Ja, so bin ich!

2017_02_23
(c) Nicolas Aracena:  Glück  (CC BY-NC 2.0)

Dennis und Maria von den Story Tellern zeigen, dass eine Persönlichkeit nicht immer entweder so oder so ist – nicht eindeutig nett oder eindeutig unfreundlich, nicht einmal eindeutig männlich oder weiblich. Dennis trägt gern Frauenkleider und fühlt sich doch als Mann, Maria sieht sich als Frau und ist einfühlsam und laut. Das Leben ist viel mehr als die Aufteilung in Männer und Frauen, in Menschen mit oder ohne Handicaps.

Ja, so bin ich von Dennis Seidel

Ich heiße Dennis Seidel, bin 37 Jahre alt und Mitglied der Literaturwerkstatt Story Teller von Barner 16 und auch Mitglied bei MeinTestgelände, das ist ein Gendermagazin, da geht es um Geschlechterrollen. Hauptsächlich arbeite ich bei MDUH, das ist eine Theatergruppe für Menschen mit Handicap.

Ich bin mit nur einer Niere zur Welt gekommen und muss deswegen sehr viel trinken. Viele Menschen in Bussen und Bahnen und unterwegs machen sich deshalb immer lustig über mich. Weil ich anders bin als normale Menschen. Schon früher haben mich, wenn ich morgens zur Schule gefahren bin, ein paar freche Jungs immer beschimpft.

Meine Hobbys sind: shoppen (vor allem Klamotten), verreisen, zeichnen, schreiben, im Internet surfen und mich als Frau verkleiden. Außerdem bearbeite ich gerne Bilder und Fotos mit Photoshop; besonders Bilder von schönen Frauen bzw. von meinen Lieblingsstars Diane Kruger und Diana zur Löwen (D-Fashion), Bilder vom Schanzenpark, Hundewelpen und Fotos, wo ich drauf zu sehen bin. Ich kombiniere Fotos von mir mit Fotos aus dem Internet, sodass es dann so aussehen tut, als wäre ich zum Beispiel an einem sonnigen Strand im Sommer in Miami, oder aber ich stehe direkt neben meiner Traumfrau Diane im Schanzenpark, oder aber ich setze mein Porträt in Photoshop in eine U-Bahn und daneben eine bildschöne Frau.

Meine Größe ist 1,64. Ich gehe sehr offen mit meiner Behinderung um. Wenn mir mal einer blöd kommt, würde ich mich selbst zur Wehr setzen, aber ich traue mich nicht, weil ich nicht weiß, wie die blöde Person, die mir blöd kommt, drauf ist.

Ich bin ein Mann, der sich auch manchmal als Frau fühlt. Wenn ich wirklich eine Frau geworden wäre, würde ich gerne Sandra, Diana oder Diane heißen.

Ja, so bin ich! von Maria Thöne

Eigentlich bin ich ein froher Mensch, doch so manches Mal bin ich gereizt. Dann wenn mir alles zu viel wird. Bin auch manchmal launisch, genervt oder wütend. Wenn nicht alles so läuft wie ich mir das vorstelle. Ich hasse mich selbst, wenn ich meine Grenzen mal wieder überschritten habe. Ich bin gerne für andere da. So gut ich kann. Bin keine Maschine und versuche das auch so zu leben. Manchmal bin ich tief traurig und weine in mich hinein. Ich bin dann lieber allein. Oder bin bei guten Freunden und lasse mich trösten. Ich kann auch gut Menschen aufbauen und/oder ihnen den Rücken stärken.

Nein-Sagen fällt mir manchmal schwer. Ich bin auch verschlossen. Und schimpf vor mich hin. Ich bin oft ungeduldig. Und nicht immer mutig. Bin manchmal langsam und dann wieder schnell. Ich versuche positiv zu denken. Was nicht immer gelingt. Ich sage schon, was ich denke. Aber manchmal traue ich mich nicht.

Wenn man meine Grenzen nicht respektiert, kann ich böse werden und laut. Ich bin weiblich, nicht männlich. Ich habe meine Extreme. Bin manchmal verzweifelt, doch dann voller Zuversicht. Ich schreie manchmal laut. Bin aber auch leise und rücksichtsvoll. Verwirrt und albern. Das ist so wie es ist. Das bin Ich so wie ich bin. Und ich bin in Ordnung.

 

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Wir sind die Story-Teller aus Hamburg. Mit unseren Texten möchten wir von unseren Erfahrungen berichten und Denkanstöße geben.

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