Mythos Jungfernhäutchen

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(c) Will Keightley:  Girls  (CC BY-SA 2.0)

Die Mitarbeiterinnen des Interkulturellen Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentrums Holla e.V. haben 160 Mädchen und Frauen ein paar Fragen gestellt: „Wussten Sie, dass es kein Jungfernhäutchen gibt? Was bedeutet der Mythos? Welche Auswirkungen hat das Thema auf dein Leben?“ Hier eine Auswahl der Antworten.

„Warum hat mein Arzt gesagt, dass mein Jungfernhäutchen im Sportunterricht gerissen ist, wenn es doch gar nicht existiert? Das macht mich so wütend!“
(Schülerin 15 Jahre)

„Warum habe ich nie darüber nachgedacht, dass es voll unlogisch ist, dass es das gibt?!“
(Schülerin 17 Jahre)

“Ich wusste, dass es das nicht gibt und musste im Sexualkundeunterricht meine Lehrerin korrigieren und es ihr richtig erklären“
(Schülerin 15 Jahre)

„Ich bin superfroh zu hören, dass es kein Jungfernhäutchen gibt. Das nimmt mir echt Druck. Man hat ja wirklich Stress als Mädchen, wenn man zu früh Sex hat ist man Schlampe und zu spät, dann ist man Nonne. Jetzt hab ich das Gefühl, es ist egal, es ist meine Sache und geht niemanden was an.“
(Schülerin 16 Jahre)

„Wurde uns so erzählt. Das muss man ja dann glauben.“
(Schülerin 17 Jahre)

„Ich denke, dass viele Männer davon profitieren, dadurch dass sie die Frauen kontrollieren können. Das gilt natürlich nicht für alle Männer, aber trotzdem für viele, auch wenn sie es nicht zugeben würden.“
(Studentin 21 Jahre)

„Wenn man bei der Hochzeitsnacht noch Jungfrau ist, dann steigt der Wert der Frau, also das Ansehen beim Mann und der Familie.“
(Passantin 22 Jahre)

„Wenn es ein Mythos ist, dann sage ich, das ist gut für die patriarchale Gesellschaft, um die Frau unter Druck zu setzen, damit sie nicht gegen die religiösen Regeln verstößt.“
(Studentin 21 Jahre)

„Für mich persönlich hat es keinen Einfluss… Aber in der Gesellschaft hat es viele Einflüsse, besonders weil ich einen orientalischen Hintergrund habe, wo Sex mit einem Mann, mit dem ich noch nicht verheiratet bin, streng verboten ist, das wird auf jeden Fall negativ betrachtet.“
(Passantin 22 Jahre)

„Ärzte profitieren davon (…). Sie haben dieses sensible Thema ausgenutzt, um damit viel Kohle zu verdienen.“
(Studentin 21 Jahre)

„Manche Frauen sind ohne geboren… Andere haben sie, aber sie platzt im Alltag oder bei sportlichen Aktivitäten. Ich weiß nicht ob das zu 100% stimmt, (…) vielleicht sollte ich noch mehr recherchieren.“
(Studentin 21 Jahre)

„Ich denke, dass sich durch das Wissen einiges ändern würde, die Frau wäre freier. Ich weiß, dass einige Mädchen Angst hatten, dass (…) sich die Familie abwenden würde, wenn sie es herausfinden würden.“
(Bürokauffrau 23 Jahre)

„Ich wurde vergewaltigt und habe jetzt große Angst keine Jungfrau mehr zu sein.“
(Mädchen 17 Jahre)

(Erstveröffentlichung in: Interkulturelles Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentrum (Hg.): Mythos Jungfernhäutchen. Köln 2017, 34-36)

Mehr dazu:

Wir sind die Hollies, der Mädchenbeirat von Holla e.V., eine Gruppe von elf bis einundzwanzigjährigen Mädchen und Frauen aus Köln. Rassismus, Sexismus, Körperbildnormierung und die Nichtbenennung von Mädchen in Schule und Medien – das sind die Themen, die uns bewegen. Unsere Filme sind im Rahmen des Projektes HOLLIEHood des interkulturellen Frauen- und Mädchen- Gesundheitszentrums Holla e.V.  entstanden und vom Drehbuch bis zum Schnitt selbst produziert. Schaut rein! Wir danken der Filia- Stiftung, die das Projekt HOLLIEHood finanziert hat und Knut Meier von der Maier Bros. GmbH für das Sponsoring des Lichtequipments.

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