Ja, so bin ich!

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(c) Art Purée:  Flowers  (CC BY-NC-ND 2.0)

Oft suchen wir nach einem Zustand der Zufriedenheit und meinen, wir finden diesen wenn wir uns neue Klamotten kaufen, in den Urlaub fahren oder durch das Gefühl, von anderen Menschen gemocht zu werden. Doch die Texte, die wir euch heute von den story-tellern präsentieren, zeigen, dass der Anfang aller Zufriedenheit in der Selbstakzeptanz liegt.

Ja, so bin ich! von Michael Schumacher

Viele Menschen reden mit mir über Dinge, die sie gerade so bewegen.
Deswegen würde ich von mir behaupten, dass ich stets ein offenes Ohr für jeden habe, ohne mich jetzt selber zu sehr loben zu wollen.
Menschen, die mir vertraut sind, wollen gern meine Meinung zu etwas hören.
Sie wissen, dass meine Meinung stets gut ist.
Zu meiner Person kann ich sagen, dass ich von Natur aus eine ruhige Person bin. Privat zumindest.
Auf der Bühne lass ich es aber stets krachen. Einige Menschen sind dann immer ganz erstaunt. Sie sagen dann soetwas wie: „Ich habe ihn gar nicht wiedererkannt. Sonst sagt er doch so gut wie nie was.“ Menschen, die dies von sich geben, sind Menschen, die nicht so über mich Bescheid wissen.
Diese Menschen sprechen mich aber nicht direkt an.
Das ist ein Punkt, der mit meinem Asperger-Syndrom zusammenhängt.
Die Kontaktaufnahme mit Menschen kann sich bei mir als schwierig gestalten.
Das ist vielleicht eine Schwäche.
Aber man muss Besonderheiten zu verstehen wissen.

Ja, so bin ich! von Kathi Bromka

Es gibt Leute, die können mich nicht sehen und kennen mich nicht. Ich bin: ein UFO vielleicht. Ich sehe anders aus. Ihr könnt das testen. Oder tasten. Haare: braun, dunkelbraun und fettig. Die Nase: weich und krumm und Ah! Das war zu fest. Meine Haut ist auch weich. Au! Nicht kneifen. Ich bin groß und dünn. Ich kann singen und tanzen. Ich fahre mit der S-Bahn. Ich stehe morgens früh auf, dusche, esse, gucke auf die Uhr: Wann muss ich los? Manchmal früher, manchmal später. Ich fahre bis Berliner Tor, da steige ich aus, um und fahre mit Kevin nach Bergedorf. Ich arbeite im Theater. Ich bin unterschiedlich drauf: traurig, sauer, böse, lustig, fröhlich, verliebt, Daumen hoch oder runter oder mittel. Ich finde gut an mir, dass ich ein toller Mensch bin, ein lustiger Typ. Ich kann mit Leuten reden; auch wenn ich mal Probleme habe. Ich kann getrennte Wege gehen. Wenn mir jemand Schlechtes sagt, gehe ich weg. Wenn ich in den Spiegel gucke, finde ich besonders schön, wie das Herz pocht. Und das Herz sagt: Ich bin bei dir, Kathi.

Ja, so bin ich von Jan Thibout

Leider bin ich aufgrund meiner schweren letzten Jahre nicht besonders positiv. Veränderungen stellen Menschen vor Herausforderungen. Inzwischen sind mir Selbstbespiegelungen zuwider. Aufgrund meiner Krankheit ist mir vieles bewusst geworden. Zum Beispiel auch, dass Erwachsenwerden bedeutet, dass manche Wunschvorstellungen gegen Realität ausgetauscht werden müssen. Inzwischen versuche ich mich an meinen Möglichkeiten zu orientieren und mich weniger über meine Schwächen zu ärgern. Obwohl ich eigentlich „erwachsen“ bin, muss ich noch viel lernen. Ich habe mir früher oft Gedanken um mich und die Welt gemacht. Jetzt verbringe ich die meiste Zeit damit, mit Alltag und Problemen zu kämpfen. Da mir meine Angststörung sehr zu schaffen macht. Das ist eine Form der Anstrengung, die mich blockiert. Früher habe ich mich mit Politik oder Philosophie beschäftigt. Jetzt versuche ich überhaupt zu arbeiten, eine ambulante Therapie zu machen und mein Leben auf die Beine zu bekommen.

Ja, so bin ich! von Carsten Schnathorst

Ich bin ein Träumer. Ich bin kein Mensch für die Realität. Ich will auch kein Realist werden. Ich denke immer, wer Realist ist, hat keinen Platz für Träume. Ich bin auch oft trotzig. Tja, ich kann und will nicht einfach alles hinnehmen, was man mir vorsetzt. Ja, so bin ich!

Ich kann auch anders. Ich bin auch ein Harmoniemensch. Ich hasse Streit, obwohl ich auch trotzig bin. Wenn Andere streiten, krieg ich zu viel. Da will ich, dass es aufhört, aber schnell!

Ich interessiere mich für Sprachen, Musik und auch Folklore aus anderen Ländern. Ich singe gerne und treffe mich mit Freunden. Dat bin ick och!

Vielleicht ahnt man, dass ich auch gerne Quatsch erzähle. Macht nüscht. Manchmal könnte ich mich selber hassen. Man sagt ja, man solle sich lieben. Aber wenn ich eine Beziehung mit mir selber hätte, würde ich mich verlassen. Naja, manchmal oder meistens zumindest. Egal. Das war’s erst mal. Ciao, Carsten.

Ja, so bin ich von Birgit Hohnen

Ich bin ein Mensch und erwachsen. Ich lebe mit meiner Behinderung und kann damit umgehen. Ich bin sehr glücklich, dass ich in einer Wohngruppe inmitten der Stadt leben kann und dass ich einen besseren Arbeitsplatz habe, wo ich Musik und Texte mache. Angebote und Aktivitäten sind toll. Ich kann mich mit Freunden und Familie austauschen und sagen, was ich machen möchte. Das ist wichtig. Ich bestimmte selber, wann ich essen will und wann ich ins Bett gehe und aufstehe. Das ist mein Leben. Ich bin glücklich und fühle mich frei. Ich kann meine Selbstständigkeit ausleben; die Selbstständigkeit ist ganz wichtig für mich. Das ist mein Standpunkt; dabei haben die Betreuer nicht mitzureden. Wie es für mich noch besser werden kann? Ich will nicht immer so schnell in den Stressmodus kommen, sondern mir in Ruhe Sachen überlegen.

Ich gestalte mein Leben selbst; ich treffe meine Entscheidungen alleine. Ja, so bin ich. Ja, so lebe ich. Ja, so will ich sein. Von meiner Richtung ist wichtig, dass man in seine Situation sieht und weiß: Ich will sein und bleiben wie ich bin. Wenn ich selbstständig sein will, muss ich wissen, was ich will oder kann. Ich will zum Beispiel laufen können. Ich kann das nicht, aber ich kann daran arbeiten. Man kann mir zum Beispiel sagen: Wisch den Tisch ab. Oder: bring die Wäsche in den Sack. Das sind so Sachen mit Bitte und Danke. Ich hole viel raus aus meiner Arbeit und schaffe viel. Ich bin eine Kämpferin! Ich bin eine Texterin! Ich bin gut so wie ich bin!

Ja, so bin ich von Melanie Lux

Ich möchte heute mal was richtig Schönes und Positives über mich schreiben… Meine Stärken: Ich bin für meine Freundinnen und Freunde da und kann gut zuhören, wenn sie mal Probleme haben. Außerdem bin ich sehr hilfsbereit. Ich habe viel Fantasie und bin sehr kreativ und ich habe viel Freude an der Kunst. Ich schreibe zum Beispiel supergerne spannende Romane, und ich kann sehr gut schauspielern. Mir macht es auch großen Spass Comicgeschichten zu gestalten. Die Kunst spielt in meinem Leben eine große Rolle.

 

Mehr dazu:

Wir sind die Story-Teller, die Literaturwerkstatt des inklusiven Künstlernetzwerks barner 16 aus Hamburg. Mit unseren Texten möchten wir von unseren Erfahrungen berichten und Denkanstöße geben.

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