Interviews mit queeren Slammer*innen #2

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(c) Laura Thuy

Für seine Interviewreihe hat unser Autor Sven Hensel, der selbst als Slammer unterwegs und außerdem als Veranstalter eines Queerslams tätig ist, diesmal mit Runa Wehrli (Deutschland und Schweiz) gesprochen. Wir freuen uns, euch mit diesem Interview im Jahr 2020 begrüßen zu dürfen!

Sven: Wer bist du, hast du ein Label und seit wann trittst du auf?

Runa: Ich bin Runa, 20 Jahre alt, ursprünglich aus einem Schweizer Bergdorf und studiere jetzt Schauspiel in Potsdam. Labels sind eine gute Sache, für mich selbst jedoch eher im Hintergrund. Wenn, dann würde ich es mit bi oder pan am ehesten treffen. Ich identifiziere mich als weiblich (sie/she/her). Auf Slambühnen trete ich seit Herbst 2015 auf und seit Sommer 2017 auch als Team “Lorem Ipsum” mit Jonin Herzig.

Sven: Ist deine queere Identität auf der Bühne ein Gesprächspunkt, und wenn ja, warum?

Runa: Ich habe selten Texte ausschließlich über meine queere Identität geschrieben. Jedoch erwähne ich sie in vielen meiner Texte, auch wenn es nicht die Hauptthematik ist. Gerade wenn es um meine Sexualität oder mein Liebesleben geht, dann gehört das ja automatisch dazu. Queere Themen auf eine Bühne (oder allgemein in die Kunst) zu bringen, finde ich wichtig. Und genauso wichtig ist es queere Menschen als eine Selbstverständlichkeit und Teil unserer Gesellschaft zu betrachten. Sie also ebenso in Geschichten zu integrieren, in welchen es um ganz andere Themen geht. Das versuche ich auch in meinen Texten. Auch Queere Menschen haben ein Leben, abgesehen von Sexualität, Geschlechterbilder und Liebesleben.

Sven: Worüber schreibst du sonst so?

Runa: Sehr unterschiedlich. Meine letzten paar Texte sind eher persönlicher Natur, ich versuche meine eigenen Erfahrungen so zu verpacken, dass sie vielleicht auch jemand anderem was geben. Im Team sinkt das Niveau hingegen etwas zugunsten des Flows und mehr Humor 🙂

Sven: Wie fühlt es sich Backstage/Szeneintern für dich als queerer Mensch an?

Runa: Ich empfinde die Slamszene zum größten Teil als sehr offen für queere Menschen. Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber es ist der Ort an welchem ich zum ersten Mal andere queere Personen getroffen habe, mich austauschen konnte und nicht allein damit war. Klar gibt es auch hier unrücksichtsvolle Situationen, oder Menschen, bei welchen eine andere Sexualität bzw. Identität auf Unverständnis trifft. Ein Mensch aus der Szene konnte es zum Beispiel partout nicht verstehen, dass ich meine hetero und nichthetero Beziehungen und Affären gleich “gewichte”.
Doch solche Erfahrungen waren mir persönlich gegenüber selten. Ich glaube aber, dass mehr Ausklärungsbedarf herrscht beim Thema Gender. Wenn ich auch selbst eine cis Frau bin, habe ich viele trans und nonbinäre Menschen in meinem Umfeld, die deutlich öfter ihre Identität erklären müssen.

Sven: Was wünscht du dir für die Zukunft von Slam, Queerslam und beidem zusammen?

Runa: Slam hat die Möglichkeit, Menschen (auch queeren) eine Bühne zu geben. Und gerade mit der Popularität, die das Format in den letzten Jahren gewonnen hat, finde ich es extrem wichtig, dass die Szene auch dafür einsteht. Was ich schade finde, ist das z.B. Frauenförderung oft von Queerförderung getrennt wird, obwohl für mich beides ähnliche Themen betrifft und für eine tolerantere und gleichberechtigten Gesellschaft einsteht. Das könnte mehr zusammengeschlossen werden.

Mehr dazu:

Ich heiße Sven Hensel, bin 95er Jahrgang, und (laut Trivial Pursuit) genauso groß wie der bundesdeutsche Durchschnitt. Ich trete seit 2014 bei Poetry Slams auf und arbeite im queeren Jugendzentrum Sunrise in Dortmund. Für mich ist es wichtig, die Selbstverständlichkeit von Queerness vorzuleben, sowohl im Alltag als auch auf der im Beruf, und diesen Fokus findet man auch in meinen Texten wieder. Viel Spaß beim durchscrollen!

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