Menstruation – eine Momentaufnahme

2017_05_15
(c) areta ekarafi:  Menstruation  (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Werbung suggeriert, dass allein die passende Tamponmarke schon dafür sorgt, sich auch während der Menstruation frisch und zufrieden zu fühlen. Außer in derlei unrealistischen Werbespots – warum ist das Blut da immer blau? – findet das Thema jedoch zu selten in der Öffentlichkeit statt. Aber wir müssen darüber reden, findet auch unsere Autorin Mare.

„Hey, hat einer mal eine Schmerztablette?“, frage ich in die Runde, eine Hand plakativ auf dem
schmerzenden Unterleib.
Verneinendes Kopfschütteln.
„Ich hab nur Aspirin, sorry. Das hilft dir ja wahrscheinlich eher weniger bei, naja“, kommt mir einer
entgegen und legt selber eine Hand auf den wahrscheinlich deutlich weniger schmerzenden Unterleib.

Ich nicke. Ich nippe an meinem Bier. Eigentlich ist mir gar nicht nach Bier, aber man kennt das ja. Man sitzt in der Runde, und da wird dann Bier getrunken.

Eigentlich ist mir auch gar nicht nach Nicken. Zu dem aufgeklärten Typen, der weiß, dass Aspirin nicht hilft, wenn ich im Stundentakt meine Binden vollblute, aber der es trotzdem nicht schafft MENSTRUATION zu sagen. Genauso wenig wie ich. Man kennt das ja.

Man kennt das ja. Aber genauso wenig ist mir danach, ominös-plakativ meine Hand auf den Unterleib zu legen, anstatt zu sagen: „Hey, mein Uterus hasst mich mal wieder, ich blute wie blöd aus meiner Vagina. Und ich Idiot habe natürlich schon gestern meine Ietzten Ibus weggefressen, weil es sich da schon so anfühlte, als würde mein Uterus sich selbst aufessen“.

Eigentlich ist mir nicht nach Flecken in der Unterhose und der unwillkürlichen stillen Frage, ob das
normal ist, oder ich die einzige bin, die nach Jahren noch immer zu blöd ist, Flecken komplett zu
vermeiden.Eigentlich ist mir nicht nach kreativen Umschreibungen finden, als wäre ich ein Student, der versucht, auf die Mindestwortanzahl eines Essays zu kommen.

„Du weißt schon, naja, UNTERLEIBschmerzen, nicht nur Unterleibschmerzen“ statt einfach zu sagen MENSTRUATION.

Eigentlich ist mir nicht nach Schmerzen im 28-Tage-Takt.
Eigentlich. Eigentlich. Eigentlich. Meine Fresse.

Fuck it. Ich sollte es nicht als normal hinnehmen, über meinen Körper still zu sein. Denn das ist nicht normal. Und ich sollte es nicht als normal hinnehmen, meinen Körper als Feind zu sehen. Denn das ist nicht normal.

Und wir alle zusammen sollten verdammt noch mal anfangen darüber zu reden, dass starke Menstruationsbeschwerden nicht normal sind. Auch wenn Frauen und Trans-Männern von klein auf
beigebracht wird, dass es normal ist und man es einfach hinnehmen soll, wenn man vor Schmerzen kaum aus dem Bett kommt. Aber mit der richtigen Tamponmarke kann man ja weiße Kleider tragen und Fahrrad fahren und lachen und tanzen. Das ersetzt den Gang zur Frauenärztin, die einem sagt, dass so starke Schmerzen nicht normal sind. Und vielleicht stellt sie dann Endometriose fest und findet die richtige Behandlung dagegen, vielleicht ist es dann auch nicht Endometriose, aber sie hilft dir auf anderen Wegen und dann tut es endlich nicht mehr so verdammt verschissen weh, weil wir endlich den Mund aufgemacht haben.

Und eigentlich denke ich das alles.
Und ich nicke, und nippe weiter an meinem Bier.

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Ich bin hier, um mir Frust von der Seele zu schreiben und etwas Liebe zu verbreiten.

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