gegen Menschen:</strong><br />
<strong>Vielleicht sollten all die Trans*-Hater*innen sich mal diesen Alltagbericht von FaulenzA durchlesen &#8211; was es bedeutet, als trans* Person vor die Tür zu gehen, selbst im vielfältigen Berlin: angepöbelt &#8211; erniedrigt, mit Gewalt bedroht. Und für uns Allies zeigt sich, wie wichtig Solidarität mit allen, die von sexistischen Übergriffen bedroht sind, ist: immer und überall.</strong><span id="more-15181"></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">In den letzten Tagen haben sich wieder mehrere transfeindliche Vorfälle in meinem Leben gehäuft. Und nach dem letzten, liegt mein dickes Fell mal wieder zerfetzt am Boden rum. Vielleicht tut es mir gut das mit euch zu teilen? Also, gestern habe ich Straßenmusik mit Akkordeon am Ostkreuz gespielt. Und da fuhren zwei Männer mit E-Rollern an mir vorbei. Und der eine rief mir laut zu: &#8222;Transfrauen sind Männer!&#8220;. Dann sind sie schnell weitergedüst. Ich habe ihnen noch was hinterhergerufen, was ich hier nicht wiedergeben mag^^. Das tat einerseits gut, weil meistens traue ich mich in solchen Momenten nicht etwas zu sagen, aber andererseits hatte ich auch Angst, dass meine Reaktion die beiden Männer ermuntert zurückzukommen. Das taten die zum Glück nicht. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Die zweite Situation hatte ich abends auf dem Weg zu einer Party. Plötzlich holte mich eine Gruppe von sechs Männern ein. Einer fragte mich &#8222;Bist du Junge oder Mädchen?&#8220;, ein anderer sagte &#8222;Blas mir einen!&#8220;. Wieder ein anderer sagte den ableistischen Standardspruch: &#8222;Ritzi Ritzi Aua aua. Gib mir deine Emopower&#8220;. Ich hab meine Schritte beschleunigt und war sehr erleichtert, dass sie mir nicht mehr lange hinterherliefen. Die Situation habe ich als sehr bedrohlich wahrgenommen und war noch ganz zittrig als ich auf der Party angekommen bin. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Mein dritter transfeindlicher Vorfall aus der letzten Woche ist mir auch beim Straßenmusik machen passiert. Bei dieser Tätigkeit bin ich anscheinend besonders angreifbar, denn fast jedes mal habe ich mindestens eine unangenehme Begegnung wenn ich schnorre oder Akkordeon spiele. Da kam ein Typ, der mir was in den Becher geschmissen hat und dann bei mir und einer Freundin, die mit mir geschnorrt hat, stehen geblieben ist. Ich hab mein Lied weitergespielt, aber der Mann wollte unbedingt mit mir reden. Als ich nicht darauf eingegangen bin und weiter Akkordeon gespielt hab, wurde er sehr unfreundlich. Ich meinte: &#8222;Entschuldigung, ich bin Sängerin, ich will jetzt weiter singen&#8220;. Und er so: &#8222;Sängerin? Du bist doch ein Mann!&#8220; Dann kam der Typ gar nicht mehr klar und hat mich nur noch mit Fragen gelöchert. Vor allem hat ihn brennend interessiert, ob ich einen Penis hab. Die Frage hat ihn gar nicht mehr losgelassen. Ich hab ihm schließlich gesagt dass ich eine Transfrau bin und mir eine Vulva operieren lassen hab. Das hat er mir nicht geglaubt, und mich dann echt noch nach nem Beleg gefragt. Die Freundin von mir die dabei war hat es dann endlich geschafft ihn wegzuschicken. Unsere Laune war dann erstmal im Keller und die Lust auf Musik dahin. Transfeindliche Diskriminierung mischt sich oft mit ableistischen und klassischer Diskriminierung. Wenn eine Transfrau schnorrt und nach wenig Geld aussieht, nehmen es sich Leute viel eher raus sie zu beleidigen. Am Wochenende bin ich vor einer Party im Rewe gewesen und ein Security Mann sprach mich grundlos an und sagte &#8222;Die Duschen sind da hinten&#8220;. Er meinte natürlich keine Duschen sondern wollte nur sagen, dass Punker_innen stinken und im schicken Prenzlauer Berg-Rewe nichts zu suchen haben. Wieder andere machen sich über vermeintliche Symptome von meinen &#8222;psychischen Störungen&#8220; lustig. Wegen vernarbten Armen rufen mir Leute ihr &#8222;Ritzi Ritzi aua aua&#8220; hinterher.Andere kommentieren gern meine motorischen und verbalen Ticks oder Selbstgespräche. Von der Norm abzuweichen wird in dieser Gesellschaft von so vielen verachtet und bestraft. Menschen die auf mehreren Ebenen von der Norm abweichen haben es besonders schwer. Ich werde auch deshalb alle paar Tage auf der Straße beleidigt weil eben Menschen auf mich abgehen, die entweder queerfeindlich sind, UND die was gegen Menschen haben die als Verrückt gelten UND die auf ärmere Schichten herabsehen. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Wenn man in mehrfacher Weise zum Rand der Gesellschaft gezählt wird, fühlen sich diese Leute auch umso mehr berechtigt, uns zu beleidigen, auszulachen oder anzugreifen. Je mehr du am Rand der Gesellschaft stehst, desto mehr gilst du als Freiwild. Sich draussen sicher fühlen ist leider ein Privileg. Für eine Welt in der jede_r sein kann wie er_sie_mensch ist! Am 20. November ist Transgender Day of Remembrance. Ein guter Anlass um gegen Diskriminierung aktiv zu werden. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">In Liebe und Solidarität mit allen Betroffenen von Diskriminierung</span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Eure FaulenzA</span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">PS: Ich brauche auch noch dringend Spenden für mein neues Album &#8222;Riot Queer&#8220;. Und die sammel ich in Form von Vorbestellungen. Noch 101 Vorbestellungen fehlen dann kann ich die Rechnung für Tonstudio und Produktion bezahlen! Ich wäre euch sehr sehr dankbar! Den Link gibt&#8217;s auch in meiner Instagram Bio und hier:</span></span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><u><a href="https://www.springstoff.com/products/faulenza-neues-album-vorbestellung"><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;"><strong>https://www.springstoff.com/products/faulenza-neues-album-vorbestellung</strong></span></span></a></u></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kein Text über Malte C.</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/10/kein-text-ueber-malte-c/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2022 08:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Transfeindlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Deutschland zeigte sich nach dem Tod von Malte C. auf dem CSD in Münster erschüttert, wieder einmal. Doch wie lange hält die Betroffenheit an? Und wird sie dazu führen, dass trans* Menschen zukünftig gleichwertig anerkannt und in Ruhe gelassen werden? Mare hat da so ihre Zweifel Das ist kein Text über Malte C. Viel wurde]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Deutschland zeigte sich nach dem Tod von Malte C. auf dem CSD in Münster erschüttert, wieder einmal. Doch wie lange hält die Betroffenheit an? Und wird sie dazu führen, dass trans* Menschen zukünftig gleichwertig anerkannt und in Ruhe gelassen werden? Mare hat da so ihre Zweifel</strong><span id="more-15075"></span></p>
<p>Das ist kein Text über Malte C. Viel wurde schon über ihn geschrieben, und er verdient jedes einzelne wohlwollende Wort. Ich wollte auch über ihn schreiben, aber mit jedem Entwurf hatte ich das Gefühl, ihm und der Situation nicht gerecht zu werden. Ich konnte diesen Text hier erst schreiben, nachdem ich mich gefragt habe, wieso, und gemerkt habe, dass meine Gefühle das sind, was der Situation nicht gerecht wird. Dies ist also kein Text über Malte C. Es ist ein Text über mich.</p>
<p>Ich habe schon einmal hier über Trauer geschrieben. Das war 2016, nachdem ein Mann 49 Menschen in einem queeren Nachtclub während der Latino Night erschossen hatte. Dieses queerphobe und rassistische Hassverbrechen ist inzwischen mehr als sechs Jahre her.</p>
<p>Damals war ich aufrichtig erschüttert, in Trauer um Menschen, die ich nicht kannte. Heute? Heute sage ich „das erschüttert mich“. Ich sage „das ist ein tiefer Schock“ und „ich trauere“, wenn es um Malte geht. Ich sage all die Phrasen, die man so sagt, aber eigentlich meine ich sie nicht. Ich meine es zwar, wenn ich sage „das hätte nie passieren dürfen“ und „wir müssen unsere Gesellschaft ändern, damit sowas nie wieder geschieht“, aber das, was mir persönlich am meisten Angst macht, ist, dass ich dabei nichts fühle. Keine Erschütterung, keine Trauer, keine Wut.</p>
<p>Was ist geschehen, seitdem mein 20-Jähriges Ich bei einer Orlando-Mahnwache aufrichtig Tränen geweint hat, sich an eine Regenbogenflagge klammernd als könnte dieses in China genähte Stück Stoff mir und anderen queeren Menschen Schutz und Trost versprechen? Zwei Dinge: Ich habe mich verändert, und die Gesellschaft hat sich verändert. In vieler Hinsicht beides zum Positiven, viele Schritte in die richtige Richtung wurden gemacht, aber nicht nur.</p>
<p>Seit 2016 war ich viel in der queeren Szene aktiv, ich habe sie immer als eine Art zuhause gesehen. Eine Sache, die damit einhergeht, ist aber, dass sich über Jahre die Namen und Gesichter derer häufen, die nicht mehr hier sind. Die Gesichter und Namen derer, die fast nicht mehr hier gewesen wären. Derer, die noch hier sind, aber deren Schmerz und Trauma ein ständiger Begleiter sind. Einige flüchtige Bekannte, andere gute Freunde. Einige Gesichter für immer in das Hirn eingebrannt, andere miteinander verschwimmend.</p>
<p>Meistens fühle ich mich gut. Wir als Gesellschaft machen Fortschritt. Das merkt man, und das muss man feiern. Meine Freund*innen und ich sind in der Community nicht durch unser Leid verbunden, sondern durch unsere Lebensfreude und die Freude daran, so zu sein, wie wir sind.</p>
<p>Und dann gibt es doch immer wieder Momente, die einen erinnern, warum man hier ist. Hier in einer Community gemeinsam. „Hast du von XY gehört? XY ist jetzt im Krankenhaus“ oder „Ich bin vor fünf Jahren hier hin geflohen. Ich vertraue dir an, wieso.“ Über Jahre häufen sich die Geschichten und Tragödien. Sie häufen sich, und egal, wie sehr man sagt, dass man sich auf sich aufpasst und Selbstfürsorge betreibt, sie höhlen einen aus, stumpfen ab.</p>
<p>Nicht nur ich habe mich aber verändert, unsere Gesellschaft auch. Und wenn ich sage, vieles war für unsere Community positiv, dann stimmt das auch. Aber das ist die Sache daran, wenn man über Gesellschaften spricht und versucht sie zu verstehen. Ungleich der Mathematik können zwei gegenteilige Aussagen gleichzeitig wahr sein. Vieles hat sich zum Positiven verändert, vieles aber auch zum Negativen.</p>
<p>Trans* Menschen haben mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit als je zuvor, aber dafür hat auch Transphobie eine größere Bühne als je zuvor, denn das, was vorher implizit gedacht wurde, wird jetzt laut ausgesprochen. Feministinnen, mit denen wir Hand in Hand für unsere Rechte kämpfen sollten, wenden ihre Energie im Kampf gegen trans* Rechte ein. Ein deutscher Mann verklagt seinen Arbeitgeber wegen der Benutzung geschlechtsinklusiver Sprache. Menschen auf Twitter verkünden stolz, dass sie keine Pronomen benutzen. Was sie eigentlich damit meinen: Mann ist Mann, Frau ist Frau. Nichts, was davon abweicht, ist erlaubt. In vielen Ländern erkämpfen sich queere Menschen ihre Rechte, andernorts verlieren sie sie. Manchmal passiert beides gleichzeitig im gleichen Land.</p>
<p>Es ist ermüdend. Ermüdend in einer Gesellschaft zu leben, die offen und laut die Rechte von mir und meinen queeren Geschwistern angreift. Wir sollten wütend sein, Fürsorge und Mitgefühl füreinander spüren. An manchen Tagen fällt es schwer, sich über irgendwas zu empören, sich über irgendwas zu wundern.</p>
<p>Was mache ich aus diesem Text? Das Ende ist unbefriedigend. So wie es oft im Leben ist. So wie es oft für viele von uns ist. Ich habe nach dem CSD Münster viele Leute sagen hören, dass sie schockiert seien, dass sowas in Deutschland geschehen könne. Zu viele, auch aus der queeren Community, sind in rassistische Tiraden gegen den Angreifer übergegangen.</p>
<p>Vielleicht ist das der Abschluss für den Text. Das, was ich hoffe, was mitgenommen wird. Es passiert auch in Deutschland. Es passiert überall. Und wir als Gesellschaft haben noch nie Fortschritte gemacht, in dem wir uns gegenseitig unter den Bus werfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Der Abschluss</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/08/der-abschluss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Aug 2022 12:42:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Mut]]></category>
		<category><![CDATA[Sexuelle Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Im letzten Jahr hat uns Celine in Texten und Videos am Gerichtsprozess gegen den Ex-Freund ihrer Mutter teilhaben lassen. Sie hat ihn wegen sexueller Gewalt angezeigt, er hat nach dem ersten Urteil Berufung eingelegt. Jetzt gibt es für Celine, zumindest juristisch, einen Abschluss des Prozesses. Und wieder nicht zu wissen was passiert. Nicht zu wissen,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Im letzten Jahr hat uns Celine in Texten und Videos am Gerichtsprozess gegen den Ex-Freund ihrer Mutter teilhaben lassen. Sie hat ihn wegen sexueller Gewalt angezeigt, er hat nach dem ersten Urteil Berufung eingelegt. Jetzt gibt es für Celine, zumindest juristisch, einen Abschluss des Prozesses.</strong></p>
<p><span id="more-14963"></span></p>
<p>Und wieder nicht zu wissen was passiert.<br />
Nicht zu wissen, was verdammt nochmal auf einen zukommt.<br />
Doch zu wissen, dass es endlich ein Ende hat.<br />
Zu wissen, das ist der Abschluss meiner Geschichte.</p>
<p>Diesmal verspüre ich nur Wut, denn die Kraft, um traurig zu sein, hab ich irgendwie nicht.<br />
Nicht heute.<br />
Denn es geht mir so unglaublich auf die Nerven, schon wieder zu einem Ort zu fahren, wo ich eigentlich gar nicht sein will, doch aussuchen konnte ich es mir leider nicht.</p>
<p>Bewusst wird mir, dass ich einfach nur müde und erschöpft bin, erschöpft von sich immer wieder darauf vorbereiten zu müssen, seine Geschichte und sein Leid vor fremden Menschen zu teilen.<br />
Sich vorzunehmen stark zu sein, obwohl man gar keine Kraft dafür hat.<br />
Und sich klar zu machen, dass man all das noch gar nicht verarbeitet hat.<br />
Ein schreckliches Déjà-vu.</p>
<p>Willkommen in meiner unausstehlichen Gedanken-Welt.</p>
<p><strong>19.April.2022 </strong></p>
<p>Da sind wir wieder, nur diesmal am Landesgericht in Darmstadt.<br />
Soviel größer und schöner, könnte man denken.<br />
Doch da reinzuspazieren ist so unglaublich hässlich.<br />
Schrecklich.<br />
Unausweichlich.<br />
Denn da muss ich rein, um auszusagen gegen ein widerliches Schwein.</p>
<p><strong>11 Uhr </strong></p>
<p>Diesmal ziemlich spät und mal wieder super unangenehm.<br />
Fremde Frau.<br />
Stellt sich raus, das ist die neue Pflichtverteidigerin von ihm.<br />
Der alte Pflichtverteidiger hat wahrscheinlich gemerkt, dass er genauso ekelhaft im Kopf ist wie er.<br />
Meine Rechtsanwältin.<br />
Die alte Dolmetscherin und die neue Dolmetscherin.<br />
Kripo Beamtin Nr.1<br />
Wo ist Kripo Beamtin Nr.2?</p>
<p>Meine Mama, meine Schwester und dann war da noch ICH.<br />
Wieder in meiner Blase, aus der ich in solchen Momenten komplett untergehe.<br />
Fragend, ob sie jemand mal zum Platzen bringen kann?</p>
<p>Ich glaube, es verging eine ganze Stunde, bis die Tür dann mal aufging.<br />
Und dann platzte die Blase, in der ich 1 Stunde festgesteckt habe, denn auf einmal hörte ich ihn sprechen.</p>
<p>Wissen diese Menschen überhaupt, wie schlimm das ist?<br />
Dort zu sitzen und zu warten.<br />
In seinen Gedanken zu ertrinken und ganz genau überlegen, was man gleich vor so wildfremden Menschen sagt bzw. wie man was sagt?<br />
Wie auch immer…<br />
Schweigend und den Gedanken kreisen meine Art und Weisen, wie ich was beschreibe.</p>
<p>Ich glaube ich mache jetzt hier einfach mal einen Sprung, zu dem Moment, wo ich dann aussagen musste.<br />
Das ist übrigens das erste Mal, dass ich vor Gericht gegen Ihn aussagen darf!<br />
Worauf ich mich immer wieder vorbereitet habe und dann doch nichts sagen durfte.</p>
<p>Die Tür ging auf und keine Ahnung, wie viele Augen mich anschauten.<br />
Ich musste an Ihm vorbei laufen und mich quasi vor ihm hinsetzen.<br />
Grauenvolles Gefühl, wenn man weiß, welcher Mensch dir gerade in den Nacken atmet.</p>
<p>Der Richter schaute mich an und meinte: Sie wissen ja, warum sie heute hier sind nh? Man muss die Wahrheit sagen und ja dann erzählen Sie doch mal von Anfang bis Ende, was alles so passiert ist!!</p>
<p>Ich kann euch nicht genau erklären, was ich genau gesagt habe und wie lange das ganze gedauert hat, denn es fiel mir ziemlich schwer auszusagen…<br />
Erstmal sich daran zurück erinnern zu müssen, an das, was einem passiert ist und das in Worte fassen vor fremden Menschen, war verdammt hart.<br />
Und es kam mir vor, wie als hätte ich eine Sekunde geredet.</p>
<p>Danke Fr. Senses, ich weiß, wie schwer das gewesen sein muss darüber zu sprechen aber das haben Sie ganz toll gemacht sagte er mir… nehmen Sie draußen bitte wieder Platz.</p>
<p>Und dann verging wieder 1 Stunde und ich lief hin und her und wusste nicht wirklich was ich denken sollte…<br />
Ich hoffte einfach nur, dass es nach dem Ganzen endlich ein Ende findet und diesmal endgültig, ich hatte weder die Kraft noch Lust, weiter traurig, wütend und erschöpft zu sein.</p>
<p>Die Justizbeamtin öffnete dir Tür und wir durften auf den hintern Bänken platznehmen.</p>
<p>Das Urteil war bereits schonmal verkündet worden und es tut mir unendlich Leid sagte der Richter. Das was dieser Familie und vor allem den zwei Frauen passiert ist, ist sehr schlimm.<br />
Es gäbe keinen Grund, den zwei Frauen nicht zu glauben, denn das hier ist alles schrecklich und super schwer durchzustehen.<br />
Wieso sollte man sich freiwillig in so eine Situation bringen?</p>
<p>Das Gericht hat entschieden, den zwei Frauen den vollen Glauben zu schenken und Sie sollten sich schämen für das, was Sie getan haben, meinte der Richter.<br />
Er hätte sich gewünscht, dass dieser Fall schon vorher auf seinem Tisch gelegen hätte und die 3 Jahre seien zu wenig aber es sei leider so in Deutschland.</p>
<p>Der Richter bittet uns im Saal zu erheben um das Urteil ein zweites Mal zu verkünden…<br />
Meine Knie zitterten…<br />
Meine Hände schwitzten…<br />
Und mein Herz schlägt super schnell und obwohl ich wusste, der Richter ist auf der Seite von mir und meiner Schwester, hatte ich trotzdem Angst.</p>
<p>Das Urteil wird verkündet…</p>
<p><strong>Im Namen des Volkes in der Strafsache gegen Herrn XY wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen hat das Landesgericht Darmstadt am 19.04.2022  für Recht erkannt. Der Angeklagte wird wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen in insgesamt 21 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. </strong></p>
<p>Und seine Reaktion darauf war einfach nur lächerlich…<br />
Was hab ich gemacht? Ich hab gar nichts gemacht, schreite er in den Raum.<br />
Und alles würde zurückkommen und schrie irgendwas von Karma und ihr werdet schon sehen, was wir davon haben.</p>
<p>Diese 3 Jahre, die du bekommen hast, können niemals das wieder gut machen, was du kaputt gemacht hast.<br />
Diese 3 Jahre geben mir das, was ich an Wärme und Gefühl verloren habe, nie wieder zurück.<br />
Und diese 3 Jahre geben mir mein sorgenfreies Leben auch nicht wieder.<br />
Du bist der Grund für all meine Sorgen und Probleme, die ich jetzt habe und die mich mein Leben lang begleiten werden.<br />
Du bist der Grund für diese dauerhafte Traurigkeit, die in mir brodelt.<br />
Aber all das war dir niemals bewusst.</p>
<p>Das hier ist der Schluss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die ganze Geschichte von Celine könnt ihr auch nochmal auf <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/celine/">ihrem Profil</a> finden.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zackie Oh</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/zackie-oh/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Isa]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 May 2022 09:40:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 21. September 2018 ist Zacki, ein griechischer LGBTQ+-Aktivist, in Athen umgebracht worden. Eine homophobe Attacke mitten im Zentrum der griechischen Hauptstadt. Über den Tag und die Hintergründe berichtet Isabella und auch über dasempörende Gerichtsurteil. Athen. Wir schreiben den 21. September 2018. Durch die noch vom Sommer aufgeheizten Straßen ertönen schon mittags wirre Stimmen und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Am 21. September 2018 ist Zacki, ein griechischer LGBTQ+-Aktivist, in Athen umgebracht worden. Eine homophobe Attacke mitten im Zentrum der griechischen Hauptstadt. Über den Tag und die Hintergründe berichtet Isabella und auch über dasempörende Gerichtsurteil.</strong></p>
<p><span id="more-14828"></span></p>
<p>Athen. Wir schreiben den 21. September 2018.<br />
Durch die noch vom Sommer aufgeheizten Straßen ertönen schon mittags wirre Stimmen und Parolen. „Da wurde jemand umgebracht“, heißt es. Mitten im Zentrum der Wiege der Demokratie, in einem Juwelier in der Glastonos Straße, kam es am helllichten Tag zu einem Mord. In den nächsten Stunden werden Details der Tat bekannt, die eine Welle von Ereignissen lostreten. Den Menschen Athens wird allmählich klar, dass dieser Mord nicht von der Öffentlichkeit unkommentiert bleiben kann. Riesige Menschenströme versammeln sich innerhalb nur weniger Stunden im gesamten Zentrum der Stadt, um zu demonstrieren und gemeinsam zu trauern. „Die Schweine haben Zackie getötet. Zak ist tot.“, heißt es.</p>
<p>Das Opfer? Es handelt sich dabei um den Aktivisten Zak Kostopoulos*, der in der Stadt ebenfalls unter seinem Drag-Namen, Zackie Oh, einen redlichen Bekanntheitsgrad erlangt hatte. Eine zentrale Figur in der Solidaritätsbewegung für die LGTBQ+ Gemeinschaft, HIV-Positive, Sexarbeiter*innen und Migrant*innen.<br />
Sofort wird klar, dass es sich bei dem Verbrechen um eine homophobe Attacke gehandelt haben muss. Stündlich kommen mehr Informationen über den Tathergang ans Licht, die Stimmung kippt. „Η Ζάκι ζει, τσακίστε τους ναζί“ [dt.: Zackie lebt, zerschmettert die Nazis!] lautet die Parole der Demonstration.</p>
<p>Die Täter? Der Besitzer des Juwelierladens und einer seiner Kunden, der eines der führenden Mitglieder einer rechtsextremen Partei in Griechenland ist. Beide behaupten, Zak hätte den Juwelierladen betreten, um ihn bewaffnet und im Drogenrausch auszurauben. Die forensischen Untersuchungen, Augenzeugenberichte und Aufnahmen von Sicherheitskameras zeigen jedoch ein völlig anderes Bild. In Zak Kostopoulos‘ Blut wurden weder Spuren von Drogen gefunden, noch ließen sich seine Fingerabdrücke auf den im Laden sichergestellten Messern finden. Viel eher scheint es, dass sich Zak auf der Flucht vor einer homophoben Attacke auf der Straße hilfesuchend in das Geschäft geflüchtet hat. Die Kameras zeigen, wie er von den beiden Tätern gelyncht wird, während er mit letzter Kraft versucht, die Glasfront des Juwelierladens von Innen mit einem Feuerlöscher zu zerschlagen, um ihnen zu entkommen. Als es ihm endlich gelingt, durch das gesprungene Fenster ins Freie zu gelangen, verlassen ihn seine Kräfte. Er bricht auf dem Bürgersteig vor dem Geschäft zusammen.</p>
<p>Wie auf den Aufnahmen der Kameras sichtbar wird, ist die Polizei zu dieser Zeit schon an Ort und Stelle. Doch anstatt zu helfen oder zu deeskalieren, beteiligen sie sich an dem Blutrausch. Einige der Beamten treten Zak mehrmals gegen den Kopf. Ein anderer Polizist legt dem regungslosen und mit Blut überströmten Opfer Handschellen an und presst ihn mit dem Gesicht nach unten auf den Boden, sodass er keine Luft bekommt. Von erster Hilfe keine Spur.<br />
Noch am Weg ins Krankenhaus erliegt Zak Kostopoulos seinen Verletzungen.<br />
Zackie ist tot.<br />
Athen. Wir schreiben den 21.10.2021.<br />
Der durch die COVID-19 Pandemie um ein Jahr verschobene Gerichtstermin beginnt. 3 Jahre nach der Tat. Auf der Anklagebank sitzen 6 Männer. Der Besitzer des Juwelierladens, besagter rechtsextremer Kunde sowie vier Polizeibeamte. Das medizinische Gutachten stellt fest, dass die Todesursache rein auf die dem Opfer zugefügten Verletzungen durch die Angeklagten zurückzuführen ist. Zugegen ist auch Zaks Mutter, die vor Gericht eine Aussage über ihren Sohn macht und Gerechtigkeit für die schreckliche Tat verlangt.<br />
Das Urteil ist bis dato [16.11.2021] noch nicht gesprochen.</p>
<p>Der Fall Zackie Oh zeigt ein weiteres Mal, dass auf Heteronormativität fundierende Diskriminierungsmechanismen kein Phänomen der Vergangenheit sind. Es sind sehr reale und sehr gefährliche Tendenzen, die es zu bekämpfen gilt.<br />
Wer sich näher mit diesem Fall beschäftigen möchte, oder sich über den weiteren Verlauf des Gerichtsverfahrens informieren möchte, kann dies über folgende Social Media Plattformen und Links tun:<br />
https://zackieohjustice.watch/en/<br />
https://www.facebook.com/justice4ZakZackie/<br />
https://thinkbricks.gr/shop/accessories/brooches/support-zackie-oh/</p>
<p>* Zak Kostopoulos wurde im August 1985 als Sohn griechischer Auswanderer in Amerika geboren und kam im Alter von 7 Jahren mit seinen Eltern zurück nach Griechenland. In der dörflichen Gegend, in der er fortan heranwuchs, merkte er schnell, dass er den Männlichkeitsansprüchen der dortigen Gesellschaft nicht entsprach. Bis zu seinem Coming-Out sollte es allerdings noch bis zu seinem Umzug nach Athen, wo er Schauspiel studierte, dauern. Sowohl auf sein Coming-Out, als auch auf seine eigene HIV-Infizierung reagierten seine Eltern unterstützend. Erst nach und nach merkte er, dass seine persönlichen Erfahrungen mit Unterdrückung und homophoben Attacken keine bloßen unglücklichen persönlichen Erfahrungen sind, sondern das Symptom gesellschaftlicher und politischer Mechanismen. Zak Kostopoulos widmete sein ganzes Leben dem Aktivismus und dem Kampf für die Gleichstellung von Menschen, die keine heteronormativen Rollen erfüllen, oder aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Herkunft Opfer von Hass und Gewalt werden. Er arbeitete ehrenamtlich bei dem HIV-Testzentrum Positive Voice und fand in seiner Kunst das richtige Ventil, um seine Erlebnisse zu verarbeiten, Menschen zu unterhalten und dabei zu erreichen. 2012 entstanden die ersten Drag-Performances von Zackie Oh!, einer ehemals zur gehobenen Gesellschaft gehörenden Dame, die in ihrem sozialen Status gefallen war und nun als Prostituierte durch die Straßen Athens zog. Zackie, wie auch Zak, propagierte stets eine antirassistische und antihomophobe Haltung. Ihr ganzes Dasein war von einer friedlichen und Liebe predigenden Eistellung geprägt.</p>
<p>UPDATE vom 03.05.2022<br />
Im Fall ‚Zackie Oh‘ wurde am Dienstag, den 03.05.2022, das erste Urteil gesprochen.<br />
Das Gericht hat entschieden, dass die Schuld der Angeklagten Dimopoulos und Chortarias für die Straftat der Körperverletzung mit Todesfolge (nicht Mord) anerkannt wird.<br />
In Bezug auf die angeklagten Polizisten entschied das Gericht, sie freizusprechen.<br />
Genauer:<br />
Dimopoulos: Schuldig wegen Körperverletzung mit Todesfolge<br />
Chortarias: schuldig der Körperverletzung mit Todesfolge<br />
Polizeibeamte:<br />
Rusakos: Freispruch,<br />
Seferis: Freispruch<br />
Tsopanis: Freispruch<br />
Alexandris: Freispruch</p>
<p>Was das bedeutet:<br />
Das von dem (fragwürdig) unabhängigen Gericht gesprochene Urteil ist für die Familie und Freund*innen von Zak Kostopoulos sowie für die Aktivist*innen und Mitglieder der LGBTQI+ Gemeinschaft in ganz Griechenland ein Schlag ins Gesicht.</p>
<p>Die Strafe von 10 Jahren, die der schuldig gesprochene Juwelierladenbesitzer Dimopoulos aufgrund seines Alters (77) im Hausarrest absitzen darf und der Rechtsextreme Chortarias im Gefängnis verbringen wird, ist für eine*n jede*n mit einem halbwegs intakten Gerechtigkeitssinn in vielerlei Hinsicht zu mild. Den Mord an Zackie Oh zu einer Körperverletzung mit Todesfolge herabzustufen, bedeutet, die Täter nicht als das anzuerkennen, was sie in Wahrheit sind: Mörder.<br />
Das gleiche gilt für die 4 Polizeibeamten, deren Beteiligung an dem Mord sich durch einschlägiges Videomaterial nachvollziehen lässt. Ihr Freispruch lässt an der Gerechtigkeit und Sinnhaftigkeit der Justiz zweifeln. Denn wozu braucht mensch eine Justiz, die sich davor scheut, Mörder und Straftäter zu verurteilen, bloß weil sie Teil der Exekutive sind?<br />
Das aggressive Auftreten der Polizei bei der rund 5000 Menschen starken Demonstration am Abend der Urteilsverkündung lässt ebenfalls darauf schließen, dass der Freispruch ihrer Kollegen den Polizeieinheiten ein weiteres Mal das Selbstvertrauen gestärkt hat zu wissen, dass sie für ihre Gewaltakte nicht bestraft werden.<br />
Trauer und Wut haben sich über die Straßen Athens gelegt. Die einzige Hoffnung bleibt, dass dieser Fall noch einmal vor einem höheren Gericht aufgerollt werden kann. Doch das kann noch Jahre dauern.</p>
<p>Zak Kostopoulos Mutter veröffentlichte noch am Dienstagabend eine Nachricht an die Öffentlichkeit. [Anm.: Übersetzung der Autorin] :<br />
Heute war der erste Schritt, um den Mord an Zak vor Gericht zu stellen. Ich werde euch nicht sagen, wie ich mich fühle, aber ich werde euch beschreiben, was ich denke.<br />
Ich denke an den Juwelier Dimopoulos. Ich denke an ihn, wie er in seinem Haus gefangen ist, wie mein Kind in seinem Laden, wie er versucht, seinen Enkelkindern zu erklären, warum Opa nicht mit ihnen spazieren gehen kann.<br />
Ich denke an den Makler Chortaria, wie er versucht, seinen Insassen im Gefängnis zu erklären, dass er einen Mann brutal getreten habe, „um die Menge zu schützen“, die seine kriminellen Handlungen per Video aufzeichnete, damit sie sie später verkaufen und damit Geld verdienen könnten.<br />
Ich denke an die &#8222;unschuldigen&#8220; Polizisten, die versuchen, ihren Familien zu erklären, dass ihre Aufgabe darin besteht, Täter zu fassen, aber auch einen Verletzten zu schlagen, zu treten und auf den Bürgersteig zu ziehen und ihn vor ihren Augen sterben zu lassen und die Schuld danach einander zuzuschieben.</p>
<p>Ich denke an Zak hoch am Himmel, wie er überall tonnenweise Glitzer verstreut, der überall klebt und nicht abgewaschen werden kann.<br />
Es wird denen bleiben, die ihn berührten, mit ihm sprachen, ihn ansahen, ihn lasen, ihn verteidigten und für immer und ewig an ihn dachten.</p>
<p>Seine Mutter<br />
Eleni Kostopoulou</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Das Urteil Teil II</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/das-urteil-teil-ii/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 May 2022 09:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualisierte Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Im November fand die Hauptverhandlung im Prozess gegen den Ex-Freund von Celines Mutter statt. Im Anschluss konnten sie nach langer Zeit endlich befreit aufatmen. Jetzt aber hat Celine erfahren, dass er Berufung beantragt hat und und eine weitere Verhandlung ansteht. Das Urteil war bereits verkündet worden… Und das erste Mal fühlte ich keinen Druck mehr]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im November fand die Hauptverhandlung im Prozess gegen den Ex-Freund von Celines Mutter statt. Im Anschluss konnten sie nach langer Zeit endlich befreit aufatmen. Jetzt aber hat Celine erfahren, dass er Berufung beantragt hat und und eine weitere Verhandlung ansteht.</strong></p>
<p><span id="more-14757"></span></p>
<p>Das Urteil war bereits verkündet worden…<br />
Und das erste Mal fühlte ich keinen Druck mehr auf meiner Brust, das erste Mal durchatmen zu können nach über 2 Jahren Ungewissheit.<br />
Das erste Mal sagen zu können WIR HABEN ES GESCHAFFT.<br />
Und das erste Mal die Welt wieder mit mehr Farbe vor Augen zu haben.</p>
<p>Ich spürte die Hoffnung steigen, Hoffnung auf Heilung und Hoffnung auf das ich endlich das schrecklichste Kapitel in meinem Leben schließen kann, spürte mein Herz, wie es mich anlächelt.</p>
<p>Stolz berichten zu können, dass es endlich vorbei ist, war eins der besten Gefühle, die ich seit langem gefühlt habe und meine Mauern endlich fallen lassen, war der Moment, wo ich das Gefühl von Liebe akzeptieren konnte.<br />
Und für einen kurzen Moment zu hoffen, endlich wieder positive Texte schreiben zu können.</p>
<p><strong>23. Februar. 2022 </strong></p>
<p>Meine Mama rief mich an, ich geh ran und sie meinte, ich soll jetzt nicht ausflippen.<br />
Bitte hol jetzt tief Luft meinte sie, das tat ich dann auch…<br />
Das Arschloch hat 4 Tage nach der Hauptverhandlung Berufung beantragt, sagte sie mir am Telefon und wir haben am 19.April.2022 nochmal eine Verhandlung…</p>
<p>Die Hauptverhandlung war im November und wir erfahren erst jetzt davon, dass du Berufung eingelegt hast, richtig Super!</p>
<p>Und da ist er wieder, dieser Druck auf meiner verdammten Brust und dieses Gefühl nicht atmen zu können, so als würde jemand hinter mir stehen und mir den Hals zuschnüren und direkt einen Puls von 180 und diese verdammte Schlaflosigkeit, wieder diese Ungewissheit, sodass ich Bauchschmerzen davon bekomme.<br />
Viel schlimmer ist, dass auf einmal all das an Farbe wieder wie weggeblasen ist.<br />
Keine Worte, sprachlos und ratlos.<br />
Ich bin wütend, so dass mich die Gänsehaut an meinem ganzen Körper frieren lässt.<br />
Zitternde Hände und dieser grauenvolle Angstschweiß, den ich jedesmal habe, wenn ich nur an dieses Kapitel denke.<br />
Diesmal wurde ich sogar als Nebenklägerin geladen, dass bedeutet, ich kann mich noch einmal emotional darauf vorbereiten gegen dich auszusagen…</p>
<p>Diesmal sind mehr Zeugen geladen, sogar die zwei Damen von der Kriminalpolizei, bei denen wir damals unsere zweite Aussage gemacht haben, die emotional so kalt sind, dass es schon unangenehm ist, denen zu erzählen, was du getan hast und sich so ekelhaft zu fühlen und so unverstanden irgendwie.<br />
Ich hab absolut keine Kraft mehr und bin emotional so fertig mit dem Scheiß, dass es mich einfach nur noch zum Kochen bringt, aber diesmal werde ich mit erhobenem Kopf genau erzählen, was für ein schreckliches Monster du bist… dir in dein grauenvolles Gesicht gucken zu können und dir zu erzählen, was du aus mir gemacht hast… wieviel Leid du mir zugefügt hast… wieviel Schmerz wir in uns tragen wegen dir, und was du alles kaputt gemacht hast in uns.<br />
Dass du überhaupt diese Dreistigkeit hast Berufung einzulegen, dass du dir nicht ansatzweise eingestehen willst, wie alle dich verabscheuen, das du dir deiner Schuld überhaupt nicht bewusst bist.<br />
Ich werde gegen dich aussagen, um endlich einen Haken dahinter setzen zu können, ich werde gegen dich aussagen für mich und meine Familie und ich werde mein Leid mit allen Anwesenden teilen und ihnen genau beschreiben, was für ein schreckliches ETWAS du bist, denn ein Mensch bist du in meinen Augen definitiv nicht!</p>
<p>Ich war viel zu ängstlich, um dich zu schlagen aber jetzt werd ich dich schlagen mit meinen gut durchdachten Worten, die sich schon so lange tief in mir drinnen verwurzelt haben, denn es reicht!</p>
<p>Bis bald!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein Kopf ist eine Kirmes / Chaos im Kopf</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/04/mein-kopf-ist-eine-kirmes-chaos-im-kopf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Apr 2022 09:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir präsentieren euch zwei Texte von Celine: “Mein Kopf ist eine Kirmes” und “Chaos im Kopf”. In ihren Gedichten schreibt Celine über ihre Ängste und Probleme und “unendliche Gedanken”, die in ihrem Kopf umherschwirren. Sie erzählt, wie sie kleine Erfolge feiert, in kleinen Schritten voran kommt und frei wird. Mein Kopf ist eine Kirmes In]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><strong>Wir präsentieren euch zwei Texte von Celine: “Mein Kopf ist eine Kirmes” und “Chaos im Kopf”. In ihren Gedichten schreibt Celine über ihre Ängste und Probleme und “unendliche Gedanken”, die in ihrem Kopf umherschwirren. Sie erzählt, wie sie kleine Erfolge feiert, in kleinen Schritten voran kommt und frei wird. </strong></p>
<p><span id="more-14706"></span></p>
<p><strong>Mein Kopf ist eine Kirmes</strong></p>
<p>In meinem Kopf ist Kirmes, ununterbrochen.<br />
Ständig Angst und Panikattacken.<br />
Angst, meine Mauern fallen zu lassen.<br />
Angst vor der Zukunft.<br />
Sei emotionslos, sei kalt.<br />
Sei weich, sei verletzlich.<br />
Mach dies, aber das lieber nicht.</p>
<p>Ich hasse diese Tage, an denen ich mich so einsam und allein fühle.<br />
Ich hasse diese Tage, wo ich einfach keinen Plan habe, was eigentlich der Sinn von all dem hier ist.<br />
Nähe und Geborgenheit fehlt mir so sehr, so dass es weh tut.<br />
Aber ich liebe auch die Tage, an denen ich allein bin und mich niemand schlecht fühlen lässt und dass da keiner ist, um den ich mir Gedanken machen muss.</p>
<p>Nie hab ich mich getraut, darüber zu schreiben, geschweige denn, darüber zu sprechen.<br />
Isolierte Gefühle.<br />
Eine halbe Ewigkeit perfektioniert die Narben zu verdecken.</p>
<p>Wie lange ich nach einer Liebe gesucht habe, die ich mir im Endeffekt nur selbst geben kann.<br />
Und wie oft habe ich Mitgefühl empfunden, welches ich in diesem Moment selbst verdient hätte?<br />
Und ich habe doch eigentlich alles, was mich glücklich macht, aber mir kommt es so vor als würde etwas fehlen.<br />
Vielleicht diese Person, die mir zeigt, was gesunde Liebe ist.<br />
Vielleicht eine Person, die mich versteht und es nicht nur sagt, dass sie mich versteht.<br />
Vielleicht, keine Angst mehr zu haben, jemandem zu vertrauen.<br />
Vielleicht an einem anderen Ort zu sein.<br />
Vielleicht ein neues Zuhause.</p>
<p>Negative Gedanken, die mir das Gehirn und den Verstand verpesten, Gedanken, die mich denken lassen ich wäre alleine besser dran.<br />
Ich habe aufgehört, mich selber zu lieben und habe versucht, alles unter Kontrolle zu haben.<br />
Habe nicht zugelassen, dass mir meine Freunde helfen und eventuell auch mal Recht haben und einen klaren Blick hab ich auch nicht gehabt.</p>
<p>Ich habe so lange nicht erkennen können, wie sehr ich mich wirklich liebe und wertschätze.<br />
Diese Pest in meinem Kopf hat mir soviel weggeätzt, alles an positiven Gedanken einfach weg.<br />
Ich hätte gerne die Chance, die vielleicht mein Leben komplett verändern kann, denn ich schlafe zu wenig, weil ich abends nicht einschlafen will. Ich tu mich schwer mit Aufgaben und Verantwortung.</p>
<p>Ich fühl mich so nutzlos, wenn ich nichts mache, und das Schlimme daran ist, dass ich es weiß und nichts dagegen unternehmen kann, ich frag mich immer für was?<br />
FÜR MICH oder ?<br />
So sollte es doch eigentlich sein oder lieg ich da falsch?<br />
Ich nehm es mir vor und muss alles geben, denn sowie in den oben genannten Problemen will ich nicht weiter versinken.<br />
Ich habe es verdient genau wie jeder andere auch.<br />
Mich selbst lieben, andere lieben zu können.<br />
Motiviert sein, an seinen Träumen zu arbeiten zu können.<br />
In den Spiegel schauen und sagen zu können &#8222; ICH BIN STOLZ AUF DICH &#8222;</p>
<p>Denn eigentlich bin ich es, für all das, was ich bis jetzt geschafft habe.<br />
Also bleibt eigentlich nichts anderes übrig als jetzt damit anzufangen oder?</p>
<p><strong>Chaos im Kopf</strong></p>
<p>Ich schreibe diese Zeilen, weil das Chaos in meinem Kopf einfach keine Ruhe geben will. Manchmal kann ich klar durchsehen, verstehe, was ich will und was ich brauch und dann ist es wieder so überfüllt mit so vielen Sorgen und Fragen, sodass ich keinen klaren Gedanken fassen kann.  Es ist so undurchsichtig, wie eine Mauer um mich herum, die nur ich erklimmen kann.  Die Mauer von Stolz und Einsamkeit, von Zweifel und all meinen Gefühlen.<br />
Ich will sie zum einstürzen bringen, denn es ist so unfassbar anstrengend, denn das Überdenken meiner Gedanken bringt mich zum Denken, daran zu denken wie nur ich alle Schiffe versenke.  Gebundene Hände..verwundet mit so großen Ängsten. Glücklich sein..im Meer voller Wellen.  Um am Ende zu denken, ich muss mich selbst retten.  In den Spiegel schauen und darauf zu wetten, nicht all das zu versenken, was ich spreche.   Meine Schönheit seh nur ich, ohne einen Tunnelblick.  Verwischt, ohne dich geht es nicht.  Denn schreiben tu ich hier immer über mich. ABER ich seh mich nicht.   SEH mich jetzt. Vorangekommen, meine Bilder sind nicht mehr verschwommen.  In meinen Augen sehe ich das Funkeln.  In meinen Augen war es sonst immer so dunkel.   Bin nicht mehr stumm, so viele Dinge um mich herum.  Angekommen, bin so weit schon geschwommen.  Und endlich bin ich da. Sehe auf einmal alles so klar, was für ein Jahr.   Ich habe mein eigenes Buch zu Ende gelesen und gefunden habe ich die Antworten, die mich zu einem glücklich erfüllten Leben führen. Ich hab mir vertraut und darauf aufgebaut. Aufgetaut, spüre die Sonne, obwohl sie noch nicht scheint und ich wein, weil all das&#8230;ist jetzt endlich mein &#8211; fühl mich rein.   Frei.  Ich bin Frau, ich bin furchtlos.  Ich bin feminin, ich bin maskulin. So unfassbar tapfer, selbst mit den ganzen Kratzern.  Ich fahre in meinem Panzer, langsam.  Gemeinsam gegen einsam.  Nimm dich mit an meiner Hand.   Jetzt beginnt eine neue Zeit und ich sag’s dir, bin so unantastbar.<br />
Etwas Druck und ein wenig Mühe, geschlossene alte Türe, sag euch allen schöne Grüße, denn ich düse Richtung Wüste.</p>
<p>Hätte niemals gedacht, dass ich damit anfang, doch das Chaos des Krieges feiert jetzt den Abspann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein 19. Februar &#8211; Eine Allegorie über die Gesellschaft und Rassismus</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/02/14566/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Moritz Mager]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Feb 2022 07:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor zwei Jahren wurden Ferhat Ünvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Kalojan Welkow, Fatih Saraçoğlu, Said Nessar El Hashemi und Vili Viorel Păun aus rassistischen Motiven ermordet. Unser Autor Moritz setzt sich, obwohl er selbst keinen Rassismus erlebt, mit dem Attentat und rassistischen Strukturen auseinander &#8222;um eigene rassistische Tendenzen weiter abzulegen, um]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor zwei Jahren wurden</strong> <strong>Ferhat Ünvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Kalojan Welkow, Fatih Saraçoğlu, Said Nessar El Hashemi und Vili Viorel Păun aus rassistischen Motiven ermordet. Unser Autor Moritz setzt sich, obwohl er selbst keinen Rassismus erlebt, mit dem Attentat und rassistischen Strukturen auseinander &#8222;um eigene rassistische Tendenzen weiter abzulegen, um andere aufzuklären und um mich mit Menschen, die Rassismus erleben, zu solidarisieren.&#8220;</strong></p>
<p><span id="more-14566"></span><br />
Ich bin weiß. Ich bin privilegiert. Ich bin nicht dazu gezwungen mich mit Rassismus auseinanderzusetzen, denn ich erlebe ihn in der westlichen Welt nicht. Dennoch tue ich es, wie viele es tun. Um eigene rassistische Tendenzen weiter abzulegen, um andere aufzuklären und um mich mit Menschen, die Rassismus erleben, zu solidarisieren.<br />
Am 19. Februar vor zwei Jahren wurden Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin durch einen von rassistischen Motiven getriebenen Terroristen ermordet. Dabei ist es wichtig das Versagen der Polizei und die mangelhafte Aufklärung immer wieder zu betonen. Es ist fünf vor 68.<a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a> Es braucht eine neue Entnazifizierung.</p>
<p>Während False Balances (= es werden nur die radikalsten Randgruppen gezeigt, nicht die moderatere Mehrheit) in den Medien eine Spaltung der Gesellschaft durch die Pandemie aufzeigt und bestärkt, wurde in letzter Zeit noch weniger über das Rassismusproblem in unserer Gesellschaft gesprochen. Jeder scheint nur noch für sich einzustehen</p>
<p>Auf der Kundgebung spüre ich eine düstere Atmosphäre. Im Hintergrund schreit jemand laut auf, ich verliere die Illusion von Sicherheit für einen kurzen Augenblick. So muss es seit dem Anschlag vielen Menschen in unserer Gesellschaft gehen.<br />
Die Banner sind vor dem Mikrofon gespannt, sodass niemand die Sprecher*innen sehen kann. Ein Denkmal steht im Vordergrund. Die Namen der Opfer sind dabei ein mahnendes Mantra geworden, das an sie erinnert und die Brutalität aufzeigt, mit der sie aus dem Leben gerissen wurden. Es ist wichtig die Namen weiterzutragen, denn diese Morde sind kein Einzelfall, sie sind ein Indikator für die Sphäre unseres Problems.<br />
Die Kundgebung endet und die Namen werden nochmal im Sprechchor genannt: Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin.<br />
Ich kann viele Namen nicht perfekt aussprechen. Ich schäme mich.</p>
<p>Um ein Uhr in der Nacht fahre ich mit der S-Bahn zum Marktplatz. Ich steige aus, denn mein Fahrrad steht in der Nähe. Ich sehe das Denkmal wie 6 Stunden zuvor. Ein paar Bilder der Opfer sind vom Wind umgefallen. Nahezu alle Kerzen sind aus.<br />
Ein so schönes Denkmal von der Nacht gezeichnet. Ich laufe wie gebannt darauf zu. Mache die Musik aus, denke darüber nach, wie das Leben der Opfer wohl ohne diese schreckliche Tat verlaufen wäre und stelle die Bilder wieder auf, zünde Kerzen an.<br />
Ich habe Tränen in den Augen und bemerke, wie die Kerzen immer wieder vom Wind ausgehen. Ich mache verzweifelt weiter.<br />
Währenddessen laufen viele Leute an mir vorbei. Schauen mich verwirrt an. Keiner kommt um mir zu helfen. Sie schauen nur.<br />
Ich bekomme für einen Augenblick die Idee, dass sich so wohl Opfer von Rassismus fühlen. Doch das ist unvergleichbar, denn ich habe mich freiwillig in die Situation gebracht und kann auch einfach wieder aus dieser verschwinden!<br />
Währenddessen ist der Kampf um die Flammen vergebens, die Lichter werden schneller ausgepustet, als ich sie wieder anzünden kann. Es werden niemals alle brennen.</p>
<div id="sdfootnote1">
<p class="sdfootnote"><em><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a>Studentenbewegung in den 1960ern in Weststaaten; in der BRD war auch die Forderung der Entnazifizierung aller staatlicher Behörden und der Gesellschaft Gegenstand der Proteste</em></p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Urteil &#8211; es war soweit</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/12/das-urteil-es-war-soweit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Dec 2021 07:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualisierte Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Content Note: Sexualisierte Gewalt.  Unsere Autorin Celine schreibt für uns über den Prozess gegen den Freund ihrer Mutter. Inzwischen ist das Urteil verkündet worden, und Celine und ihre Schwester sind erleichtert, nach dieser langen Zeit des Kämpfens zumindest ein bisschen Gerechtigkeit zu erfahren. Wie Celine den Tag am Schöffengericht erlebt hat, lest ihr hier. Es]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Content Note: Sexualisierte Gewalt. </strong></p>
<p><strong>Unsere Autorin Celine schreibt für uns über den Prozess gegen den Freund ihrer Mutter. Inzwischen ist das Urteil verkündet worden, und Celine und ihre Schwester sind erleichtert, nach dieser langen Zeit des Kämpfens zumindest ein bisschen Gerechtigkeit zu erfahren. Wie Celine den Tag am Schöffengericht erlebt hat, lest ihr hier.</strong></p>
<p><span id="more-14344"></span></p>
<p>Es war soweit…</p>
<p>Dienstag den 09.11.2021, 9:30 Uhr angekommen am Schöffengericht, standen wir da.<br />
Leer Blicke.<br />
Wut.<br />
Angst und hoher Puls.<br />
Gedanken schossen mir durch den Kopf…<br />
Eine Zigarette nach der anderen, Tränen in den Augen, denn es war endlich soweit.<br />
Um 9:45 sind wir die Treppen hochgelaufen und standen vor dem Saal 158, voller Aufregung, zitternde Beine und nasse Hände.</p>
<p>Es war soweit…</p>
<p>10 Uhr durften wir in diesen kalten weissen Saal eintreten und das taten wir dann auch…<br />
Im Saal saßen der Pflichtverteidiger und die Dolmetscherin auf der linken Seite vom Saal, in der Mitte der Richter und die zwei Schöffen. Auf der rechten Seite saßen die Staatsanwaltschaft und die Protokollantin und unsere Rechtsanwältin.<br />
Und dann saßen da wir.</p>
<p>Und du? Du kamst mal wieder zu spät.</p>
<p>Um 10:25 ging die Tür auf und ich sah den Mann in Uniform, Justiz stand auf seiner Jacke…<br />
Und dann kamst du rein, mit Handschellen an deinen Händen… in einem roten T-Shirt und grauer Jogginghose.<br />
Ich schaute dir direkt in die Augen und für einen kurzen Moment fühlte ich nichts.<br />
Du bleibst stehen.<br />
Deine hässliche Neugier und deine ungeduldige Art wollten wissen, wer alles auf diesen Stühlen sitzt.</p>
<p>Nun sitzt du auf einem dieser Stühle mit der Dreistigkeit, in unsere Richtung zu gucken.<br />
Mir kamen die Tränen.<br />
Mein Herz klopfte so schnell und meine Schwester neben mir war am zittern.<br />
Ich griff nach ihrer Hand und sie schaute mich an, dieser Blick… den ich niemals vergessen werde.<br />
So viel Schmerz in ihren Augen.<br />
So viel Angst.<br />
So viele Zweifel.</p>
<p>Der Justizbeamte wurde laut und befiehlt dir nach vorne zu schauen und nicht in unsere Richtung.<br />
Das gefiel dir nicht…<br />
Und dann hörte ich deine grauenvolle Stimme fragen &#8211; Ist das jetzt auch verboten? &#8211;</p>
<p>Deine ekelhafte Dreistigkeit allein sollte schon bestraft werden!</p>
<p>Die ersten Sätze von dem Richter bekam ich vor lauter Gedanken gar nicht mit… ich wollte einfach nur, dass es vorbei ist, ich versuchte mich zu konzentrieren.<br />
Doch dann mussten wir raus aus dem Saal, denn du hattest das Recht, etwas über dich zu erzählen und wie es dir so ergangen ist in der Untersuchungshaft…</p>
<p>Wir saßen draußen direkt vor dem Saal und warteten und warteten…<br />
Die Zeit war in diesem Moment mein schlimmster Feind.<br />
Sekunden wurden zu Minuten und die Minuten wurden zu einer fast ganzen Stunde…</p>
<p>Ich habe mich so lange Zeit emotional darauf vorbereitet gegen dich auszusagen…<br />
Allen Anwesenden zu erzählen, was für ein schreckliches Monster du bist… dir ins Gesicht gucken zu können und dir zur erzählen, was du aus mir gemacht hast… wieviel Leid du mir zugefügt hast… wieviel Schmerz ich in mir trage wegen dir, und was du alles kaputt gemacht hast.<br />
DENN ALL DAS IST DIR NICHT BEWUSST!!!</p>
<p>Ich wollte gegen dich aussagen, um endlich einen Haken dahinter setzen zu können, ich wollte gegen dich aussagen für meine Schwester. Ich wollte mein Leid mit allen Anwesenden teilen und ihnen zeigen, was für ein schrecklicher Mensch du bist.</p>
<p>Nach einer ganzen Weile kam meine Rechtsanwältin raus und schaute mich an und meinte, dass ich wahrscheinlich nicht aussagen werde gegen dich sondern nur meine Schwester… Das würde entschieden werden, wenn meine Schwester ausgesagt hat! Und vorteilhaft wäre es, wenn ich während ihrer Aussage mit draußen warte…</p>
<p>Schaffst du das fragte man meine Schwester, sie schaute mich an … Und ich versicherte ihr, dass sie es schaffen würde!!</p>
<p>Sie steht auf und betrat den Saal mit meiner Rechtsanwältin…<br />
Die Tür ging zu und ich weinte… ich wusste nicht, was ich denken sollte…<br />
Ich weiß nicht, wie lange sie ihre Aussage machte aber sie hat es geschafft… Die Tür ging auf und sie fiel mir in die Arme.<br />
Ich war so unglaublich stolz auf sie!!</p>
<p>Alle mussten raus aus dem Saal, denn der Pflichtverteidiger und er wollten sich besprechen…<br />
Man schlug ihm ein Deal vor.. bei einem Geständnis würde es zu einem Urteil von 2-3 Jahren kommen…<br />
Aber der Pflichtverteidiger wollte Bewährung für ihn???<br />
Mit was für einer Begründung sollte er Bewährung bekommen fragte ich mich…</p>
<p>Es war soweit…<br />
Nach all dem langen Warten und nicht zu wissen, was passiert, durften wir wieder in den Saal 158 eintreten…</p>
<p>Der Richter gab dem Pflichtverteidiger das Wort um sein Geständnis abzulegen und gleichzeitig zu begründen, warum Bewährung für ihn doch rechtens wäre…</p>
<p>Haltet euch fest!!</p>
<p><b>Herr XY gibt zu, die beschriebenen Taten begangen zuhaben, dennoch könne das Opfer froh sein, dass er zum MASTURBIEREN nach anfassen des Mädchens extra auf den Balkon gegangen sei. Zudem sollte auch berücksichtig werden, dass er ja nicht eingedrungen sei und es zu keiner Vergewaltigung kam, und verantwortlich ist das Opfer, denn sie habe sich freizügig gekleidet…  Unter anderem leidet Herr XY an körperlicher Gewalt, die ihm durch andere Insassen zugefügt werde… Deshalb beantrage ich Bewährung… </b></p>
<p>Meine Wut in diesem Moment kann ich absolut nicht beschreiben und der Anblick meiner Schwester in diesem Moment brach mir das Herz.<br />
Wir saßen beide nebeneinander und weinten und hofften auf ein Ende, denn das war einfach nur schrecklich und ekelhaft…</p>
<p>Die Staatsanwaltschaft bekam das Wort, die Frau musste selbst erst einmal tief durchatmen, denn auch sie war einfach nur geschockt, wie alle anderen im Raum… Sie hielte ihre Ansprache und beantragte 3-4 Jahre Haft plus einen weiteren Haftbefehl, denn es besteht Fluchtgefahr…<br />
Nach ihrer Ansprache bekam unsere Rechtsanwältin das Wort, sie schüttelte den Kopf und hielte ihre Ansprache…auch sie beantragte 3-4 Jahre Haft…</p>
<p>Sie war ein kleines Mädchen und es lag ganz sicher nicht in ihrer Verantwortung, ob freizügig gekleidet oder nicht…<br />
Zum Masturbieren extra auf den Balkon gegangen?<br />
Berücksichtigen, dass es zu keiner Vergewaltigung gekommen ist?<br />
EKELHAFTES SCHWEIN!!!!</p>
<p>Es war soweit…</p>
<p>nach fast 4 Stunden kam endlich das Urteil.<br />
Erheben Sie sich…</p>
<p>Meine Knie zittern.<br />
Ich halte die Luft an.<br />
Halte die Hand von meiner Schwester.<br />
Weinten und hofften.</p>
<p>Und ich dachte mir… danach ist es endlich vorbei. Der Kampf, den wir seit 2019 kämpfen, nimmt endlich ein Ende.<br />
Gerechtigkeit oder keine Gerechtigkeit?<br />
Bewährung oder doch 3-4 Jahre Haft?</p>
<p><b>Urteil… im Namen des Volkes… in der Strafsache gegen Herr XY wegen </b><b>sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und Kindern</b><b> wird der Angeklagte zu </b><b>3 Jahren Haft </b><b>verurteilt… </b></p>
<p>Ich holte tief Luft und knickte ein …<br />
Ich umarmte meine Schwester und wir beide fingen an zu weinen…<br />
Wir haben es geschafft!</p>
<p>Nach über 2 Jahren ist es endlich vorbei und wir haben ein kleines bisschen Gerechtigkeit bekommen…<br />
Die 3 Jahre Haft sind wenig, darüber brauchen wir uns nicht zu streiten, aber es ist besser, als ihn auf freien Fuß zu sehen.</p>
<p>Wir standen draußen vor dem Saal, biegen links ab in einen Gang… und da kommt er… in Handschellen, voller Wut und Hass… wird er abgeführt von dem Justizbeamten…<br />
Und mit meinem ganzen Stolz und mit meiner ganzen Kraft schaute ich ihm ein letztes Mal in die Augen und lächelte…<br />
Alles kommt zurück schrie er wie ein Bekloppter und ich antwortetet.. JA RICHTIG, ALLES KOMMT ZURÜCK ZU DIR!<br />
Und lief die Treppe mit erhobenem Kopf runter, gemeinsam mit meiner Schwester und mit meiner Mama…</p>
<p><b>… Ich bin Celine Grace Senses und ich wurde Opfer von sexuellem Missbrauch. </b><br />
<b>Das, was man mir angetan hat, wurde nicht bestraft, gekämpft habe ich trotzdem.</b><br />
<b>Ich bin eine, eine von acht Milliarden Menschen, und habe hier euch meine Geschichte erzählt, diese eine von vielen Geschichten.</b></p>
<p>Sexuelle Gewalt oder sexueller Missbrauch ist für tausende Kinder in Deutschland leider alltäglich. Nur wenige Täter und Täterinnen sind den betroffenen Kindern oder Jugendlichen wirklich fremd. Sexueller Missbrauch findet nach Angaben des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung am häufigsten innerhalb der engsten Familie statt…<br />
Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche hat für die Betroffenen dramatische Folgen – oft ein Leben lang.</p>
<p>Wenn du von sexueller Gewalt betroffen bist oder du dich um ein Kind sorgst, einen Verdacht oder ein komisches Gefühl hast oder du dir unsicher bist und Fragen zum Thema stellen möchtest, kannst du dich auch vertrauensvoll an das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch wenden. Es ist eine Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten. Die pädagogischen und psychologischen Beraterinnen und Berater unterstützen bei allen Fragen zum Thema <b>kostenlos und anonym.</b><br />
Zu erreichen ist das Hilfetelefon unter der Nummer<b> 0800 22 55 530</b></p>
<p><b>Du bist niemals allein, vergiss das nicht! </b><br />
<b>Und Danke an alle, für die tolle Unterstützung und für all den Mut, den ihr mir mitgegeben habt! </b><br />
<b>Eure Celine</b></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/celine/" target="_blank" rel="noopener"><strong>alle weiteren Beiträge von Celine</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die HeRoes zum internationalen Tag gegen Gewalt an Mädchen und Frauen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/11/internationalertaggegengewalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[HeRoes]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Nov 2021 07:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=14309</guid>

					<description><![CDATA[Anlässlich des heutigen internationalen Tages gegen Gewalt an Mädchen und Frauen haben die HeRoes Duisburg ein neues Video produziert. In ihrer Arbeit setzen die jungen Männer sich für ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben von Mädchen und Frauen ein. In diesem Video zeigen sie in ihren persönlichen Statements, dass sie solidarisch sind &#8211; und zwar nicht]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anlässlich des heutigen internationalen Tages gegen Gewalt an Mädchen und Frauen haben die HeRoes Duisburg ein neues Video produziert. In ihrer Arbeit setzen die jungen Männer sich für ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben von Mädchen und Frauen ein. In diesem Video zeigen sie in ihren persönlichen Statements, dass sie solidarisch sind &#8211; und zwar nicht nur an diesem Tag!</strong></p>
<p><span id="more-14309"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr von den HeRoes <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/heroes_neu/" target="_blank" rel="noopener"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hinter Gittern</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/11/hinter-gittern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Nov 2021 07:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualisierte Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir sind beeindruckt von unserer Autorin Celine: Nachdem sie einen Text über den Missbrauch durch ihren Stiefvater geschrieben und auf der großen Bühne vorgetragen hat, fasste sie den Mut, endlich Anzeige zu erstatten. Momentan läuft der Prozess. Danke, Celine, für deine Offenheit und dass du uns auf dem Laufenden hältst.  Nun war es endlich soweit…]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir sind beeindruckt von unserer Autorin Celine: Nachdem sie einen Text über den Missbrauch durch ihren Stiefvater geschrieben und auf der großen Bühne vorgetragen hat, fasste sie den Mut, endlich Anzeige zu erstatten. Momentan läuft der Prozess. Danke, Celine, für deine Offenheit und dass du uns auf dem Laufenden hältst. </strong><span id="more-14301"></span></p>
<p>Nun war es endlich soweit…<br />
sie haben dich, sitzt gerade im Flieger…</p>
<p>fühltest nie diesen Schmerz den wir fühlten… fühltest diese Macht… denn du bist ja ein Mann, der deiner Meinung nach das Recht hat, eine Frau gegen ihren Willen anzufassen richtig?</p>
<p>Du bist ja ein Mann, also ist es richtig, eine Frau zu schlagen und ihr danach zu sagen, wie sehr du sie liebst richtig?</p>
<p>Du steigst aus dem Flieger aus, in Handschellen, die Polizei neben dir…</p>
<p>Ich kann mir diesen Stolz, den du gerade ausstrahlst, so gut vorstellen, denn du bist ja ein Mann richtig? Denn du hast ja nichts falsch gemacht richtig? Und deshalb bist du nicht abgehauen? Weil du nichts falsch gemacht hast?</p>
<p>Ich glaube, du weißt ganz genau, was du falsch gemacht hast… und ich glaube, du weißt ganz genau, warum du abgehauen bist! Oh ich kann mir das so gut vorstellen, wie du in deiner Zelle sitzt und dich fragst, was du falsch gemacht hast &#8230; lustig &#8230; denn du weißt es ganz genau aber du bist nicht ehrlich zu dir selbst. Das warst du nie und wirst es auch niemals sein…</p>
<p>Wie ist es so? Als Mann? Fühlt es sich richtig an hinter Gittern zu sitzen?</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2019/09/celine-es-war-2011/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Mit diesem Text</strong></a> fing alles an.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Es ist 2021 </title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/05/es-ist-2021/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 May 2021 07:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Stimme Sticky]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualisierte Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Beim #gelände19 war unsere Autorin Celine im Poetry Slam-Workshop dabei — und hat sich in ihrem Text &#8222;Es war 2011&#8220; mit den Erfahrungen sexualisierter Gewalt, die sie machen musste, auseinandergesetzt. Inzwischen hat sie ihren Stiefvater angezeigt und momentan läuft der Prozess. Celine schreibt darüber, und heute lest ihr den ersten Teil. Wir wünschen Celine viel Kraft für]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Beim #gelände19 war unsere Autorin Celine im Poetry Slam-Workshop dabei — und hat sich <a href="https://www.meintestgelaende.de/2019/09/celine-es-war-2011/" target="_blank" rel="noopener">in ihrem Text &#8222;Es war 2011&#8220;</a> mit den Erfahrungen sexualisierter Gewalt, die sie machen musste, auseinandergesetzt. Inzwischen hat sie ihren Stiefvater angezeigt und momentan läuft der Prozess. Celine schreibt darüber, und heute lest ihr den ersten Teil. Wir wünschen Celine viel Kraft für diese Zeit!</strong></p>
<p><span id="more-12928"></span></p>
<p>Mein Handy leuchtete auf… Eine E-Mail von meiner Rechtsanwältin: &#8222;Sehr geehrte Frau Celine Senses.&#8220; Ich stand da mit komplett gemischten Gefühlen und dachte mir: Wow … nach über einem Jahr bekomme ich eine endlich DIE E-Mail&#8230; &#8222;Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können&#8220;, oh mein Herz klopfte so unfassbar schnell… &#8222;Ihnen mitteilen zu können, dass die Staatsanwaltschaft Anklagen gegen IHN erhoben hat.&#8220; Mein Herz stand für einen kurzen Moment still… &#8222;Das bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft Ihren Aussagen vollumfänglich Glauben schenkt&#8230;&#8220; stand in der nächsten Zeile.</p>
<p>Ihr wisst nicht wie lange ich auf diesen Moment gewartet habe, ich hatte fast schon aufgegeben, aber nur fast. * lächeln*</p>
<p>Es wird eine Hauptverhandlung geben, aber wann, das wusste man noch nicht… GEDANKEN SCHOSSEN MIR IN DEN KOPF, GEFÜHLE SPIELTEN VERRÜCKT UND ALLES WAS ICH MACHEN KONNTE WAR ES, DIE WORTE AUF PAPIER ZU BRINGEN… Und das habe ich getan ….</p>
<p>Du bist ungefragt ein Teil meines Lebens geworden, und dazu hast du auch noch mein ganzes Leben verändert, NEGATIV.  Und als wäre das nicht schon schlimm genug, hast du auch mich verändert. Und dass ich hier über dich schreibe hat nur einen Grund, nach all dem hier fang ich neu an.  Das hier sind meine letzten Worte an dich…</p>
<p>Du bist der Grund für all die Leere, die ich spüre.</p>
<p>Du bist der Grund, warum ich nachts Alpträume habe.</p>
<p>Du bist der Grund für all die Angst, die mich und mein Leben zerstört hat, aber hey, immerhin nur zum Teil.</p>
<p>Und genauso bist du auch schuld daran, dass ich schöne Dinge mit schönen Menschen nicht erleben konnte.</p>
<p>Du bist schuld für all die Zweifel, für all das Misstrauen, das ich gegenüber Menschen habe und haben werde.</p>
<p>Du bist schuld daran, dass Leute denken, meine Aura sei aggressiv.</p>
<p>Du bist schuld daran, dass ich den Mann, den ich liebe, nicht richtig lieben kann.</p>
<p>Du bist schuld daran, dass ich körperliche Nähe ekelhaft finde.</p>
<p>Das Warten, die Gefühle und die Gedanken brachten es soweit, dass ich jetzt wieder alleine bin&#8230; weil ich nicht richtig lieben kann.</p>
<p>Ja, du bist schuld daran.</p>
<p>Ich hoffe, dass du dir dieser Schuld dein Leben lang bewusst bist.</p>
<p>Ein altes Sprichwort besagt: „Tränen kehren eines Tages zu ihrem Verursacher zurück.“</p>
<p>Das hattest du mir immer gesagt, wenn ich traurig über irgendwen war oder wenn jemand meine Gefühle verletzt hatte… Witzig, oder?</p>
<p>Du als Person bist die Täuschung selbst, so falsch und feige, so  kalt und so verletzend… ich weiß noch wie du immer gesagt: „Familie ist alles“. Du hast Familie nicht verdient.</p>
<p>Das, was du verdienst, ist die Dunkelheit. Keine Sonne und nie wieder Regen und auch keinen Wind. So wirst du herausfinden, wie mich gefühlt habe.</p>
<p>Glaub mir, die Dunkelheit ist schlimmer als du denkst, wenn du den Lichtschalter nicht findest. Dein Ende wird irgendwann Dunkelheit sein, ohne einen einzigen Lichtschalter, du wirst spüren, wie unglaublich groß die Dunkelheit sein kann, und du wirst spüren, was die Dunkelheit mit einem machen kann!</p>
<p>Ich könnte Ewigkeiten darüber schreiben wie grausam das alles ist, und was du angerichtet hast, in meiner Familie… Aber das wird mir hier zu lang…</p>
<p>Ich mache hier jetzt ein Stopp, denn in meinem Kopf ist nur noch viel Schrott…</p>
<p>Wollte euch nur sagen habe gelernt wieder NEIN zu sagen! Ich bin eine, eine von 8 Milliarden Menschen und erzähle hier meine Geschichte, diese eine von vielen Geschichten.</p>
<p>DANKE.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2020/10/ich-will-alles/" target="_blank" rel="noopener"><strong>In diesem Text</strong> </a>schreibt unsere Autorin Fee über das Thema sexualisierte Gewalt.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Fieses Virus</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/10/fieses-virus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Oct 2020 07:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Covid19]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[onlinegelände20]]></category>
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					<description><![CDATA[[Triggerwarnung: Im Text wird Gewalt beschrieben.] Während des Lockdowns sind die Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen nahezu überall stark angestiegen. Nicht für alle ist das eigene Zuhause ein sicherer Ort, und leider ist es viel zu oft so unglaublich schwer, eine solche Situation zu verlassen. Mit genau diesem Thema hat sich Tatiana Flores beschäftigt. Sie]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>[Triggerwarnung: Im Text wird Gewalt beschrieben.] Während des Lockdowns sind die Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen nahezu überall stark angestiegen. Nicht für alle ist das eigene Zuhause ein sicherer Ort, und leider ist es viel zu oft so unglaublich schwer, eine solche Situation zu verlassen. Mit genau diesem Thema hat sich Tatiana Flores beschäftigt. Sie hat in diesem Jahr beim #onlinegelände mitgemacht &#8211; und dabei herausgekommen ist dieses Gedicht, das gar nicht mal so leicht zu verdauen ist&#8230; </strong></p>
<p><span id="more-12493"></span></p>
<p><span style="font-size: 1.14285rem;">Ich habe morgens Angst aufzuwachen,<br />
Versuche mir erst gar nicht auszumalen,<br />
Was er mit mir machen könnte.<br />
Ich fühle mich schuldig eine Frau zu sein,<br />
Weiß nicht mehr an wem es liegt,<br />
An mir oder ihm.<br />
Ich bin eine Frau, wiederholt er immer wieder,<br />
Jedes Mal, wenn er mich schlägt.<br />
Er platzt auf meine Haut und dieselben Wunden,<br />
Immer und immer wieder,<br />
Doch mit jedem Wort, mit jedem Schlag, mit jedem Tritt,<br />
Stirbt ein Teil meiner Seele in mir,<br />
Er zündet sie an, sie verbrennt und ist im Nu vernichtet.<br />
Ich bleibe hier und ertrage es wegen den Kindern,<br />
Wegen Max und Lilli,<br />
Ich will, dass sie es irgendwann besser haben,<br />
Ein Leben frei von Angst und Gewalt.<br />
Ich frage mich jeden Abend immer wieder,<br />
Wann es wohl so weit ist,<br />
Dieses andere Leben, diese Utopie, diese bessere Welt,<br />
Und jedes Mal, wenn ich meine äußerlichen Wunden versorge,<br />
Wer wirklich das schlimmste Virus ist,<br />
Die Männer die keinen anderen lieben oder respektieren können,<br />
Außer sich selbst, oder dieses fiese Virus,<br />
Dass sie am Besten alle umbringen soll.</span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Auf der Seite des <a href="https://www.hilfetelefon.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>kostenlosen Hilfetelefons</strong></a> gibt es nicht nur Beratung für Betroffene häuslicher Gewalt, sondern auch für unterstützende Personen, und das in vielen verschiedenen Sprachen.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jungs, Gaming &#038; Gewalt</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2019/12/jungs-gaming-gewalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[jeco]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Dec 2019 07:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gaming]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer wieder wird diskutiert, ob Videospiele &#8211; konkreter sogenannte &#8222;Killerspiele&#8220; &#8211; Auslöser für Gewalt in der realen Welt sind. Spätestens seit dem antisemitischen Terroranschlag in Halle an der Saale ist diese Diskussion wieder in vollem Gange &#8211; denn unser Innenminister Seehofer forderte daraufhin, die Gamingszene stärker in den Blick zu nehmen. Die Redaktionsgruppe Jeco hat]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Immer wieder wird diskutiert, ob Videospiele &#8211; konkreter sogenannte &#8222;Killerspiele&#8220; &#8211; Auslöser für Gewalt in der realen Welt sind. Spätestens seit dem antisemitischen Terroranschlag in Halle an der Saale ist diese Diskussion wieder in vollem Gange &#8211; denn unser Innenminister Seehofer forderte daraufhin, die Gamingszene stärker in den Blick zu nehmen. Die Redaktionsgruppe Jeco hat sich nun einfach mal direkt in Halle umgehört. Was halten die Menschen dort von der Diskussion? Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Männlichkeit, Gaming und Gewalt? Schaut unbedingt rein. Danke an Max, Juliane und Tobias für dieses spannende Video!</strong></p>
<p><span id="more-11962"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Leider ziemlich eindeutig etwas, das <a href="https://www.meintestgelaende.de/2019/07/sexismus-in-games/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>in Games immer wieder auftaucht: Sexismus</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Celine: Es war 2011</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2019/09/celine-es-war-2011/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2019/09/celine-es-war-2011/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Sep 2019 07:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[gelände2019]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Poetry Slam]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Ich bin eine, eine von acht Milliarden Menschen, und erzähle hier meine Geschichte. Diese eine von vielen Geschichten.&#8220; Celines Poetry Slam-Text, den sie bei der Abschlussveranstaltung des #gelände2019 vorgetragen hat, geht unter die Haut. Radikal ehrlich berichtet die starke junge Frau von sexualisierter Übergriffigkeit und Gewalt im eigenen Zuhause.  Mehr dazu: Wusstet ihr, dass ihr]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Ich bin eine, eine von acht Milliarden Menschen, und erzähle hier meine Geschichte. Diese eine von vielen Geschichten.&#8220; Celines Poetry Slam-Text, den sie bei der Abschlussveranstaltung des #gelände2019 vorgetragen hat, geht unter die Haut. Radikal ehrlich berichtet die starke junge Frau von sexualisierter Übergriffigkeit und Gewalt im eigenen Zuhause. </strong></p>
<p><span id="more-11772"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Wusstet ihr, dass ihr beim <a href="https://www.hilfetelefon.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Hilfetelefon: Gewalt gegen Frauen</strong></a> 24 Stunden am Tag Beratung und Unterstützung bekommen könnt?</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Dein Schweigen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2019/02/dein-schweigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sunrise Writers]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Feb 2019 07:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieser Text von Vivien von den Sunrise Writers beschreibt eine Situation, die so alltäglich wie unfassbar ist: Es ist Abend, gelöste Stimmung, eine Party, es wird Bier getrunken. Zwei Personen kommen sich näher &#8211; doch für eine der beiden wird eine Grenze überschritten. Ihr &#8218;Nein&#8216; wird nicht akzeptiert. Und die Fassungslosigkeit darüber macht unfähig, sich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dieser Text von Vivien von den Sunrise Writers beschreibt eine Situation, die so alltäglich wie unfassbar ist: Es ist Abend, gelöste Stimmung, eine Party, es wird Bier getrunken. Zwei Personen kommen sich näher &#8211; doch für eine der beiden wird eine Grenze überschritten. Ihr &#8218;Nein&#8216; wird nicht akzeptiert. Und die Fassungslosigkeit darüber macht unfähig, sich zu bewegen. In so einer Situation würde die einfache Frage von Außenstehenden, ob alles in Ordnung ist, schon so viel weiterhelfen&#8230;</strong></p>
<p><strong>!Trigger-Warnung! Wenn du Erfahrungen mit Übergriffigkeit und ggf. sexualisierter Gewalt gemacht hast, könnte dich dieser Text triggern.</strong></p>
<p><span id="more-11255"></span><br />
In meiner linken Hand halte ich in ein Bier und in meiner rechten Hand, da halte ich seine.<br />
Sie wandert meinen Unterarm entlang und bleibt dort eine Weile liegen.<br />
Seine Augen schauen einen Moment lang in mein Innerstes, dann in mein Gesicht und kurz darauf, auf mein Dekolleté.<br />
Er sagt mir, ich hätte die schönsten Brüste, die er je zu Gesicht bekam und wie sie fast schon königlich wirkten.<br />
Ich lasse diese von Alkohol geschwängerten Worte an mir vorbei ziehen. Ich antworte nicht.<br />
Er lehnt sich vor, sein Atem stinkt nach Bier und er beginnt, meinen Unterarm zu massieren.<br />
Ich ziehe ihn weg.</p>
<p>Er würde mich küssen wollen, sagt er und ich bitte ihn, damit aufzuhören.<br />
Er überhört meine Worte. Nein, er ignoriert sie. Er denkt, wir wären dafür bestimmt, uns nur ein einziges Mal zu küssen.<br />
Ich sage, ich habe einen Freund.<br />
Für einen kurzen Moment hält er inne.<br />
In meiner linken Hand halte ich kein Bier mehr, und in meiner rechten Hand, da halte ich erneut seine. Wieder kommt er mir näher, macht mir Komplimente und streicht nun mit seinem Fuß mein Bein auf und ab.<br />
Dieses Mal bitte ich ihn nicht darum aufzuhören. Ich denke, wenn ich nicht reagiere, dann wird er schon aufhören. Ich lasse es geschehen.</p>
<p>Seine Hand wandert erneut meinen Unterarm hoch.<br />
Sein Blick brennt sich in meine Wange, die er seit einigen Minuten anstarrt.<br />
Wieder massiert er mich, dieses mal etwas fester und der Druck, den er auf meinen Unterarm ausübt lähmt mich.<br />
Ich sehe zu Dir.<br />
Ich forme mit meinen Lippen zwei einfache Worte.<br />
Ich sehe Dich verzweifelt an und gestikuliere mit meiner linken Hand.<br />
Du lachst nur und drehst Dich weg, Du warst ja mitten in einer Unterhaltung und ich wollte Dich auch eigentlich gar nicht unterbrechen.</p>
<p>In meiner linken Hand halte ich erneut ein Bier und in meiner rechten Hand halte ich dieses mal nichts, da er mir nicht die Chance gibt, den Arm auch nur für einen Moment von ihm zu trennen.<br />
Wir spielen dieses Spiel noch ein paar mal.<br />
Noch ein paar Mal greift er nach meiner Hand und massiert meinen Unterarm.<br />
Noch ein paar Mal sagt er mir, wir wären bestimmt dazu uns nur ein einziges Mal zu küssen.<br />
Noch ein paar Mal sage ich, er solle mich doch bitte nicht anfassen und ich habe einen Freund.<br />
Noch ein paar Mal sagt er so viele Dinge, die dafür sorgen, dass mir schlecht wird.<br />
Und noch ein paar Mal versuche ich immer wieder zu gehen, doch ich weiß nicht wie, denn sein Griff ist das Gift in meinen Nerven, welches mir die Fähigkeit nimmt, die Füße zu bewegen.</p>
<p>Für einen kurzen Moment sieht er nicht zu mir.<br />
Ich stehe auf und gehe raus.<br />
Du folgst mir, denn Du willst Dir eine rauchen und auch mir wieder etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.<br />
Ich würge, weine und schreie Dich an.<br />
&#8222;Wieso hast du dich denn nicht gewehrt?&#8220;, fragst Du und erwartest eine ehrliche Antwort.<br />
Ich werde ruhig und sehe auf den Boden.<br />
Ich will nicht mit Dir reden und setze mich wieder an meinen Platz.<br />
Er ist weg.<br />
Dieses Mal halte ich in meiner linken Hand ein Bier, und der Platz zu meiner rechten ist nicht mehr besetzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Übergriffigkeit ist nur einer der vielen, vielen Gründe, aus denen wir Feminismus brauchen. Weitere Gründe gibt&#8217;s <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/12/warum-wir-feminismus-brauchen/" target="_blank" rel="noopener"><strong>in diesem Video</strong></a> von Amelie Elisabeth.</li>
<li>Und hier kannst du dir bei Couch-Plausch nochmal anschauen, weshalb auch Frauen <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/01/als-frau-offen-ueber-sex-reden/" target="_blank" rel="noopener"><strong>offen über Sex sprechen</strong></a> können, sollen und dürfen.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Er hat mich nie geschlagen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/12/er-hat-mich-nie-geschlagen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marie]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Dec 2018 07:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
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					<description><![CDATA[„… jedoch wünschte ich, er hätte es getan.“ Der Beginn von Maries Text verstört. Wünscht sie sich wirklich, von ihrem Freund geschlagen zu werden? Nein, keineswegs. Sie erzählt von einer gewalttätigen Beziehung, die sie über zweieinhalb Jahre führte und in der sie sich selbst nahezu komplett aufgab für ein bisschen Zuwendung und Liebe. Der Preis]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„… jedoch wünschte ich, er hätte es getan.“ Der Beginn von Maries Text verstört. Wünscht sie sich wirklich, von ihrem Freund geschlagen zu werden? Nein, keineswegs. Sie erzählt von einer gewalttätigen Beziehung, die sie über zweieinhalb Jahre führte und in der sie sich selbst nahezu komplett aufgab für ein bisschen Zuwendung und Liebe. Der Preis war hoch. Wie hoch, das beschreibt Marie in brutaler Offenheit, die zeigt, wie Lieblosigkeit und Kontrolle einen Menschen bis ins Selbstverständnis zerstören können.</strong></p>
<p><span id="more-11158"></span></p>
<p>&#8230;jedoch wünschte ich, er hätte es getan.<br />
Mein Artikel handelt von emotionalem Missbrauch in einer Liebesbeziehung, eine stille Gewalt, die nach außen hin kaum einer bemerkt. Es äußert sich schleichend und meistens wird es erst realisiert, wenn es zu spät ist, wenn man so sehr an sich selbst zweifelt, weil man das Gefühl bekommt, nichts wert zu sein, nicht richtig zu sein.<br />
Man will die Anerkennung von genau dem Menschen, der sich einem ständig entzieht, wird süchtig nach dessen Bestätigung, dass man halbwegs wertvoll ist, denn meistens ist man es nicht.</p>
<p>So lange habe ich das Gefühl bekommen, alles mögliche falsch zu machen. Dinge, die im Alltag normal waren, waren plötzlich etwas, das nicht sein darf. Ich habe den Menschen, den ich so sehr geliebt habe, viel zu oft verärgert. Ich habe Dinge getan, die in seinen Augen respektlos waren. Zu diesen Dingen zählte zum Beispiel das Freundetreffen.</p>
<p>Ich habe niemals das Vertrauen missbraucht, trotzdem wurde mir nicht vertraut.</p>
<p>Als Folge durfte ich mich nicht mit Freunden treffen, die männlich waren. Ich habe mich isoliert und meine Freunde lediglich gesehen, wenn wir eine der vielen Beziehungspausen hatten, während denen mein Partner sich nicht mehr sicher war, ob er mich möchte &#8211; und mich wochen- bis monatelang hat warten lassen, mich jedoch weiterhin mit Regeln und Vorwürfen bei sich hielt.</p>
<p>Meine damals beste Freundin, die ich wegen dieser Beziehung – und fehlender Einsicht meinerseits, bald darauf verloren habe, hat einmal zu mir gesagt: <em>„Er hält dich in einem Käfig und wirft dir ab und zu ein paar Brocken zu. Und du freust dich darüber, als wäre es das tollste auf der Welt.“</em></p>
<p>Noch nie habe ich mich so wertlos gefühlt. Wie eine Strafe. War ich wirklich so grausam, dass man fast zwei Jahre braucht, um zu überlegen, ob ich die Richtige bin? Was an mir war falsch, dass ich so lange auf eine Person warten musste, die ich so sehr liebte.<br />
Ich habe angefangen, mir Bücher zu kaufen. Das war zwar der richtige Ansatz, jedoch war es zu kompliziert. Ist das Egoismus? Narzismus? Einfach nur Respektlosigkeit? Bindungs – oder Verlustangst? Eine Beziehungsunfähigkeit?</p>
<p>Ich wusste es nicht. Oder war sein Verhalten ganz normal, meins jedoch nicht?<br />
Je öfter mir meine Freunde und Verwandte sagten, dass ich die Notbremse ziehen sollte, weil das nicht normal sei, desto mehr hängte ich mich rein, mich mehr anzustrengen, ihn zu halten und zu rechtfertigen, weshalb er so reagiert. Die Schuld auf mich genommen, zugegeben, dass all das, was ich mache, wirklich nicht okay ist. Damit sein Verhalten entschuldigt ist.</p>
<p>Irgendwann traf ich auf den Begriff &#8220;Emotionaler Missbrauch&#8220; und traute meinen Augen nicht, als ich gelesen habe, woran man ihn erkennt:</p>
<p>1. Ein ständiger Wechsel zwischen Zuneigung und Ablehnung deines Partners, über Jahre.<br />
2. Krankhafte Eifersucht → Isolation von Freunden<br />
3. Deine Selbstachtung und das Selbstwertgefühl verschwinden nach und nach<br />
4. Es reicht nie, was du tust<br />
5. Kontrolle, Drohungen, wenn du etwas tust, was dem Partner nicht passt<br />
6. Partner ist unfähig, Kritik/Schuld anzunehmen/zuzugeben<br />
7. Partner überschreitet menschliche Grenzen<br />
8. Partner übernimmt keine Verantwortung für das eigene Handeln<br />
9. Partner hat die eigenen Emotionen nicht im Griff<br />
10. Der Fokus liegt die meiste Zeit auf ihm und seinen Bedürfnissen</p>
<p>Wir hatten im Jahr 2017 zwei schlimme Verluste, zwei Fehlgeburten mit einem Abstand von einem halben Jahr. Nach der ersten Fehlgeburt hat er mich alleine gelassen, statt mir beizustehen. Die ganze Situation war so auf ihn gerichtet, dass ich das Gefühl hatte, nicht ich, sondern ausschließlich er hat das Baby verloren. Mein Fokus war auf ihn gerichtet, denn er ist gegangen. Er hat diesen Verlust nicht ausgehalten und hat mich verlassen. Nur für ein paar Wochen, denn ich habe so sehr gekämpft, bis ich am Ende meiner Kräfte war – dann kam er wieder. Ich war der glücklichste Mensch der Welt.<br />
So blind, dass ich mich an jedem Grashalm festhielt.</p>
<p>So fixiert, dass ich den Verlust nicht verarbeitet habe.</p>
<p>Während der darauffolgenden Schwangerschaft hatte ich Angst. Weniger, das Baby wieder zu verlieren, eher, IHN dann wieder zu verlieren! Er war immer so schnell weg.<br />
Wie das Schicksal es wollte, ich verlor das Baby wieder. Und ihn auch.<br />
Diesmal ist er für mehrere Monate gegangen. Zwischenzeitlich hat er mich mit Anwesenheit und Zuneigung beehrt, wann immer er wollte, aber wie es mir ging, wie sehr ich ihn brauchte, war egal. Es ging nur um ihn und dass ich doch gefälligst Rücksicht nehmen soll. Immer und immer wieder.</p>
<p>Ich kämpfte, weinte, wütete, vermisste. Zuneigung bekam ich, wenn er es wollte. Ich gab sie ihm immer, musste jedoch ständig eine Zurückweisung einstecken.</p>
<p>Ich verlor mein Selbstwertgefühl mehr und mehr. Ich fühlte mich nicht mehr richtig, dieser Wechsel zwischen Himmel und Hölle waren unfassbar anstrengend.<br />
Wenn es eine Zeit gab, in der er sich wieder für mich entschied, ich wieder seine Traumfrau war und er sein restliches Leben mit mir verbringen wollte, war es einerseits das schönste, was mir hätte passieren können, andererseits hatte ich einen enormen Druck, eine unterbewusste Angst, weil er nie lange blieb.</p>
<p>Meine Aufgabe war es, da zu sein, perfekt zu sein, Fehler zu verstecken und es meinem Partner so bequem und einfach wie möglich zu machen, denn sonst hätte das Risiko bestanden, dass er wieder geht. Ich war in einer Hab-Acht-Stellung und verlor immer mehr an Energie und Realitätsbezug.</p>
<p>Nichtsdestotrotz war ich der glücklichste Mensch der Welt, wenn er bei mir war, mir Zuneigung und Aufmerksamkeit gab. Denn wenn er da war, war er es richtig. Mit Liebe. So schien es zumindest.<br />
Schwarz und Weiß. Wenn etwas passierte, ein Streit, eine Situation, in der auch ich mal sauer war, oder ein Gedankenblitz seinerseits, verschloss er sein Herz, machte einfach zu und ich war allein. So lange musste ich Rücksicht nehmen, immer und immer wieder. Immer nur Rücksicht, wenn er sich zurück zog.<br />
Aber wurde Rücksicht auf mich genommen, während ich unsere Babys verlor, Zuneigung brauchte oder ihm all meine Liebe geben wollte? Nein. Nie.</p>
<p>Wenn ein Kumpel, der ihm nicht passte, mit mir schrieb, wollte er den Chatverlauf sehen, von oben bis unten, ich habe all seine Wut abbekommen, musste mich rechtfertigen und als wenn das nicht genug wäre, hat auch mein Kumpel Drohungen über Social Media bekommen. Er war so respektlos und herablassend zu eigentlich jedem Menschen. Ich wollte ihn so gerne mitnehmen, wenn ich mich mit Freunden traf, aber das wollte er nie, wollte meine Freunde nicht kennenlernen, ich selbst durfte sie aber auch nicht treffen.<br />
Ich bin so unendlich froh, mir dieses Verhalten nicht angeeignet zu haben.<br />
Ich bin so froh, immer respektvoll gewesen zu sein, denn ich habe die Sicht auf die Realität wieder und weiß zu hundert Prozent, dass ich nie etwas unverzeihliches, respektloses getan habe. Nie.<br />
Das sind Dinge, die er mir niemals vorwerfen könnte.</p>
<p>Oft habe ich es bereut, menschliche Reaktionen gezeigt zu haben, anstatt mich einfach zu fügen, indem ich während eines ausartenden Streits aus dem Auto gestiegen bin, um mit dem Bus nach Hause zu fahren, damit wir uns beruhigen. Denn zu dem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass es das schlimmste ist, was ich hätte tun können, was mir auch bestätigt wurde, als ich am Abend zwei blaue Flecken auf meinem Arm entdeckte und mein Handgelenk eine Woche nicht mehr bewegen konnte. <em>„Wärst du im Auto geblieben, wäre das nicht passiert“ </em>Selbst, als zwei fremde Männer zu uns kamen, um ihm zu sagen, dass man so keine Frau durch die Straßen zerrt, war die Antwort <em>„Sie will ja nicht mit mir reden!“</em>. Und ich habe direkt danach den Satz <em>„Na? Haste wieder schön auf die Tränendrüse gedrückt?“ </em>zu hören bekommen. Er hat mir im selben Atemzug verboten, weiterhin mit seinen Eltern Kontakt zu haben, denn &#8220;sowas&#8220; hätten sie nicht verdient.</p>
<p>Ja, meine Tränen flossen. Denn es hat mir unfassbar wehgetan. Nicht nur körperlich, auch im Herzen.</p>
<p>Als wieder eine Phase begann, in der er sich nicht mehr sicher mit mir war – und ich mich mit meinen Freunden traf, um keine Depression zu bekommen, wurden mir grundlos Dinge unterstellt, ich wurde mit einer &#8220;Hure&#8220; verglichen, er stand plötzlich vor der Tür bei meinen Freunden oder drohte mir. Immer wieder.<br />
Alles war ich, alles schlechte, was er sich in dem Moment gerade erlaubte. Jedes Mal. Ein menschlicher Boxsack, der immer hinhalten musste, wenn er es wollte.</p>
<p>Er hat meinem besten Freund schlechte Eigenschaften über mich eingeredet, dass ich mich von Männern leicht beeinflussen lasse und mir nach einer Trennung direkt männliche Ablenkung suchen würde, was mir die Bezeichnung &#8220;Hure&#8220; zu recht geben würde. Hure, Hure, Hure.<br />
So oft habe ich diesen Begriff noch nie gehört und erstrecht nicht im Bezug zu mir.<br />
Ein Mensch, der seine Emotionen nicht im Griff hatte und jegliche Verantwortung für sein eigenes Verhalten abschob.</p>
<p>Keine zwei Wochen später kam der Tag, an dem ich frei sein sollte.<br />
Während ich in der einen Woche eine &#8220;Hure&#8220; war, weil ich Freunde traf, bekam ich in der darauffolgenden Woche den Vorschlag von ihm, mich mit Männern abzulenken.<br />
Denn er trennte sich.<br />
Eine Leere.<br />
Ein Gefühl des Erstickens.<br />
Ein Gefühl der Extase, ein Entzug aus heiterem Himmel.<br />
Er war weg.</p>
<p>Eine zweieinhalb Jahre lange Beziehung, in denen ein Mann mehr als die Hälfte der Zeit braucht, um zu überlegen, ob er bleibt, bis er mich verlässt.<br />
Zweieinhalb Jahre, in denen der Fokus zum größten Teil darauf lag, mich warten – und spüren zu lassen, nicht richtig zu sein.<br />
Zweieinhalb Jahre, in denen ich so viel aufgegeben, verloren und geändert habe, damit er bleibt.<br />
Nein, das war keine Liebe.<br />
Ich war ein Gegenstand, den er besitzen – und kontrollieren wollte.<br />
Mein Herz ist gebrochen, denn meine Liebe war so ehrlich, dass ich ohnmächtig bin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Die GRRRLs Voice of HeRoes Duisburg <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/11/ehre-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>sprechen darüber</strong></a>, wie verletzend es für sie ist, im Namen einer Ehre kontrolliert und bewertet zu werden.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Was juckt dich die Ehre deiner Schwester? <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/05/was-juckt-dich-die-ehre-deiner-schwester/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Fragt Burak</strong></a> und beschreibt all die Gewalt und Unterdrückung als Folge eines patriarchalen Verständnisses von Ehre.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ehre ist&#8230;</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/11/ehre-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GRRRLs Voice of HeRoes Duisburg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Nov 2018 07:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Wir Mädchen und Frauen sind nicht Eure Ehre.&#8220; Mehrere tausend Mädchen und Frauen in Deutschland erfahren Gewalt und Unterdrückung, sind ihrer Selbstbestimmung beraubt, aufgrund traditioneller Vorstellungen von Geschlechterrollen. Gewalt im Namen der &#8222;Ehre&#8220; ist eine davon. Mehr dazu: Hier gibt es ein Video von den HeRoes Duisburg, ebenfalls zum Begriff Ehre. Und hier einen Text]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>&#8222;Wir Mädchen und Frauen sind nicht Eure Ehre.&#8220; Mehrere tausend Mädchen und Frauen in Deutschland erfahren Gewalt und Unterdrückung, sind ihrer Selbstbestimmung beraubt, aufgrund traditioneller Vorstellungen von Geschlechterrollen. Gewalt im Namen der &#8222;Ehre&#8220; ist eine davon.</b></p>
<p><span id="more-11128"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/05/ehre/"><b>Hier </b></a>gibt es ein Video von den HeRoes Duisburg, ebenfalls zum Begriff Ehre.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und <strong><a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/01/ehrenkultur/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier </a></strong>einen Text zum Thema Ehrenkultur von Memo.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vom Leben gezeichnet</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/12/vom-leben-gezeichnet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Hoff]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Dec 2017 07:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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		<category><![CDATA[Rap]]></category>
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					<description><![CDATA[Ecxes schafft es wie kein Zweiter, die Herausforderungen des Lebens in Worte zu fassen. Stilsicher reimt er diese Worte aneinander, verpackt sie in Flows &#8211; und beschenkt uns somit kurz vor Weihnachten mit dem Track „Vom Leben gezeichnet“.   Mehr dazu: Für mehr Songs von Ecxes schaut doch mal auf unser Soundcloud-Profil. Hier könnt ihr]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ecxes schafft es wie kein Zweiter, die Herausforderungen des Lebens in Worte zu fassen. Stilsicher reimt er diese Worte aneinander, verpackt sie in Flows &#8211; und beschenkt uns somit kurz vor Weihnachten mit dem Track „Vom Leben gezeichnet“.</strong></p>
<p><span id="more-10277"></span><strong style="font-size: 1.14285rem;"> </strong><br />
<strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Für mehr Songs von Ecxes schaut doch mal auf unser <a href="https://soundcloud.com/bundes-arbeitsgemeischaft" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Soundcloud-Profil</strong></a>.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;"><a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/03/diewelt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Hier</strong></a> könnt ihr noch ein weiteres Video von Ecxes sehen.</span></li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>6:30 Uhr</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/11/nacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Nov 2017 07:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Slam Poet Adu befasst sich in &#8222;6:30 Uhr&#8220; mit dem Thema Vorurteile. Ob gegenüber der Hautfarbe, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der Religion, Menschen haben werden aufgrund verschiedenster Dinge mit Vorurteilen zu kämpfen. Adu beschreibt sowohl die Täter, als auch Opferrolle und reflektiert seine Rolle(n) in diesem Kontext. &#8222;Entscheidend ist nicht die Frage ob]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Slam Poet Adu befasst sich in &#8222;6:30 Uhr&#8220; mit dem Thema Vorurteile. Ob gegenüber der Hautfarbe, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der Religion, Menschen haben werden aufgrund verschiedenster Dinge mit Vorurteilen zu kämpfen. </strong><br />
<strong>Adu beschreibt sowohl die Täter, als auch Opferrolle und reflektiert seine Rolle(n) in diesem Kontext.</strong></p>
<p><strong>&#8222;Entscheidend ist nicht die Frage ob jemand Vorurteile hat, sondern wie er/sie damit umgeht.&#8220; (Adu)</strong></p>
<p><span id="more-10209"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Im Song „<a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/02/rebellion-in-bewegung/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Rebellion</strong></a>“ berichten Jugendliche von „Was geht Almanya“ vom alltäglichen Rassismus, den sie erleben müssen.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Da gehst du zum Jobcenter, um Arbeit zu finden &#8211; und begegnest stattdessen massiven <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/10/11-september/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Vorurteilen gegenüber Muslim*innen</strong></a> – auch wenn du selbst gar keiner bist.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Remembering Orlando: Was mir die Regenbogenflagge bedeutet</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/07/remembering-orlando-was-mir-die-regenbogenflagge-bedeutet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Jul 2017 07:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Homofeindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Als am 12. Juni 2016 der queere Nachtclub Pulse in Orlando zur Zielscheibe eines Attentates wurde, bildeten sich weltweit spontane Mahnwachen. Der Attentäter hat Menschen getötet, verletzt und einer ganzen Community das Gefühl genommen, zumindest in selbstgeschaffenen Räumen sicher zu sein. 12. Juni 2016. Orlando, Florida. Im queeren Nachtclub Pulse findet die allwöchentliche Latin Night]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> Als am 12. Juni 2016 der queere Nachtclub <em>Pulse</em> in Orlando zur Zielscheibe eines Attentates wurde, bildeten sich weltweit spontane Mahnwachen. Der Attentäter hat Menschen getötet, verletzt und einer ganzen Community das Gefühl genommen, zumindest in selbstgeschaffenen Räumen sicher zu sein.</strong></p>
<p><span id="more-9093"></span></p>
<p>12. Juni 2016. Orlando, Florida. Im queeren Nachtclub Pulse findet die allwöchentliche Latin Night statt. Zu lateinamerikanischer Musik tanzen hunderte Menschen, die in ihrer Vielfalt vor allem darin verbunden sind, hier einen geschützten Raum gefunden zu haben, wo sie ohne die üblichen Vorurteile sie selbst sein und Spaß haben können. Einige sind vielleicht zum ersten Mal in einem queeren Nachtclub und fühlen den Rausch, sich nicht verstecken zu müssen. Einige sind vielleicht schon sehr betrunken. Einige hoffen, für den Rest der Nacht jemanden zu finden. 58 werden verletzt. 49 sterben.</p>
<p>Es gibt viele Attentate, die uns erschüttern und berühren. Es gibt viele Attentate, die angesichts dieser stumpfen Gewalt die Frage aufwerfen, warum. Mich persönlich hat kein Attentat so sehr emotional aufgewühlt wie das Orlando-Shooting &#8211; auch jetzt noch.</p>
<p>Am Tag nach dem Attentat hat die Dortmunder Community spontan eine Mahnwache organisiert. Jedem, der da war, konnte man die Betroffenheit anmerken. Zwei etwa 15-jährige Mädchen hielten sich einander fest. Die Tränen flossen. Ihre Gesichter waren rotgeweint. Um ihre Schultern hing eine große Regenbogenflagge, in die sie schützend wickelten wie eine Decke. Ich fragte mich, was die Mädchen selber erlebt hatten, dass ihnen der Attentat so nahe ging. Das Bild ist hängengeblieben.</p>
<p>Ich halte es fest.</p>
<p>Jemand hat mich einmal gefragt, warum ich mich denn so viel für queere Menschen in Deutschland einsetze. Immerhin investiere ich viel Zeit da rein, aber habe doch selber seit Jahren eine heterosexuelle Beziehung. Und in Deutschland haben es die Homos doch ganz gut. Viele Rechte und niemand muss um sein Leben fürchten.</p>
<p>Ich wollte ihn fragen, ob er schon einmal eine Nacht nicht geschlafen habe. Ob er schon mal eine Nacht nicht geschlafen habe, um eine Hand zu halten, weil bei seinem Gegenüber die immer wieder gleichen Gedanken wiedergekommen sind. „Ich bin falsch. Ich bin falsch. Ich bin falsch. Ich kann das nicht mehr. Ich kann das alles nicht mehr.“</p>
<p>Diese Nächte gibt es auch in Deutschland. Immer noch viel zu oft. Genau wie die Geschichten von Jugendlichen, die nach ihrem Coming-Out von zu Hause raus mussten. Oder ins Krankenhaus. Gerade jetzt beim Schreiben dieses Textes wurde mir wieder so eine Geschichte erzählt.</p>
<p>In ihrem Kern geht es bei der Regenbogenflagge und dem Bild der zwei Mädchen für mich aber nicht um die Verfolgung und den Hass und die Gewalt und all das Schlechte, das es noch viel zu oft auf der Erde gibt.</p>
<p>Für mich geht es um Menschen, die sich umeinander kümmern und für einander da sind. Um unterschiedliche Identitäten, die voneinander lernen. Um den Mut, zu sich selbst zu stehen und sich selbst zu lieben und eine Gemeinschaft, die einem das beibringt. Um Solidarität mit Menschen, die vielleicht geographisch weit weg sind, mit denen man sich aber trotzdem verbunden fühlt.</p>
<p>Das heißt nicht, dass die Community nicht ihre Fehler hat. Auch dort findet man zum Beispiel viel zu oft Rassismus und Transfeindlichkeit an. Aber das heißt nur, dass wir nicht aufhören dürfen, an uns zu arbeiten.</p>
<p>Und vor allem geht es um dieses eine Wort, dass man schon so oft in diesem Zusammenhang gehört hat, dass es schon fast seine Bedeutung verliert, aber trotzdem noch immer wichtig ist: Stolz. Stolz auf uns. Stolz auf den Mut, man selbst zu sein. Stolz auf die Menschen, die trotz aller Widerstände Rechte und Räume erkämpft haben. Stolz, dass wir einen Ort haben an dem wir weinen können, uns gegenseitig halten können und dass dabei eine Flagge auf unserer Schulter liegt, die keinem Staat gehört, sondern uns.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Der Kurzfilm <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/06/orlando-wir-werden-euch-nicht-vergessen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>„ORLANDO &#8211; We will never forget you“</strong></a> will ein Zeichen gegen das Vergessen und den Übergang zur Normalität setzen.</li>
<li>Eine Anleitung der Story Teller, wie es funktioniert, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/04/toleranz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>anderen Menschen gegenüber tolerant zu sein</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Anruf, der ihr Leben veränderte</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/05/ein-anruf-der-ihr-leben-veraenderte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 May 2017 07:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Cybermobbing]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mobbing]]></category>
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					<description><![CDATA[Mila postet selten auf Facebook, private Bilder sind überhaupt nicht auf ihrem Profil zu finden. Doch dann wird ihr Account gehackt und verbreitet bearbeitete Fotos von ihr. Als ihre Mutter ihr davon am Telefon berichtet, ist ihr klar, dass sich ihr Leben verändert&#8230; Das Telefon klingelte, während Mila gerade dabei war, die aktuelle Version ihres]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mila postet selten auf Facebook, private Bilder sind überhaupt nicht auf ihrem Profil zu finden. Doch dann wird ihr Account gehackt und verbreitet bearbeitete Fotos von ihr. Als ihre Mutter ihr davon am Telefon berichtet, ist ihr klar, dass sich ihr Leben verändert&#8230;</strong></p>
<p><span id="more-8964"></span></p>
<p>Das Telefon klingelte, während Mila gerade dabei war, die aktuelle Version ihres Praktikumberichts zum gefühlt zwanzigsten Mal zu überarbeiten – es war wirklich nicht sonderlich nett gewesen, diese Ausarbeitung über die Ferien aufzugeben – aber gut. Jetzt quälte sie sich eben zum hoffentlich letzten Mal durch die allerfeinsten Korrekturen in Sprache und Format ihres zwanzigseitigen Textes.</p>
<p>Das Klingeln ertönte erneut. Wer rief denn jetzt an!? An einem Dienstagvormittag!? Wenn keine Ferien waren, war zu dieser Zeit doch nie jemand zu Hause – das sollten selbst die Werbefuzzies wissen, die sie und insbesondere ihre Mutter ununterbrochen belästigten – und die Mila immer wieder abwimmeln musste. Sie hasste es, diesen Angestellten, die in ihrem pseudofreundlichen Ton und mit ihrer überaus korrekten Wortwahl pausenlos auf sie einredeten, tausend Mal erklären zu müssen, dass momentan niemand anderes als sie zu Hause sei und sie auch ganz sicher sowohl keinen neuen Handstaubsauger oder Türabtreter als auch keine „ultramoderne“ gestreifte Porzellankatze kaufen wolle, bevor sich diese endlich geschlagen gaben und ein erzwungenes „Tschüss! Dann bis zum nächsten Mal!“ herausbrachten.</p>
<p>Gerade jetzt war sie jedoch besonders sauer auf das Klingeln, da das nervige Geräusch sie nun vollkommen aus dem Konzept brachte. Trotzdem machte sie sich schließlich auf die Suche nach dem Telefon &#8211; man konnte schließlich nie wissen, ob vielleicht doch auch einmal jemand anderes als nur Firmenvertreter anriefen.</p>
<p>Also rannte sie die zwei Stockwerke nach oben, von woher sie die Tonfolge vernommen hatte, und nachdem sie es schließlich geschafft hatte, auf die grüne Taste zu drücken, kurz bevor der Anrufbeantworter ansprang, rief sie atemlos „Wibekind, Mila; Hallo!?“ in den Hörer.</p>
<p>Mila erkannte sofort, dass es ihre Mutter war, die am anderen Ende der Leitung sprach. Sie kannte keine andere Person, die so laut in ihren Handylautsprecher sprach, wie diese Frau, sodass man bei Telefonaten mit ihr das eigene Telefon mindestens zwei Meter von seinem Ohr entfernt halten musste, um keine irreversiblen Schäden davon zu tragen. Ihre Rechtfertigung: man muss ja schließlich so laut rufen, dass die Worte beim Gesprächspartner ankämen. Naja – wenn man es eben immer noch nicht realisieren kann, wie fortgeschritten die Technik inzwischen ist, muss man sich damit abfinden. Auch dieses Mal dröhnte Mila wieder ein „Hallo!“ entgegen, noch bevor sie fertiggesprochen hatte. Daher war an diesem Telefonat zumindest zu Beginn nichts anders als an jedem anderen – und Mila hatte nicht die geringste Chance zu ahnen, was dieser kurze Anruf für sie noch alles bedeuten würde.</p>
<p>„Hi Schatz! Schau mal bitte auf deiner Facebook-Seite!! Da passiert gerade etwas vollkommen Seltsames. Es geht irgendso eine Nachricht herum mit einem total seltsamen Text. Warte! Ich lese ihn dir kurz einmal vor:</p>
<p><img /></p>
<p>Und dann ist da noch ein Link. Irgendwie postet das dein Facebook-Account gerade auf die Seiten von all deinen Freunden!“</p>
<p>Mila war ein beliebtes Mädchen. Sportlich, schlau, hilfsbereit, selbstbewusst und ganz besonders dickköpfig. Sie war fast überall beteiligt, plante zahlreiche Aktionen, die auf Missstände in der Welt aufmerksam machen sollten – und hatte viele Freunde. Ihre facebook-Liste zählte über 500 – dabei ist anzumerken, dass sie nie jemanden annahm, den sie nicht persönlich kannte, auch niemanden, den sie zwar kannte, bei dem sie aber nicht wusste, was sie jemals mit ihm über facebook kommunizieren sollte. Sie nutzte diese Plattform meistens nur dazu, um auf dem Laufenden zu bleiben, oder andere auf dem Laufenden zu halten. Verwendete sie, um auf Aktionen hinzuweisen, Anhänger und Unterstützer zu gewinnen und Termine und Treffpunkte bekannt zu geben.</p>
<p>Nach einem eigenen Bild von ihr selbst konnte man auf ihrer Seite vergeblich suchen. Stattdessen hatte sie eine Petunie – ihre Lieblingsblüte &#8211; als Profilbild, ihr Hintergrund war eine Fotografie aus dem letzten Urlaub, auf dem man nichts sah als Palmen und Meer bis zum Horizont.</p>
<p>Sie hatte nie viel über sich in ihrem virtuellen Profil bekannt gegeben, hatte weder bestätigt, welche Schule sie besuchte, noch ihr wirkliches Geburtsdatum eingetragen. Den „Like“- Button verwendete sie ausschließlich für Aktionen, die von ihrem Gymnasium oder ihren Freunden ins Leben gerufen worden waren und den Beziehungsstatus hatte sie einfach durchgehend auf „Single“ gestellt – was zwar auch stimmte, aber auch wenn sie einmal einen Freund haben würde, sah sie keinen Sinn darin, dies sofort der gesamten Facebook-Welt bekannt zu geben.</p>
<p>Es gab viele Jungs, die auf sie gestanden hatten. Mila war groß für ihr Alter, schlank und sportlich &#8211; und ihre dunklen Augen strahlten etwas Geheimnisvolles aus – sie glänzten. Ihre langen schwarzen Haare trug sie meist offen, sodass sie in großzügigen Wellen über ihre Schultern flossen. Nur im Sommer band sie diese zu einem Pferdeschwanz zusammen, wenn es ihr zu heiß wurde und ihre Haare drohten, an ihrem T-Shirt festzukleben.</p>
<p>Sie hatte nie auf Anfragen der Jungs reagiert, rückte ihre Handynummer nur sehr sparsam heraus – sie wollte keinen Freund. Hatte einfach keine Zeit dazu und war sich jetzt schon sicher, dass er sich spätestens einen Monat nach dem ersten Kuss darüber beklagen würde, dass sie bisher immer noch kein einziges Mal mit ihm ins Kino, Schwimmbad, oder ähnliches gegangen war und sie bisher vielleicht gerade einmal zwanzig Sätze persönlich und drei Nachrichten per Handy ausgetauscht hatten – nein! Ein Junge passte in ihren Zeitplan wirklich überhaupt nicht rein – aber diese Einstellung machte sie für viele Jungen nur noch interessanter.</p>
<p>&#8212;-                              &#8212;-</p>
<p>Am 21.06.2017 traf ein dunkelhaariges Mädchen bei der Polizei ein. Es war hübsch, ihre langen schwarzen Haare fielen in großzügigen Wellen über ihre Schultern, ihre Augen zogen mit ihrem tiefen Braunton den Blick von Tim an, der ihren Fall übernehmen sollte. Doch irgendetwas trog an dem Schein dieses hübschen, jungen Mädchens. Erst auf den zweiten Blick bemerkte er, wie stark ihre Fingernägel abgekaut waren, wie abgemagert ihr gesamter Körper wirkte und wie traurig und verzweifelt ihn die eigentlich so schönen Augen anstarrten. Unterlegt von einem tiefen Schatten der Augenringe, die von schlaflosen Nächten zeugten und umrahmt von einem roten eiförmigen Abdruck, der ahnen ließ, wie oft sie in ihrem Leben schon geweint haben musste. Ihre gesamte Körperhaltung wirkte ängstlich, seltsam in sich geschlossen &#8211; einsam.</p>
<p>Als er sie bat, ihm doch bitte zu erzählen, worin ihr Anliegen bestünde, wollte sie sich gar nicht erst setzen. Als sie es letztendlich doch tat, schaute sie sich unruhig um. Ihr Blick schnellte von seiner Ausgangsposition in der Mitte immer wieder ruckartig nach rechts oder links, wenn sie meinte, etwas gehört oder einen fremden Blick im Nacken gespürt zu haben. Ihre Augen immer wachsam und ängstlich. Wurde sie verfolgt!?</p>
<p>Als sie zu erzählen begann, war ihre Stimme so leise, dass sich Tim ein wenig nach vorne über den Tisch beugen musste, um sie zu verstehen. Ihre Stimme war nicht nur leise, sondern auch zittrig, immer wieder stockte sie mitten im Wort und das Mädchen schien andauernd den Faden ihres Berichtes zu verlieren. Tim schaffte es nur einzelne Wortfetzen zu verstehen: Hacker, facebook, Nacktfotos, die nicht ihre waren, PhotoShop, Anti-Gruppe, schon wieder facebook, Neid, Angst, Drohbriefe, Freunde, Feinde, Kommentare, Bilder… . Mehr konnte er nicht entschlüsseln, bevor das Mädchen in Tränen ausbrach.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier lest ihr, wie schnell aus <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/11/die-vierte-stunde/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Cybermobbing Übergriffe</strong></a> in der Schule werden.</li>
<li>Tipps wie ihr euch gegen Cyberübergriffe wehren könnt findet ihr <a href="https://www.lizzynet.de/wws/behaupte-dich-gegen-mobbing-tag.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>bei LizzyNet</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was juckt dich die Ehre deiner Schwester?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/05/was-juckt-dich-die-ehre-deiner-schwester/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[HeRoes]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 May 2017 07:00:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
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		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
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		<category><![CDATA[Selbstbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
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					<description><![CDATA[Ehre ist für viele ein großes Wort. Mit Ehre lassen sich Beleidigungen und Gewalt rechtfertigen. Ehre ist auch immer ein Druck von außen, etwas das beschützt werden muss. Burak Yilmaz von den Heroes Duisburg arbeitet in Workshops viel zu diesem Thema und beschreibt seine positiven Erfahrungen im folgenden Text. Gewalttäter im Namen der Ehre stehen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ehre ist für viele ein großes Wort. Mit Ehre lassen sich Beleidigungen und Gewalt rechtfertigen. Ehre ist auch immer ein Druck von außen, etwas das beschützt werden muss. Burak Yilmaz von den Heroes Duisburg arbeitet in Workshops viel zu diesem Thema und beschreibt seine positiven Erfahrungen im folgenden Text.</strong><br />
<span id="more-8608"></span></p>
<p>Gewalttäter im Namen der Ehre stehen seit jeher im Fokus der gesellschaftlichen Wahrnehmung, aber es wächst eine geschlechtersensible Generation heran, die laut Ja sagt zu Geschlechtervielfalt, sexueller Selbstbestimmung und Freiheit des Individuums. Diese mutigen Jugendlichen brauchen unsere Unterstützung.</p>
<p>Es ist ein bewölkter Montagmorgen, als ich zusammen mit zwei anderen Mistreitern zu einem Workshop an eine Schule fahre, den wir zu dritt leiten werden. Wir sprechen in diesen HeRoes-Workshops über Rollenbilder, Sexismus, Familienehre und Jungfräulichkeit vor der Ehe. Das Ziel dieser Workshops besteht darin, Alltagsszenen darzustellen, Mechanismen der Gewalt offenzulegen und gemeinsam mit der Klasse Lösungsansätze zu suchen, wie man aus solchen Situationen herauskommen kann.</p>
<p><strong>Angst vor der Familie</strong></p>
<p>Auf dem Weg zur Schule sitzt Can hinten im Auto und fragt plötzlich: „Ist euch mal aufgefallen, dass viele aus unserem Kulturkreis in der Öffentlichkeit nie Händchen halten? Und sich auch nie in der Öffentlichkeit küssen? Warum ist das so?“ Wir müssen am Anfang schmunzeln, aber wir merken, worauf Can hinaus will.</p>
<p>„Das hat viele Gründe, Bruder.“, antwortet ihm Adem. „Du hast Schiss, dass deine Familie irgendwo auftaucht und dich mit einem Mädchen sieht, dass sie das direkt an deine Eltern verpetzen. Das ist wie Verfolgungswahn, wo du nicht mal in Ruhe knutschen kannst. Diese ganze Schamerziehung, die wir bekommen, als wäre Sexualität der Teufel höchstpersönlich. Man schämt sich einfach in der Öffentlichkeit zu knutschen und weil wir das nicht wahr haben wollen, nennen wir das Ganze einfach „ehrenvoll“ oder „Kultur“, weil dann müssen wir uns damit nicht auseinander setzen. Wenn wir diese Schamerziehung kritisieren, dann denken die meisten, wir würden ihre Kultur angreifen und deshalb gibt es dieses System auch schon ewig.  Jede Art von Kritik wird als Angriff auf die gesamte Kultur verstanden, obwohl wir doch alle unter dieser Scheiße leiden. Wir können noch nicht mal unsere Freundinnen mit nach Hause nehmen, weil unsere Eltern direkt mit Heiraten ankommen. Stattdessen triffst du dich mit ihr in einer anderen Stadt, mietest sinnlos Hotelzimmer oder triffst dich mit ihr im Park, wo man nicht gesehen werden kann.“</p>
<p>Ich stimme Adem zu und merke, dass ich seine Worte ergänzen muss: „Das ist nicht Kultur, das Patriarchat verkleidet sich aber als Kultur. Mit Scham und Schuld lassen sich Menschen am einfachsten einschüchtern und bevor wir diese patriarchalen Strukturen bekämpfen, müssen wir uns als allererstes von diesen Gefühlen befreien. Ist das unsere Kultur, unsere Cousinen und Schwestern zu kontrollieren? Ist das unsere Kultur, Jugendlichen Angst zu machen, wenn sie ihren Körper kennenlernen wollen? Wo bleibt da die Menschenwürde? Das ist doch nichts anderes als Gewalt.“</p>
<p><strong>Hauptsache Ehre verteidigen</strong></p>
<p>Can schaut bei meinen Worten etwas verträumt, aber auch wütend aus dem Fenster. Er fügt hinzu: „Wisst ihr was? Ein Gewaltsystem kann doch niemals Kultur sein! Das sind Familienstrukturen, die emotionale Leichen erzeugen- aber Hauptsache Ehre verteidigen! Mit wie vielen Ängsten man aufwächst, um ja nicht diese Ehre zu verlieren…“</p>
<p>Solche oder ähnliche Diskussionen, die auch mal recht emotional werden können, haben wir häufig untereinander, da wir diese Familienstrukturen, die Can meint, alle aus unserem Alltag kennen und insbesondere in unseren Workshops merken, wie viele junge Menschen unter diesem System der Familienehre leiden, obwohl sie ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben.</p>
<p>Als wir den Klassenraum betreten, begegnet uns eine Mischung aus neugierigen und skeptischen Blicken. Wir spielen unser erstes Rollenspiel, in dem es darum geht, dass der Vater seinen Sohn ohrfeigt und mit ihm schimpft, weil seine Schwester um 20 Uhr noch nicht zu Hause ist. Der Sohn macht sich auf die Suche nach seiner Schwester, er trifft auf dem Weg einen Freund, der ihm schon vorwirft: „Deine Schwester hängt so spät draußen rum, was denken die Leute über sie? Hol die mal nach Hause!“ Der Sohn wird nervös und begegnet aufgebracht seiner Schwester, die sich wehrt und noch eine halbe Stunde draußen bleiben will. „Guck mal wie die mit dir redet!“, hetzt der Freund den Sohn auf. „Wenn das meine Schwester wäre, hätte ich der schon längst eine geklatscht. Was ist mit deiner Ehre, Junge?“ Der Sohn fühlt sich dadurch noch motivierter und zerrt seine Schwester am Arm durch alle Öffentlichkeit und bringt sie nach Hause, wo ein wütender Vater auf die beiden wartet.</p>
<p><strong>Tabu vorehelicher Sex</strong></p>
<p>Wir merken schon nach wenigen Minuten in der anschließenden Diskussion, dass viele Schülerinnen und Schüler diese Situation von zu Hause kennen und fangen an zu diskutieren. Sie erzählen persönliche Geschichten, dass sie einen ähnlichen Vater zu Hause haben, dass viele mit diesen Strukturen nicht einverstanden sind, aber dann doch mitmachen und dass einige der Schülerinnen und Schüler nur dann einen Partner haben dürfen, wenn sie diesen auch heiraten. Voreheliche Beziehungen oder vorehelicher Sex sind ein Tabu und führen zum Ausschluss aus der Familie.</p>
<p>„Ich liebe aber meinen Freund, ich habe Gefühle! Was soll ich machen? Soll ich meine Emotionen abschneiden? Ich treffe mich heimlich mit ihm, so dass es niemand mitbekommt. Auch er fühlt sich sehr unwohl dabei und wir haben beide wahnsinnige Angst, dass man uns erwischt, aber wir lieben uns beide zu sehr, als dass wir uns davon unterkriegen lassen wollen.“, sagt eine Schülerin offen und bekommt dafür positives Feedback. Die Klasse scheint ihre Situation zu kennen.</p>
<p>Als das Thema dann zu Jungfräulichkeit kommt, gibt es einige in der Klasse, die Sex vor der Ehe für eine große Sünde halten. „Wenn meine Schwester vor der Ehe Sex haben würde, würde ich sie nie wieder anschauen!“, sagt uns einer sehr direkt. Eine aufgebrachte Schülerin schaut ihn an und sagt: „Und bei euch Männern ist das okay, oder was?“</p>
<p>Can und Adem lassen die beiden diskutieren und schnell wird deutlich, wieso es so ein Tabu ist, vor der Ehe Sex zu haben: „Weil die Leute dann über deine Familie reden, die Ehre ist dann beschmutzt!“, antwortet der Schüler und knickt langsam aus seiner starren Haltung. Die Schülerin erwidert ihm: „Was juckt die Leute denn, mit wem deine Schwester zusammen ist? Das ist ihre Entscheidung! Warum gibt man so viel Wert auf Menschen, die schlecht über einen reden? Das hat die nicht zu interessieren und wenn man es ihr verbietet, wird sie es am Ende versteckt tun! Willst du, dass sie Geheimnisse vor dir hat oder willst du Vertrauen zu ihr aufbauen?“</p>
<p><strong>Sexuelle Selbstbestimmung</strong></p>
<p>Die Frage versetzt die ganze Klasse in absolute Stille, sie bringt viele zum Nachdenken und wir greifen das Beispiel auf, um es auf das Rollenspiel zu übertragen. Can und Adem ergänzen sich dabei gegenseitig, in dem sie erwähnen, dass der Vater sich um die Ehre bzw. den Ruf der Familie sorgt und Gewalt einsetzt gegenüber seinen Kindern. Die Kinder wiederum haben kein Vertrauen zu den Eltern, auch untereinander ist die Beziehung zwischen Tochter und Sohn sehr zerstritten. Die Tochter würde einen Freund verheimlichen, sie müsste andauernd Angst haben, dass ihr Bruder sie kontrolliert. Der Sohn wiederum ist auf der einen Seite Täter und auf der anderen Seite steht er unter Druck, die Familienehre als Mann zu beschützen. Gibt es eine Alternative zu diesem Familienbild? Muss das immer so sein wie in dem Rollenspiel?</p>
<p>Can und Adem kennen diese Szene aus ihrem Alltag, sie haben sie selbst entworfen. Adem sagt, dass auch er mal wie der Sohn im Rollenspiel gehandelt und eine strenge Beziehung zu seinen Schwestern gehabt habe. Als er sich mit seiner Rolle als Mann auseinandergesetzt und gemerkt hat, dass das Gerede der Leute die Beziehung zu seiner Schwester zerstört, habe es bei ihm Klick gemacht. „Ich habe nur diese eine Schwester, warum soll ich denn immer streng und autoritär zu ihr sein? Meine Schwester hat seit zwei Jahren einen Freund und ich bin der einzige in der Familie, dem sie es erzählt hat- weil ich ihr vertraue und mich auch für sie freue, dass sie ohne Angst lieben kann“, ergänzt Adem und viele in der Klasse machen große Augen. „Und was ist, wenn sie sich mit ihm küsst und beide miteinander schlafen? Würdest du nicht ausrasten?“, fragt ein Schüler sehr interessiert.</p>
<p>„Es ist ihre Entscheidung. Für mich ist Selbstbestimmung und Freiheit wichtig und dazu gehört auch sexuelle Selbstbestimmung. Natürlich habe ich Angst, dass meine anderen Familienmitglieder es erfahren. Die würden ausrasten, ja. Aber die Beziehung zu meiner Schwester ist Gold wert und nichts auf dieser Welt wird diese Beziehung mehr zerstören können“, antwortet Adem auf die Frage, während der Schüler ihn immer noch mit großen, neugierigen Augen anschaut.</p>
<p><strong>Das Tabu Ehre aufbrechen</strong></p>
<p>Der Workshop kommt zum Ende und wir haben das Gefühl, dass wir das Tabu Ehre aufgebrochen haben. Wir bedanken uns bei den Schülerinnen und Schülern für ihre Offenheit und den Austausch, während sie die Klassenlehrerin fragen, ob wir nicht bald wiederkommen können, um im nächsten Workshop vertiefter über andere Formen von Sexismus und Geschlechterungerechtigkeit zu sprechen.</p>
<p>Viele Lehrerinnen und Lehrer sind mit dem Thema Unterdrückung im Namen der Ehre und der damit verbundenen Geschlechtertrennung stark überfordert, weil sie in ihrer Ausbildung diese Themen nicht behandeln. Es gibt an den Universitäten immer noch keine Konzepte und Methoden, wie man Jugendliche aus diesen Milieus erreichen kann, obwohl diese seit über 50 Jahren in Deutschland leben. Das ist es auch, was uns motiviert. Vorbilder wie Can und Adem haben nicht nur einen persönlichen Zugang zu diesem Thema, sondern entwickeln selbst Methoden, die diese Jugendlichen und auch die ganze Klasse erreichen können.</p>
<p>Es sind genau diese Arten von Workshops, die wir aus Überzeugung und mit großer Leidenschaft machen, nicht nur, weil wir aus erster Hand biografisch betroffen sind von einem Gewaltsystem, dass uns vorschreiben möchte wie wir zu leben haben, sondern weil wir merken, dass vielen Jugendlichen Vorbilder und Modelle fehlen.</p>
<p><strong>Sexismus geht alle an</strong></p>
<p>Wir brauchen diese Vorbilder und Modelle, die sich von patriarchalen Strukturen emanzipieren wollen, auch wenn sie von Familie und Freunden einem enormen Druck und Beleidigungen ausgesetzt sind. Sie sind keine Verräter oder „Assimilierte“, nur weil sie Gewaltstrukturen bekämpfen und einen Wandel von innen wollen. Man kann kein Verräter sein, wenn man gegen Sexismus kämpft!</p>
<p>Eher ist man jemand, der etwas Positives zu seiner Gesellschaft oder Kultur beitragen möchte, denn es ist völlig offensichtlich, wie viele Menschen unter dem System Familienehre leiden. Ein neues Bewusstsein in Bezug auf Sexualität muss sich auf alle Ebenen übertragen, vom eigenen Haus über Shisha Bars bis in die Moscheen.</p>
<p>Man ist auch nicht „eingedeutscht“ oder „europäisiert“, wenn man sich für Geschlechtergerechtigkeit engagiert – so wie es viele dann aus dem eigenen Verwandten- und Bekanntenkreis behaupten – denn das würde ja bedeuten, dass Deutschland und Europa frei von Sexismus sind, was aber absolut nicht der Fall ist, auch wenn die Formen des Sexismus und die damit verbundene Gefühlswelt andere sind. Sexismus ist universell vorherrschend, er hat unterschiedliche Gesichter und Erscheinungsformen. Dazu gehört nicht nur der Sexismus in der Werbeindustrie oder in der Musikbranche, sondern eben auch der Sexismus, der an den Ehrbegriff gekoppelt und tief verankert ist in familiären Strukturen.</p>
<p>Wir brauchen authentische und mutige Jugendliche, die wir unterstützen und in ihrer Identität stärken müssen. Es wächst eine geschlechtersensible Generation heran, die laut Ja sagt zu Geschlechtervielfalt, sexueller Selbstbestimmung und Freiheit des Individuums. Diese jungen Menschen brauchen ein Gehör, sie brauchen Angebote und Räume, um sich zu entfalten und sich selbst zu ermächtigen. Kritisches Denken in Bezug auf Geschlecht und Gender muss alle Schichten und Milieus erreichen. Auch die, die gesellschaftlich weniger privilegiert sind. Gerade die Arbeit dieser Jugendlichen kann dazu führen, dass Can und Adem als Modelle und Vorbilder für die gesamte Gesellschaft stehen – denn Sexismus und seine Ausprägungen und Formen gehen uns alle an.</p>
<p>(Erstveröffentlichung auf <strong><a href="https://diekolumnisten.de/2017/04/25/was-juckt-dich-die-ehre-deiner-schwester/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.diekolumnisten.de</a></strong>.)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Die Redaktionsgruppen Jeco, Was geht Almanya und Heroes Duisburg <a href="https://www.meintestgelaende.de/2014/04/im-namen-der-ehre/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>diskutieren über den Begriff Ehre. </strong></a></li>
<li><strong><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/07/maennlichkeit-was-bedeutet-das-fuer-mich/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Heroes über Männlichkeit. </a></strong></li>
</ul>
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<p><span style="border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% / 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer;">Merken</span></p>
<p><span style="border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% / 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer;">Merken</span></p>
<p><span style="border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% / 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer;">Merken</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>24 Wochen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/12/24-wochen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[story-teller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Dec 2016 08:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Eltern]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[ Ich persönlich bin so, behindert sozusagen, ich fühle mich beschissen mit dem Film. Die Story-Teller haben sich den Kinofilm 24 Wochen (Regie: Anne Zora Berrached, 2016) angesehen und sind zu neuen Gedanken in Bezug aus Schwangerschaftsabbruch und Inklusion gekommen.   24 Wochen. Hart an der eigenen Substanz von Dennis Lange 24 Wochen ist ein Film zum]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> <em>Ich persönlich bin so, behindert sozusagen, ich fühle mich beschissen mit dem Film.</em></strong></p>
<p><strong>Die Story-Teller haben sich den Kinofilm <em>24 Wochen</em> (Regie: Anne Zora Berrached, 2016) angesehen und sind zu neuen Gedanken in Bezug aus Schwangerschaftsabbruch und Inklusion gekommen.  </strong></p>
<p><span id="more-7531"></span></p>
<p><strong><em>24 Wochen. Hart an der eigenen Substanz</em> von Dennis Lange</strong></p>
<p>24 Wochen ist ein Film zum Thema Abtreibung bei medizinischer Indikation „Behinderung“ eines Fötus’. Ein in der Öffentlichkeit stehendes Paar (Kabarettistin und Manager) mit Tochter bekommt Nachwuchs. Früh in der Schwangerschaft steht die Diagnose Trisomie 21 fest. Die Eltern informieren sich ausführlich über das Leben mit Behinderung. Es kommt zu Beziehungsstreits, Zuspruch und Ablehnung im Bekanntenkreis. Zuerst sieht es so aus als ob sie das Kind zur Welt kommen lassen wollen. Als jedoch noch ein Herzfehler diagnostiziert wird, entscheidet die Frau sich zur Abtreibung. Noch in der Klinik ist sie am Zweifeln.</p>
<p>Der Film zeigt das Thema Abtreibung sehr emotional. Es ist ein persönlicher Einblick in die Psyche der Familienmitglieder, insbesondere die der werdenden Mutter. Das Tragischste was gezeigt wird ist, dass eine Abtreibung in der 24. Woche eine herbeigeführte Totgeburt ist. Glücklicherweise fehlt im ganzen Film der mahnende Zeigefinger. Die Geschichte ist offen für alle Meinungen zum Thema Abtreibung bei Ungeborenen mit „Behinderung“. Des Weiteren bildet der Film eine gute Grundlage zu Themen wie Inklusion und Barrierefreiheit.</p>
<p>Ist Abtreibung nun Mord, Totschlag, Euthanasie oder Hilfe? Der Film gibt keine Antwort. Er zeigt, dass eine Meinung sich in der tatsächlichen Situation schnell ändern kann. Die letzte Entscheidung bleibt bei der Mutter. Für mich bedeutete Abtreibung eine „gute“ Möglichkeit ein Individuum vor seelischen und körperlichen Schmerzen zu schützen. Jedoch darf man jemand anderes die Entscheidung über das eigene Leben abnehmen? Und wann und wo beginnt das eigene Leben, Bewusstsein, Individualität? Leben ist fließend, und hier Grenzen zu setzen kaum möglich. Inklusion und Barrierefreiheit haben sich zwar gebessert. Aber immer noch ist Selbstständigkeit nicht gewährleistet. Mir wäre in meiner Entwicklung ein selbstständiges Leben das Wichtigste. Ich komme immer wieder an psychische Grenzen. Was ich als Mensch mit Behinderung nicht brauche, sind Mitleid, Betätschelung und Überfürsorge. Es wäre ideal, wenn sich das System bzw. die Gesellschaft den individuellen Anforderungen des „unperfekten“ Menschen anpassen könnte.</p>
<p>Durch den Film und die Beschäftigung mit seinem Thema bin ich von meiner festen und „positiven“ Meinung zu Abtreibungen abgekommen. Ein Entscheidung würde ich auch erst in der konkreten Situation fällen. Also: offen durchs Leben gehen!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Birgit Hohnen</strong></p>
<p>Ich persönlich bin so, behindert sozusagen, ich fühle mich beschissen mit dem Film. Ich lebe schon immer mit meiner Behinderung. Mich macht das Thema traurig und wütend. Eltern, die sich um behinderte Kinder kümmern können, sollen das auch tun oder es in eine Wohngruppe schicken. Das ist nicht schlecht, sondern zum Besten. Die Eltern können dann nebenher immer noch für einen da sein. Und behinderte Kinder sind auch für ihre Eltern da. Man kümmert sich gegenseitig, damit es allen gut geht.</p>
<p>Meine Mutter hat mich in ihrem Herzen und hat mich lieb.</p>
<p>Ich wünsche mir mein Leben in der Familie genau so!</p>
<p>Für einige Eltern muss das schwierig sein so eine Schwangerschaft und Geburt mit behindertem Kind. Das kann ich mir vorstellen. Finanzieren und Verantwortung. Aber sie bekommen ja vielleicht einen Liebling. Jeder kann was daraus machen und das so beschließen.</p>
<p>Ich würde gerne laufen können, aber lieber leben als gar nicht. Reden kann ich und laufen mit Rollator auch. Lange Zeit saß ich nur im Rollstuhl, aber jetzt gehe ich mit dem Rollator. Das Wichtigste ist, dass man Freunde hat, Unterstützung, und dass man einfach füreinander da ist. Ich habe alles, was ich brauche. Mein Leben ist schön mit viel Anerkennung und Liebe. Viele Eltern sagen: Mein Kind ist so wie es ist. Das ist wichtig für das Zusammenleben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Melanie Lux</strong></p>
<p>Ich fand den Film brutal. Vor allem die Abtreibungsszene. Dabei fing alles gut an. Die Frau wollte das Kind zur Welt bringen, trotz Behinderung, und dann hat die Frau sich umentschieden und das Kind abtreiben lassen, im siebten Monat.</p>
<p>Der Film hatte mich total aufgewühlt und viele negative Gefühle ausgelöst. Ich bekam eine Stinkwut auf bestimmte Personen, die mich abgelehnt haben, und auf die ganze Welt. Ich stellte mir die Frage, warum in unserer menschlichen Gesellschaft eigentlich immer alles perfekt sein muss. Warum wollen Eltern nur perfekte Kinder? Dürfen Menschen nicht mehr behindert sein? Will diese Gesellschaft nur noch Menschen, die funktionieren?</p>
<p>Ich bin selbst mit einer Behinderung auf die Welt gekommen. Ich hatte Sauerstoffmangel und bin bei meiner Geburt blau angelaufen. Aber meine Mutter wollte mich trotzdem. Sie wollte, dass ich lebe, und diese Entscheidung war gut. Meine Mutter ist eine tolle Frau. Sie hat alles gemeistert, trotz der vielen Probleme und Schwierigkeiten. Im Alltag und auf der Straße muss ich aber oft erfahren, wie grausam es ist, wenn gesunde Menschen Menschen mit Behinderung ablehnen. Das macht mich traurig.</p>
<p>Trotz allem: Ich hätte mir lieber einen Film angeschaut, in dem eine Mutter ihr behindertes Kind zur Welt bringt. Das Leben ist doch ein Geschenk.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Michael Schumacher</strong></p>
<p>Meine Mutter hatte mir irgendwann einmal erzählt, dass sie und mein Vater von meiner Besonderheit erfahren hatten, als ich mit drei Jahren im ersten Kindergarten war.</p>
<p>Eines Tages, als meine Mutter mich wie immer dort abgeholt hat, kam die Leiterin zu ihr und sagte, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. Sie meinte, dass man überlegen müsste, ob ich mit meinem Autismus vielleicht in einem anderem Kindergarten besser aufgehoben wäre.</p>
<p>Für meinen Vater brach eine Welt zusammen.</p>
<p>Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie sich abends in der Küche besoffen hatten.</p>
<p>Ich lag schon im Bett.</p>
<p>Mein Vater hat geweint und sich nur selbst bemitleidet.</p>
<p>Meine Mutter sagte sich am nächsten Tag: So, jetzt musst du handeln und die schwierige Situation meistern.</p>
<p>Ihr ist das auch sehr gut gelungen.</p>
<p>Das Verhältnis zwischen meinem Vater und mir dagegen stand auf der Kippe.</p>
<p>Er kam mit meiner Besonderheit nicht klar.</p>
<p>Es gab hin und wieder Streit.</p>
<p>Meine Mutter hat sich immer bemüht die Spannungen aufzulockern.</p>
<p>Aber er hat sich immer mehr zurückgezogen und meine Mutter alles machen lassen.</p>
<p>Letztendlich ist wohl auch die Ehe meiner Eltern daran gescheitert.</p>
<p>Sein Selbstmitleid ging oft in Aggressionen über. Er hat manchmal so laut geschrien, dass sich Nachbarn beschwerten. Und er ist auch handgreiflich geworden gegenüber meiner Mutter.</p>
<p>Es gab auch schöne Momente. Manchmal haben wir uns auch gut verstanden.</p>
<p>Aber das Problem meiner Besonderheit und dass er damit nicht fertig geworden ist, stand immer zwischen uns.</p>
<p>Er hat mir nicht viel zugetraut.</p>
<p>Er war ein Bremser.</p>
<p>Wenn ich darüber jetzt nachdenke, finde ich, dass es auf jeden Fall gut war, dass er uns verlassen hat.</p>
<p>Wenn er bei uns geblieben wäre, hätte ich nicht die Erfolgserlebnisse, die ich heute habe.</p>
<p>Es ist auf jeden Fall jetzt gut wie es ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Dennis Seidel</strong></p>
<p>Letzten Mittwoch waren wir Story Teller, also die Literaturwerkstatt von barner 16, im Kino und haben uns den Film 24 Wochen angeschaut. In dem Film ging es um ein Ehepaar, das ein behindertes Kind erwartet. Die Mutter hat es aber im letzten Moment abtreiben lassen.</p>
<p>Der Film hatte sehr viele Emotionen, so dass ich bei manchen Stellen weinen musste. Ich fand den Film mal witzig, aber auch sehr traurig.</p>
<p>Ich habe mich sehr betroffen gefühlt und habe sogar richtig doll geweint, weil mir der Film sehr an die Erinnerung an meine Kindheit ging. Ich konnte als Baby auch nicht mein erstes Weihnachten erleben, weil ich da im Krankenhaus lag. Meine Eltern waren sehr geschockt und wussten nicht, was sie machen sollten. Sie waren richtig durcheinander.</p>
<p>Ich würde anderen Leuten empfehlen den Film zu schauen, weil er sehr inhaltsreich und informationsreich ist.</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Alle Hintergründe zum Film findet ihr unter: <a href="http://www.24wochen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">24 Wochen</a></li>
<li>Wie ergreifend die Pressevorführung für die Autorin Anna Mayrhauser vom Missy Magazin war, <a href="http://missy-magazine.de/2016/09/22/bis-zum-schluss/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">lest ihr hier</a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nicht eine weniger! Lebendig wollen wir sein!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/11/nicht-eine-weniger-lebendig-wollen-wir-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2016 08:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Sexuelle Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie ein grausames Gewaltverbrechen an der 16 jährigen Lucía Perez, die Menschen und vor allem Frauen auf die Straßen treibt, um zu demonstrieren! Zu demonstrieren gegen die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Argentinien und auf der ganzen Welt. Mehr dazu lest ihr im Text von Mare. „Nicht eine weniger! Lebendig wollen wir sein!“ – Frauen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie ein grausames Gewaltverbrechen an der 16 jährigen Lucía Perez, die Menschen und vor allem Frauen auf die Straßen treibt, um zu demonstrieren! Zu demonstrieren gegen die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Argentinien und auf der ganzen Welt. Mehr dazu lest ihr im Text von Mare.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-7509"></span></p>
<p><strong><u>„Nicht eine weniger! Lebendig wollen wir sein!“ – Frauen gegen sexuelle Gewalt</u></strong></p>
<p>Das Wetter auf den Straßen Argentiniens kann man an diesem grauen Mittwoch Ende Oktober bestenfalls als trist bezeichnen. „Einen schlechteren Tag hätte man sich nicht aussuchen können“, kommentiert eine Nachrichtensprecherin des argentinischen Senders Canal 5 Notícias. Doch trotz des Regens und der Kälte sind Tausende Frauen auf der Straße. In schwarz gekleidet haben sie ihre Arbeit niedergelegt, um gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren. „Denn Freiheit bedeutet, endgültig das Patriarchat abzuschaffen“, verkündigt die Gruppierung „Ni Una Menos“ („Nicht Eine Weniger“) in ihrem Manifest zum „Schwarzen Mittwoch“, wie der Streik der Frauen am 19.10.2016 auch genannt wird.<br />
Ausgelöst wurde die Protestwelle durch den grausamen Fall der 16jährigen Lucía Perez. Ihr sind von den Tätern Drogen verabreicht worden, bevor sie vergewaltigt und zu Tode gefoltert worden ist.<br />
Diese abscheuliche Tat steht aber nicht für sich alleine. In den ersten 19 Tagen des Oktobers sind in Argentinien bereits 19 Frauen ermordet worden. Im Durchschnitt wird in Argentinien alle 30 Stunden eine Frau umgebracht.</p>
<p>„Unter Freundinnen sagen wir „Gib Bescheid, wenn du zu Hause angekommen bist“. Versteht ihr? Es gibt immer die Möglichkeit, nicht anzukommen“, steht auf dem Plakat einer Demonstrantin.<br />
„Ich möchte nicht die nächste Frau sein, die in einem Plastikbeutel endet“, erklärt eine andere Demonstrantin gegenüber AJ+ „Deshalb müssen wir alle auf die Straße – Männer, Frauen, Jungen, Mädchen, Teenager“<br />
„Jedes Mädchen, das umgebracht wird, ist wie ein neuer Schlag gegen die Brust“, erzählt die Mutter eines ermordeten Mädchens der spanischen Zeitung El Pais.</p>
<p>Aber nicht nur in Argentinien gehen die Menschen auf die Straße. In vielen Ländern Lateinamerikas sowie in Spanien demonstrieren die Menschen für Gleichberechtigung und gegen Gewalt an Frauen. Allein in Córdoba im Süden Spaniens protestierten am Mittwoch 25 000 Menschen.</p>
<p>Gewalt gegen Frauen ist ein internationales Problem. Auch wenn einige Leute in Deutschland die Situation so darstellen, als würde „der“ Araber und „der“ Nordafrikaner hier in unser aufgeklärtes Land kommen und unsere emanzipierten Frauen belästigen, ist die Wahrheit leider nicht so einfach und auch nicht so schön. Man muss sich nur angucken, was mit Gina-Lisa passiert ist. Wer dann immer noch nicht glauben möchte, dass Sexismus auch „deutsch“ sein kann, kann sich die Statistiken anschauen. Laut einer Statistik des Bundesministeriums für Familien, Senioren. Frauen, und Jugend haben 37% aller befragten Frauen seit dem 16. Lebensjahr schon einmal Gewalt erfahren. 58% wurden mindestens schon einmal sexuell belästigt.</p>
<p>Gewalt gegen Frauen ist ein internationales Problem. Und lösen können wir es nur zusammen, solidarisch und laut.<br />
Ni Una Menos!</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Bilder der Protestbewegung auf YouTube findest du <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_ZqJMn0d1lE" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">hier</span></a></li>
<li>Zum Thema Gewalt in Ehrenkulturen haben die HeRoes diesen starken Clip gedreht: <a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/05/guck-nicht-weg/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">Gewalt gegen Frauen, guck nicht weg!</span></a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zu Gangsta</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2015/03/zu-gangsta/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Hoff]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Mar 2015 08:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Audios]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=4111</guid>

					<description><![CDATA[“Der Song für das Ghetto, wo man keine Regeln kennt”. Mr Hoff rappt in seinem neuen Song über seine Gegend und gibt dem bedrückenden Alltag, der Wut und der Ungerechtigkeit eine Stimme.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>“Der Song für das Ghetto, wo man keine Regeln kennt”. Mr Hoff rappt in seinem neuen Song über seine Gegend und gibt dem bedrückenden Alltag, der Wut und der Ungerechtigkeit eine Stimme.</strong></p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-13304" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2015/03/IMG_20210728_190800-800x450.jpg" alt="" width="700" height="394" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2015/03/IMG_20210728_190800-800x450.jpg 800w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2015/03/IMG_20210728_190800-300x169.jpg 300w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2015/03/IMG_20210728_190800-768x432.jpg 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2015/03/IMG_20210728_190800-1536x864.jpg 1536w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2015/03/IMG_20210728_190800-2048x1152.jpg 2048w" sizes="(max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
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