<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Lilith &#8211; meinTestgelaende.de</title>
	<atom:link href="https://www.meintestgelaende.de/author/lilith/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.meintestgelaende.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Wed, 13 May 2026 14:50:54 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>

<image>
	<url>https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/06/cropped-unnamed-32x32.jpg</url>
	<title>Lilith &#8211; meinTestgelaende.de</title>
	<link>https://www.meintestgelaende.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Pubertät</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/05/pubertaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 May 2026 09:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Pubertät]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17469</guid>

					<description><![CDATA[Mit ihrem neuen Video eröffnet Lilith unseren neuen Themenschwerpunkt und beginnt eine Reihe von Coming-of-Age-Geschichten über das Erwachsenwerden. Erfahrt mehr über die Freuden, Erwartungen und Identitätsfragen, die uns in der Pubertät begleiten, sowie die Herausforderungen, die oft mit sozialem Druck und Schönheitsidealen einhergehen. Lasst uns gegenseitig unterstützen und daran erinnern, dass niemand perfekt durch diese]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Mit ihrem neuen Video eröffnet Lilith unseren neuen Themenschwerpunkt und beginnt eine Reihe von Coming-of-Age-Geschichten über das Erwachsenwerden. Erfahrt mehr über die Freuden, Erwartungen und Identitätsfragen, die uns in der Pubertät begleiten, sowie die Herausforderungen, die oft mit sozialem Druck und Schönheitsidealen einhergehen. Lasst uns gegenseitig unterstützen und daran erinnern, dass niemand perfekt durch diese Phase kommt.</strong><span id="more-17469"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kaufen wir die Liebe?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/02/kaufen-wir-die-liebe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Feb 2026 09:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Cash&Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Valentinstag]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17313</guid>

					<description><![CDATA[Jedes Jahr dasselbe Spiel: Liebe wird in Geschenkpapier gewickelt und an der Kasse gescannt. Aber seit wann beweist sich Zuneigung durch Kaufkraft? Und warum fühlt es sich manchmal so an, als müsste man konsumieren, um zu lieben? Lilith spricht über Kapitalismus in Herzform.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jedes Jahr dasselbe Spiel: Liebe wird in Geschenkpapier gewickelt und an der Kasse gescannt. Aber seit wann beweist sich Zuneigung durch Kaufkraft? Und warum fühlt es sich manchmal so an, als müsste man konsumieren, um zu lieben? Lilith spricht über Kapitalismus in Herzform.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was ist schön?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/01/was-ist-schoen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Jan 2026 13:02:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Schönheitsideale]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17292</guid>

					<description><![CDATA[In ihrem neuen Video reflektiert Lilith, welche Körperbilder heute als ideal gelten, wie sie sich weltweit unterscheiden und welche Rolle Medien und Social Media dabei spielen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In ihrem neuen Video reflektiert Lilith, welche Körperbilder heute als ideal gelten, wie sie sich weltweit unterscheiden und welche Rolle Medien und Social Media dabei spielen.</strong><span id="more-17292"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jungs im Cheerleading</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/10/jungs-im-cheerleading/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Oct 2025 11:41:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Cheerleading]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17160</guid>

					<description><![CDATA[Wenn Lilith erzählt, dass bei ihr auch Jungs im Team sind, erntet sie oft erstaunte Blicke und die Frage ob den Jungen das nicht peinlich ist. Dabei zeigt Cheerleading genau das, was Sport sein sollte: Teamgeist, Vertrauen, Stärke – jenseits von Geschlechterrollen. Ein Video über Vorurteile und echte Gleichberechtigung auf der Matte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn Lilith erzählt, dass bei ihr auch Jungs im Team sind, erntet sie oft erstaunte Blicke und die Frage ob den Jungen das nicht peinlich ist. Dabei zeigt Cheerleading genau das, was Sport sein sollte: Teamgeist, Vertrauen, Stärke – jenseits von Geschlechterrollen. Ein Video über Vorurteile und echte Gleichberechtigung auf der Matte.</strong><span id="more-17160"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Historischer Hintergrund zum Pride Month</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/07/historischer-hintergrund-zum-pride-month/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Jul 2025 08:00:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[pride month]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17044</guid>

					<description><![CDATA[Zum Abschluss unseres Schwerpunktsthemas haben wir noch einige Facts von Lilith zum Historischen Hintergrund des Pride Months. &#160;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zum Abschluss unseres Schwerpunktsthemas haben wir noch einige Facts von Lilith zum Historischen Hintergrund des Pride Months.</strong><span id="more-17044"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mental Health in der Kreativbranche</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/06/16965/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jun 2025 09:40:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=16965</guid>

					<description><![CDATA[46 % der Menschen, die in der Kreativbranche arbeiten, haben Angst oder Depressionen. Die ist deutlich höher, als Vergleichwerte in anderen Berufsgruppen. Warum dies so ist und wie Awerness geschaffen werden kann, das seht ihr in Lilith’s neuem Video.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">46 % der Menschen, die in der Kreativbranche arbeiten, haben Angst oder Depressionen. Die ist deutlich höher, als Vergleichwerte in anderen Berufsgruppen. Warum dies so ist und wie Awerness geschaffen werden kann, das seht ihr in Lilith’s neuem Video.</strong><span id="more-16965"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Werden FLINTA Personen von KIs diskriminiert?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/04/werden-flinta-personen-von-kis-diskriminiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Apr 2025 07:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[#unfiltered]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[FLINTA]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=16762</guid>

					<description><![CDATA[Künstliche Intelligenzen sind total objektiv und neutral, oder? Lilith unterhält sich mit ChatGpT über diskriminierende Algorithmen und erhält von der KI einige interessante Antworten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Künstliche Intelligenzen sind total objektiv und neutral, oder? Lilith unterhält sich mit ChatGpT über diskriminierende Algorithmen und erhält von der KI einige interessante Antworten.</strong><span id="more-16762"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tabuthema Leihmutterschaft</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/tabuthema-leihmutterschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2025 07:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leihmutterschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=16654</guid>

					<description><![CDATA[Wenn man über Selbstbestimmung über den eigenen Körper spricht, denken vermutlich viele von euch an das Thema Schwangerschaftsabbrüche oder an das neue Selbstbestimmungsgesetz, oder? Aber was ist, wenn man einen unerfüllten Kinderwunsch hat, darf man sich dann einen anderen Körper &#8222;leihen&#8220;? Die Deutsche Gesetzgebung sagt dazu &#8222;Nein&#8220; aber das Thema wird viel diskutiert und in]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn man über Selbstbestimmung über den eigenen Körper spricht, denken vermutlich viele von euch an das Thema Schwangerschaftsabbrüche oder an das neue Selbstbestimmungsgesetz, oder? Aber was ist, wenn man einen unerfüllten Kinderwunsch hat, darf man sich dann einen anderen Körper &#8222;leihen&#8220;? Die Deutsche Gesetzgebung sagt dazu &#8222;Nein&#8220; aber das Thema wird viel diskutiert und in anderen Ländern, sehen die Gesetze dazu ganz anders aus. Was denkst du darüber?</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aufklärung im Lehramt</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/12/aufklaerung-im-lehramt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Dec 2024 07:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Aufklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[S*explore]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=16477</guid>

					<description><![CDATA[Erinnerst du dich an den oft etwas seltsamen Aufklärungsunterricht in der 7. Klasse? Und bist du im Nachhinein zufrieden damit? Falls nicht, bist du damit nicht alleine: Auch Lehrer*innen sind nicht happy über die aktuelle Lage. Ein Bericht von Lilith.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Erinnerst du dich an den oft etwas seltsamen Aufklärungsunterricht in der 7. Klasse? Und bist du im Nachhinein zufrieden damit? Falls nicht, bist du damit nicht alleine: Auch Lehrer*innen sind nicht happy über die aktuelle Lage. Ein Bericht von Lilith.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-16477"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vielmännerei – Unnatürlich, Zukunftsweisend, Unterforscht?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/09/vielmaennerei-unnatuerlich-zukunftsweisend-unterforscht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Sep 2024 15:46:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Polyandrie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=16192</guid>

					<description><![CDATA[Polyandrie bedeutet, dass eine Frau mit mehreren Männern gleichzeitig  verheiratet ist. Darüber wird eher weniger gesprcohen, Lilith hat dem Thema daher einen Text gewidmet. “Spirit Bird” von Sarah Milledge Nelson ist das Buch, welches ich mir in den Urlaub mitgenommen habe. Kurz zusammengefasst entdeckt eine aus Korea stammende und in ihrer frühen Kindheit von US-Amerikaner:innen adoptierte]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span data-teams="true"><span class="ui-provider ah ahl ip ahm ahn aho ahp ahq ahr ahs aht ahu ahv ahw ahx ahy ahz aia aib aic aid aie aif aig aih aii aij aik ail aim ain aio aip aiq air" dir="ltr"><strong>Polyandrie bedeutet, dass eine Frau mit mehreren Männern gleichzeitig  verheiratet ist. Darüber wird eher weniger gesprcohen, Lilith hat dem Thema daher einen Text gewidmet.</strong><br />
</span></span><span id="more-16192"></span></p>
<p>“Spirit Bird” von Sarah Milledge Nelson ist das Buch, welches ich mir in den Urlaub mitgenommen habe. Kurz zusammengefasst entdeckt eine aus Korea stammende und in ihrer frühen Kindheit von US-Amerikaner:innen adoptierte Archäologiestudentin ihre Herkunft und erlebt dabei Urkulturen aus Korea kennen. In ihren Träumen erweckt ein Dorf zum Leben, das nicht nur auf traditionellen Ritualen und Ernährungsweisen beruht, sondern auch, in dem es die Regel ist, dass die Frauen des Dorfs ganz selbstverständlich mehrere Männer haben und mit ihnen gemeinsam im selben Haus leben. Doch – ist diese Form des Zusammenlebens tatsächlich so verbreitet?</p>
<p>Polyandrie, oder umgangssprachlich Vielmännerei, tritt in der Natur tatsächlich häufiger auf, als es die meisten unter uns vermuten würden. Fangen wir an bei Tieren, denen wir tagtäglich begegnen. Wer stört dich dauerhaft mit seinem Gesumme? Richtig geraten, die uns dauerhaft umschwirrende Fruchtfliege. Sie lebt in einer Form, bei der das Weibchen mit mehreren männlichen Artgenossen sexuellen Kontakt hat, während jeder der männlichen Artgenossen nur mit einem Weibchen interagiert. Auch die lauten Grillen, sowie einige Arten der Käfer und Spinnen leben polyandrisch. Seltsam eigentlich auch, dass uns in der Grundschule so häufig mithilfe des Bienchenbeispiels die Sexualerziehung nähergebracht werden soll. Während hier eine etwas weit hergeholte Blumen-Bienchen Analogie zurate gezogen wird, beleuchten wir selten , ob eine ähnliche Lebensform in menschlichen Gesellschaften funktionieren könnte, wie sie durch die Bienenkönigin als Reproduzentin für das Bienenvolk erfolgt. Auch der Vogelgesang kommt aus vielen Schnäbeln, deren Besitzerinnen gleich mit mehreren Männchen “vögeln”. Heimische Vertreterinnen sind z.B. die Heckenbraunelle, oder die Goldschnepfe und auch das Lauf- und Blatthühnchen gehören dazu. Am exotischsten kommt sicher der Tiefsee-Anglerfisch daher. Mit einem deutlich größeren Weibchen als die männlichen Artgenossen können sich mehrere Männchen am weiblichen Fisch festbeißen und werden ab dann auf Lebzeit mit der Dame herumgetragen. Im Extremfall verschmelzen somit bis zu acht Zwergmännchen mit einem Weibchen und sind alleine nicht mehr überlebensfähig.</p>
<p>Es gibt mehrere Stimmen, die behaupten, Polyandrie wäre <i>wider der Natur</i>. Diese mit Insekten und Vögeln zu überzeugen wird eher schwer gelingen. Doch vielleicht regen besonders die nächsten Beispiele, deren RepräsentantInnen uns als Menschen deutlich ähnlicher sind, dann doch zum Grübeln an, ob die ewige Mann-Frau-Kind Konstellation wirklich das einzig Wahre in dieser Welt ist. Denn auch in der Welt der Säugetiere treten polyandrische Lebensformen auf, z.B. bei den Grauen Mausmaki, einer Affenart oder dem Murmeltier. Interessant ist zudem, dass in den beschriebenen Konstellationen der Tierwelt nicht nur der Akt der Zeugung durch mehrere Männer pro Frau erfolgt, sondern in einigen Fällen auch die Kinderaufzucht größtenteils dem Mann zukommt.</p>
<p>Bei uns, den Homo Sapiens Sapiens ist Polyandrie in der Historie gaaaaanz selten vertreten. Zumindest ist das der bleibende Eindruck, wenn man sich die Geschichtsbücher ansieht, die in der Schule behandelt werden. Als “Einzelbeispiele” werden in diesen oftmals die berühmten Gesellschaften auf den Marquesa-Inseln im Südpazifik, dicht gefolgt von Gemeinschaften im Hochland von Tibet, erwähnt. Doch im Jahr 2010 analysierten die AnthropologInnen Kathrine Starkweather und Raymond Hames in eine Studie der University of Nebraska-Lincoln, Polyandrie in weiteren 53 Regionen. Hierbei wird beispielsweise untersucht, wie sich Polyandrie als vorherrschende Praxis herausgebildet hat. Dabei werden Hypothesen geprüft, die eine lange Abwesenheit eines Teils der Männer, sodass währenddessen auf andere zurückgegriffen werden muss, oder eine hohe Sterblichkeit als Hauptursachen für die Notwendigkeit von Vielmännerei vermuten. Auch wird analysiert, wie sich in derartigen Gesellschaften verschiedene Wege entwickelt haben, um zu entscheiden, wer als Vater gilt. Während in einigen Gemeinschaften in Zeremonien die Vaterschaft anhand von Eigenschaften und Merkmalen zugesprochen wird, so stammen in anderen alle Kinder “offiziell” zu gleichen Teilen von allen Männern im Haushalt ab.</p>
<p>Wenden wir nun unseren Blick ins 21. Jahrhundert. Recherchiert man nach dem Begriff Polyandrie sind die gleich oben erscheinenden Werbeeinträge voll von Plattformen zum Finden von PartnerInnen, die sich spezifisch eine Beziehung im Konzept der Polyandrie wünschen. Ist das also der neue Trend? Ganz sachlich betrachtet spricht tatsächlich einiges für diese Art des Zusammenlebens. Murmeltierfrauen machen es zum Beispiel ganz clever: während des Winterschlafs wärmen die Männchen nur diejenigen Nachkommen, von denen sie glauben, sie seien die eigenen. Also: erst einal schön viel Verwirrung schaffen, damit der Nachwuchs am besten von allen Seiten auf Überlebenstemperatur gehalten wird. Im Falle der stetig wachsenden Weltbevölkerung könnte sich für uns Menschen sogar ein weiterer Vorteil als Nützlich erweisen: polyandrische Gesellschaften bringen in der Regel weniger Nachwuchs als monogame oder polygyne Familien hervor. Der Tibetologe Melvyn C. Goldstein vertritt die Meinung, dass diese Form des Zusammenlebens entsprechend eine gelungene Form der Anpassung an limitierte Ressourcen darstellen kann.</p>
<p>Schauen wir uns jedoch die menschliche Realität an, ergeben sich bereits rein rechtlich einige Hürden. Zwar kann einer Frau niemand verbieten, mit mehreren Männern in sexuellen Kontakt zu treten oder auch Kinder mit unterschiedlichen biologischen Vätern zu zeugen, dennoch ist eine langfristige Familienkonstellation mit mehreren gleichberechtigten männlichen Partner:innen so vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. In Deutschland ist Bigamie, also das Eingehen einer zweiten Ehe zusätzlich zu einer bestehenden, gemäß § 1306 BGB verboten. Wer gegen dieses Verbot verstößt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Dies gilt entsprechend für Polyginie als auch Polyandrie. Diskussionen hierzu kommen immer wieder auf. Sei es dadurch, dass die Behörden von Mehrehen, die im Ausland geschlossen werden, oftmals nichts mitbekommen oder wenn es darum geht zu entscheiden, wer im Falle einer Flucht nach Deutschland nachzugsberechtigt ist.</p>
<p>Auf dem afrikanischen Kontinent entfachte passend zu dem Themenfeld im Jahr 2023 eine hitzige Diskussion. In Südafrika stand die Durchsetzung eines “inklusiven Eherechts” zur Debatte. Um das Ehegefüge mit dem Verfassungsgrundsatz der Gleichheit in Übereinstimmung zu bringen, wäre im Falle des Erlaubens von Polygynie auch die Einführung des Rechts auf Mehrfachehen für Frauen  notwendig. Während dies insbesondere bei männlichen Vertretern, die mehrere Frauen pro Mann durchaus befürworten, auf Ablehnung stößt, setzen sich einige feministische Aktivistinnen für ein solches Recht ein. Wichtig dabei zu beachten: in den polyandrisch lebenden Gesellschaften stellt diese Lebensform nicht zwingend eine Gleichstellung der Frau auf allen Ebenen dar. Oftmals handelt es sich auch hier um patriarchale Gesellschaftsformen, bei denen die Frau in entsprechend mehrere sexuelle Beziehungen mit verschiedenen Männern gezwungen wird.</p>
<p>Doch – könnte die heutige Gesellschaft es schaffen, diese Begrenzungen zu überwinden und aus dem Recht auf Vielehen eine offenere und tolerantere Gesellschaft entstehen zu lassen? Welche Türen öffnet dies für Missbrauch? Wie wichig ist es, dass derartige Lebensformen auch vorm Staat als Ehen anerkannt werden, oder reicht es, wenn Menschen, die auf diese Art zusammenleben möchten, ihre Zuneigungen und Präferenzen frei ohne Trauringe ausleben dürfen? Welcher gesellschaftlichen Sigmatisierung sind sie heutzutage ausgesetzt? Fragen, über die ihr euch vielleicht beim nächsten Spaziergang im Wald Gedanken machen könnt, während ihr die vielfältigen Lebensformen der Vögel, Insekten und Säugern beobachtet.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Binäre Geschlechterkategorien im Sport: Wie wir mehr Vielfalt und Inklusion schaffen können</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/06/binaere-geschlechterkategorien-im-sport-wie-wir-mehr-vielfalt-und-inklusion-schaffen-koennen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jun 2024 12:59:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Sport - Deine Story über Schweiß und Tränen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=16070</guid>

					<description><![CDATA[Gerade im Sport stellen die binären Geschlechterkategorien eine große Hürde für Menschen dar, die sich in diesen nicht verorten. Lilith zeigt in ihrem Text wieso das so ist und wie diese Hürden abgebaut werden können. Ich liebe es, wenn ich durch die Luft ﬂiege, mich in verschiedenste Richtungen drehe, springe und tanze. Sport ermöglicht mir]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gerade im Sport stellen die binären Geschlechterkategorien eine große Hürde für Menschen dar, die sich in diesen nicht verorten. Lilith zeigt in ihrem Text wieso das so ist und wie diese Hürden abgebaut werden können.</strong><span id="more-16070"></span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich liebe es, wenn ich durch die Luft ﬂiege, mich in verschiedenste Richtungen drehe, springe und tanze. Sport ermöglicht mir persönlich, mich auszutoben, frei zu sein, Stress abzubauen &#8211; eine Abwechslung im Alltag zu haben. Gleichzeitig ist mir mein Privileg bewusst, meiner Sportbegeisterung nachgehen zu können wie ich will. Das ist nämlich bei weitem nicht für jede Person der Fall, obwohl das Ziel unserer Gesellschaft eigentlich sein sollte, die sportlichen Türen weit zu öﬀnen, anstatt zu schließen &#8211; denn: laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit schätzungsweise 81% der Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren zu wenig körperliche aktiv.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Umso besorgniserregender also, dass einigen Jugendlichen der Zugang zu Sport erschwert wird &#8211; insbesondere der LGBTQIA+ Community. </span><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Die Liste an Barrieren, denen sich Zugehörige dieser Gruppe noch bis heute in zahlreichen Disziplinen und sportlichen Beteiligungsformaten gegenübersieht, ist lang. So sind diese Individuen in Gruppensportarten extrem unterrepräsentiert und begegnen auch bei Individualsportarten, zahlreiche Hürden &#8211; insbesondere in Hinblick auf Wettbewerbskategorien und vergleichbaren Leistungsmessungen. Dies reicht bis hin zu den Olympischen Spielen, bei denen Diskussionen über Testosteronhöchstwerte, regelmäßige Testungen und Untersuchungen der Körpermerkmale immer und immer wieder in der Diskussion stehen. Traditionell finden die meisten Teamsportarten in gleichgeschlechtlichen Teams staN, und schon in jüngsten Jahren wird binär getrennt. Bereits im Sportunterricht begegnet uns tagtäglich eine Leistungsmessung in binären <span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">Geschlechterkategorien</span></span>. All dies führt dazu, dass es für diese Jugendlichen nur wenig Raum gibt, sich auszudrücken, <span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">Geschlechternormen</span></span> in Frage zu stellen und die Vielfalt und Inklusion zu erhöhen.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Darüber hinaus haben Schülerinnen und Schüler mit nicht-binären Geschlechtsidentitäten Schwierigkeiten, an geschlechtsspeziﬁschen Aktivitäten wie vielen Sportdisziplinen teilzunehmen. Eine kürzlich an der Simon Fraser Universität durchgeführte Studie fand heraus, dass unter 11 % der nicht-binären Jugendlichen in Kanada an Mannscha1ssport teilnehmen. Deutlich weniger als mit 68 % in ihrer Altersgruppe üblich. Missbrauch und Diskriminierung sind die Hauptfaktoren, die nicht- binäre Individuen davon abhalten, an Teamaktivitäten teilzunehmen. Egal ob in Wettkampfsituationen oder während des Trainings haben nicht-binäre Jugendliche von der Verwendung transphober Sprache durch Trainerinnen und Trainer und dem Gefühl berichtet, in Sportumkleideräumen nicht sicher zu sein. All dies sind tiefgreifende Gründe für ein Klima, in dem LGBTQIA+ Jugendlichen Sporttreiben alles andere als schmackhaft gemacht wird.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Die Schwierigkeiten der LGBTQIA+ Community im Sport erstrecken sich auch auf Paarsportarten, wie </span><span style="font-family: Arial, sans-serif;">z.B. Lateinamerikanischer Tanz oder Rock&#8217;n&#8217;Roll Akrobatik, wo die Paarkategorien klar binär getrennt sind. Während in sozialen Settings im Ballsaal inzwischen lieber die Rede von <i>Leader</i><i> </i>und <i>Follower</i><i> </i>ist anstelle von <i>Herr </i>und <i>Dame</i>, denen <span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">spezifische</span></span> Schritte und Führungsaufgaben innerhalb der Choreographie zugewiesen werden, existiert sobald es auf die Wettkampﬄäche geht, wenig Freiraum.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Es gibt jedoch auch Hoﬀnung: Bei den Olympischen Spielen in Tokio traten mindestens 180 oﬀen queere Athletinnen und Athleten an &#8211; ein Rekord. Das sind fast dreimal so viele wie bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro und mehr als bei allen bisherigen Olympischen Sommer- und Winterspielen kombiniert. Auch Veranstaltungen wie die Gay Games, die seit 1982 stattfinden, bieten der LGBTQIA+ Community die Möglichkeit, Sport zu treiben und sich oﬀen auszutoben. Auch gibt es Sportarten, die von Grund auf inklusiver sind, als Ballsportarten oder olympische </span><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Individualdisziplinen. Während es im Zirkus z.B. durchaus rollentypischere Disziplinen für spezifische Geschlechter gibt, stehen alle Gerätschaften, vom Vertikaltuch bis hin zum Jonglieren, grundsätzlich jeder und jedem oﬀen. Die “Teams” sind nicht nach Geschlecht eingeteilt, und die Sportler:innen können sich individuell austoben.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Dennoch sollten uns diese positiven Beispiele für mehr Oﬀenheit und Toleranz nicht davon abhalten, weiter aktiv zu sein und einen gleichberechtigten Zugang zu Sport einzufordern – denn der Weg zu diesem Ziel ist noch lang. Entsprechend ist es umso wichtiger, dass wir alle zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass alle Jugendlichen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität, die Möglichkeit haben, an Sportarten teilzunehmen und von den Vorteilen körperlicher Aktivität zu profitieren.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jung genug zum Servieren? Kinderarbeit im Tourismussektor</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/09/jung-genug-zum-servieren-kinderarbeit-im-tourismussektor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Sep 2022 12:13:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=15070</guid>

					<description><![CDATA[Für viele Menschen ist der Urlaub ihr Highlight im Jahr. Einige Tage all-inclusive-Entspannung und den Alltagsstress vergessen. Was dabei oft nicht bedacht wird, sind die vielen Menschen, die für unsere Urlaubsentspannung arbeiten. Barkeeper*innen, Zimmerservice, Küchenpersonal u.v.m. Oft sind diese Menschen minderjährig und verlieren durch ihre Arbeit Zugang zu Bildung und das Recht Kind zu sein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für viele Menschen ist der Urlaub ihr Highlight im Jahr. Einige Tage all-inclusive-Entspannung und den Alltagsstress vergessen. Was dabei oft nicht bedacht wird, sind die vielen Menschen, die für unsere Urlaubsentspannung arbeiten. Barkeeper*innen, Zimmerservice, Küchenpersonal u.v.m. Oft sind diese Menschen minderjährig und verlieren durch ihre Arbeit Zugang zu Bildung und das Recht Kind zu sein. Mit diesem Thema hat sich Lilith in ihrem neuen Text beschäftigt.</strong></p>
<p><span id="more-15070"></span></p>
<p>Der junge Kellner, der mir gerade das Mineralwasser gebracht hat, lächelt auch der Person am anderen Ende des Buffetraums zu, der er einen scheinbar sehr heißen Teller serviert. Die Person, die ich auf vier Mal das Alter des Kellners schätze, lacht so laut auf, dass selbst ich es noch vernehme. Ich versuche, mich auf mein Mineralwasser zu konzentrieren. Doch dann fällt mein Blick wieder hinüber an den anderen Tisch. Der Kellner bringt ein Getränk. Und noch eins. Und einen Nachtisch. Das Lachen wird bei jedem Mal lauter, die Gesten, mit der die Person den Kellner begrüßt, ausschweifender. Ich verliere den Überblick, was an dem jungen Kellner bereits alles betouched wurde. Mir wird allein bei dem Anblick dieses Verhaltens schlecht und ich bleibe bei meinem Mineralwasser. Der Appetit ist mir vergangen. „Möchten Sie noch etwas bestellen?“ Als der Kellner zu mir kommt, wage ich nicht, ihn danach zu fragen, wie es ihm mit dem Verhalten des Gasts am anderen Ende des Raumes geht. Nur eines bekomme ich über die Lippen. „Darf ich fragen, wie alt sie sind? Sie wirken sehr jung?“<br />
13-19 Mio. das ist die Zahl Minderjähriger, die laut Internationaler Arbeitsorganisation weltweit im Jahr 2011 im Tourismussektor beschäftigt waren. Und: darin sind die Zahlen all derjenigen, die im inoffiziellen Sektor arbeiten, noch überhaupt nicht mit eingerechnet. 2 Mio. von Ihnen werden sexuell ausgebeutet. Was für die einen das Highlight des Jahres ist, auf das hingespart und hingefiebert wird, ist für andere eine traurige Lebensrealität. Hast du jemals das Alter der Barkraft geschätzt, die dich an der Cocktailbar bedient? Jemals den/die Reinigungsverantwortliche/n gesehen, der/die täglich dein Chaos im Zimmer auf Vordermann bringt? Bei einigen von ihnen handelt es sich um Personen, denen Bildung verwehrt wird, die sie gegen harte Arbeit eintauschen müssen. Die Forschungsinstitution „Equation“ beschreibt eindrücklich, wie Kinderarbeit im Tourismussektor die physische, psychische sowie soziale Entwicklung der Betroffenen behindert. Warum es trotzdem weltweit zum Einsatz von Kindern kommt? Zum einen werden Kinder mit niedrigeren Löhnen bezahlt – attraktiv für die Arbeitgebenden der Tourismusindustrie. Darüber hinaus stammen viele betroffene Minderjährige aus Familien mit niedrigem Einkommen und sind auf die Arbeitsstelle angewiesen.<br />
Nun mögen einige denken, das Bedienen am Esstisch sei um einiges angenehmer als das Ernten von Kakaobohnen oder Baumwolle in strahlender Sonne. Tatsächlich sind jedoch die Arbeitsbedingungen an vielen Touristenorten weit mehr als beunruhigend. Durch die fluktuierenden Besucherzahlen werden meist nur Saisonverträge ausgestellt, sodass es keinerlei Planungssicherheit gibt. Darüber hinaus erfolgt in der Hochsaison dann die akkumulierte Anstrengung, um allen Ankommenden gerecht zu werden. Weshalb die Arbeit im Tourismussektor besonders gefährlich für Kinder ist, liegt neben der kommerziellen Ausbeutung, von der weit die Mehrheit betroffen ist, besonders an hinzukommenden Fällen der sexuellen Ausbeutung. Im Urlaub fühlen sich Reisende unentdeckt. Sie trauen sich eher, das Angebot von Prostituierten anzunehmen. Und selbst wenn sich Kinderarbeitenden nicht in erster Linie als Prostituierte ausgeben: in jeder Art des Kontakts zu Reisenden besteht Gefahr. Es sind stets Fremde, die bedient werden. Es muss stets bester Service geboten werden, denn der Gast ist König/in und ansonsten droht eventuell die Entlassung. Der/die Minderjährige agiert entsprechend nie auf Augenhöhe mit dem Gast, sondern ist immer unterwürfig. Ein gefährliches Machtverhältnis, das daraus automatisch erwächst. Das Gegenüber bezahlt schließlich für einen unvergesslichen Urlaub, also lässt man sich herumkommandieren und gehorcht.<br />
Durch sexuelle Ausbeutung von Kindern im Tourismussektor ergeben sich viele weitere negative Auswirkungen und insbesondere Gefahren für die Gesundheit. Ein höheres HIV-Infektionsrisiko ist nur eine dieser.<br />
Einige Regierungen agieren. So erließ beispielsweise Indien im Oktober 2006 ein Verbot gegen den Einsatz von Kinderarbeit in gastronomischen Betrieben angefangen bei Restaurants über Cafés bin hin zu Hotels. Auch hiergegen jedoch wenden sich einige Organisationen. Die Kinderarbeit würde so lediglich in den informellen Sektor rutschen und den offiziellen Regulationsmechanismen entzogen werden. Einige Ansätze liegen im Aufbau von Rehabilitationszentren, in denen ehemalige Kinderarbeiter Unterstützung erhalten können, um sich dagegen zu wappnen, in diese Jobs zurückzufallen. Besonders effektiv sind stets tiefgreifende Maßnahmen: Nicht einfach eine Altersbeschränkung einführen, sondern die Wurzeln der Kinderarbeit analysieren und diese bearbeiten. Weitere Beispiele hierfür sind kostenlose Schulen, im besten Fall mit einer warmen Mahlzeit, sowie die Unterstützung von Familien mit niedrigem Einkommen, sodass sie nicht auf ihre Kinder als Einnahmequelle angewiesen sind.<br />
Nicht nur in Indien ist Kinderarbeit verboten und doch eine nicht zu leugnende Realität. In vielen Ländern besonders in Asien sowie Afrika tritt dieses Phänomen häufig auf. Kinder, die im Tourismussektor angestellt sind, werden also weltweit nicht nur ihrer Bildung beraubt und können das ihnen zustehenden Recht, einfach nur Kind zu sein und zu spielen, nicht ausleben, sondern sind auch direkten Gefahren für ihr psychisches sowie physisches Wohlbefinden ausgesetzt.<br />
Was noch dagegen helfen kann, neben den genannten staatlichen Aktivitäten? Maßnahmen von verschiedensten Stakeholdern. Darunter zum einen Unternehmen im Tourismussektor selbst. Egal ob Hotelbesitzende/r oder Anbietende/r von Touren: durch die Stärkung von Arbeitnehmerrechten und das Angebot von Trainings sowie Weiterbildungsmöglichkeiten für Angestellte können sich die Mitarbeitenden gegenseitig unterstützen und jungen Servicekräften Hilfe leisten. Auch du als einzelne/r Reisende/r kannst beitragen. Achte während der Buchung darauf, dass die Unterkünfte nachhaltig sind. Um Kinderarbeit zu vermeiden kannst du besonders darauf Wert legen, Informationen im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit zu finden. Und nicht nur Unterkünfte sondern auch Aktivitäten können versteckte Kinderarbeit beinhalten. Derartige Nachweise gibt es beispielsweise in Angeboten des „Volontourism“, ihm Rahmen derer Reisende ihren Urlaub beispielsweise in Kinderheimen verbringen, um formal angepriesen, zu „helfen“. In der Realität handelt es sich teilweise um Kinder, die von ihren Familien entrissen wurden und dafür bezahlt werden, den oder die „Weise zu spielen“.<br />
Selbst wenn du gebucht hast und vor Ort bist, kannst du Weiteres unternehmen: Hinterfrage Situationen, leiste akute Hilfe, wenn dir auffällt, dass jemand belästigt oder respektlos behandelt wird und kontaktiere im Zweifel Hilfsorganisationen wie z.B. TourismWatch (https://www.tourism-watch.de/de/tag/kinderarbeit), bei denen du beobachtete Auffälligkeiten und Ungerechtigkeiten melden kannst. Bei diesen Organisationen kannst du dich zudem über deinen eigenen Urlaub hinaus engagieren und gegen Kinderarbeit im Tourismussektor einsetzen.<br />
Auch wenn meine Frage ernst gemeint war – ich hätte den Kellner auf gerade einmal 15 geschätzt – war es vielleicht nicht der richtige Ansatz. Er zuckt leicht zusammen, räuspert sich und antwortet „18“. Dann beeilt er sich, an einen anderen Tisch zu kommen. Sein Verhalten kann meiner Interpretation nach auf zwei Hintergünde zurückgeführt werden. Entweder, er ist wirklich minderjährig und hat von seinen Arbeitgebern eingetrichtert bekommen, davon bloß niemandem Wind bekommen zu lassen, oder aber ihm wird diese Frage gerade von den Personen gestellt, die es als besonders attraktiv empfinden, einen kleinen Jungen als Bedienung bei sich zu. Ob der Gast, der am anderen Ende des Saals gerade den letzten Schluck aus seinem Weinglas nimmt, die gleiche Frage gestellt hat? Nach einer letzten, fast einseitig intim wirkenden Unterredung mit dem jungen Kellner, steht er auf. Ich zögere einen Moment. Das Einzige was ich jetzt noch tun kann, außer mich am nächsten Morgen an der Hotellobby über den sozialen Nachhaltigkeitsstandard der Unterkunft und dementsprechenden Arbeitnehmerrechten zu informieren und eventuell entsprechende NGOs oder Regierungsentitäten einzusetzen, ist, den Gast selbst auf sein Verhalten anzusprechen. Ich kippe die letzten 100 ml meines Sprudels den Hals hinunter und gehe ihm schnellen Schrittes nach.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gründen &#8211; ein männliches Unterfangen?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/06/14922/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jun 2022 09:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Berufsorientierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterklischees]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=14922</guid>

					<description><![CDATA[Lilith belegte 2017 beim Wettbewerb Jugend gründet den Chemiesonderpreis und gründete 2021 das StartUp ChargeHorizons (https://www.chargeholidays.com/). Im Rahmen dessen befasste sie sich nicht nur mit dem Thema des nachhaltigen Reisens sondern auch mit allerlei Anträgen, Finanzierungsmitteln und Austauschnetzwerken und durchlebte einige Höhen und Tiefen. Aus ihrer eigenen Erfahrung und aus vielen Gesprächen herauskristallisiert schildert sie,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Lilith belegte 2017 beim Wettbewerb Jugend gründet den Chemiesonderpreis und gründete 2021 das StartUp ChargeHorizons (https://www.chargeholidays.com/). Im Rahmen dessen befasste sie sich nicht nur mit dem Thema des nachhaltigen Reisens sondern auch mit allerlei Anträgen, Finanzierungsmitteln und Austauschnetzwerken und durchlebte einige Höhen und Tiefen. Aus ihrer eigenen Erfahrung und aus vielen Gesprächen herauskristallisiert schildert sie, dass Gründen immer noch geschlechterspezifisch unterschiedlich große Hürden mit sich bringt.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-14922"></span></p>
<p>In die Wiege gelegt wurde mir das Thema gründen nicht, aber spätestens nach meinen positiven Erfahrungen im Rahmen des Schülerwettbewerb Jugend gründet war es für mich keinesfalls abwegig, ein Unternehmen aufzubauen. Meine Ideen umsetzen lag mir als geborene Macherin schon immer am Herzen. Und das obwohl dies für mein biologisches Geschlecht eher untypisch ist: Laut des Female Founders Monitor beträgt der Anteil an Neugründungen von Frauen gerade einmal 15%. Ich habe den Luxus als weibliche Gründerin selbst mit einigen dieser Frauen in Kontakt zu stehen.<br />
„Ich werde dann durchaus belächelt mit der Aussage: Ach so, jaja, also dein Mann macht das dann so richtig und du kümmerst dich viel um die Kinder“. Mir gegenüber am Bildschirm sitzt eine weitere Gründerin, die gemeinsam mit ihrem Mann ein Unternehmen auf die Beine gestellt hat, und jetzt nicht nur diesem sondern auch ihren beiden Kindern das Laufen beibringt. Doch ganz entgegengesetzt der Annahmen vieler Bekannter, die sie soeben zitiert hat, beteiligt sich ihr Mann an beiden Tätigkeiten in demselben Maße. Und egal, wie sehr die toughe junge Dame mir gegenüber betont, dass sie beide gleichberechtigt die Firma gegründet haben und nun leiten, immer und immer wieder werden ihr derartige Anmerkungen vorgetragen. Gesellschaftlich muss sich also noch viel verändern. Doch auch die formellen Rahmenbedingungen sind um einiges verbesserungswürdig. „Es ist unfassbar, wie viel Geld wir für Babysitter ausgeben“. Denn mit reinem Verlass auf die staatlichen Betreuungsangebote der Kinder könnten die beiden ihr Unternehmen nicht großziehen.<br />
Zumindest in Ansätzen tut sich etwas. Das Gespräch beispielsweise führte ich auf der Women Entrepreneurship Week. Und auch Vereinigungen und Netzwerke, wie z.B. die European Women Business Angels Community existieren inzwischen. Dennoch sind die Angebote bislang ernüchternd. „Ich habe das Glück, noch einen männlichen Mitgründer zu haben.“, so einige Wochen später eine Bekannte, die gerade ihr Start-Up in Berlin aufbaut. Sie selbst musste sich beim Arbeitsamt anhören lassen, was ihr denn einfiele, keinen regulären Job auszuüben, während ihr Mitgründer mit wenigen Briefwechseln sein Gründerstipendium erhielt. „Auch bei Investoren finde ich es schlimm, wie unterschiedlich sie uns beide behandeln!“ Dieser Bias existiert nicht nur bei staatlichen Ämtern sowie privaten Fördertöpfen, sondern macht auch nicht vor Kreditinstituten halt. In einem Experiment gingen eine weibliche Gründungsinteressierte und ein männlicher mit denselben Businessplänen zur Bank, während nur er von beiden erfolgreich war. Gegenüber Frauen scheint eine größere Erwartungshaltung vorzuliegen, als der Maßstab, an dem männliche Gründer gemessen werden. Die Erfahrungswerte deuten auf eine strukturelle Verankerung der Ungleichbehandlung hin und werden von den Zahlen bestätigt: Über 25% männlich geleiteter Start-Ups schafften es bislang mehr als eine Million Euro an Risikokapital von Investoren zu erhalten während unter rein weiblich geführten Teams lediglich 5 % diese Schwelle überschreiten konnten. Außerdem wird dasselbe Auftreten gegenüber Geldgebenden bei weiblichen Bewerberinnen anders konnotiert. Großdenkende Männer werden als mutig eingeschätzt, während Frauen mit ähnlichen Visionen als naiv abgestempelt werden. Umso mehr falle es ihnen schwerer, sich in den Vordergrund zu stellen und ihre eigene Idee selbstbewusst zu präsentieren.<br />
Weitere Ansätze, die geringe Quote der weiblichen Gründerinnen zu erklären, gibt es viele. So führten Berufe, die immer noch zu einer Mehrheit von Männern ausgeübt werden, häufiger in eine Selbständigkeit während „frauentypische“ Bereiche, wie z.B. Lehramt oder Beschäftigungsverhältnisse in der Verwaltung selten zur Gründung eines eigenen Unternehmens motivierten. Dr. René Leicht, Soziologe und Politikwissenschaftler, macht für dieses Gefälle die Gesellschaft verantwortlich, die nach wie vor zu großen Teilen auf stereotypen Rollenbildern fuße. Auch die Position der Frau als Mutter und Verantwortliche der Haustätigkeiten schränke ein. Die insgesamt 12,5 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit, die Frauen weltweit laut des Ungleichheitsberichts Oxfam verrichten, führen zu deutlich weniger Freiheiten, wenn es darum geht, sich überhaupt Gedanken zu einer selbständigen Tätigkeit zu machen.<br />
Dabei kann es von Vorteil sein, ein Unternehmen aufzubauen. Im Schnitt verdienen selbständig tätige Frauen mehr als diejenigen in Anstellungsverhältnissen, und die oftmals mögliche flexible Einteilung der Arbeitszeiten kann eine bessere Vereinbarung von Berufs- und Privatleben ermöglichen. Auch gesamtgesellschaftlich könnten mehr Frauen als Chefs eigener Unternehmen sinnvoll sein. Laut einer Studie der Boston Consulting Group erwirtschaften Frauen pro Doller, der investiert wird, doppelt so viel wie ihr männliches Pendant. Auch wenn es gilt, derartige Studien mit Vorsicht zu genießen – dass Frauen-Start-Ups in unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle einnehmen, sollte Ziel von uns allen sein!<br />
Die sich in der Entstehung befindenden Netzwerke und die steigende Anzahl an weiblichen Führungskräften als Vorbilder lassen auf Besserung hoffen. Meine persönliche Ambition: auch mit meinem Start-Up möchte ich dazu beitragen, besonders weibliche Personen dazu zu motivieren, den Schritt zu wagen und ihre Ideen und Träume zu verwirklichen. Gemeinsam sind wir ebenfalls die Macherinnen der Zukunft!</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Geschlechtskrankheiten &#8211;Bei Waffeln und Sandwiches Scheiden basteln</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/02/geschlechtskrankheiten-bei-waffeln-und-sandwiches-scheiden-basteln/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Feb 2022 07:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=14465</guid>

					<description><![CDATA[„Ich denke, hier müsste noch etwas mehr von dem Material hin&#8220;, sagt Elena, […] was das wird? Eine Vagina”. Liliths Lokalgruppe ist Teil von “Mit Sicherheit verliebt” und man findet sie meistens in Schulen um Workshops durchzuführen, bei denen Themen wie Verhütung und Geschlechtskrankheiten angesprochen werden, Themen die auch heute noch oft als Tabuthemen gelten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><strong>„Ich denke, hier müsste noch etwas mehr von dem Material hin&#8220;, sagt Elena, […] was das wird? Eine Vagina”. Liliths Lokalgruppe ist Teil von “Mit Sicherheit verliebt” und man findet sie meistens in Schulen um Workshops durchzuführen, bei denen Themen wie Verhütung und Geschlechtskrankheiten angesprochen werden, Themen die auch heute noch oft als Tabuthemen gelten. Doch sind Geschlechtskrankheiten nicht eh etwas aus dem letzten Jahrhundert? Und HIV haben ausschließlich Schwule? Dass das gar nicht so ist, sondern sich die Zahl der Erkrankten sogar erhöht, erklärt Lilith in ihrem Text.</strong><span id="more-14465"></span></p>
<p class="western">„Ich denke, hier müsste noch etwas mehr von dem Material hin“, sagt Elena, die gerade den Karton festhält. „Ja stimmt – warte“ ich beiße noch einmal in mein veganes Sandwich, bevor ich mir ein Stück Knete abzupfe und es ihr reiche. Im Hintergrund ertönt Weihnachtsmusik – schließlich findet an diesem Montagabend unsere Lokalgruppenweihnachtsfeier statt. Und weil wir nicht nur Leckereien genießen, sondern auch etwas schaffen wollen, basteln wir nebenbei – was das wird? Eine Vagina.</p>
<p class="western">Etwas seltsam muss das für die meisten klingen – auf einer Weihnachtsfeier das weibliche Geschlechtsorgan nachbauen. Aber – wir sind schließlich auch eine besondere Gruppe. Studierende aller Fachrichtungen kommen bei uns zusammen. Unsere Lokalgruppe ist Teil der Initiative „Mit Sicherheit verliebt“ der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd). Wenn wir nicht gerade dabei sind, Materialien vorzubereiten, sind wir dort anzutreffen, wo diese zum Einsatz kommen: In Schulen.</p>
<p class="western">„Das klappt sehr gut. Hier ist dein Kondomführerschein!“ Ein wenig Gekicher gibt es auch beim 20. Schüler, dem wir das kleine Dokument austeilen noch. Aber nach einigen Stunden der Aufwärmung scheint einiges an Scham und Pein bereits abgefallen zu sein. Und dennoch – bei unseren Schulworkshops merken wir stets, dass die Themen, die wir ansprechen, immer noch zu den Tabuthemen zählen. Dabei sind sie so wichtig. Gerade wenn es um Verhütung und Geschlechtskrankheiten geht.</p>
<p class="western"><b>Let’s talk about SEX – and STIs</b></p>
<p class="western">„Mmh. Ich finde es schon sehr schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Irgendwie ist das auch in jeder Partnerschaft anders.“ „Aber jetzt einmal ganz ehrlich – wie viele Partnerinnen hast du nach ihrem STI Status gefragt, bevor du mit ihnen ins Bett gegangen bist?“ Der Geräuschpegel auf der Coach in dem Raum, in dem wir alle zwei Wochen zusammensitzen, ist merklich angestiegen. Gerade haben wir gemeinsam den TED Talk von Evelin Dacker über die STAR Methode angeschaut. Die US-Amerikanerin, die sich selbst als Sexual Health Advocate bezeichnet, empfiehlt in ihrem Vortrag, vor dem Sex wichtige Dinge zu klären. Unter anderem empfiehlt sie ganz offen darüber zu reden, was einem gefällt und was einen besonders anturned, gleichzeitig aber auch, auf was man sich lieber nicht einlassen möchte. Ein für sie noch deutlich entscheidender Aspekt ist der Austausch über den STI-Status. STI steht für sexually transmitted infections, auf Deutsch sexuell übertragbare Krankheiten. Hat jemand eine Erkältung oder Magen-Darm-Probleme, ist es meist kein Problem, dies auf eine Entschuldigung an die Lehrkräfte zu schreiben, oder sich in WhatsApp-Gruppen mit dieser Begründung von einem Präsenztreffen abzumelden. Doch wann liest man davon, dass jemand eine Pilzerkrankung, Filzläuse, oder Gonnorhö auskurieren muss? Dabei sind STIs auch heutzutage noch ein großes Problem. Weltweit soll es laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ca. 340 Mio. Neuinfizierte jährlich geben. Im Allgemeinen Volksmund herrschen andere Meinungen: Syphilis ist doch etwas aus dem letzten Jahrhundert &#8211; das bekamen im Übrigen sowieso nur die Prostituierten. Und HIV haben ausschließlich Schwule.</p>
<p class="western"><b>Geschlechtskrankheiten – Mythen und Wahrheiten</b></p>
<p class="western">Während die Geschlechtskrankheiten früher als „Strafe Gottes für irdische Sünden“ galten, scheint einem auch heute als Betroffener noch eine gewisse Schuld zugeschrieben zu werden und man erfährt von nicht wenigen Personen eine abwertende Reaktion. Auch ist es häufig, dass ein offener Umgang mit dieser Art von Krankheiten zu einer Weigerung sexueller Handlungen des Gegenübers führen – selbst wenn bei einigen der Krankheiten mit ausreichendem Schutz keinerlei Übertragungsgefahr besteht. Unwissenheit und Verwirrung sind häufig die Gründe für derartige Reaktionen. Auch ist es wichtig, wenn man selbst betroffen ist, sich nicht zu schämen oder gleich in Panik zu verfallen. Viele der STIs sind gut behandelbar, besonders bei einer frühen Diagnose. Umso wichtiger ist es, bei Anzeichen, wie z.B. Juckreiz, Rötungen oder Schwellungen nach dem Geschlechtsverkehr schnell zum Arzt zu gehen.</p>
<p class="western"><b>Eine Mini-Übersicht</b></p>
<p class="western">Chlamydia trachomatis finden sich besonders gerne in den Geschlechtsorganen der Deutschen. Kein Wunder, denn die Bakterien lieben feuchte, warme Gebiete, in denen sie sich einnisten können. Falls die Bakterien auch bei dir herumwuseln, klagst du über Ausfluss, Jucken, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen – ein endgültiger Nachweis kann über einen Urintest erfolgen und über Antibiotika behandelt werden.</p>
<p class="western">Auch bei einer Erkrankung mit Syphilis- oder Gonorrhoeerregern erhältst du Antibiotikum zur Heilung. Feststellen lässt sich die erstgenannte Krankheit durch eine Blutuntersuchung. Falls du dunkle Flecken oder Geschwüre bei dir entdecken solltest, weist dies stark auf eine Erkrankung mit diesem Erreger hin. Bei Genorrhoe, auch als Tripper bekannt, beobachtest du Schmerzen beim Wasserlassen, sowie einen Juck- und Brennreiz.</p>
<p class="western">Genitalherpes wird durch einen Virus hervorgerufen. Jucken, Brennen und Bläschen im Genitalbereich sowie Schmerzen beim Wasserlassen sind Anzeichen. Anstelle von Antibiotikum erhältst du zur Therapie Virostatika. (*Einmal dagewesen kann Herpes allerdings immer wieder ausbrechen.)</p>
<p class="western">Filzläuse zählen wiederum zu einer anderen Kategorie. Sie sind Parasiten und lassen sich sogar mit einer Lupe erspähen. Die Bissstellen der kleinen Tierchen lösen einen Juckreiz aus und es kommt zu Hautausschlägen. Aber keine Sorge. Auch gegen sie kommst du mit Cremes oder Lösungen an.</p>
<p class="western"><b>Krank und nun?</b></p>
<p class="western">Falls du selbst weißt, dass du von einer Geschlechtskrankheit betroffen bist und niemanden anstecken möchtest, oder du bei deinem Geschlechtspartner Vermutungen in diese Richtung hast, müsst ihr nicht zwingend auf Sex verzichten. Einen vollständigen Schutz vor HIV erhältst du bei einem korrekten Einsatz von Kondomen. Bei Gonorrhoe, Trichomonaden und Chlamydien können Kondome das Ansteckungsrisiko stark verringern, da der Schleimhautkontakt verhindert wird. Herpes, Syphilis und HPV betreffen jedoch andere Regionen – so z.B. die Vulva, den Damm, die Analregion und den Hodensack. Da ein Kondom den Kontakt mit diesen Gebieten nur verringert, aber nicht verhindert, bleibt eine Ansteckungsgefahr erhalten. Nur fair ist es in jedem Fall, dass dein/e Partner/in immer bescheid weiß, falls du von einer sexuell übertragbaren Krankheit betroffen bist.</p>
<p class="western"><b>Reden statt krank werden</b></p>
<p class="western">Erschreckend ist, dass die Anzahl an von Geschlechtskrankheiten Betroffenen in Deutschland eher steigt als fällt. So hat sich z.B. die Anzahl der Erkrankten an Syphilis zwischen 2000 und 2013 mehr als verdoppelt. Wissen über ein angemessenes Schutzverhalten und ein offener Umgang, der eine direkte Therapie sowie die Eindämmung der Übertragung eindämmen kann, sind heutzutage somit wichtiger denn je.</p>
<p class="western"><strong>Also:</strong></p>
<ul>
<li>Rede offen mit deinem Partner/deiner Partnerin über Verhütung und STIs</li>
<li>Tausche dich mit anderen Personen zu dem Thema aus. Welche Erfahrungen haben sie gemacht?</li>
<li>Verwende zum besseren Schutz immer Kondome</li>
<li>Mache den Safer-Sex-Check <span style="color: #0000ff;"><u><a href="https://www.lovelife.ch/de/safer-sex-check/">https://www.lovelife.ch/de/safer-sex-check/</a></u></span></li>
</ul>
<p class="western" align="left"><a name="_GoBack"></a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nackt im Sport</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/11/nackt-im-sport/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Nov 2021 07:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=14305</guid>

					<description><![CDATA[10 cm – zu viel oder zu wenig? Wir freuen uns über einen neuen Text unserer Autorin Lilith. Sie schreibt folgenden Teaser: Die modernen Wettkämpfe im Jahr 2021 unterscheiden sich nicht nur in Hinblick auf die Ausrichtung und die Art der Disziplinen von denen, die in der Antike zwischen 776 v. Chr. und 393 n. Chr. ausgetragen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>10 cm – zu viel oder zu wenig?<span class="Apple-converted-space"> Wir freuen uns über einen neuen Text unserer Autorin Lilith. Sie schreibt folgenden Teaser</span></b><strong><span class="Apple-converted-space">: </span><i>Die modernen Wettkämpfe im Jahr 2021 unterscheiden sich nicht nur in Hinblick auf die Ausrichtung und die Art der Disziplinen von denen, die in der Antike zwischen 776 v. Chr. und 393 n. Chr. ausgetragen wurden. Neben der geringeren Anzahl an Tagen sowie an Sportarten waren auch deutlich weniger Klamotten angesagt. Denn: die Athleten traten nackt an. Trotz Kleidung in den Stadien heute sind manche Regelwerke mit entsprechenden Maximalwerten an Stoffmaßen fragwürdig und stehen in scheinbarem Zwiespalt zwischen sportlicher Funktionalität, Attraktivität für die Zuschauer*innen und dem Wohlfühlen der Athlet*innen. Ein Beitrag über Selbstbestimmung des Outfits im Sport.<span class="Apple-converted-space"> </span></i></strong></p>
<p><span id="more-14305"></span></p>
<p>„Die folgende Abbildung zeigt, welche Körperbereiche zwingend verdeckt sein müssen“. Ich blättere auf die nächste Seite des Regelwerk Rock’n’Roll. Über mehrere Abschnitte erstreckt sich die umfassende Kleiderordnung für den Wettkampfsport. Welche Körperteile müssen bei welchem Geschlecht wie bedeckt sein, welche Farben sind für das Make-Up erlaubt? Und auf welche Stellen in meinem Gesicht darf ich Glitzersteine platzieren? Minutiös aufgeschlüsselt sind die Vorgaben. Etwas zu kompliziert, wie ich auf den ersten Blick empfinde – aber: bei weitem besser als das, was sich in anderen Schriftstücken findet. So beispielsweise im Beach-Handball: „Die Shorts, sofern sie nicht zu lässig geschnitten sind, können länger sein, aber nicht länger als 10 cm über dem Knie. Spielerinnen müssen Bikinihosen tragen, die der angehängten Abbildung entsprechen. Sie müssen körperbetont geschnitten sein, mit einem hohen Beinausschnitt. Die Seitenbreite darf höchstens 10 cm betragen“ heißt es dort. Eine Maximalbreite bei meiner Tanzkleidung kann ich glücklicherweise nicht finden – auch den Mitspielerinnen des norwegischen Teams wäre dies wohl lieber gewesen. Bei der EM in Bulgarien drohte ihnen die Disqualifikation, weil sie genau diesen Abschnitt des Regelwerks bewusst nicht einhielten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Handball ist hierbei leider keine erschütternde Ausnahme. Frauen mussten lange Zeit im Bikini antreten, seit 2004 bestand die offizielle Regelung, dass die Hosen der Frauen an der Seite eine Breite von sieben Zentimetern nicht überschreiten durften. Eine traurige Unterbietung der Regularien im Beach-Handball. Bei den männlichen Spielern hingegen waren die Hosen im selben Jahr knielang.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Früher hingegen gestaltete sich die Situation in den Sportstätten anders – nämlich allseits mit noch mehr unbedeckter Haut. Und tatsächlich war auch hierfür einmal wieder eine Frau verantwortlich. Ähnlich wie schon Eva Schuld auf sich lud, so war es einige Jahrtausende später eine sich entblößende Dame, die dafür sorgte, dass Nacktheit im wettkampflichen Sport zu einem Normalum wurde. Der Begriff Gymnastik basiert auf gymnos was so viel wie nackt bedeutet. Der wenige Stoff sollte unter anderem ein unnötiges Mehr an Schweiß vermeiden. Dass auch die Trainer keine Kleidung tragen durften, liegt jedoch an einer männlich verkleideten Trainerin. Scheinbar schlich sie sich im Jahr 404 v. Chr. als anfeuernde Mutter zu den 94. Olympischen Spielen. Als ihr Sohn gewann, riss sie sich vor lauter Ergriffenheit die Kleidung vom Leib. Um zukünftige ungebetene weibliche Gäste zu vermeiden, bestand die Folge in der Auferlegung eines Nacktheitzwangs. Was wohl die Zuschauer*innen sagen würden, wenn auch sie maximal mit zehn-Zentimeter Höschen begleitet sein dürften? Warum denn nicht, wenn die Voyeure ohnehin mehr an den Körpern als an den sportlichen Leistungen interessiert zu sein scheinen: <a href="https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1300/J057v13n01_04">Wie eine Studie von sechs Beachvolleyballbegegnungen bei den Olympischen Spielen 2004 ergab</a>, zeigten 20 Prozent der Bilder die Brüste der Athletinnen, 17 Prozent ihren Po. Brüste und Po fungieren dabei wohl besonders unbedeckt als Zuschauermagnet.</p>
<p>In diesem Jahr war die Bandbreite der Outfits bei den Olympischen sowie Paraolympischen Spielen recht groß. Während einige Outfits sehr an die antike Kleidungsfreiheit grenzen, betonen andere Sportlerinnen, dass sie sich mit mehr Bedeckung wohler fühlen. Besonders bezeichnend – die Gymnastinnen ganz widersprüchlich zum „nackten“ Wortursprung. &#8222;Schönes Turnen hat nichts damit zu tun, dass man das auch geil findet&#8220;. Unter diesem Motto trat Elisabeth Seitz gemeinsam mit ihren Kolleginnen in Tokio an. Die Unitards des Nationalteams sind zweckmäßig für den Sport eng anliegend, aber eben auch ganzkörperbedeckend. Mut zur Bekleidung nach Lust und Laune unterstreicht die deutsche Rekordmeisterin. Spaß am Sport soll genauso wenig von einer Minimalbekleidung abhängen wie Spaß am Sportschauen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nicht nur Berühmtheiten aus dem Sport setzen sich für die Selbstbestimmung der Kleiderwahl ein. Die Sängerin Pink beispielsweise kritisierte die Strafe des Hanballfrauenteams, die ihnen letztendlich anstelle der Qualifikation auferlegt wurde, öffentlich und bot an, die Summe zu übernehmen. Positiv ist zumindest die Debatte, die dadurch verstärkt wurde. Besonders entscheidend ist dabei, den Kontext nicht aus den Augen zu verlieren. Das fundamentale Problem liegt schließlich in den Entscheidungsstrukturen solcher Bestimmungen:<span class="Apple-converted-space">  </span>Häufig bestimmen nicht die Athletinnen oder Athleten, sondern Aufsichtsräte der jeweiligen Sportverbände. Diese wiederum sind zu großen Teilen männlich besetzt – und rechtfertigen sich mit dem Argument der Einschaltquoten. Würden die Frauen auf den Bildschirmen unattraktiver aussehen – was scheinbar durch eine jugendfreiere Klamotte bedingt würde – müsste man sich auch nicht beschweren, dass dem Frauensport medial geringe Aufmerksamkeit zukommt. Bessere Sendezeiten anstelle der Etablierung von Stripkluboutfits fällt ihnen als Maßnahme wohl nicht ein.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Besonders problematisch ist die Debatte im Kontext des Sexismus‘ sowie sexuellen Missbrauchs im Sport. Enthüllungen über Unrechtmäßigkeiten gegenüber Sportlerinnen, wie sie in der Dokumentation Athlete A dargestellt sind, gehören leider keiner Seltenheit an. Egal also ob hinter oder vor den Kulissen – Sportlerinnen werden zu selten in ihrer Leistungsfähigkeit bewertet und zu sehr als Schönheiten und Sexobjekte wahrgenommen. Aber nicht nur die Geschlechterdebatte ist im Sport prominent – Entscheidungsgremien sind eben nicht nur vorwiegend männlich, sondern auch weiß und alt. So durfte beispielsweise die Schwimmerin Alice Dearing nicht eine extra an ihre Afro-Haare angepasste Schwimmkappe tragen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Letztendlich bleibt zu hoffen, dass Initiativen wie die Unitards in diesem Jahr bei Olympia Wirkung entfalten und absurde Vorstöße wie die 2012 eingebachte Idee, Boxerinnen zwangsweise mit Röcken statt Shorts in den olympischen Ring zu schicken, Geschichte bleiben. Das wichtigste: Spaß an einem gefahrenfrei ausgeführten Sport haben. Und als Zuschauer*in? Die Leistung der Sportler*innen und nicht deren äußerliches Erscheinungsbild bewerten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Klickt euch für weitere Beiträge unbedingt mal rüber zu <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lilith/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Liliths Autorinnenprofil</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mädchen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/10/maedchen-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Oct 2021 07:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=13458</guid>

					<description><![CDATA[Heute gibt es unseren ersten Post der Woche ausnahmsweise schon am Montag. Und zwar aus einem besonderen Grund! Unsere Autorin Lilith verrät ihn euch: &#8222;Wer von Ihnen kennt den Weltmädchentag? Preisfrage – wann ist dieser? Genau, heute, am 11. Oktober. Den nächsten Text habe ich geschrieben, als ich mich im Zug des internationalen Mädchentages mit]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute gibt es unseren ersten Post der Woche ausnahmsweise schon am Montag. Und zwar aus einem besonderen Grund! Unsere Autorin Lilith verrät ihn euch: &#8222;Wer von Ihnen kennt den Weltmädchentag? Preisfrage – wann ist dieser? Genau, heute, am 11. Oktober. Den nächsten Text habe ich geschrieben, als ich mich im Zug des internationalen Mädchentages mit der Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern beschäftigt habe. Ich habe eine riesige Veranstaltung geplant und mich einfach viel zu sehr in dieses eigentlich so erschreckende Thema hineingesteigert – ja, und was dabei herausgekommen ist, hören Sie jetzt. Der Text heißt ganz einfach nur <em>Mädchen.</em>&#8222;</strong></p>
<p><span id="more-13458"></span></p>
<p>Ich bin unterwegs, schlendere die Straße entlang – viel zu viele Menschen um mich herum.<br />
Bin unterwegs, schlendere weiter, schaue mich um<br />
und erkenne ein Mädchen,<br />
Hollister-Top – bauchfrei natürlich, S-Oliver Hose, so kurz, dass ihre Arschbacken gerade noch herausschauen – versteht sich.<br />
Trägt Ohrringe, die länger sind als ihr Hals, sodass sie schon fast ihre Schulter berühren,<br />
Lippgloss – größer gezeichnet, als ihr tatsächlicher Mund.<br />
Eine Tasche von Mickle Corse in der einen, einen Geldbeutel von louis vuitton in der anderen Hand.<br />
Ich laufe weiter und schüttle den Kopf.<br />
Sie ist ein Mädchen, vielleicht 12 Jahre alt – noch ein Kind und auch wieder keines.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das es viel zu einfach hat im Leben,<br />
viel zu einfach, als dass sie noch Ziele haben könnte, nach denen es sich lohnt zu streben,<br />
ihre Eltern besitzen so viel Geld, dass das Konto droht überzulaufen,<br />
wenn sie nicht in die Stadt geht, um sich täglich etwas Neues zu kaufen.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen,<br />
das sich für nichts als sich selbst interessiert,<br />
wie von Geburt an vorprogrammiert,<br />
ein Gossip-Girl ohne andere Interessen als Geld, Smartphone, W-Lan, Jungs, Betrug und Intrigen.<br />
Ihr Leben besteht aus stupiden<br />
Beschäftigungen, wie Shoppen, Kino, schlafen, Essen; shoppen, Kino, Schlafen, Essen<br />
– ach ja What`s App benutzen hätte ich fast vergessen,<br />
bei allem darauf achtend ihre neuen Klamotten nicht zu beschmutzen,<br />
zu schauen, dass sie nicht noch weiter verrutschen,<br />
sich möglichst überhaupt nicht anzustrengen,<br />
und den Ausschnitt, den sie von der Welt sieht, noch mehr einzuengen.</p>
<p>Sie schaut zu mir herüber,<br />
schenkt mir einen verachtenden Blick,<br />
ich tue, als bemerkte ich ihn nicht.</p>
<p>Stattdessen schüttle ich verzweifelt meinen Kopf und laufe weiter.<br />
Länger kann man den Anblick einer solchen Person einfach nicht ertragen!<br />
Länger kann man nicht zuschauen, wie sie den Jungs ihrer Clique den Arsch ins Gesicht reckt und unbemerkt ihren BH immer weiter herunterrutschen lässt.</p>
<p>Aber egal – es ist ihr Leben!<br />
Nun laufe ich weiter und beginne, an jemanden anderen zu denken.</p>
<p>Auch sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das viel zu viel denkt,<br />
ihre Gedanken äußerst selten in die richtigen Bahnen lenkt,<br />
viel mehr lässt sie sie ihr Gehirn umkreisen.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das sich für wirklich alles und jeden interessiert,<br />
das keine Angst hat, dass es sich ununterbrochen geniert,<br />
nur, weil es etwas Neues versucht – zum aller ersten Mal<br />
das alles Kennenlernen möchte,<br />
alles erleben und die ganze Welt sehen will<br />
nur um es einmal gewusst zu haben,<br />
das gerne verreist,<br />
auf die Meinung anderer sehr gerne scheißt,<br />
denn es möchte sich seine eigene Meinung bilden.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das wirklich alles ausprobiert,<br />
es unheimlich hasst, dass alle Welt gegeneinander konkurriert,<br />
da es doch nichts als Spaß erleben will.<br />
Das einkaufen geht im Second-Hand Shop,<br />
nicht, weil ihr Geldbeutel für alles andere zu klein,<br />
sondern, weil sie es interessanter findet,<br />
und auch einmal nachdenkt, bevor die Kasse klingelt.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen, das gerne lacht,<br />
dessen Augen zu einem kleinen Feuer entfacht<br />
werden,<br />
wenn man sie auch nur ein bisschen erwärmt,<br />
ein Mädchen, das unheimlich gerne lernt,<br />
Ein Mädchen, das sehr viel Liebe erfährt,<br />
der nichts, wirklich nichts richtig Schlimmes wiederfährt,<br />
wenn es sich an einige Regeln hält.</p>
<p>Sie ist das Mädchen,<br />
das sich für andere einsetzt,<br />
deren Hilfe mindestens genauso sehr schätzt,<br />
denn Kooperation wird bei ihr großgeschrieben.<br />
das versucht, sich wirklich für andere einzusetzen,<br />
zu verhindern, dass die Welt aufhört jeden wirklich jeden zu verletzen &#8211;<br />
interessiert, garantiert übermotiviert, ungeniert, mit Zuversicht, Glück und Mut vollgeschmiert, jedoch unverziert aufpoliert, ist, ist sie….machtlos.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen das viel zu viel denkt.<br />
Ihre Gedanken wirklich nie in die richtigen Bahnen lenkt,<br />
und fantasiert – wirklich viel zu viel.<br />
Sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das sich einbildete, sie könne die Welt verändern,<br />
bis sie alt genug dazu war, nicht mehr zu naiv zu sein.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das nicht weiß, was mit ihrem Leben anzufangen,<br />
nichts kann ihr wirklich halt geben,<br />
aus Hunger und Not – hat es keine Zeit an etwas anderes zu denken<br />
– und kann niemandem mehr als ihre Arbeitskraft schenken<br />
– auch wenn sie es selbst viel zu wenig findet.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das sich um ihre kranke Mutter kümmert,<br />
und dabei zusieht, wie sich nur alles verschlimmert,<br />
und alles verflimmert vor ihren tränenden Augen,<br />
nur, um gleich wieder aufzustehen – sie braucht doch die Zeit – darf keine Pausen machen. Hat keine Zeit dafür zu trauern, und weinend am Bett ihrer sterbenden Mutter zu sitzen,<br />
muss arbeiten, helfen, die Familie versorgen,<br />
versuchen all die vielen Sorgen<br />
– abzulenken von ihrer Welt – die zwar nicht sie hat bestellt,<br />
aber sie trotzdem lernt, mit ihnen umzugehen, um weiterhin sicher im Leben zu stehen.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das nicht zur Schule gehen darf, obwohl es so gerne möchte.<br />
Keine Chance auf Bildung, statt Schulbesuch Hochzeit – wirklich kein kleinster Anspruch auf die Erfüllung irgendeines ihrer Rechte.<br />
Denke an ein Mädchen, das keinerlei Chance auf ein besseres Leben vor sich sieht,<br />
Geschwister versorgen, kochen, Landwirtschaft &#8211; ihr Vater lange ausgeflogen – und sie schiebt,<br />
alleine die Arbeiten des Tages vor sich her.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, in nichts als Kleidung gehüllt.<br />
Von nichts als Angst vollkommen ausgefüllt;<br />
Angst vor der Arbeit, vor Krankheit und Tod,<br />
dass sie stirbt in der größten Not –<br />
ihrer Familie, die ohne sie überhaupt niemanden mehr hat,<br />
der ihnen abends ein Feuer entfacht.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen am Ende ihrer Kräfte. Ein Mädchen, mit einem Krug auf dem Kopf.<br />
Ein Mädchen, das Wasserholen gehen möchte – es ist heiß, viel zu heiß,<br />
sie hat Durst, nichts als Durst.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, dessen Körper nicht mehr mitspielt, dessen Psyche sich verabschiedet<br />
von einem Moment auf den anderen –<br />
denke an ein Mädchen,<br />
das tot liegt im ewigen, viel zu heißen Sand – der leere Wasserkrug liegt neben ihrer linken Schulter.</p>
<p>Ich denke zurück an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das dachte, sie könnte die Welt verändern,<br />
etwas bewirken, irgendetwas verbessern<br />
doch alles Illusion – verpufft im Nichts.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr Texte von Lilith <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lilith/" target="_blank" rel="noopener"><strong>findest du hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Von „Sexflatrates“ bis hin zu „Kleidung verboten“- Regelungen – die aktuelle Lage der Prostitution in Deutschland</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/02/prostitution-in-deutschland/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2021/02/prostitution-in-deutschland/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Feb 2021 07:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Sexarbeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12756</guid>

					<description><![CDATA[Für diesen Text hat sich unsere Autorin Lilith mit dem Thema Sexarbeit in Deutschland auseinandergesetzt. Wie steht es um die aktuelle Gesetzeslage, wie viele Sexarbeiter*innen gibt es überhaupt, und wie ordnet Lilith dies ein? All das lest ihr im Folgenden. Pornotheater, „Teeklubs mit Spaß“, Lusthäuser so groß wie ganze Hotels. Dass derartige Einrichtungen die deutschen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für diesen Text hat sich unsere Autorin Lilith mit dem Thema Sexarbeit in Deutschland auseinandergesetzt. Wie steht es um die aktuelle Gesetzeslage, wie viele Sexarbeiter*innen gibt es überhaupt, und wie ordnet Lilith dies ein? All das lest ihr im Folgenden.</strong></p>
<p><span id="more-12756"></span></p>
<p>Pornotheater, „Teeklubs mit Spaß“, Lusthäuser so groß wie ganze Hotels. Dass derartige Einrichtungen die deutschen Straßen säumen, bekommt jede*r mit. Nicht umsonst bezeichnen Aktivisten wie auch einige Politiker Deutschland als reinstes Paradies für an bezahlter Befriedigung interessierte Männer. Denn: Die Prostitution ist in der Bundesrepublik bereits seit 100 Jahren legal. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf die Situation in Deutschland auch im 21. Jahrhundert durch das Prostitutionsgesetz aus dem Jahr 2001. Lediglich die Ausbeutung Prostituierter blieb strafbar. Alles andere: nach Gesetz unbedenklich.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Befürworter dieser erweiterten Legalisierung der Prostitution versprachen sich daraus eine bessere Kontrolle über diesen Sektor. So ist es seitdem z.B. möglich, sich als regulär Angestellte registrieren zu lassen und eine Sozialversorgung zu erhalten. Bislang haben sich jedoch lediglich 44 Prostituierte wirklich registrieren lassen. Und das bei einer Anzahl von 4000 bis vermuteten 1 Mio. Prostituierter in der Bundesrepublik. Die Krankenversicherung ist teuer, da es sich um einen „riskanten Beruf“ handelt und der Anreiz, sich offiziell zu melden, fehlt. Viele wollen zudem nicht, dass eine derartige Tätigkeit in ihrem Lebenslauf vermerkt werden muss. Denn, dies ist vielleicht die einzige positive Nachricht: ein Großteil der Prostituierten führt diesen „Job“ nicht dauerhaft, sondern nur temporär aus.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Schlimm ist jedoch die andere Seite der „Sexindustrie“. In vielen Städten stellen die dahintersteckenden Strukturen einen Teil der organisierten Kriminalität dar und werden von Gruppen, wie den Hells Angels oder United Tribuns dominiert. Kein Wunder, in einer Industrie, in der pro Jahr 15 Mio. Euro umgesetzt werden. Dies ist besonders durch die Entwicklung ganzer Bordellketten bedingt. Kunden werden diese in jeder deutschen Stadt ebenso einfach finden, wie es für Kaffeeliebhaber bei der Kette Starbucks der Fall ist und für Shoppingqueens für H&amp;M und Zara gilt. Täglich werden in Deutschland aktuell 1,2 Mio. Männer bedient. Es gibt in diesem Milieu aufgrund der kriminellen Strukturen also nicht ausschließlich „freiwillige“ Arbeiterinnen, sondern immer noch ist der Menschenhandel keine Seltenheit. 70% des Menschenhandels in Europa wird mit Zwangsprostitution gedeckt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Besonders Frauen aus Osteuropa werden nicht selten mit beruflichen Perspektiven als Kellnerin oder Hotelangestellte, nach Deutschland gelockt und folgen meist aufgrund ihrer finanziellen Not, diesem Aufruf. Angekommen in Deutschland werden sie zur Arbeit als Prostitutierte gezwungen und können einen Großteil ihres Gehaltes noch nicht einmal selbst einstecken.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Gleichzeitig darf nicht unerwähnt bleiben, dass nicht alle Sexarbeiterinnen den Beruf aus Zwang oder aus finanziellen Nöten heraus ergreifen. Auch ist es wichtig, Menschen, die den Beruf selbst wählen, mitzudenken. Diese sollten keinesfalls stigmatisiert werden, dennoch bleibt es gerade bei einem solch intimen Berufsfeld wichtig, genau hinzusehen und die Hintergründe detailliert zu untersuchen. Und genau das wird zu selten getan:</p>
<p>Einrichtungen in denen derartige Damen arbeiten, können rechtlich nicht belangt werden. Die meisten Geschäfte vermieten „lediglich“ Räume an die Damen. Diese sind also ebenso Kunden, wie die die Einrichtung besuchenden Männer. Daraus folgt, dass für die Eröffnung eines Bordells weniger Regeln gelten, als für einen geplanten Supermarkt. Das Paradox: trotz des Verhältnisses zwischen den Frauen und dem Betreiber als „Kunde“ kann Ersterer Regeln festlegen, an die sich alle in seinem Haus Mietenden zu halten haben. Eine Beispielregel gefällig? Durchgehend nackt sein.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Einige Betreiber jedoch bleiben nicht untätig. Sie vermitteln Prostituierte an entsprechende Beratungsstellen und Hilfsnetzwerke, wenn sie mitbekommen, dass die Frauen einen „Arbeitgeber“ haben, der sie zwingt. Viele Freier im Gegensatz dazu, denen sich die Damen anvertrauen, trauen sich wiederum nicht, dies bei der Polizei zu melden. Zu groß empfinden sie ihr Risiko, dass aufgedeckt wird, wo sie sich abends aufhalten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Hilfsnetzwerke bieten bislang besonders für den Winter warme Räumlichkeiten und Tee, ganzjährig jedoch Beratungsgespräche, Informationsmaterial und Verhütungsmittel an. Einige Vereinigungen stellen auch draußen Räumlichkeiten, ausgestattet mit Notknopf und Notausgang, zur Verfügung, sodass besonders Stricherinnen ihre Freier an einen sicheren Platz führen können.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„All inclusive: nur 100€“ „Eine Nacht im Traumkeller: nicht mehr als 30€“. Dass Frauen und ihre Dienstleistungen als Produkte angeboten werden, scheint heutzutage kaum noch jemanden zu stören. Auch Bestellapps für derartige Dienste sprießen genauso zahlreich in die Höhe, wie es in den Freizeitspielebereichen, oder bei Pizza vorm Fernsehen der Trend ist. Selbst „Sexflatrates“ sind heute genauso leicht wie Handyverträge erhältlich. Werbung findet sich in deutschen Städten überall. Steigt man in einer deutschen Großstadt in ein Taxi, trennt man beim Öffnen der Beifahrertür die Telefonnummer eines „Orientparadies“ mit dementsprechend anzüglichen Bildern und auch auf der Autobahn wird man durch mit Werbeplakaten ausgestattete LKWs nicht in Ruhe gelassen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Markt ist hart. Es gibt nicht wenige, die bereit dazu sind, für schnelles, wohlgemerkt nicht einfaches Geld, ihren Körper als Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Konkurrenzkampf ist in der Folge dementsprechend angespannt. So kommt es, dass z.B. Frauen trotz der gesetzlichen Vorschriften nicht auf Verhütungsmittel bestehen. Wenn man den Kunden diesen Wunsch verweigere, so würden sie einfach zur Konkurrenz wechseln – und diesen Verlust können sich die meisten nicht leisten. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Dass die Legalisierung der „Erwachsenen-Unterhaltung“ in der Form, wie sie aktuell ausgeprägt ist, nicht wirklich Erfolg zu verzeichnen hat, wird besonders in einem internationalen Vergleich deutlich: Selbst wenn man die Anzahl der Prostituierten in Abhängigkeit der Einwohner betrachtet, weist Deutschland mehr Sexarbeiterinnen auf als Thailand oder das für sein Rotlichtmilieu besonders berüchtigte Amsterdam in den Niederlanden. In Ländern, in denen bezahlter Geschlechtsverkehr eine Straftat darstellt, wie z.B. in Norwegen, Schweden und Island ist die Lage deutlich kontrollierter als in der Bundesrepublik. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nichtsdestotrotz muss man vorsichtig sein, wenn man das System der Legalisierung als das Non plus ultra herausstellen möchte. Dieser Ansatz muss keine Einbahnstraße sein, es besteht vielmehr die Frage, wie er umgesetzt wird. Eine Fehleranalyse der momentanen Situation wäre bereits der erste Schritt hin zur Besserung. Sind die Kontrollen nicht strikt genug? Gibt es zu wenige Regeln und Gesetze? Auch über EU-weite Regelungen wird diskutiert.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Warum aber wird in diesem Artikel fast ausschließlich von „Damen“ geredet, die ihre Körper auf dem Markt anbieten? Weil das der Realität entspricht. Es werden kaum sexuelle Dienste von Männern angefordert. Zwar gibt es Callboys und auch einige männliche Stricher lassen sich auf den Straßen erblicken, diese sind jedoch in der Unterzahl. Interessant dabei: Meist werden diese nicht etwa von Frauen angefragt, sondern von homosexuell orientierten männlichen Kunden. Frauen sind in diesem gesamten Apparat also sehr selten als Kunden beteiligt. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Du willst mehr Texte von Lilith lesen? Kein Problem, <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lilith/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier entlang</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.meintestgelaende.de/2021/02/prostitution-in-deutschland/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Frauen in Israel </title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/09/frauen-in-israel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2020 07:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12458</guid>

					<description><![CDATA[Auch in Israel herrscht noch lange keine tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit, auch wenn etwa die Unabhängigkeitserklärung dies behauptet. Unsere Autorin Lilith hat sich mal wieder in eine tiefgründige Recherche gestürzt und erläutert in diesem Text etwas detaillierter, wie es um die Rechte der Frauen in Israel steht. Viel Spaß beim Lesen! Geschlechtergerechtigkeit in Israel  Zu viert stehen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Auch in Israel herrscht noch lange keine tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit, auch wenn etwa die Unabhängigkeitserklärung dies behauptet. Unsere Autorin Lilith hat sich mal wieder in eine tiefgründige Recherche gestürzt und erläutert in diesem Text etwas detaillierter, wie es um die Rechte der Frauen in Israel steht. Viel Spaß beim Lesen!</b></p>
<p><span id="more-12458"></span></p>
<p><strong>Geschlechtergerechtigkeit in Israel </strong></p>
<p>Zu viert stehen sie nebeneinander. Alle in grünen Uniformen lässig an ein Auto gelehnt. Im Hintergrund stapfen zwei ihrer Kolleginnen in schwarzen Stiefeln durch den Sand, eine dunkle Waffe ruht in ihren Armen. Dieses und ähnliche Bilder dominieren die ersten 100 Ergebnisse, die bei der Suchanfrage der Stichwortkombination „Israel“ und „Frau“ von Google ausgespuckt werden. Schließlich dürfen in Israel die Frauen nicht nur zum Militär, sondern: sie müssen. Trotz des einen Jahrs weniger, das sie im Gegensatz zu ihren männlichen Landsgenossen für den Dienst an der Waffe verpflichtet werden, ist die militärische Forderung der Frau eine nicht sehr häufig in der Welt zu findende Regelung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nach den Soldatinnen folgen Bilder von Ajelet Schaked. Die unter anderem als Justizministerin aktive und äußerst erfolgreiche Politikerin scheint das Vorzeigemodell der israelischen Emanzipation zu sein. Sie selbst äußerte einst ihre Feststellung, dass „eine Frau alles tun“ könne: „reisen, Mutter sein, eine Partei anführen, sogar als Bürgermeisterin, Firmenchefin oder Staatenlenkerin dienen“. Auch mit Golda Meir, die Jahre lang die wichtigen Ämter der Außenministerin und später Ministerpräsidentin Israels inne hatte, zeigt sich eine starke weibliche Persönlichkeit in Israel. Einem Land, in dem 60% der Masterstudierenden weiblich sind und die Lebenserwartung von Frauen mit 84,3 Jahren im internationalen Vergleich beachtlich ist. Es scheint also alles nach Plan zu laufen. Denn bereits in der Unabhängigkeitserklärung wurde festgehalten: „Der Staat Israel wird all seinen Bürgern, ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen“.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Der Blickwinkel ist entscheidend</b></p>
<p>Doch – warum schreibt der Global Diversity Report 2018 dann etwas von einer extremen Benachteiligung der israelischen Frauen? Mit 59% des Gehalts eines männlichen Kollegen, scheint die Arbeit der Frauen in Israel den Unternehmen wohl kaum mehr als ein halber Mann wert zu sein. Die Facebook-Büros in Israel werden zwar von einer Frau geführt, dabei scheint es sich aber um eine Ausnahme zu handeln.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Denn ein großer Anteil der Frauen arbeiten in Teilzeit &#8211; doppelt so viele wie Männer. Und selbst in der Politik, lassen sich Positivbeispiele wie Meir und Schaked noch an zwei Händen abzählen. Insbesondere in den einflussreichen Positionen gibt es lediglich einzelne Frauen, die sich herausheben. So waren beispielsweise in der gesamten Geschichte bis jetzt nie mehr als vier Frauen gleichzeitig an der Regierung beteiligt. Auch von insgesamt 50 Bürgermeistern ist aktuell nur eine Frau im Amt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Eine große Kluft klafft besonders beim Vergleich zwischen Stadt und Land auf. Tel Aviv, eine Stadt, die auch in anderen Kontexten als Staat im Staat bezeichnet wird, scheint kaum von Geschlechterdiskriminierung betroffen zu sein. Besonders im jüdisch orthodox dominierten ländlichen Raum hingegen, ist die Lage auch heutzutage noch sehr angespannt. Dennoch komme es in der Behandlung nicht zwingen auf die Religionszugehörigkeit sondern die Religiosität an. Eine Pauschalisierung sollte hier also nicht erfolgen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Rechtliche Gleichstellung in der Praxis</b></p>
<p>Während selbst in Deutschland das Selbstsbestimmungsrecht der Frauen nicht so hoch bewertet wird, dass Schwangerschaftsabbrüche legalisiert werden, herrschen in Israel sehr lockere Regelungen. Kosten dafür werden für Betroffene im Alter zwischen 20-33 sogar vom Staat übernommen und Ärzte dürfen bei Minderjährigen ohne Erlaubnis der Eltern eine Abtreibung durchführen. Besonders häufig zu ungewollten Schwangerschaften kommt es in der Zeit des Militärdienstes. Im Alter von 18 Jahren werden sie verpflichtet – ein Alter, in dem das andere Geschlecht mitunter interessanter sein kann, als die Schießübungen. Immer wieder werden Beschwerden zu sexuellen Übergriffen, aber auch geschlechtsspezifischer Diskriminierung laut. Einige Stimmen sprechen sich sogar für ein Militärverbot Israels aus. Wird das die Google-Bildersuche dominierende Ergebnis bald der Vergangenheit angehören?</p>
<p>In dieser Debatte kommen besonders die unterschiedlichen Religionen, die die Einwohner Israels vertreten, zum Vorschein. So machte z.B. Rabbiner Yigal Levinstein auf sich aufmerksam, als er den Wehrdienst von Frauen mit der Begründung verurteilte, sie hätten &#8222;heilig und keusch&#8220; zu sein, und ihre einzige Aufgabe sei, &#8222;die nächste Generation heranzuziehen&#8220;.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Rechtlich sind Frauen trotz dieser Gegner auch im Militär gleichgestellt. Seit kurzem gibt es Pilotinnen in der Luftwaffe und auch Beförderungen zu Panzerkommandeurinnen traten in den vergangenen Jahren auf. Dies ist aber erst seit dem Jahr 2000 der Fall. Der Prozess der Gleichstellung scheint daher noch in der Entwicklung zu stecken. Selbst in israelischen Pornographien, deren Produktion und Konsum im ganzen Land legal sind, spielt die Frau in Uniform eine noch immer stereotyp dargestellte Rolle. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Religiöser Konservatismus verhindert den Fortschritt in Richtung Gleichberechtigung</b></p>
<p>Am Weltfrauentag ist regelmäßig etwas los. Denn ein großer Teil der weiblichen Bevölkerung kämpft noch immer für ihre Rechte. Eine Plakataktion 2019 machte dies beispielsweise deutlich. &#8222;Ich habe einen Traum&#8220; stand auf zahlreichen Plakaten verteilt &#8222;dass Frauen genauso viel verdienen wie Männer&#8220;, &#8222;dass sich jede Frau in der Öffentlichkeit sicher fühlt&#8220;, &#8222;dass sexuelle Gewalt nicht toleriert wird&#8220; und &#8222;dass Mädchen wissen, dass ihnen jeder Job offensteht&#8220;. Ganz besonders richtet sich ihr Aufruf gegen die Forderungen Ultraorthodoxer, in deren Augen bereits die aktuelle Situation von zu viel Gleichberechtigung zeugt. Aus Angst vor dem religiösen Konservatismus wird sogar an einigen Orten besondere Vorsicht bei der Anbringung von Plakaten geboten. Busunternehmen beispielsweise weigerten sich in der Vergangenheit mehrfach, Plakate mit Frauenabbildungen aufzuhängen, aus Angst vor Beschädigung. Selbst Werbekataloge, z.B. von Einrichtungsfirmen werden teilweise ganz frauenfrei gestaltet um keinen Aufruhr heraufzubeschwören. Auch Stimmen, die das Gebet von Frauen an der Klagemauer verbieten möchten werden immer wieder laut. Sogar auf demselben Gehsteig sollen sie nicht mehr gehen dürfen. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Es bleibt zu hoffen, dass die Fortschritte der vergangenen Jahre stark genug dagegen anstehen und die Gleichstellung der Geschlechter wie in der Unabhängigkeitserklärung garantiert, Realität wird.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Schaut unbedingt auch <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lilith/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>in weitere Beiträge von Lilith</strong></a> rein!</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Liebe, Sex, Familie – über was unsere Jugend zu wenig Bescheid weiß </title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/06/liebe-sex-familie/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2020/06/liebe-sex-familie/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2020 07:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12226</guid>

					<description><![CDATA[Wie steht es eigentlich um die sexuelle Aufklärung von Jugendlichen? Im Jahr 2020 könnte man doch meinen, dass es da einigermaßen fortschrittlich vonstatten geht, oder nicht? Unsere Autorin Lilith hat sich mit einigen Studien aus den vergangenen Jahren auseinandergesetzt und sich so ihre Gedanken dazu gemacht. Hier lest ihr ihren Text: Ein Mann liegt auf]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie steht es eigentlich um die sexuelle Aufklärung von Jugendlichen? Im Jahr 2020 könnte man doch meinen, dass es da einigermaßen fortschrittlich vonstatten geht, oder nicht? Unsere Autorin Lilith hat sich mit einigen Studien aus den vergangenen Jahren auseinandergesetzt und sich so ihre Gedanken dazu gemacht. Hier lest ihr ihren Text:</strong></p>
<p><span id="more-12226"></span></p>
<p>Ein Mann liegt auf dem Rücken auf einem Steinboden. Den linken Ellenbogen hat er aufgestützt. Sein Kopf kann der Betrachter im Profil erkennen. Sein rechter Arm ist nach vorne gestreckt. Er greift damit die Schultern einer Frau, die über ihm liegt und ihm zulächelt. Beide sind nackt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Diese Darstellung auf einer Vase aus dem frühen Griechenland ist keine Seltenheit. Sexualität unzensiert dargestellt auf Gefäßen, Tellern und in Form von Statuen. Ob gleichgeschlechtlich oder mit Tieren – alles schien gemalt werden zu dürfen. Heute traut man sich kaum noch solche Szenarien in Biologiebüchern abzudrucken – und im Internet erhält man bei der Bildersuche mit dem Stichwort Sex ein Raster aus 95% „Nicht-Jugendfrei“ Angaben. Doch – wenn all das nicht für die Jugend geeignet ist – wie soll man nach dem Jugendalter auf einmal wissen, wie mit der Fülle an sexuellen Darstellungen umzugehen ist? Denn nur weil man darüber schweigt, bedeutet es nicht, dass Sexualität in der heutigen Gesellschaft keine Rolle mehr spielt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Ein Drittel verhütet nicht regelmäßig</b></p>
<p>Eine Studie, die gemeinsam von Jugend gegen AIDS e.V. und LOVOO 2016 durchgeführt wurde, zeigt Missstände in der sexuellen Aufklärung Jugendlicher auf. Ein Drittel der 2500 Teilnehmenden mache sich vor und bei dem Geschlechtsverkehr keine Gedanken über sexuell übertragbare Krankheiten und 20% der Männer nahmen eine potentielle Vaterschaft wissentlich in Kauf. Ein Bewusstsein für Risiken fehle in vielen Fällen. Jeder vierte Befragte gab an, keinen Ansprechpartner zu haben, um über Themen, die Sexualität betreffen, sprechen zu können. Darunter leidet nicht nur die Sicherheit bei sexuellen Kontakten sondern auch das Selbstbewusstsein der Individuen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Auch die US-Amerikanische Journalistin Peggy Orenstein befasst sich mit diesem Thema. In ihrem Buch „Girls &amp; Sex. Was es bedeutet, in der Gesellschaft von heute erwachsen zu werden“ verarbeitet sie die Antworten von 70 Mädchen und Frauen im Alter von 15-20 Jahren.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Mädchen – das besonders betroffene Geschlecht?</b></p>
<p>Immer noch gelten Mädchen mit mehreren Sexualpartnern als Schlampen, während das andere Geschlecht mit der Quantität an Kontakten angibt. Auch sexuelle Belästigung, selbst in der Schule, sei für Mädchen wohl deutlich häufiger als für ihre Mitschüler. Eine mangelnde Thematisierung von Sexualität und dem Umgang mit dem eigenen Körper führe auch zu einer hohen Anzahl an versandten Nacktfotos und dem Konsum von Pornographie. 40% der Jugendlichen im Alter von 10-17 kämen mit diesen Elementen in Kontakt. Gefährlich sei, dass das Gesehene zunehmend als normal eingestuft würde – schließlich fehle die realistische Referenz.</p>
<p>Erschreckend nimmt die Autorin auch wahr, dass die Hälfte der Befragten bereits Erfahrung mit Nötigung bis hin zu Vergewaltigung machen musste. Auch, dass von 70 Umfrageteilnehmerinnen nicht mehr als zwei mit ihren Eltern über das Thema gesprochen haben, ist beunruhigend. Die Bildung kommt heutzutage also weder aus der Schule noch von zu Hause.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Mitarbeiter des Fachverbands für Familienplanung, Sexualität und Sexualpädagogik in Deutschland bestätigen, dass diese Situation kein rein US-amerikanisches Phänomen darstellt. In Anbetracht ihrer Erfahrungen aus den Beratungen, seien die Ergebnisse der Untersuchung gut auf die Bundesrepublik übertragbar.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Es fehlt an allen Ecken und Enden an Ansprechpartnern</b></p>
<p>Selbst bei den Fachexperten wird selten Rat gesucht. Dies erkannte auch das Universitätsklinikum Bonn, das bereits 2005 im Kongress „Sexualität und Identität“ Ärzte und Psychologen an einen Tisch holte. &#8222;Das Thema Sexualität sollte in der Arzt-Patienten-Beziehung endlich aus der Tabuzone heraus. Denn um dem Betroffenen helfen zu können, müssen Ärzte das meist vielschichtige Problem aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten&#8220;, äußert sich Professorin Dr. Anke Rohde, Leiterin der Gynäkologischen Psychosomatik an der Universitäts-Frauenklinik.</p>
<p>Eine 2010 erschienene Studie des Instituts für Demoskopie zur „Gesprächskultur Deutschlands“ zeigt sogar auf, dass das Thema Sex immer mehr tabuisiert wird – ohne Anzeichen auf eine Entspannung. Selbst Filme wie „Fifty Shades of Grey“ führen nicht zu einer Öffnung der Gesellschaft, sondern eher zu noch mehr Schweigen im persönlichen Gespräch.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Internetseiten wie meinTestgelände sind die Ausnahme, die die Regel bestätigen. Wir brauchen mehr von derartigen Initiativen<span class="Apple-converted-space"> – </span>und mehr mutige Individuen, die das Thema immer wieder ins Gespräch bringen – ohne Scham und Pein. Nur so können wir einen offenen und sicheren Umgang mit Sexualität fördern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr Texte von Lilith findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lilith/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.meintestgelaende.de/2020/06/liebe-sex-familie/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mädchen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2019/10/maedchen/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2019/10/maedchen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Oct 2019 07:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=11830</guid>

					<description><![CDATA[Der folgende Text stammt von unserer Autorin Lilith: Wer von Ihnen kennt den Weltmädchentag? Preisfrage – wann ist dieser? Genau: am 11. Oktober. Den nächsten Text habe ich geschrieben, als ich mich im Zug des internationalen Mädchentages mit der Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern beschäftigt habe. Ich habe eine riesige Veranstaltung geplant und mich einfach viel]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der folgende Text stammt von unserer Autorin Lilith:</strong></p>
<p><strong>Wer von Ihnen kennt den Weltmädchentag? Preisfrage – wann ist dieser? Genau: am 11. Oktober. Den nächsten Text habe ich geschrieben, als ich mich im Zug des internationalen Mädchentages mit der Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern beschäftigt habe. Ich habe eine riesige Veranstaltung geplant und mich einfach viel zu sehr in dieses eigentlich so erschreckende Thema hineingesteigert – ja, und was dabei herausgekommen ist, hören Sie jetzt. Der Text heißt ganz einfach nur „Mädchen“.</strong></p>
<p><span id="more-11830"></span></p>
<p>Ich bin unterwegs, schlendere die Straße entlang – viel zu viele Menschen um mich herum.<br />
Bin unterwegs, schlendere weiter, schaue mich um<br />
&#8211; und erkenne ein Mädchen,<br />
Hollister-Top – bauchfrei natürlich, S-Oliver Hose, so kurz, dass ihre Arschbacken gerade noch herausschauen – versteht sich.<br />
Trägt Ohrringe, die länger sind als ihr Hals, sodass sie schon fast ihre Schulter berühren,<br />
Lipgloss – größer gezeichnet als ihr tatsächlicher Mund.<br />
Eine Tasche von Mickle Corse in der einen, einen Geldbeutel von louis vuitton in der anderen Hand.<br />
Ich laufe weiter und schüttle den Kopf.<br />
Sie ist ein Mädchen, vielleicht 12 Jahre alt – noch ein Kind und auch wieder keines.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das es viel zu einfach hat im Leben,<br />
viel zu einfach, als dass sie noch Ziele haben könnte, nach denen es sich lohnt zu streben,<br />
ihre Eltern besitzen so viel Geld, dass das Konto droht überzulaufen,<br />
wenn sie nicht in die Stadt geht, um sich täglich etwas Neues zu kaufen.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen,<br />
das sich für nichts als sich selbst interessiert,<br />
wie von Geburt an vorprogrammiert,<br />
ein Gossip-Girl ohne andere Interessen als Geld, Smartphone, W-Lan, Jungs, Betrug und Intrigen.<br />
Ihr Leben besteht aus stupiden<br />
Beschäftigungen, wie Shoppen, Kino, Schlafen, Essen; Shoppen, Kino, Schlafen, Essen<br />
– ach ja What&#8217;sApp benutzen hätte ich fast vergessen,<br />
bei allem darauf achtend ihre neuen Klamotten nicht zu beschmutzen,<br />
zu schauen, dass sie nicht noch weiter verrutschen,<br />
sich möglichst überhaupt nicht anzustrengen,<br />
und den Ausschnitt, den sie von der Welt sieht, noch mehr einzuengen.</p>
<p>Sie schaut zu mir herüber,<br />
schenkt mir einen verachtenden Blick,<br />
ich tue, als bemerkte ich ihn nicht.</p>
<p>Stattdessen schüttle ich verzweifelt meinen Kopf und laufe weiter.<br />
Länger kann man den Anblick einer solchen Person einfach nicht ertragen!<br />
Länger kann man nicht zuschauen, wie sie den Jungs ihrer Clique den Arsch ins Gesicht reckt und unbemerkt ihren BH immer weiter herunterrutschen lässt.</p>
<p>Aber egal – es ist ihr Leben!<br />
Nun laufe ich weiter und beginne, an jemanden anderen zu denken.</p>
<p>Auch sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das viel zu viel denkt,<br />
ihre Gedanken äußerst selten in die richtigen Bahnen lenkt,<br />
viel mehr lässt sie sie ihr Gehirn umkreisen.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das sich für wirklich alles und jeden interessiert,<br />
das keine Angst hat, dass es sich ununterbrochen geniert,<br />
nur, weil es etwas Neues versucht – zum aller ersten Mal<br />
das alles Kennenlernen möchte,<br />
alles erleben und die ganze Welt sehen will<br />
&#8211; nur um es einmal gewusst zu haben,<br />
das gerne verreist,<br />
auf die Meinung anderer sehr gerne scheißt,<br />
denn es möchte sich seine eigene Meinung bilden.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das wirklich alles ausprobiert,<br />
es unheimlich hasst, dass alle Welt gegeneinander konkurriert,<br />
da es doch nichts als Spaß erleben will.<br />
Das einkaufen geht im Second-Hand Shop,<br />
nicht, weil ihr Geldbeutel für alles andere zu klein,<br />
sondern, weil sie es interessanter findet,<br />
und auch einmal nachdenkt, bevor die Kasse klingelt.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen, das gerne lacht,<br />
dessen Augen zu einem kleinen Feuer entfacht<br />
werden,<br />
wenn man sie auch nur ein bisschen erwärmt,<br />
ein Mädchen, das unheimlich gerne lernt,<br />
Ein Mädchen, das sehr viel Liebe erfährt,<br />
der nichts, wirklich nichts richtig Schlimmes wiederfährt,<br />
wenn es sich an einige Regeln hält.</p>
<p>Sie ist das Mädchen,<br />
das sich für andere einsetzt,<br />
deren Hilfe mindestens genauso sehr schätzt,<br />
denn Kooperation wird bei ihr großgeschrieben.<br />
das versucht, sich wirklich für andere einzusetzen,<br />
zu verhindern, dass die Welt aufhört jeden wirklich jeden zu verletzen &#8211;<br />
interessiert, garantiert übermotiviert, ungeniert, mit Zuversicht, Glück und Mut vollgeschmiert, jedoch unverziert aufpoliert, ist, ist sie….machtlos.</p>
<p>Sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen das viel zu viel denkt.<br />
Ihre Gedanken wirklich nie in die richtigen Bahnen lenkt,<br />
und fantasiert – wirklich viel zu viel.<br />
Sie ist ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das sich einbildete, sie könne die Welt verändern,<br />
bis sie alt genug dazu war, nicht mehr zu naiv zu sein.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das nicht weiß, was mit ihrem Leben anzufangen,<br />
nichts kann ihr wirklich halt geben,<br />
aus Hunger und Not – hat es keine Zeit an etwas anderes zu denken<br />
– und kann niemandem mehr als ihre Arbeitskraft schenken<br />
– auch wenn sie es selbst viel zu wenig findet.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das sich um ihre kranke Mutter kümmert,<br />
und dabei zusieht, wie sich nur alles verschlimmert,<br />
und alles verflimmert vor ihren tränenden Augen,<br />
nur, um gleich wieder aufzustehen – sie braucht doch die Zeit – darf keine Pausen machen. Hat keine Zeit dafür zu trauern, und weinend am Bett ihrer sterbenden Mutter zu sitzen,<br />
muss arbeiten, helfen, die Familie versorgen,<br />
versuchen all die vielen Sorgen<br />
– abzulenken von ihrer Welt – die zwar nicht sie hat bestellt,<br />
aber sie trotzdem lernt, mit ihnen umzugehen, um weiterhin sicher im Leben zu stehen.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das nicht zur Schule gehen darf, obwohl es so gerne möchte.<br />
Keine Chance auf Bildung, statt Schulbesuch Hochzeit – wirklich kein kleinster Anspruch auf die Erfüllung irgendeines ihrer Rechte.<br />
Denke an ein Mädchen, das keinerlei Chance auf ein besseres Leben vor sich sieht,<br />
Geschwister versorgen, kochen, Landwirtschaft &#8211; ihr Vater lange ausgeflogen – und sie schiebt,<br />
alleine die Arbeiten des Tages vor sich her.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, in nichts als Kleidung gehüllt.<br />
Von nichts als Angst vollkommen ausgefüllt;<br />
Angst vor der Arbeit, vor Krankheit und Tod,<br />
dass sie stirbt in der größten Not –<br />
ihrer Familie, die ohne sie überhaupt niemanden mehr hat,<br />
der ihnen abends ein Feuer entfacht.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen am Ende ihrer Kräfte. Ein Mädchen, mit einem Krug auf dem Kopf.<br />
Ein Mädchen, das Wasserholen gehen möchte – es ist heiß, viel zu heiß,<br />
sie hat Durst, nichts als Durst.</p>
<p>Ich denke an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, dessen Körper nicht mehr mitspielt, dessen Psyche sich verabschiedet<br />
von einem Moment auf den anderen –<br />
denke an ein Mädchen,<br />
das tot liegt im ewigen, viel zu heißen Sand – der leere Wasserkrug liegt neben ihrer linken Schulter.</p>
<p>Ich denke zurück an ein Mädchen,<br />
ein Mädchen, das dachte, sie könnte die Welt verändern,<br />
etwas bewirken, irgendetwas verbessern<br />
doch alles Illusion – verpufft im Nichts.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr Texte und Beiträge von Lilith findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lilith/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.meintestgelaende.de/2019/10/maedchen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>FridaysForFuture: Auf den Straßen unterwegs statt die Schulbank zu drücken</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2019/04/fridaysforfuture/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Apr 2019 07:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[FridaysForFuture]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=11325</guid>

					<description><![CDATA[Von den &#8222;FridaysForFuture&#8220; habt ihr mit Sicherheit alle schon gehört. Doch wie hat sich diese Bewegung entwickelt? Was genau will sie bezwecken? Und wer ist eigentlich Greta Thunberg? Unsere Autorin Lilith ist all diesen Fragen für euch nachgegangen. Rund 25.000 Menschen ziehen am 15. März durch die Straßen Berlins. Vom Treffpunkt Invalidenpark aus bewegt sich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von den &#8222;FridaysForFuture&#8220; habt ihr mit Sicherheit alle schon gehört. Doch wie hat sich diese Bewegung entwickelt? Was genau will sie bezwecken? Und wer ist eigentlich Greta Thunberg? Unsere Autorin Lilith ist all diesen Fragen für euch nachgegangen.</strong></p>
<p><span id="more-11325"></span></p>
<p>Rund 25.000 Menschen ziehen am 15. März durch die Straßen Berlins. Vom Treffpunkt Invalidenpark aus bewegt sich der riesige Pulk an Menschen unterschiedlichen Alters durch die Stadt. Nicht nur Schüler*innen, sondern auch Studierende und Lehrkräfte beteiligen sich. Sogar einen Kindergartenblock gibt es. Einige von ihnen sind zum ersten Mal dabei, andere laufen bereits seit Beginn jeden Freitag mit. 1,4 Millionen Personen sind es am 15. März weltweit, die sich an dem friedlichen Demonstrationsmarsch beteiligen. Zuwachs bekommt die Bewegung immer mehr seit September 2018. Ihr Motto: Wir sind die letzte Generation, die einen katastrophalen Klimawandel noch verhindern kann. Sie kritisieren die Politiker*innen, sich nicht ausreichend für den Klimaschutz einzusetzen und unterstützen die Worte Greta Thunbergs: „Warum sollten wir für eine Zukunft lernen, die es bald nicht mehr geben wird, wenn niemand etwas dafür tut, die Zukunft zu retten?“. Von daher geht es für die Beteiligten freitags nicht mehr in die Schule oder Uni, sondern auf die Straße.</p>
<p><strong>Der Ursprung der Bewegung</strong></p>
<p>Doch wer ist eigentlich dieses 16-jährige Mädchen, das seit August 2018 durch die Medien kursiert? Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg kommt aus Schweden. Sie ist die ältere von zwei Töchtern einer Opernsängerin und eines Schauspielers. Vom Klimawandel hat sie laut eigener Angaben zum ersten Mal in der Schule gehört, als sie 8 Jahre alt war. Angefangen hat es bei ihr anschließend mit der Maßnahme, das Licht im Haus auszuschalten, um Strom zu sparen. Weiter ging es mit dem Verzicht auf Flugreisen und ihrer veganen Ernährungsumstellung.</p>
<p>Nach dem Gewinn eines Schreibwettbewerbs mit dem Thema Umweltpolitik im Mai 2015 eröffneten sich für sie durch entstandene Kontakte neue Möglichkeiten des Engagements und sie erlangte schnell eine größere Reichweite. Inzwischen ist sie weltbekannt, steht auf der Liste der 25 einflussreichsten Teenager 2018 und übte sich bereits im Redenhalten auf dem Weltklimagipfel.</p>
<p><strong>„The real power belongs to the people” </strong>äußerte sie dort. Dies steht in Einklang mit der Art und Weise ihres Aktivismus. Sie möchte nicht länger die Politiker*innen anbetteln, zu handeln, sondern ihnen klar machen, dass ein Wandel geschehen wird &#8211; auch ohne ihr Zutun und ihren Einfluss. Gretas Bedingung, auch freitags wieder die Schulbank zu drücken? Schweden soll das Pariser Klimaabkommen 2015 einhalten. Und nicht nur Schweden setzt sie unter Druck. Sie fordert alle Staaten zur Intensivierung der Klimaschutzbemühungen auf. Besonders kritisiert sie die Lebensweise der Luxusgesellschaften in Schweden und verbindet deren Wohlstand mit einer hohen Verantwortung.  Alle reichen Staaten sollen ihre Emissionen von der Verbrennung fossiler Energieträger um 15% senken und innerhalb von sechs bis zwölf Jahren auf 0 reduzieren.</p>
<p>Beeindruckend finden viele, dass die junge Umweltaktivistin nicht nur redet, sondern auch nach ihren eigenen Überzeugungen handelt. Nicht nur reist sie selbst zu weit entfernten Orten mit dem Zug statt mit dem Flugzeug, sondern sie boykottiert auch Veranstaltungen, bei denen die anderen Teilnehmer*innen das Flugzeug als Verkehrsmittel nutzen. Dies war z.B. beim Kinder- und Jugendklimapreis des Energieversorgungsunternehmens Telge Energi der Fall, bei dem sie ihre Teilnahme am Finale zurückzog.</p>
<p><strong>Die Bewegung</strong></p>
<p>Das Politikversagen sehen auch die Organisator*innen und Mitstreiter*innen von FridaysForFuture. Das Hauptindiz: Seit 1995 findet jährlich eine Klimakonferenz statt, trotzdem sind bei fast allen Mitgliedern steigende Treibhausgasemissionen zu verzeichnen. Folglich muss die junge Generation ihre eigene Zukunft in die Hand nehmen.</p>
<p><strong>Reaktionen </strong></p>
<p>Und wie reagieren die Erwachsenen auf die leeren Unterrichtsräume und auf Banner wie „Rettet meine Welt!“, „Klimaschutz statt Kohleschmutz“ und „Wir sind hier! Wir sind laut! Weil ihr uns unsere Zukunft klaut!“?</p>
<div id="attachment_11332" style="width: 449px" class="wp-caption aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-11332" class="wp-image-11332 size-large" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2019/04/20190329_120412-439x600.jpg" alt="" width="439" height="600" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2019/04/20190329_120412-439x600.jpg 439w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2019/04/20190329_120412-219x300.jpg 219w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2019/04/20190329_120412-768x1050.jpg 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2019/04/20190329_120412.jpg 1820w" sizes="(max-width: 439px) 100vw, 439px" /><p id="caption-attachment-11332" class="wp-caption-text">(c) Lilith.</p></div>
<p style="text-align: left;">Rund 20.000 Wissenschaftler*innen aus dem deutschsprachigen Raum haben eine Stellungnahme unterzeichnet, die die Ziele der Klimaschutzbewegung unterstützt. Eltern mischen sich inzwischen mit dem Slogan „Parents for Future“ immer mehr unter die jungen Massen. Aber auch Kritiker*innen gibt es nicht zu wenige. Einige von ihnen kommen aus der Klimawandel-Leugner*innenecke. Andere sehen die Schulpflicht als wichtiger als politischen Aktivismus an und sind der Meinung, dass sich Schuleschwänzen nicht so leicht rechtfertigen ließe. Aber auch einige Klimaschutzbefürworter*innen sind skeptisch. Ob die Schüler*innen wirklich verinnerlichen, für was sie da auf die Straßen gehen? Oder ob sie in ihrem Alltag doch weiterhin Flugzeug fliegen und Supermarktfleisch konsumieren? Und überhaupt: Klimaforderungen sollten von Wissenschaftler*innen und Expert*innen gestellt werden &#8211; und nicht von Schüler*innen.</p>
<p style="text-align: left;">So sieht das auch der FDP-Politiker Christian Lindner, der mit seinem Statement, dass Klimaschutz etwas für Profis sei, für Aufmerksamkeit sorgte. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag Dietmar Bartsch hingegen begrüßt die Proteste. Aus der CDU positionierte sich Philipp Amthor. „Politisches Interesse der Schüler finde ich immer gut. Dem können sie aber auch in ihrer Freizeit nachgehen”. Demzufolge sollten die Proteste auf den Nachmittag verlegt werden.</p>
<p style="text-align: left;">Insgesamt bleibt es weiterhin spannend, was die Bewegung erreichen und wie sie auf lange Sicht fortgeführt wird. Es lohnt sich einen gespannten Blick auf die kommenden Freitage zu werfen.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr von Lilith findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lilith/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier</strong></a>.</li>
<li>Und checkt doch mal die Seite von <a href="https://fridaysforfuture.de" target="_blank" rel="noopener"><strong>FridaysForFuture</strong></a> aus!</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bälle haben kein Geschlecht</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/11/baelle-haben-kein-geschlecht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Nov 2018 07:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=11077</guid>

					<description><![CDATA[Lilith hat an unserem Workshop zu Fußball und Gender teilgenommen und im Nachgang einen Poetry Slam-Text dazu geschrieben, den wir euch nicht vorenthalten wollen. Wolfsburg FC Bayern Freiburg Potsdam SGS Essen Frankfurt SC Sand Hoffenheim Duisburg Bremen FC Köln Jena Wer von Ihnen sagt, dass diese Tabellenreihenfolge der deutschen Fußballbundesliga stimmt? O.k. – Sie liegen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lilith hat an unserem Workshop zu Fußball und Gender teilgenommen und im Nachgang einen Poetry Slam-Text dazu geschrieben, den wir euch nicht vorenthalten wollen.</strong></p>
<p><span id="more-11077"></span></p>
<p>Wolfsburg<br />
FC Bayern<br />
Freiburg<br />
Potsdam<br />
SGS Essen<br />
Frankfurt<br />
SC Sand<br />
Hoffenheim<br />
Duisburg<br />
Bremen<br />
FC Köln<br />
Jena<br />
Wer von Ihnen sagt, dass diese Tabellenreihenfolge der deutschen Fußballbundesliga stimmt?<br />
O.k. – Sie liegen leider daneben,<br />
denn mit den Daten, die ich vorließ, habe ich nur Wahre Informationen an Sie weitergegeben,<br />
die Tabelle ist korrekt,<br />
doch hat sich in der Ausführung ein kleiner Trick versteckt.<br />
Es handelt sich um die Bundeligatabelle der 11 auf dem Platz, die sich bei der Ecke so (gekreuzte Arme) und nicht so (Männerschutz) positionieren.</p>
<p>Nur aus Interesse. Wer von Ihnen hat sich schon einmal die Frauenfußballergebnisse bewusst angesehen?<br />
Wer von Ihnen war schon einmal im Stadion an einem Frauenfußballspieltag?<br />
Ich weiß nicht, wer mehr darunter leidet. Die Frauen, denen der Weg ins Stadion verwehrt,<br />
denen vor den Fantribünen der Rücken gekehrt,<br />
oder die Männer, die sich für Fußball interessieren müssen,<br />
verspottet werden, wenn sie nicht die neuesten Ergebnisse und die Top-Spieler wissen.<br />
Ein Junge, der in Deutschland kein Fußball spielen kann,<br />
wird doch sowieso niemals ein richtiger Mann!<br />
Chancen und Verpflichtungen. Erwartungen und Möglichkeiten gehen Hand in Hand.</p>
<p>„Eine Frau in der Verbandsliga – ein Novum im Fußballsport“ oder auch „eine traurige Angelegenheit“,<br />
die nach Veränderung nur so schreit.<br />
Viel zu selten wundert man sich darüber, dass männliche Trainer<br />
für Frauenmannschaften nur so aus dem Boden sprießen,<br />
während sich Frauen trotz klischeehaftem grünem Daumen zu Tode gießen –<br />
und es dennoch nie auf den Chefsessel schaffen.</p>
<p>Stattdessen haben Frauen nur das Zeug dazu, auf die Muskeln zu starren<br />
und bei den Spielern auf dem „Süßheitsgrad“ zu beharren<br />
Dauertuschelnde<br />
eng miteinander kuschelnde<br />
Frauen zwischen den in den entscheidenden Spielsituationen<br />
aufschreienden Männern mit ihren unterschiedlichen Theorien und Visionen<br />
Träumen von den Illusionen<br />
des Gewinns – die sich im Zählen der geleerten Bierflaschen schon vor der ersten Halbzeit verlieren,<br />
und damit das stereotype Bild jedes Public Viewings komplettieren.</p>
<p>Für Frauen wird Fußball nur als Modenschau sportlicher junger Männer verkauft –<br />
das sind die weiblichen Fans.<br />
Dass wir uns auch mit den Spielregeln auskennen,<br />
etwas von Taktik und Tempo verstehen, selbst unattraktive Männer beim Namen nennen,<br />
unvorstellbar!<br />
Stattdessen tun Männer alles dafür, die Frauen als Fans zu behalten,<br />
was sie erreichen, indem sie ihr Instagramm-Profil selbst verwalten<br />
– und mit Halbnacktfotos zuschütten – folgt einfach einmal Ronaldo – dann wisst ihr worauf ich anspiele.<br />
Und damit ich auch wirklich meinen Hals vollkriege,<br />
kann ich meine Ohren nicht schließen wenn ich vom Nachbartisch schon wieder die Männer vernehme,<br />
die genau dieses Verhalten übertragen, &#8211; als Ausrede!</p>
<p>Nur auf den Arsch und die Brüste würden die männlichen Zuschauer achten,<br />
Der Ball würde ausgeblendet, oder als Tagtraum verdoppelt und in die Sport-BHs der auf dem Platz umherrennenden Frauen hineinprojiziert.<br />
Und damit man bloß keine Sexualisierung im heiligen Fußball riskiert &#8211;<br />
Wird es abgelehnt. Zum Schutz der Frau nicht begrabscht zu werden, oder zum Selbstschutz des Mannes  &#8211; bleibt offen<br />
dabei haben diese insgeheim schon längst ihre eigene Entscheidung getroffen –<br />
der Anblick von schwitzenden Frauen, die auf ein Elf-Meter oder eine Kopfballchance hoffen,<br />
sei ohnehin nicht so attraktiv, wie die ihre Oberweite shakenden Frauen auf der Tanzfläche.<br />
Auch dadurch, dass Fußball nur auf Stollen- und nicht auf Absatzschuhen funktioniert,<br />
trägt dazu bei, dass es in absehbarer Zeit nicht passiert,<br />
dass Frauenfußball für Männerzuschauer als attraktiv gelten wird.</p>
<p>Und spielen die Frauen dann doch, haben sie mit einer Mehrfachbelastung zu kämpfen – denn während sich Männer schon ihre erste Limousine leisten können,<br />
sich mit einem Traumhaus und einer Yacht verwöhnen,<br />
unter der Last ihres Reichtums und der bei jedem kleinsten Problem ohnehin verleugneten Verantwortung stöhnen,<br />
verdienen ihre weiblichen Äquivalenzen so wenig, dass sie mit viel Glück den Mannschaftsbus und nicht den flixbus hin zum nächsten Turnier buchen,<br />
Während die Männer Dauerfrischtrikots bekommen, wird man bei den Frauen noch nicht einmal versuchen,<br />
ihnen bei Kleidung und Organisation unter die Arme zu greifen,<br />
das wollen sich die Manager und hohen Tiere dann wirklich nicht leisten,<br />
sich lieber beim Frauenfußball zu Tode sparen,<br />
schließlich möchte man alte Traditionen bewahren<br />
und Hausfrau bleibt Hausfrau – egal ob sie nebenher im Stadion kickt.</p>
<p>Dass es an Professionalität mangelt, ist also kein Geheimnis,<br />
Gleichberechtigung? Ein reiner Beschiss,<br />
doch auf Unverständnis stößt das Thema bei den Männern: Die moderne Add-on Frau ist schließlich eine Zeitscheißmaschine,<br />
die gleichzeitig in der Kabine,<br />
sich fertig macht, ihre Tasche richtet,<br />
auf den Feierabend vollkommen verzichtet –<br />
denn sie muss ja nebenher noch arbeiten gehen.<br />
Die paar Euro durchs Spielen – da würde sie mit Hartz IV noch besser dastehen.</p>
<p>Auch wird stets über die schlechte Qualität der Frauenspiele geredet und ich sage: steckt doch einfach mal ein Mädchen mit sieben Jahren ins Fußballtraining,<br />
integriert sie ins Förderprogramm, erteilt ihr Trainingspläne und Ernährungsrichtlinien,<br />
beschafft ihr einen Platz im Internat, wie ihren männlichen Kollegen<br />
und schiebt ein paar Hunderttausender dahinter um den Weg zum Erfolg auszuleben–<br />
Dieses Ergebnis mit dem aktuellen Profimännerfußball zu vergleichen,<br />
das würde vielleicht noch ausreichen,<br />
um an die Grenzen der Legalität und Fairness zu stoßen.<br />
Denn den Profifrauenfußball nach dem aktuellen Stand mit der Männerbundesliga zu vergleichen, ist wie zwei Menschen ein Haus bauen zu lassen, dem einen gibt man die doppelte Zeit und reicht ihm Holz, Zement, Stoffe und Marmor<br />
der andere bekommt nichts als einen Haufen Styropor.<br />
Kein Wunder, dass Frauen, die mit 16 das Kicken beginnen, noch erfolgreich sind,<br />
während Jungs im Alter von neun die Aussicht auf einen guten Verein schon durch die Finger rinnt.</p>
<p>Und selbst wenn Frauen körperlich früher an ihre Grenzen kommen sollten –<br />
Sind sie es nicht, die ganz groß hinauskommen wollten?<br />
Die wissen, was es heißt, sich etwas erkämpft zu haben.<br />
Viel häufiger schon auf dem Boden lagen –<br />
und trotzdem stillschweigend wieder aufgestanden sind.<br />
So ist es zum Beispiel nachgewiesen, dass Frauen eine deutlich längere reine Spielzeit vorweisen,<br />
weil – oh Wunder!  &#8211; sie pöbeln weniger, versuchen seltener zu bescheißen,<br />
diskutieren nicht so viel, um Recht zu bekommen und die andere Mannschaft in Stücke zu reißen, machen weniger Schwalben, sondern versuchen sich vorm Jammern auf die Zunge zu beißen.<br />
Wenn jemand behauptet das langweiliger zu finden, als das pseudomännliche Gejammere auf dem Platz soll er vom Fußball bitte zu Dschungelcamp wechseln.</p>
<p>Ganz pervers wird es, wenn man sich die Schnittmengen anschaut,<br />
Männertrainer, Männerkommentatoren, Männermanager – tauchen überall im Frauenfußball auf,<br />
während den Frauen? Egal bei welchem Geschlecht von vorneherin wird ihnen die Karriere verbaut<br />
Egal ob bei den Männern oder Frauen, zugetraut<br />
wird einem Wesen mit Busen und Hüfte,<br />
wohl keiner dieser Berufe, obwohl eine Frau nach Jahren Spielzeit eigentlich genug Erfahrung gesammelt haben müsste.<br />
Doch in der Männerwelt, der die Jobs besetzt zählt all das nichts – nur wichtig ist das Outfit.<br />
Der weite Ausschnitt<br />
Und das bloß nicht zu dominante Auftreten.</p>
<p>Noch nicht einmal wird es den Frauen gelingen,<br />
sich in die unbezahlten Full-time-Jobs alias Hooligan oder Ultra einzubringen.<br />
Schlägereien, Gebrüll und Krawall würden die zarten Damen schließlich gar nicht aushalten.<br />
Die Gremien, die diese Strukturen verwalten<br />
Bleiben also auch unschikaniert<br />
männerdominiert.</p>
<p>Glücklich sollen wir uns schätzen, hören wir Frauen von den Männern, wenn wir uns einmal wieder beklagen.<br />
Sie beschützen uns doch nur vor dem größte Schaden<br />
-Und überhaupt: Bis 1982 habe es Frauen auf dem Platz ohnehin noch nicht gegeben<br />
&#8211; was beschweren wir uns denn überhaupt noch, wir sollen nicht immer nach noch mehr Gleichberechtigung streben.</p>
<p>In Deutschland, einer Fußballnation. Einem Land, das in Jubel ausbricht,<br />
wenn das deutsche Team gewinnt, das eine Volkstrauer ausruft, in dem das Leben fast vollständig erlischt,<br />
wenn das Männerteam spielt &#8211; wie im Sommer 2018.<br />
Fußball &#8211; ein Sport, der das Heute-Journal und die Radiosendungen dominiert –<br />
Freude, Frust und Begeisterung provoziert,<br />
die Frau ist kein Teil davon. Scheinbar ist sie für nichts besseres zu gebrauchen, als als Spielerfrau das ein oder andere Interview zu geben,<br />
ihrem Mann nach dem Gewinn anzubeten<br />
– und bei Niederlagen die tröstende Mutti zu spielen.</p>
<p>Eine viel größere Revolution<br />
als eine weibliche Kanzlerin zu haben, wäre es, wenn die Illusion,<br />
wahr werden würde, irgendwann einen der leitenden Posten des DFB mit einer Frau zu besetzen<br />
Aber nein. Das würde den Stolz und das Ego der Männer zutiefst verletzen.</p>
<p>Zum Schluss die Frage: warum muss man sich direkt so unterteilen?<br />
Auf den Standards der Vergangenheit verweilen?<br />
Unterscheidet das Geschlecht des Kickers, welche Flugbahn der Ball nach dem Kontaktverlust mit dem Schuh einschlägt?<br />
Welchen Weg ein mit Luft gefüllter Körper auf dem Rasen zurücklegt?<br />
Wenn ja, habe ich diese Einflussgröße wohl ausversehen,<br />
in der physikalischen Formel während meiner Schulzeit übersehen.</p>
<p>Es gibt schließlich auch keine Mannschaft mit allen unter 1,70 m großen Menschen,<br />
Warum also müssen wir uns unter den Geschlechtern so ausgrenzen,<br />
in Männer und Frauen unterteilen?<br />
Ansatt sich zu vereinen?<br />
Sowohl im Training als auch auf dem Spielfeld, könnten sich Männer und Frauen ergänzen<br />
– ihre gegenseitigen Schwächen und Stärken wortwörtlich gegeneinander ausspielen, mit ihren Schokoladenseiten glänzen,<br />
Da kann mir niemand erzählen, dass das langweiliger sein soll, als das dauerhafte Männergekicke<br />
Fußball bleibt Fußball – egal welcher Fuß in dem Schuh steckt</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier könnt ihr mehr zu dem <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/10/rundballtreten-nur-fuer-penistraeger/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Workshop zu Fußball und Gender</strong></a> erfahren.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/10/geschwindigkeiten/" target="_blank" rel="noopener"><strong>in diesem Text von Lilith</strong></a> geht es um die Männerdominanz im Autorennsport.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hohe Geschwindigkeiten und Adrenalin – nur etwas für Männer?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/10/geschwindigkeiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Oct 2018 07:00:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=10997</guid>

					<description><![CDATA[Sebastian Vettel, Michael Schumacher, Nico Rosberg …. Es ist ähnlich wie im Fußball. Wenn die Männer spielen bzw. fahren, sitzt die halbe Nation vorm Bildschirm – und von den Frauen hört man fast überhaupt nichts, obwohl sie teilweise erfolgreicher sind. Versucht euch einen Moment lang daran zu erinnern, wann ihr das letzte Mal eine Radio-]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sebastian Vettel, Michael Schumacher, Nico Rosberg …. Es ist ähnlich wie im Fußball. Wenn die Männer spielen bzw. fahren, sitzt die halbe Nation vorm Bildschirm – und von den Frauen hört man fast überhaupt nichts, obwohl sie teilweise erfolgreicher sind. Versucht euch einen Moment lang daran zu erinnern, wann ihr das letzte Mal eine Radio- oder Fernsehnachricht über den Erfolg einer MotorrennsportlerIN gehört habt&#8230; Wie häufig aber habt ihr hingegen innerhalb der letzten Jahre Nachrichten über den aktuellen Zustand des verunglückten Schumachers erhalten?</strong></p>
<p><span id="more-10997"></span></p>
<p>Im Alltag wird deutlich – es sind immer die Frauen, die daran schuld sind, dass der Mann sich anstelle des Sportwagens schon wieder einen praktischen Combi hat kaufen müssen. „Die Koffer müssen reinpassen, zu viel Sprit darf der Wagen auch nicht verbrauchen und die Farbe ist natürlich wichtig!“ sind die einzigen Aspekte, auf die sich eine Frau beim Autokauf angeblich bezieht. „So schnell wie möglich! Und natürlich sportlich aussehend!“ sei das einzige, was für den Ehepartner zählen würde.</p>
<p><strong>Geschichte</strong></p>
<p>Angefangen hat es für die Frauen doch eigentlich ganz gut. Die selbstbewusste Berta Benz lieh sich einfach mal ohne zu fragen 1888 den Wagen ihres Mannes und bewältigte die Strecke Mannheim-Pforzheim problemlos. Frauen am Steuer blieben bis auf diese Ausnahme jedoch noch Jahrzehnte danach eine absolute Seltenheit. Denn bis in das Jahr 1958 durften deutsche Frauen ohne die Erlaubnis des Ehemannes oder Vaters noch nicht einmal eine Führerscheinprüfung ablegen.</p>
<p>Und heute? Gibt es wirklich keinen weiblichen Champion wenn es darum geht in einem Fahrzeug in Höchsttempo eine kurvige Strecke zu überwinden?</p>
<p><strong>ChampionInnen am Steuer</strong></p>
<p>„Den Frauen fehlt das Testosteron. Sie sind vorsichtiger, haben stärkere Bedenken und trauen sich nicht so viel.“ Dass das ganz sicher nicht auf jede weibliche Person zutrifft, bestätigen folgende Frauen:</p>
<p>In Großbritannien wuchs eine der größten weiblichen Motorrennfahrerinen auf: Pat Moss. Sie folgte ihrem berühmten Bruder, dem 16-maligen Grand Prix-Gewinner Stirling Moss. Auch sie hat inzwischen einige Trophäen und Medaillen nach Hause bringen können: drei Siege internationaler Rallyes, zwei vierte Plätze, jeweils eines beim RAC Rally sowie eines in der Liège-Rome-Liège Rally. Da diese Erfolge bereits in den 1950ern stattfanden, kann sie als eine der ersten erfolgreichen Frauen dieser Domäne in die Geschichtsbücher eingehen.</p>
<p>Die US-Amerikanerin Danica Patrick tritt einige Jahrzehnte später ins Rampenlicht. Seit 2005 ist ihre Karriere geprägt von Erfolgen. Ein Höhepunkt lässt sich sicher im Sieg in Japan 300 im Jahr 2008 sehen, durch den sie zur ersten und bislang noch einzigen Frau gekürt wurde, die ein Rennen der Indy Car-Sparte für sich entscheiden konnte.</p>
<p>Keiko Ihara kommt aus dem Land, in dem für Danica Patrick ein Traum in Erfüllung ging. Sie musste sich nicht wenigen Vorurteilen entgegenstellen und sich beweisen, bis sie es schließlich an die Spitze geschafft hat. Erfolgreiche Teilnahmen am europäischen Formel-Renault sowie am 24-Stunden Rennen von le Mans zeigen, dass sie hier nicht fehl am Platz ist.</p>
<p>Jutta Kleinschmidt ist an ihrem Namen als Deutsche identifizierbar. In der Paris-Dakar Rallye durchquerte die Athletin 2001 Frankreich, Spanien, Marokko, Mauretanien und Mali, bis hin in den Senegal und &#8211; holte sich den Gesamtsieg. Ihre Karriere begann sie 29 Jahre zuvor auf dem Motorrad und kurz nach ihrem Umstieg auf das stabilere Gefährt errang sie schon 1997 einen Etappenerfolg. Mit ihrem Gesamtsieg aber hat sie endgültig bewiesen, dass Frauen auch für lange Strecken ausreichend Ausdauer und Durchhaltevermögen aufweisen können.</p>
<p>Direkt aus der an Deutschland angrenzenden Schweiz kommt Simona De Silvestro. Im deutschsprachigen Raum blieb sie aber nicht lange, denn schon bald zog es sie nach Amerika in die IndyCar-Series. Inzwischen ist sie im australischen Profisport aktiv.</p>
<p><strong>Harte Arbeit – Frauenbehauptung im männerdominierten Betrieb</strong></p>
<p>Chancen haben die Frauen gegen männliche Gegner trotz ihrer körperlichen Nachteile. Zwar sind Frauen von Natur aus um 30% an Muskelmasse ärmer als Männer, im Autorennen kommt es aber mehr auf die Kraft im Verhältnis zur Größe an und der Unterschied zwischen trainierten Männern und Frauen liege in Bezug auf die Kraft, die sie aufbringen können nur noch bei 5%. Auch im technischen Hintergrund, bei Reperaturen und ingenieurswissenschaftlichen Optimierungsideen sowie auf Sponsorenseite beginnen allmählich Frauen auf die Bühne zu treten. Es befindet sich also etwas im Wandel.</p>
<p>Und dennoch: besonders auf deutschem Boden fallen den meisten fast ausschließlich erfolgreiche Männer ein, wenn die Wahl des Gesprächsthemas auf den Motorennsport fällt. Auch als junges Mädchen kommt man kaum mit dieser Sportart in Kontakt. Man kann sich als junge Sportlerin noch nicht einmal Ziele wie „Ich möchte der nächste Lewis Hamilton werden“ stecken. Trotz der vorgestellten erfolgreichen Rennsportlerinnen fehlt es an Idolen und Vorbildern. Besonders in der Nachwuchsförderung muss sich also noch vieles ändern.</p>
<p><strong>Frauen auf vier Rädern </strong></p>
<p>Im normalen Straßenverkehr sind Frauen tatsächlich ruhiger und vorsichtiger. Unfallstatistiken des Statistischen Bundesamtes bestätigen, dass 54 Prozent der Leicht-, 61 Prozent der Schwerverletzten und 74 Prozent der Getöteten männlich sind. Eine deutliche Mehrheit besonders wenn man beachtet, dass die Bevölkerung in Deutschland ziemlich exakt weiblich ist. Unfälle bezogen sich dabei auf jede Art der Verkehrsteilnahme, vom Fußgänger über den Fahrradfahrer bis hin zum PKW-Nutzer.</p>
<p>Dass das nun daran liegt, dass die chaotisch fahrenden Frauen stets Unfälle bauen, an denen dann die Männer sterben, ist nicht der Fall, denn Männer tragen mit 57% aller PKW-Unfälle häufiger die Hauptschuld an den Opfern. Auch ist es nicht so, als würden die Männer nur durch das Schnellfahren und ihre Risikobereitschaft häufiger auf den Straßen zu Schaden kämen. Bei Manövern wie „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“ die nicht selten in Frauenwitzen vorkommen, werden Männern genauso viele Fehler vorgeworfen wie Frauen.</p>
<p>In der „Nichtbeachtung der Vorfahrt bzw. des Vorrangs“ schneiden die Frauen mit 125 Fällen je 1.000 Unfälle tatsächlich minimal schlechter ab als die Männer (115). Dafür aber haben die Männer bei den Punkten „zu geringer Abstand, nicht angepasste Geschwindigkeit sowie Alkoholeinfluss“ wieder die Nase vorn.</p>
<p>Ein besonders großer Unterschied ergibt sich bei den jungen Fahrern: innerhalb der Altersgruppe 18-24 haben junge Männer ein wesentlich höheres Risiko, im Straßenverkehr zu sterben als junge Frauen: Im Jahr 2016 wurden 30 junge Frauen je eine Million Einwohner ihrer Altersgruppe getötet, bei den jungen Männern lag dieser Wert mit 103 mehr als dreimal so hoch.</p>
<p>Dennoch: genauso wie es falsch ist der Überzeugung zu sein, alle Frauen können nicht richtig einparken und würden regelmäßig rechts und links miteinander verwechseln, ist es ebenfalls nicht der richtige Ansatz, alle Männer pauschal als aggressive oft alkoholisierte Raser darzustellen.</p>
<p>Im Motorennsport sollte man den Frauen in jedem Fall eine Tür offen halten – und auch mit Automodellen spielende Mädchen sollte man nicht unbedingt zum Puppenpflegen zwingen.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/07/der-untergang-naht-eine-frau-moderiert-die-wm/" target="_blank" rel="noopener"><strong>In diesem Text</strong></a> von Florian geht es um Claudia Neumann, Fußball-Kommentatorin beim ZDF, und um den Shitstorm, der ihr während der WM entgegen kam.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/10/melanie-fink/" target="_blank" rel="noopener"><strong>in diesem Text</strong></a> von Lilith gibt es ein Portrait der Männerfußballtrainerin Melanie Fink.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Frauen in Burkina Faso &#8211; unterdrückt und doch selbstbewusst</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/09/frauen-in-burkina-faso/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Sep 2018 07:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=10913</guid>

					<description><![CDATA[Lilith hielt sich im Januar diesen Jahres einen Monat lang in Garango im in Westafrika gelegenen Land Burkina Faso auf. Dort half sie an Schulen, Krankenunterstützungsstationen und in einem Waisenhaus. In diesem Artikel berichtet sie von ihrem Eindruck in Hinblick auf die Gleichbehandlung der Geschlechter in einem der ärmsten Länder der Welt. Während viele meiner]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lilith hielt sich im Januar diesen Jahres einen Monat lang in Garango im in Westafrika gelegenen Land Burkina Faso auf. Dort half sie an Schulen, Krankenunterstützungsstationen und in einem Waisenhaus. In diesem Artikel berichtet sie von ihrem Eindruck in Hinblick auf die Gleichbehandlung der Geschlechter in einem der ärmsten Länder der Welt.</strong></p>
<p><span id="more-10913"></span></p>
<p>Während viele meiner anderen Artikel sehr zahlen- und faktenlastig sind, ist es wichtig zu Beginn dieses Textes anzuführen, dass ich hier besonders meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen zum Ausdruck bringe, die ich während meines einmonatigen Aufenthalts in Burkina Faso gemacht habe. Meine Beobachtungen, die sich besonders auf Garango und Umgebung beziehen, können selbstverständlich nicht auf alle Regionen Burkina Fasos übertragen werden und erst recht nicht als Pauschalangaben für ganz Afrika gesehen werden.</p>
<p><strong>Arbeit</strong></p>
<p>„Jedes Mal, wenn ich nach Deutschland zurückkehre, fällt mir auf einmal auf, wie viel unsere Männer eigentlich arbeiten!“ So die Worte einer Freundin, die bereits mehrmals wenige Wochen in Burkina Faso verbracht hat. Ihrer Beobachtung nach arbeiten ausschließlich die Frauen, während die Männer nur herumsitzen und sich mit Dolo, einem einheimischen alkoholischen Getränk, besaufen, oder mit Freunden ein Schwätzchen halten. Ihre weiblichen Partnerinnen hingegen schleppen das Wasser, kochen, sorgen sich um Haushalt und Kinder und arbeiten nicht selten auch noch in einem Gartenstück, falls die Familie das Glück hat, ein solches zu besitzen. Wahlweise stößt sie zu einer Frauengruppe hinzu, die Seifen, haltbaren Reis oder Babynahrung herstellen.</p>
<p>Von letzteren gibt es tatsächlich inzwischen nicht wenige. Immer mehr Frauen schließen sich in Gruppierungen zusammen, um in diesen eine ihrer Ideen umzusetzen. Nicht selten erstellen sie ausführliche Anträge um kleine Summen zu erhalten, die ihnen als Startkapital dienen. Mit diesem bauen sie sich ein Gebäude, in dem sie zusammenkommen können, oder sie erwerben Maschinen, die sie zur Produktherstellung benötigen.</p>
<p>Tatsächlich ist es aber sowohl für Männer als auch Frauen schwierig, eine bezahlte Arbeit zu finden. Ausnahmslos jeder mit dem ich rede, ganz unabhängig vom Geschlecht strebt an, Beamter zu werden. Dann habe man wenigstens ein sicheres Gehalt und auch eine Versorgung im Alter. Doch dieses glückliche Los trifft hier in Burkina Faso nur sehr wenige. Ansonsten klagen alle über die Perspektivlosigkeit für Männer wie Frauen. Was soll ich später mal werden? Den Kindern fallen dazu nur Arzt, Schneider und Lehrer ein. Andere Berufe kennen sie nicht.</p>
<p>Nun aber zurück zu dem Urteil meiner Bekannten. Tatsächlich fällt auch mir auf, dass die Frauen insgesamt auf dem Feld, in der Familie sowie auf dem Markt oder als Schneiderinnen, deutlich aktiver sind, als die Männer. Dennoch kann dies nicht pauschalisiert werden und es gibt auch sehr fähig und arbeitstüchtige männliche Burkinabé. Interessant finde ich zudem, dass zwar die Feldarbeit hier eindeutig den Frauen überlassen wird, aber das in Bezug auf die anderen Berufe ein ähnlich stereotypes Denken herrscht, wie bei uns. So sind Grundschullehrer oder Kindergartengärtner fast ausnahmslos weiblich, während die älteren Schüler von mehr Männern unterrichtet werden. Auch Schreiner zu sein, oder ein Haus für die Familie zu bauen, erledigen stets die Männer.</p>
<p>Körperlich sind die meisten Frauen hier in Burkina Faso jedoch den Männern mindestens ebenbürtig. Selbst ohne Freizeitsport zu betreiben, kann man aufgrund des Kochens und der Bewirtschaftung der Gärten ganz ihne Gerätschaften, an ihren Oberarmen deutlich die Muskeln sehen.</p>
<p>Sehr interessant ist zudem, dass sich durchweg alle einer Meinung sind, was den Umgang mit Geld anbelangt: Frauen seien dabei deutlich gründlicher, ehrlicher und rationaler. Es ist daher auch kein Zufall, dass alle Schatzmeister, die ich in Burkina Faso treffe, egal von welcher Gruppierung oder Vereinigung, weiblich sind.</p>
<p><strong>Bildung</strong></p>
<p>„35 Mädchen, 32 Jungen, 0 fehlend“ steht in der Ecke rechts oben an der Tafel, in der jeden Tag die Anwesenheit festgehalten wird. Heute ist die Klasse wie so häufig vollzählig. Was jedoch noch mehr auffällt – das Geschlechterverhältnis am Gymnasium hat sich innerhalb der letzten fünf bis zehn Jahre enorm verändert. „Inzwischen sind in unseren „Bac“ (in etwa unserem deutschen Abitur entsprechend)- Klassen teilweise sogar mehr Mädchen als Jungen“ bestätigt mir der Lehrer, der mich an diesem Tag durch die Schulräume begleitet, dass es sich bei den Zahlen an dieser spezifischen Tafel nicht nur um einen Ausnahmefall handelt.</p>
<p>Zum einen hängt der gestiegene Mädchenanteil in den Klassen mit der eingeführten Schulpflicht zusammen. Zum anderen vom gesellschaftlichen Bild. Zumindest in den Städten gewinnen die Frauen hier in Burkina Faso, immer mehr an Selbstbewusstsein und werden in vielen Bereichen heute deutlich gleicher behandelt, als noch vor wenigen Jahren.</p>
<p><strong>Hochzeit</strong></p>
<p>Gesetzlich ist eine Eheschließung für Mädchen erst ab Vollendung des 17. Lebensjahr, für Jungen erst nach Ende des 20. erlaubt. Alleine diese Regelung empfinde ich bereits als ungerecht. Warum bitte dürfen die Mädchen bereits in einem jüngeren Alter dem Heiratswillen ihrer Eltern zum Opfer fallen, als Jungen? Aber damit nicht genug, denn wir könnten uns schon glücklich schätzen, wenn diese Regelung überhaupt eingehalten würde. Denn was in den meisten Familien als Eheschließung zählt ist nicht die staatliche Hochzeit oder der Eintrag als Ehepaar – sondern vielmehr die traditionelle oder religiöse Zeremonie und diese kann natürlich ganz unbeeindruckt vom Gesetz in jedem Alter durchgeführt werden.</p>
<p>Sowohl wenn ich mit den Ordensschwestern aus Garango spreche als auch meinen dort kennengelernten Freunden, die sich in meinem Alter befinden und die Abschlussklasse des lycées besuchen, wirkte Burkina Faso richtig modern. Sie erzählten, dass sie sich ihren Freund bzw. ihre Freundin vollkommen frei auswählen und den Zeitpunkt ihrer Hochzeit selbst festlegen dürften. Die meisten versprechen sich, während der Studienzeit einen Lebenspartner zu finden. Das einzige, was auffällt: wenn mir einmal wieder Heiratsanträge gemacht werden (während meines einmonatigen Aufenthaltes um die 100 Stück), und ich darauf mit der Antwort „Dann musst du aber noch 12 Jahre warten, bis ich 30 Jahre alt bin“, waren alle recht empört. 30 fanden dann doch alle zu alt für eine Hochzeit. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Menschen hier in Burkina Faso kürzer Leben. Um noch ausreichend Zeit mit seinem Ehepartner zu verbringen, muss man sich eben rechtzeitig an ihn binden. Trotzdem reagieren die Jugendlichen hier in Garango, einer städtischen Region, sehr aufgeschlossen für das Thema Liebe, Beziehung und Hochzeit und wirken sehr selbstbewusst in ihrer Forderung, diese Themen ohne Mitbestimmung der Eltern klären zu können.</p>
<p>Wenden wir den Blick aufs Land, ergibt sich jedoch noch einmal eine ganz andere Situation. Nicht nur sprechen hier die wenigsten Frauen Französisch, auch Kinderhochzeiten sind keine Seltenheit. Auch durch ein Patenschaftsprogramm, bei dem ich mithelfe und bei dem Deutsche jährlich das Schulgeld für Kinder in Burkina Faso zahlen, bekomme ich immer wieder davon mit. Nicht häufig, aber doch ab und an kommt es vor, dass eine Teilnehmerin aus dem Programm aussteigen muss, weil sie verheiratet wurde, oder schwanger ist. Warum diese Veränderung direkt zum Projektausschluss führt? Weil mit diesen Ereignissen fast immer ein Ausstieg aus der Schule einhergeht, und die Patenschaftsförderung eben nun einmal auf die Bildungsfinanzierung fokussiert ist. Frauen müssen also je nachdem wo sie in Burkina Faso aufwachsen, immer noch mit einer Hochzeit und/oder Schwangerschaft im Alter zwischen 13-17 rechnen. Mit einem Mann, den sie zuvor kaum kennengelernt haben.</p>
<p><strong>Häusliche Gewalt</strong></p>
<p>Diese musste ich zum Glück während meines gesamten Monats Aufenthalt in Afrika nicht mit eigenen Augen ansehen. Was mir aber sehr viele Mädchen und junge Frauen berichten: sie sind eindeutig glücklich darüber, Single zu sein, weil die Männer oft doch sowieso nur zuschlagen würden – so ihre einheitliche Aussage. Ob dies aufgrund eines von vorneherein hohen Aggressionspotentials geschieht, oder nach einem erhöhten Dolokonsum spielt dann auch keine Rolle mehr. Sie äußern mir gegenüber durchweg das Bild des ungerechten Ehemannes, der im schlimmsten Fall bei Streitereien auch noch das Bestimmungsrecht über die Kinder behält. Selbst männliche Mitschüler der Abitursklasse, die ich mehrmals besuche, beschreiben mir gegenüber dieses Bild des Durchschnittsburkinabé. Besonders auf dem Land werden die Frauen auch tatsächlich zu Hause noch stark unterdrückt und wissen sich nicht zur Wehr zu setzen.</p>
<p><strong>Beschneidung</strong></p>
<p>Auch hier gilt: in der Stadt werden Mädchen heutzutage kaum mehr beschnitten. Auch viele der Jugendlichen, mit denen ich über das Thema spreche, sind der Überzeugung, dass Beschneidung veraltet sei und keine Rolle mehr in ihrem Land spiele. Betrachtet man jedoch das gesamte Land, so stellt man fest, dass doch noch viele weibliche Burkinabé diesen schrecklichen Eingriff in ihrer Kindheit über sich ergehen lassen müssen. Das Stadt-Land gefällte, bei dem in Regionen, die letzterem zugehörig sind, deutlich traditioneller gelebt und geglaubt wird, muss um dies zu verändern noch eindeutig einiges an Arbeit geleistet werden.</p>
<p>Beachten muss man gerade im direkten Gespräch auch, dass viele Menschen über dieses Thema schlichtweg nicht reden möchten. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn sie möglichst schnell und etwas für ihr Gegenüber befriedigend Erscheinendes antworten, um diesen seltsamen Hellhäutigen möglichst schnell loszuwerden.</p>
<p><strong>Medien</strong></p>
<p>Was mich sehr überrascht, ist der offene Umgang mit nackter Haut und Emanzipation im Fernsehen. Immer und überall läuft dieses Gerät heutzutage, was mich meist nur nervt, manchmal ist aber doch etwas Interessantes dabei. Eines Sonntagnachmittags z.B. läuft im Haus des Gastgebers nebenher eine Serie, in der die Mutter und der Bruder einer Frau Ende 20 als Folge ihres Verdachts mit dieser darüber reden, ob sie von ihrem Mann geschlagen wird. Sie setzen sich enorm für diese junge Frau ein und verurteilen ihren gewalttätigen Ehemann. Vor einigen Jahrzehnten wäre ein solcher Handlungsverlauf überhaupt nicht möglich gewesen. Damals war das Schlagen noch weit verbreitet und zählte nicht nur zu den Befugnissen, sondern sogar Pflichten eines jeden Mannes, um Kinder und Frau „zu erziehen“. Auch über Werbespots und Musikvideos zeige ich mich erstaunt. Dort wird massenhaft Körper in kurzer, enganliegender Kleidung gezeigt, bauchfreie Mädchen tanzen auf dem Bildschirm umher – in einem Land, in dem jede Frau auf den Straßen auch heute noch darauf achtet, mindestens bis hin zu den Knien verdeckt zu sein!</p>
<p><strong>Informationsstand und Aufklärung</strong></p>
<p>Einige der bereits oben genannten Frauengruppen setzen ihr mit den eigenen Produkten erwirtschaftetes Geld nicht dafür ein, ihre Familie zu ernähren, sondern um Informationsveranstaltungen zu finanzieren. Sie bieten Alphabetisierungskurse für erwachsene Frauen an, ziehen mit Informationsplakaten in umliegende Ortschaften und informieren vor Ort über die Rechte, die jede Frau innehat, über Geschlechtskrankheiten und Verhütungsmethoden, sowie Gefahren während der Schwangerschaft und bei der Geburt. Dies ist bereits ein erster Ansatz, macht aber auch offensichtlich, dass die eigenen Anstrengungen der Regierung bei weitem nicht ausreichen. Diese unternimmt nämlich gerade im Bereich der sexuellen Bildung kaum etwas – außer neben jedes Ortsschild ein Plakat aufzustellen, auf dem die Vorbeifahrenden an das Verbot der Mädchenbeschneidung erinnert werden. Informationsmangel herrscht auch hier wiederum sehr stark auf dem Land. In den Städten, besonders an den Universitäten in der Hauptstadt Ouagadougou findet man daher auch die deutlich selbstbewussteren Frauen, die sich nicht so leicht unterdrücken lassen und an der Universität den Jungen zum Mann wählen, der ihnen gefällt.</p>
<p>Festzuhalten bleibt, dass mich die Lage der Frauen tatsächlich eher positiv überrascht hat. Dennoch muss erwähnt bleiben, dass sich viele Menschen in Burkina Faso in großer Armut und in einer sehr schwierigen Lage befinden. Besonders betrifft dies auch heute noch Frauen, speziell in den ländlichen Regionen, sodass in Zukunft noch viele Anstrengungen unternommen werden müssen, um diese Lage zu verbessern und diese ungerechten Verhältnisse aus dem Weg zu schaffen. Dabei muss stets ein Mittelweg gefunden werden. Denn viele Einheimische verurteilen es, wenn die aus dem Westen kommenden, ihre angeblichen Weisheiten, ihre Gleichberechtigung und ihr „besseres“ soziales System ihnen künstlich aufstülpen wollen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>?</li>
<li>?</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Frauen in China &#8211; Von händchenhaltenden „Schwestern“ und Powerfrauen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/08/frauen-in-china/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Aug 2018 07:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=10829</guid>

					<description><![CDATA[Unsere Autorin Lilith ist viel unterwegs in der Welt. Zur Zeit weilt sie in China und auch von dort schreibt sie Artikel für meinTestgelände. In diesem hier erfahrt ihr, was sie bisher in Chongqing in Bezug auf Beziehungen und das gesellschaftliche Rollenbild der Frau in Erfahrung bringen konnte. „Das hier sind die Tafeln auf denen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Lilith ist viel unterwegs in der Welt. Zur Zeit weilt sie in China und auch von dort schreibt sie Artikel für meinTestgelände. In diesem hier erfahrt ihr, was sie bisher in Chongqing in Bezug auf Beziehungen und das gesellschaftliche Rollenbild der Frau in Erfahrung bringen konnte.</strong></p>
<p><span id="more-10829"></span></p>
<p>„Das hier sind die Tafeln auf denen alle Eigenschaften der Frauen stehen. Welche Ausbildung sie hat, ihr Alter, aus welchem Elternhaus sie stammt…“ Meine Eltern zeigen mir gerade Bilder ihrer vergangenen zwei-Wochen Reisen in China. Dieses Foto zeigt eine Szene im Park. An diesen Orten suchen Väter scheinbar nach Frauen für ihre Söhne. O.k.? Dass es so etwas noch gibt, hat mir in China bisher noch niemand erzählt. Aber – da werden die Unterschiede zwischen Stadt und Land einmal wieder offensichtlich. „Die Väter arrangieren dann Treffen mit den entsprechenden Frauen. Ein Foto ist hier auf den Tafeln nie dabei“ Es ist wirklich eine Art „Frauenmarkt“ den meine Eltern in diesem Park beobachten konnten. Irgendwie erinnert mich dieses Vorgehen an eine alte Variante der heutigen Internet-Partnersuche-Plattformen. Während hier ein Algorithmus herauszufinden versucht, welche zwei Personen ein besonders glückliches Pärchen abgeben würden, ist es hier auf diesem Platz einfach der Vater.</p>
<p>Doch so finden sich heutzutage nicht mehr die meisten Ehen, wie mir von allen Seiten berichtet wird. Nicht nur meine Gastfamilie, sondern auch Studierende an der Universität oder Mitarbeiter von RisingStar erzählen mir, dass sich in dieser Hinsicht innerhalb der vergangenen fünfzig Jahre einiges verändert hat. Meistens lernen sich Partner einfach an der Uni, beim Arbeitsplatz oder im Fitnessstudio kennen. Den Eltern werden die Freunde meist deutlich später vorgestellt, als das in Deutschland der Fall ist. Während wir unseren Eltern manchmal schon nach wenigen Tagen von einer neuen Beziehung berichten, geht es bei den Chinesen doch schon eher in Richtung Hochzeit, wenn eine Person anderen Geschlechts mit nach Hause genommen und dort als Freund präsentiert wird. Das was dann geschieht, scheint den deutschen Sitten sehr ähnlich zu sein. Die Eltern bilden sich ihr eigenes Urteil über den Vorgestellten und es kann natürlich dazu kommen, dass sie ihr Kind davon überzeugen möchten, dass dieser Jemand nicht der oder die Richtige für ihn/sie ist. Ein wirkliches Mitbestimmungsrecht jedoch haben sie nicht mehr, so wie das früher durchaus der Fall war.</p>
<p>Um den zukünftigen Schwiegersohn bzw. die Schwiegertochter zu beurteilen, spielt in China aber noch mehr der Wohlstand eine Rolle. Nicht selten wird als allererstes nach Beruf und Vermögen der Eltern sowie den eigenen finanziellen Mitteln gefragt. In Deutschland habe ich die Beobachtung gemacht, dass diese Aspekte eher in den Hintergrund treten, so lange der vorgestellte Partner freundlich ist und das eigene Kind in der Beziehung glücklich wird.</p>
<p>Ganz witzig ist auch, dass die chinesischen Eltern soweit ihre Finger aus der Partnersuche halten, bis die Kinder ein Alter überschreiten, ab dem die Eltern sich zu sorgen beginnen, ob ihr Kind überhaupt noch einen Partner finden wird. Dann beginnen auch sie, sich einzuschalten und ein wenig als Verkuppler aktiv zu werden. Ganz witzig ist zudem, dass meine Gastmutter sich mehrmals mit mir über das Thema „boyfriend“ unterhält. Die modernen Chinesen gehen mit Liebesbeziehungen also ganz offen um. Noch dazu wünscht sie sich, dass ich einen chinesischen Freund finde. Ob das nun daran liegt, dass die Chinesen einen Frauenmangel haben und es umso besser ist, je mehr Männer eine ausländische Freundin finden, oder ob sie mich dadurch näher an China binden und somit meinen Anreiz erhöhen möchte, wieder hierher zurückzukommen? Nun ja, von den „Verkupplungstreffen“ die sie mir bereits mehrmals mit der vorsichtigen Frage „Do you mind if I introduce some boys to you?“ angekündigt hat, habe ich bislang in der ersten Hälfte meines Aufenthaltes noch kein einziges erlebt.</p>
<p>Außerdem erzählt sie mir, dass es chinesischen Männern wohl gar nicht so recht sei, sich ausländische feste Partnerinnen zu suchen. Die ausländischen Frauen seien in ihren Augen zu offen, zu frei, zu selbstbewusst. Außerdem fürchten die Männer in China wohl die kulturellen Differenzen. Darüber hinaus hält meine Gastmutter ausländische Männer für die moralischeren und besseren. Ihrer Meinung nach würden Chinesen nur auf das Aussehen achten und sich gerne auch einmal halb so alte Frauen nehmen. Westliche Männer achteten in ihren Augen mehr auf den Charakter – nun ja, das kann ich in der breiten Masse jetzt nicht unbedingt bestätigen, aber interessant welche Eindrücke die Chinesen von der „westlichen“ Männerwelt haben.</p>
<p>Wichtig zu betonen ist zudem, dass es auch vollkommen in Ordnung ist, gute Freunde zu haben, die dem anderen Geschlecht angehören, ohne sich gleich verlieben zu müssen. Es ist also durchaus in Ordnung, sich mit einem Jungen zu treffen, selbst wenn dieser schon in einer festen Beziehung steht. Was auch auffällig ist, ist, dass Freundinnen, die nicht etwa homosexuell sind, sondern sich einfach nur sehr gut verstehen, häufig händchenhaltend durch die Straßen ziehen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Chinesen ihre Freunde ziemlich schnell als „Bruder“ oder „Schwester“ bezeichnen.</p>
<p><strong>HAUPTSACHE MÄNNLICH</strong></p>
<p>Was die Bevorzugung von Jungen oder Mädchen unter den eigenen Kindern betrifft, ergibt sich eine interessante Situation. Meine Gastmutter betont, dass sie von ihrer Schwiegermutter unter anderem dadurch in einem schlechten Ansehen steht, weil sie es „nur“ geschafft hat, Mädchen zur Welt zu bringen. Besonders als sie noch ein Kind war, hatte es in ihrem Dorf etwas mehr auf dem Land gelegen, einige Frauen gegeben, die tatsächlich so lange Kinder ausgetragen haben, bis ein männliches dabei war. Gleichzeitig berichtet sie mir aber auch, dass es ab ihrer Generation keine Rolle mehr spiele, welches Geschlecht die Kinder haben. So gibt es z.B. unter den Elternteilen der Klassenkameraden der beiden Mädchen meiner Familie keine höherwertigeren Mütter, nur weil diese Jungen geboren haben. Meine Lehrerin (28 J.)an der Universität sagt sogar, dass ihre Generation sich lieber Mädchen wünscht, weil diese in der Erziehung leichter seien. Das ist nun einmal dahingestellt, aber feststeht, dass sich in der chinesischen Ansicht auf die Geschlechter etwas im Wandel befindet. Dieser ist bislang vor allem in den Städten offensichtlich. In abgelegeneren Gebieten auf dem Land sind ganz sicher noch die männlichen Kinder die in den Augen der Eltern bevorzugteren.</p>
<p>Was die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau anbelangt, so lässt sich auch hier ein Wandel erkennen. In einigen großen Städten arbeiten inzwischen beide Elternteile. Dennoch ist es – ähnlich wie in Deutschland – noch deutlich verbreiteter, dass wenn jemand zu Hause bleibt, die Wahl auf die Mutter fällt. So sind nicht nur meine Gastmutter und deren Schwester Hausfrauen, sondern auch viele ihrer Freundinnen. Die Mutter ist es auch, die Erziehungsfragen der Kinder bestimmt. So hätte z.B. in meiner Gastfamilie der Vater kaum eine Chance gehabt, sich entgegen die Entscheidung seiner Frau zu stellen, ein Au-Pair einzuladen. Sie ist es auch, die die Wochenenden „plant“ und die meiste Zeit mit den Kindern verbringt. Dass sich der Vater eines Tages am Telefon darüber beschwert, dass zwei Kleidungsstücke unaufgeräumt auf dem Sofa liegen, die sie erst am Abend wegräumen wollte, denn ihr Mann kommt gerade einen Tag früher als geplant von seiner Geschäftsreise zurück, empört mich mindestens genauso wie meine Gastmutter selbst. Sie ist eine sehr selbstbewusste Frau, die auch Auseinandersetzungen mit ihrem Mann nicht scheut.</p>
<p>Während es gar keine Frage ist, dass sie kocht und putzt, so unterstützt er sie wenigstens in ihren Vorhaben. Meine Hostmum erzählt mir, dass er sie sobald er einen Beruf aufgenommen hatte, dazu ermutigte, an der Universität weiter zu studieren. Auch auf meinen Vorschlag hin, sie könne doch wieder in ihrem ehemaligen Beruf als Touristenführerin arbeiten, da ihr jetzt dank meiner Hilfe wirklich viel Freizeit bleibt, reagiert er unterstützend. Doch irgendwie möchte sie selbst nicht angestellt sein, sondern sich lieber mit ihren Freundinnen treffen, oder zu irgendwelchen Meetings gehen, in denen es um die Wohncommunity und Kindeserziehung geht.</p>
<p>Was ich am kritischsten sehe, ist die Vater-Kind-Beziehung. Ich kann dies nun nicht auf die Chinesen allgemein beziehen, da ich in diesem Aspekt tatsächlich nur die Erfahrung in meiner Familie schildern kann, aber bei mir finde ich es wirklich sehr schwierig, dass der Vater so gut wie nie Zeit mit seinen beiden Töchtern verbringt. Entweder er ist auf Geschäftsreise, oder er arbeitet und geht im Anschluss daran noch mit Arbeitskollegen essen. Ich kann mir vorstellen, dass er als Anwalt alle Hände voll zu tun hat, aber wenigstens, wenn er dann mal zu Hause ist, könnte er Zeit mit seinen Kindern verbringen. Stattdessen verbringt er ganze halbe Tage in irgendeinem Internetcafé, um ein Computerspiel zu spielen, oder er trifft sich mit Freunden, oder – er setzt die Kinder vor den Fernseher und verschwindet in sein Zimmer. Abgesehen von den Wanderungen gibt es also kaum Vater-Kind-Zeiten und auch wenn er wirklich nett ist, habe ich nicht selten den Eindruck, dass er gar keine Idee hat, was er mit den Kindern machen kann und wie er mit ihnen umzugehen hat.</p>
<p>Sehr interessant wird die Diskussion am letzten Abend mit meinen beiden Gasteltern und meinen aus Deutschland angereisten leiblichen Eltern. Irgendwie kommen wir auf die Rolle der Frauen zu sprechen. Der Vater versucht sich mehrmals für sein knappes Vaterdaseinzweitfenster damit zu verteidigen, dass sich irgendwer schließlich um das Geld kümmern müsse, und in dieser Familie eben die Aufteilung der Aufgaben so ist, wie sie ist. Ich meinerseits betone immer wieder, dass ich mit allen Modellen des Familienlebens einverstanden bin, ganz egal ob Hausfrau, oder Hausmann, ob beide Eltern arbeitstätig… so lange, beide Ehepartner mit dieser Regelung auch zufrieden sind. So lange sie in gleichermaßen Aufgaben machen, die ihnen gefallen und nicht gefallen und es gerecht und unter Einbezug beider Meinungen zugeht. Daraufhin schildert uns mein Gastvater die zwei Typen an Frauen, die es in China gibt: die Powerfrau, die sich in Beruf und Karriere stürzt und die Hausfrau, die es vorzieht, sich zu Hause um Herd, Putzlappen und Windeln zu kümmern. Oftmals sei es also eine harte Entscheidung – Teilzeit ist kaum eine Option, sodass es nicht selten heißt: Entweder Familie, oder Beruf. Für die Männer ist es hingegen keine Schwierigkeit, beides zu haben.</p>
<p>Meine Eltern werfen ab und an ein, dass besonders auf dem Land noch immer die Meinung herrsche, wenn die Frauen arbeiten, würde dies ein schlechtes Licht auf den Ehemann werfen. Schließlich bedeute dies in etwa dasselbe, wie als sei er nicht fähig dazu, die Familie alleine zu versorgen und die Frau müsse arbeiten. Dass die Frau dies tut, weil es ihr Spaß bereitet, sei in den ländlichen Gebieten kaum vorstellbar. Hinzu fügen sie das, was ihnen ihre Touristenguides in ihrem oftmals brüchigem Englisch zu verstehen geben konnten: Frauen werden wohl in A, B und C Klassen eingeteilt. Besonders interessant sei dabei die Rolle der A-Frauen. Diese hätten eine gute Ausbildung genossen und sind ideal für eine Karriere ausgestattet. Sie hätten es wohl sehr schwer, einen Ehemann zu finden. Zum einen, da sie in der Zeit, in der andere an Partnerfindung und Hochzeit denken, mit ihrem Berufsleben beschäftigt sind und zum anderen, weil viele Männer vor solchen „starken“ Frauen wohl zu viel Respekt hätten.</p>
<p>Spannend bleibt es, wie sich die Situation in Land und Stadt in den kommenden Jahren entwickeln wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Allgemeine Gedanken zum Thema Geschlechterrollen hat sich <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/04/geschlechterrollen-von-dennis-seidel/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Dennis Seidel von den story-tellern gemacht</strong></a>. Seinen Text könnt ihr hier lesen.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und in diesem Text von Lilith könnt ihr lesen, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/06/warum-frauen-aelter-werden-als-maenner/" target="_blank" rel="noopener"><strong>warum Frauen älter werden als Männer</strong></a>.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum Frauen älter werden als Männer</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/06/warum-frauen-aelter-werden-als-maenner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jun 2018 07:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=10687</guid>

					<description><![CDATA[Im Jahr 2015 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung neugeborener Jungen 77 Jahre und 9 Monate. Die entsprechende Zahl für neugeborene Mädchen lautete 82 Jahre und 10 Monate. Damit werden Frauen im Schnitt 5 Jahre älter als Männer. Unsere Autorin Lilith ist den Gründen dafür nachgegangen. 117 Jahre alt ist die älteste Frau der Welt &#8211; Warum]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 1.14285rem;"><b>Im</b> <strong>Jahr 2015 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung neugeborener Jungen 77 Jahre und 9 Monate. Die entsprechende Zahl für neugeborene Mädchen lautete 82 Jahre und 10 Monate. Damit werden Frauen im Schnitt 5 Jahre älter als Männer. Unsere Autorin Lilith ist den Gründen dafür nachgegangen.</strong></span></p>
<p><span id="more-10687"></span></p>
<p><strong>117 Jahre alt ist die älteste Frau der Welt &#8211; Warum Frauen älter werden als Männer</strong></p>
<p>Jeanne Calment starb im Alter von 122 Jahren und 164 Tagen – damit ist sie der älteste Mensch, dessen Alter jemals vollständig nachgewiesen wurde.</p>
<p>Die Jamaikanerin Violet Brown, geboren am 10.03.1900 wurde 117 Jahre alt.</p>
<p>Der älteste Mensch aus dem deutschsprachigen Raum ist Augusta Holtz, die in die Vereinigten Staaten emigrierte und im Alter von 115 Jahren und 79 Tagen starb.</p>
<p>Neben dem erstaunlich hohen Alter dieser Rekordhalter fällt eine Tatsache ganz besonders ins Auge – alle aufgelisteten Personen sind weiblich. Betrachtet man die Liste der 100 ältesten Menschen, die je gelebt haben, so findet sich tatsächlich erst auf Platz 14 mit dem Japaner Jiroemon Kimura ein Mann, zu dem sich in der gesamten Liste nicht mehr als vier weitere Männer hinzugesellen.</p>
<p>Aber nicht nur bei den Rekorden übertreffen die Frauen die Männer bei weitem, sondern auch im Gesamtdurchschnitt.</p>
<p>In Deutschland können sich aktuell neugeborene Mädchen auf 83 Lebensjahre freuen, während der männliche Teil der Babys durchschnittlich „nur“ 78 Jahre vor sich liegen hat. Diese Differenz von fünf bis sechs Jahren zu Gunsten der Frau ist nicht nur auf deutschem Territorium zu beobachten. Denn auch nach ausführlicheren Recherchen konnte ich tatsächlich keine Region finden, in der der männliche Teil der Bevölkerung älter wird als der weibliche.</p>
<p>Doch – woran liegt es, dass eine Frau durchschnittlich ein höheres Alter erreicht als ein Mann?</p>
<p>Diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten, wie sie auf den ersten Eindruck scheinen mag. Denn es gibt nicht DEN EINEN WUNDERGRUND der die Lebenserwartung der Frauen erhöht. Vielmehr handelt es sich um eine Reihe von Gründen, die alle in die Lebenserwartung der Menschen hineinspielen.</p>
<p>Der erste bekannte Ansatz in der Geschichte, um dieses Phänomen zu erklären, liegt weit in der Geschichte zurück und beruht auf genetischen Faktoren. Auch lange danach noch waren Forscher davon überzeugt, dass rein biologische Gründe hinter dieser Tatsache stecken. Studien aus dem Jahr 2014, in denen ausschließlich Mönche und Nonnen aus insgesamt vier Jahrhunderten als Probanden dienten, brachten jedoch neue Erkenntnisse hervor. Laut des Bevölkerungswissenschaftlers Marc Luy sind die sechs Jahre, die Frauen weltweit im Durchschnitt länger leben als Männer, vielmehr auf den unterschiedlichen Lebensstil zurückzuführen. Bestätigt wird er in dieser Annahme von seiner Kollegin, der Ökonomin Michaela Grimm. Sie dreht die Aussage sogar um und meint, dass die korrekte Formulierung nicht lautet, dass Frauen länger leben, sondern stattdessen, dass Männer frühzeitig ableben. Die Lebensweise und das Umfeld sind für beide Wissenschaftler die zwei determinierenden Faktoren, wenn es um die Lebenserwartung geht. Hierbei sehen auch sie das allgemeine Klischee bestätigt – Frauen leben vorsichtiger, gesundheitsbewusster und vernünftiger.</p>
<p>Aber was haben nun die Klosterbewohner mit diesen Erkenntnissen zu tun? Bei den Untersuchungen Luys stellte sich heraus, dass sich die Lebenserwartung von Nonnen und Mönchen anstatt um sechs nur um ein Jahr unterscheidet – und dies signifikant über 400 Jahre hinweg. Seine Folgerung – wenn man den Lebensstil von Mann und Frau anpasst, so ist der Altersunterschied der verschieden hohen Lebenserwartungen kaum mehr zu bemerken. Die biologischen Faktoren sind laut ihm für nicht mehr als das eine noch verbleibende Unterschiedsjahr verantwortlich.</p>
<p>Diese These wird zusätzlich durch die Tatsache unterstützt, dass insbesondere gut gebildete Frauen eine hohe Lebenserwartung haben – sie verfügen über ausreichende Kenntnisse über eine gesunde Lebensweise und können dies entsprechend vernünftig umsetzen.</p>
<p>Wenn diese Hypothese tatsächlich zutrifft, so können sich die Männer freuen – denn für sie bedeutet der geringe genetische Einfluss eine Wandelbarkeit. Die sozialen, politischen, ökonomischen, demographischen und verhaltensbedingten Faktoren, die die Hauptrolle spielen, lassen sich verändern. Wenn sie ihren gefährlichen Lebensstil also anpassen und vernünftiger mit ihrer Lebenszeit umgehen, so müsste sich die Lebenserwartung der Männer immer mehr der der Frauen annähern. Klassische Beispiele hierfür sind eine gesündere Ernähren, häufigere Arztbesuche, seltener rauchen … &#8211; wenn sich die Männer von diesem Frauenverhalten auch nur eine schmale Scheibe abschneiden würden, könnte es sein, dass sie mit den Frauen in Zukunft doch noch in Konkurrenz treten. Doch auch diesem Verhalten liegen verschiedenste Ursachen zugrunde. Der höhere Testosteronspiegel der Männer spielt ebenso eine Rolle wie das Weiterbestehen von Rollenbildern und die gesellschaftlichen Erwartungshaltungen. Die erhöhte Risikofreude des Mannes lässt sich unter Umständen doch nicht ganz so leicht abstellen.</p>
<p>Untersuchungen seit Beginn der 1980er Jahre zeigen jedoch, dass Frauen auch ganz ohne hohe Testosteronspiegel immer mehr zu einer „männlichen“ Lebensweise tendieren. Laut der erhobenen Daten übernehmen vielmehr die Frauen immer eher die Lebensweisen der Männer, weshalb sich deren Lebenserwartung nach unten korrigiert. Gründe hierfür könnten im höheren Anteil berufstätiger Frauen liegen, die dadurch einer doppelten Belastung und somit mehr Stress ausgesetzt sind. Als Folge greifen auch sie immer häufiger zum Alkohol oder zur Zigarette.</p>
<p>Dennoch sollten die biologischen Ursachen nicht ganz aus der Aufmerksamkeit verschwinden. Denn es bleibt unabhängig des Verhaltens mindestens das eine zugrundeliegende Differenzjahr auf diesen Faktor zurückzuführen. Woran liegt das?</p>
<p>Bisher übertreffen Vermutungen, Annahmen und Spekulationen in diesem Bereich die tatsächliche Datenlage: Eine davon besteht in dem Vorteil, der sich aus dem zweiten X-Chromosom der Frau ergibt. Zwar ist in den Zellen stets nur eines beider X-Chromosome aktiv, aber falls eines defekt oder beschädigt ist, steht das andere immer noch als Ersatz parat. Wissenschaftliche Beweise für einen sich daraus ergebenden Vorteil gibt es jedoch noch nicht. Eine weitere biologische Hypothese fußt auf dem unterschiedlichen Hormonhaushalt, der ebenfalls an der Bestimmung der Lebenserwartung beteiligt sein kann.</p>
<p>Interessanter Fakt am Rand – die Debatte über die abweichende Lebenserwartung von Mann und Frau ist kein modernes Thema – die ersten Diskussionen darüber traten bereits im 18. Jhd. Auf. Und sie wird auch in Zukunft weitergeführt werden – es bleibt also spannend, welche Ursachen noch so herausgefunden werden und wie sich unsere Lebenserwartung in den nächsten Jahrzehnten verändern wird.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hidden Figures „Unerkannte Heldinnen“ &#8211; Filmempfehlung</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/05/hidden-figures-filmempfehlung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 May 2018 07:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=10597</guid>

					<description><![CDATA[Heute haben wir mal wieder eine Filmempfehlung von Lilith für euch. Sie hat sich den Film &#8222;Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen&#8220; angeschaut und berichtet, worum es darin geht und warum ihr euch den Film auch anschauen solltet. Aber lest am besten selbst. Drei dunkelhäutige Frauen, die der NASA im Amerika der 60er Jahre bei ihrem]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute haben wir mal wieder eine Filmempfehlung von Lilith für euch. Sie hat sich den Film &#8222;Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen&#8220; angeschaut und berichtet, worum es darin geht und warum ihr euch den Film auch anschauen solltet. Aber lest am besten selbst.</strong></p>
<p><span id="more-10597"></span></p>
<p><em>Drei dunkelhäutige Frauen, die der NASA im Amerika der 60er Jahre bei ihrem Wettstreit gegen die Russen um das All helfen. Wie die Diskriminierung auch bei mathematischen Genies keinen Halt macht. </em><strong> </strong></p>
<p>Interessanterweise habe ich von diesem Film zum ersten Mal in Afrika gehört. Als ich dort eine neunte Klasse besuchte, wurden an diesem Morgen in Gruppenarbeit Fragen zu diesem Film bearbeitet, den die Schüler scheinbar in der vergangenen Schulstunde angeschaut hatten. Ein klares Zeichen dafür, dass auch hier in Burkina Faso dunkelhäutige Mädchen gestärkt und ihnen ihre Rechte und Fähigkeiten aufgezeigt werden. Denn genau darum geht es in dem Film. 2016 gedreht, verfilmt „Hidden Figures“ die wahre Geschichte dreier dunkelhäutiger Frauen in den 60er Jahren in Langley USA lebend, die als wichtige Mitarbeiter der NASA Geschichte geschrieben haben. Von Problemen mit dem Toilettengang aufgrund der Trennung zwischen „Black“ und „White restrooms“ über einen Gerichtsprozess, um an einer eigentlich den Hellhäutigen vorbehaltenen Universität Kurse besuchen zu können, bis hin zur Durchführung der Mercury Mission, die nur durch die Rechnungen einer der Hauptcharaktere möglich wurde. Ein durchaus zu empfehlender Film.</p>
<p>Ein Polizeiauto mit eingeschaltetem Blaulicht, das von einem PKW mit drei dunkelhäutigen Insassinnen „gejagt“ wird – dieses Bild ergibt sich bereits in Minute zehn des Films „Hidden Figures“. Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson befinden sich auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle: allesamt sind sie Mathematikerinnen, angestellt bei der NASA. Nach anfänglicher eher feindlicher Kommunikation zwischen Polizist und den drei Damen an diesem Morgen, bietet er ihnen schließlich an, ihnen durch sein Blaulicht den Weg zur Arbeit zu beschleunigen.</p>
<p>Dort treten sie in einen Kellerraum ein, in dem eine Gruppe afroamerikanischer Frauen auf sie wartet. Geleitet wird sie von Dorothy. Sie ist die offensichtlich beharrlichste und selbstbewussteste der drei Hauptfiguren. Immer und immer wieder fordert sie eine Beförderung und verlangt, für das, was sie leistet auch angemessen bezahlt zu werden. Katherine ist hier deutlich schüchterner und wirkt zunächst unsicher. Im Film wird sie als geniale Mathematikerin dargestellt, die im Team von Al Harrison landet und dort Flugbahnen für „Projekt Mercury“ berechnet, das erste menschenbemannte Weltraumflugprogramm in der Geschichte der amerikanischen Raumfahrt. In diesem Team ist sie nicht nur die einzige Dunkelhäutige, sondern auch die einzige weibliche Person. Durch beides wird sie speziell zu Beginn mit besonderer Skepsis betrachtet und beobachtet. Mit der Zeit stellt sie jedoch ihr Wissen und ihr logisches Denkvermögen immer mehr unter Beweis und beeindruckt die Mitarbeiter sowie ihren Vorgesetzten. Mit diesen Schritten gewinnt sie an Selbstvertrauen und Mut, sodass sie schließlich damit beginnt, ihren eigenen Namen auf die Papiere zur Dokumentation ihrer Arbeit zu tippen und verlangt, bei den bislang nur für Männer zugänglichen Sitzungen dabei zu sein. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Konkurrenz der russischen Forscher und Naturwissenschaftler, denen die Amerikaner um jeden Preis zuvorkommen wollen.</p>
<p>Auch den anderen beiden Frauen kommt der hohe Druck, der angesichts der russischen Konkurrenz auf der NASA lastet, zu Gute. So schafft es z.B. Dorothy mithilfe eines aus der Bibliothek „geliehenen“ Buches über die Programmiersprache Fortran den defekten IBM Computer wieder zum Laufen zu bringen, was sie jedoch „heimlich“ macht, da sie offiziell nicht dazu berechtigt ist, an dieser wichtigen Gerätschaft zu arbeiten. Die Abteilung sieht die Chance, das IBM Problem zu lösen – und da Dorothy darauf besteht, zieht sie mit ihrer ganzen Frauentruppe schließlich aus dem Keller, um gemeinsam die neue verantwortliche Mannschaft des IBM Computers zu formen.</p>
<p>Das Buch, aus dem sie die Grundlagen entnommen hat, hat sie nur „theoretisch geliehen“, denn im Grunde genommen hat sie es widerrechtlich aus der Bibliothek mitgehen lassen. Da sich dieses nur in der „Weißen-Abteilung“ finden ließ, wurde sie bei dem Versuch es auszuleihen, schnurstracks hinausgeworfen und konnte sich das Buch gerade noch in die Tasche schieben. Derartige Situationen, in denen die Diskriminierung der Dunkelhäutigen besonders offensichtlich wird, treten immer und immer wieder auf. Ein Fernseherbildschirm zeigt eine Rede von Martin Luther King oder die Meldung eines Anschlags auf eine dunkelhäutige Personengruppe, Proteste auf der Straße werden von der Kamera erwischt, und kleine Details, wie die alte Kaffeekanne „für Schwarze“ neben der Hightechmaschine der „weißen“ Mitarbeiter, werden hervorgehoben.</p>
<p>Letzteres wird am Arbeitsplatz von Katherine besonders deutlich. Doch was ihr das Leben zur Hölle macht, ist weniger der Kaffee als vielmehr die Trennung der Toiletten nach Hautfarbe. So muss sie jedes mal, wenn sie die Kloschüssel, oder auch nur ein Waschbecken aufsuchen möchte über das halbe Gelände laufen und bekommt dann auch noch Anschuldigungen zu hören, warum sie so häufig „pausieren“ würde. An einem regnerischen Tag platzt ihr schließlich der Kragen. Immerhin nicht umsonst, denn nach ihrem Wutausbruch macht sich ihr Vorgesetzter Al Harisson eigenhändig an die Arbeit, die Schilder an den Toiletten abzureißen.</p>
<p>Was Katherine belastet, ist jedoch nicht nur ihre Arbeit. Die alleinerziehende Mutter, von drei Töchtern kann sich nur dank der Unterstützung ihrer Mutter auf ihren Ganztagesjob konzentrieren. Interessant sind hierbei die Szenen der Nebenhandlungen, die zumeist in der von Dunkelhäutigen dominierten Heimcommunity spielen. Auch dort sieht sich Katherine nicht immer sofort für voll genommen, denn Frauen als wichtige Naturwissenschafterinnen erwidern die Männer auch hier nicht gerade mit Anerkennung. Letztendlich endet dieser Handlungsstrang jedoch in einer glücklichen zweiten Ehe.</p>
<p>Auch Mary muss sich zunächst dem schiefen Blick ihres Mannes stellen, als er hört, dass sie nach ihrem Bachelor in höherer Mathematik, nun Ingenieurin werden möchte. Letztendlich unterstützt er sie jedoch und nach einem Gerichtstermin, schafft sie es sogar, sich die Erlaubnis herauszuhandeln, die Abendkurse an einer den Hellhäutigen vorbehaltenen Universität besuchen zu dürfen, was für das Erreichen ihres Traumabschlusses von Nöten ist.</p>
<p>Doch zurück zur Arbeit bei der NASA. Auch wenn Al Harrison durchweg seiner nicht-rassistischen und auch nicht-frauendiskriminierenden Linie treu bleibt, muss er nicht für jeden als Sympathieträger oder Held aus dem Film hervorgehen. Ihm geht es schlichtweg um die Performance, den Outcome. Wer die Arbeit macht, welches Geschlecht oder welche Farbe diese Person hat, ist ihm egal – so lange alles korrekt ist. Besonders herzlich wird die Handlung schließlich, als der amerikanische Astronaut John Glenn nur nach einer Bestätigung der Zahlen durch Katherine dem Missionsstart zustimmt. Bereits in vorhergegangenen Szenen ist deutlich geworden, dass er die Frauen schätzt, und das Vertrauen, mit dem er ihr alleine sein leben in die Hand legt, ist rührend. Als sie sich ans Rechnen macht und die Zahlen in den Raum bringt, in dem sich die ganze Crew versammelt hat, um gespannt dem Verlauf der Mission zu folgen, wird ihr die Tür vor der Nase zugeschlagen. Doch wenige Sekunden später öffnet sie sich wieder und zum ersten Mal muss Katherine die Durchführung eines der Projekte, an denen sie tagtäglich rechnet, nicht auf einem winzigen Fernsehbildschirm verfolgen, sondern kann mit dabei sein.</p>
<p>Der Film endet mit einigen Fakten zu den den Hauptrollen zugrunde liegenden realen Figuren: Katherine berechnete die Flugbahn der Apollo11 und der Space Shuttle Mission. 2015 wurde sie mit der „Presidential Medal of Freedom“ geehrt und auch ein Gebäude wurde nach ihr benannt. Mary schaffte als erste afroamerikanische Ingenieurin ihren Abschluss zu erlangen und Dorothy wurde befördert und durfte fortan als Ausbilderin bei der NASA ihr Wissen weitergeben.</p>
<p>Insgesamt lässt sich festhalten, dass der Film die beeindruckenden Geschichten dreier starker Frauen widerspiegelt, die Geschichte geschrieben haben. In jedem Fall ist er zu empfehlen, auch wenn man in den 127 Minuten beachten muss, dass es sich nun einmal um einen Spielfilm und keine Dokumentation handelt, weshalb einige Szenen sicher nicht zu 100% den wahren Begebenheiten vor 50 Jahren entsprechen.</p>
<p>Interessant wäre es, Zahlen zu finden, die Auskunft über die aktuellen Angestelltenverhältnisse in Hinblick auf Geschlecht und Hautfarbe bei der NASA geben. Auch wenn ich derartige Statistiken leider nicht finden konnte, bleibt festzuhalten: Auch heute studieren immer noch weniger Frauen als Männer mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer. Betrachtet man die Anzahl der Astronautinnen im Verhältnis aller bereits ins All gesandten Menschen, so sind ihre Zahlen gegenüber den männlichen Astronauten verschwindend gering. Auch wenn sich der letzte Punkt aktuell doch zumindest in Besserung befindet. So soll sich im Jahr 2020 z.B. die erste weibliche Deutsche auf den Weg zur Internationalen Raumstation begeben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier könnt ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/03/filmempfehlung-girl-rising/" target="_blank" rel="noopener"><strong>eine weitere Filmempfehlung</strong></a> von Lilith lesen.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und hier lest ihr über Liliths<a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/06/erst-einmal-weg-teil-1/" target="_blank" rel="noopener"><strong> Pläne nach dem Abi</strong></a>.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Filmempfehlung – „Girl Rising“</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/03/filmempfehlung-girl-rising/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Mar 2018 07:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=10474</guid>

					<description><![CDATA[Falls ihr über die freien Tage an Ostern noch etwas zum Zeitvertreiben sucht, haben wir heute eine Filmempfehlung für euch. Unsere Autorrin Lilith hat sich „Girl Rising“ angeschaut und einen Artikel darüber geschrieben. Also erst die Empfehlung lesen &#8211; und dann den Film schauen 😎 9 Mädchen, 9 Geschichten, 9 Wege zu Bildung Während meines Bioinformatikpraktikums]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Falls ihr über die freien Tage an Ostern noch etwas zum Zeitvertreiben sucht, haben wir heute eine Filmempfehlung für euch. Unsere Autorrin Lilith hat sich „Girl Rising“ angeschaut und einen Artikel darüber geschrieben. Also erst die Empfehlung lesen &#8211; und dann den Film schauen </strong>😎</p>
<p><span id="more-10474"></span></p>
<p><strong>9 Mädchen, 9 Geschichten, 9 Wege zu Bildung</strong></p>
<p>Während meines Bioinformatikpraktikums an der University of Sheffield bekam ich einen Flyer der Aktion „16 Days Against Gendered Violence“ in die Hand gedrückt. 16 Tage lang Programm, das sich von einem friedlichen Protestmarsch „Girls claim the night“ über Diskussionsveranstaltung bis hin zu Vorträgen spannte. An einem Abend fand zudem eine kostenlose Vorstellung des Films „Girl Rising“ statt, den ich euch wärmstens ans Herz lege. Einen kleinen Eindruck bekommt ihr im folgenden Artikel.</p>
<p>Girl Rising ist nicht nur der Name eines Films, sondern der Name einer ganzen globalen Kampagne, die versucht mithilfe von Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen, die Bildungssituation von Mädchen in aller Welt zu verbessern. Die Initiatoren möchten keine Schulen bauen, oder Stipendien vergeben, stattdessen verfolgt die Kampagne das Ziel, die Sichtweise auf Mädchen und deren Bildung nachhaltig zu verändern und deren Wichtigkeit in den Köpfen durchzusetzen. Besonders über Fernsehen, Radio und Fotos verbreiten sie Fakten über die inakzeptablen Situationen von Mädchen in den verschiedensten Ländern der Welt, wie Indien, Peru, Nigeria, dem Kongo oder auch den Vereinigten Staaten.</p>
<p>Der Film an sich, entstand aus dem Projekt, gemeinsam mit dem Regisseur Richard E. Robbins um die Welt zu reisen, um vor Ort Geschichten zu drehen, die nach wahren Begebenheiten von weiblichen Autorinnen geschrieben wurden. Diese Geschichten wurden teils mit den erzählenden Mädchen selbst, teils mit berühmten Schauspielerinnen, wie Selena Gomez, Liam Neeson und Anne Hathaway verfilmt. Insgesamt kommen auf diese Weise neun Mädchen in Sequenzen von 12-15 Minuten zur Sprache, die mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen haben. Doch, was sie alle verbindet, ist ihr Ziel, in die Schule zu gehen und Zugang zu einer richtigen Ausbildung zu haben. Da dieser Artikel zu lang werden würde, würde ich alle Mädchen vorstellen, habe ich mir drei von ihnen herausgesucht.</p>
<p><strong>Nepal – Suma</strong></p>
<p>Eine junge Frau ist zu sehen, die mit dem Fahrrad durch die Landschaft fährt. Ihr Name ist Suma. Sie stammt aus einer armen Familie in Nepal und berichtet von ihrer Kindheit während sie vom einem Ort des Geschehens zum nächsten fährt. Dabei führt sie den Zuschauer an insgesamt drei Häuser, in denen jeweils ihre „Master“ lebten, denen sie als junges Mädchen diente. Mit sechs Jahren gaben ihre Eltern sie an den ersten Master. Sie waren zu arm und wollten so erreichen, dass ihrem Kind genug Nahrung und eine Unterkunft zur Verfügung steht. Während Sumas Bruder jedoch bei den Eltern bleiben und die Schule besuchen konnte, musste sie bei den Mastern schwere Arbeiten verrichten. Von morgens bis abends wusch sie Geschirr und sammelte im Wald Feuerholz, während sich die Kinder des Masters über sie lustig machten.</p>
<p>Der Name „Unlucky Girl“ den das zweite Ehepaar ihr verlieh, bei dem sie arbeiten musste, ließ Suma noch wertloser erscheinen und Befehle wie „Hey! Unlucky Girl. Do this!“ standen an der Tagesordnung. Sie kann noch nicht einmal alles erzählen, was ihr an diesem Ort wiederfahren ist, wird die Geschehnisse gleichzeitig aber auch nie vergessen. Die Zeit konnte sie nur durch das Liederschreiben aushalten, das sie zu diesem Zeitpunkt begann.</p>
<p>Mit 11 schließlich gelangte sie an ihren dritten Master. Hart und lange war auch dort die Arbeit, aber sie durfte abends den Unterricht besuchen und liebte es, endlich schreiben und rechnen lernen zu dürfen. Geleitet wurden diese Unterrichtsstunden von Sozialarbeitern, die nach einiger Zeit damit begannen, dem Master vorzuhalten, dass die Beschäftigung Sumas illegal sei. Sie erzählten ihm von den herrschenden Gesetzen und Kinderrechten und ließen sich nicht abwimmeln, bis Suma schließlich in die Freiheit entlassen wurde.</p>
<p>Seitdem hat sie sich vorgenommen, die Letzte in ihrer Familie gewesen zu sein, die nicht von Geburt an frei ist und setzt sich gemeinsam mit anderen dafür ein, Mädchen wie sie von ihren Mastern zu befreien.</p>
<p><strong>Peru – Senna</strong></p>
<p>Senna stammt aus einem hochgelegenen Dorf in Peru. Wie alle Einwohner arbeitet auch ihr Vater in den Goldminen. Nach einem Unglück, das er zwar überlebt, jedoch ein schweres Trauma davonträgt, kehrt er nicht mehr zu den Minen zurück und seine Frau und Sennas ältere Schwester müssen seinen Platz einnehmen und nach Gold suchen, das die Minenarbeiter übersehen haben könnten. Senna kann zur Schule gehen und ihr Vater ist davon überzeugt, dass dies der einzige Weg ist, aus ihrem Leben ein besseres zu machen, als er es konnte. Er möchte, dass Senna die Chance hat, all das zu lernen, wozu er nie Zugang hatte und wünscht sich für sie eine Zukunft als Ingenieurin. Denn Ingenieure sind in dieser Region die Wohlhabenden, die das Sagen haben. Sie jedoch ist in der Schule durch seine sich stets verschlechternde Gesundheit stark abgelenkt. Ihr erster Job, den sie findet besteht darin, Toiletten zu putzen und von jedem Benutzer Geld einzusammeln. Als Sennas Vater schließlich stirbt, ist sie am Boden zerstört. Doch dann entdeckt sie die Welt der Lyrik. Sie ist begeistert und beginnt, selbst Gedichte zu schreiben und vorzutragen. Die Filmsequenz endet mit Sennas Zukunftsplänen. Sie möchte nicht Ingenieurin werden, sondern Dichterin.</p>
<p><strong>Indien &#8211; Rukana</strong></p>
<p>Auch Ruksana hat ähnlich wie Senna das Glück, dass ihr Vater die Bildung als hohes Gut einschätzt. Ihre Familie ist ebenfalls arm, Ruksanas Vater zieht es aber trotzdem nicht in Betracht, auf dem Land zu wohnen, da es dort deutlich schwieriger ist, seinen Töchtern eine gute Bildung zu bieten. Ruksana weiß, wie hart ihr Vater dafür arbeitet, dass sie diese Möglichkeit erhält. Sie ist ein phantasiereiches junges Mädchen, das gerne zeichnet und der Tag, an dem ihr Vater ihr einen Zeichenblock und Buntstifte kauft, ist der glücklichste ihres Lebens. Die Lage in der Innenstadt wird jedoch immer angespannter. Ältere Jungen belästigen die Mädchen und die Straßen sind nicht mehr sicher. Auch auf erneute Aufforderung durch Ruksanas Mutter gibt ihr Vater nicht nach und besteht darauf, in der Stadt zu bleiben. Die Kinder werden nun jeden Abend in eine Betreuung gebracht, in der sie vor den Gefahren der Nacht beschützt werden sollen und die meiste Zeit damit verbringen, Aufgaben zu machen. Eines Tages zerstört die Polizei die Wohnsiedlung, in der auch Ruksanas Familie eine bescheidene Unterkunft hat. Nun sitzen Eltern samt Kinder auf der Straße und wissen keinen Ausweg. Während Ruksanas Vater bereits aufgeben und doch in ein Dorf ziehen möchte, hat nun ihre Mutter verstanden, wie wichtig die Ausbildung ihrer Kinder ist und ist bereit, dafür zu kämpfen. Ob sie es schafft, ihre Kinder weiter in der Stadt großzuziehen? Ob Ruksana ihren Schulabschluss machen und ihrer Passion des Malens weiter nachgehen kann? Das verrate ich an dieser Stelle nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Die <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/11/maedchen-sein-2/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Sunrise Writers schrieben hier</strong></a> darüber, wie es ist, ein Mädchen zu sein.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und hier könnt ihr nochmal sehen, wie <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/11/wie-ich-es-sehe/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Jugendliche den Begriff &#8222;Gender&#8220; einordnen</strong></a>.</span></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Von Frauen und Vögeln in der Informatik</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/02/informatik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Feb 2018 07:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Stereotyp]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=10352</guid>

					<description><![CDATA[Besonders bei der Berufswahl wird deutlich, wie tief Geschlechterklischees in unserem Denken verankert sind. Es gibt diese typischen Männer*- und Frauen*berufe und eine weibliche KFZ-Mechanikerin oder ein männlicher Erzieher sind noch immer die große Besonderheit. Auch die Informatik gehört wohl zu diesen männlich dominierten Berufszweigen. Für Lilith kein Problem, sie hat Lust aufs Programmieren, also]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Besonders bei der Berufswahl wird deutlich, wie tief Geschlechterklischees in unserem Denken verankert sind. Es gibt diese typischen Männer*- und Frauen*berufe und eine weibliche KFZ-Mechanikerin oder ein männlicher Erzieher sind noch immer die große Besonderheit. Auch die Informatik gehört wohl zu diesen männlich dominierten Berufszweigen. Für Lilith kein Problem, sie hat Lust aufs Programmieren, also macht sie es einfach. </strong></p>
<p><span id="more-10352"></span></p>
<p>Schon wieder leuchtet der weiße Schriftzug auf dem schwarzen Shell-Hintergrund auf. &#8222;error&#8220;. Seufzend blicke ich auf meinen Laptop, schalte dann von der Fehlermeldung auf meinen Programmcode um und versuche herauszufinden, worin das Problem besteht. Ansonsten wird das heute nichts mehr mit den schönen Graphiken. Doch &#8211; was möchte ich eigentlich darstellen?</p>
<p>Fangen wir von vorne an: am 22. Oktober kam ich mit Flugzeug und Zug über Manchester nach Sheffield angereist und am nächsten Tag ging es gleich zur Uni, an der mich mein Praktikumsbetreuer Toni bereits empfing. Nach einer kurzen Campus-Tour und dem Einrichten meines Arbeitsplatzes stand dem Arbeitsstart nichts mehr im Weg. Die ersten Schritte lagen im Erlernen der Programmiersprache Python samt dem Umgang mit Paketen wie numpy, matplotlib und seaborn, mit denen Vektorrechnung sowie das Erstellen von anschaulichen und gut strukturierten Graphiken möglich ist. Parallel dazu begann die inhaltliche Arbeit. Paper wurden durchforstet und auch Diskussionen mit Toni halfen dabei, den aktuellen Wissensstand der Forschung zu erfassen und die Intention hinter meiner Aufgabe hier in England nachzuvollziehen. Ganz grob gesagt forschen wir an der DNA-Struktur von Vögeln in Hinblick auf ihre Evolution. Im Detail befassen wir uns mit dem Phänomen der GC-biased gene conversion. Dabei handelt es sich um einen Vorgang, der im Laufe der Evolution dazu führt, dass der GC Gehalt gegenüber dem AT Gehalt (die einzelnen Basen) in der DNA stetig ansteigt. Dies basiert auf falsch vorgenommenen Reparaturen in der DNA während der Rekombination. Daraus folgen falsche Annahmen von Mutationen und eine ungenaue Bestimmung der Verwandtschaftsgrade. Um hierin Klarheit zu schaffen, führte ich am Computer Simulationen durch und versuchte, effiziente Algorithmen zu entwickeln, die unabhängig dieser Vorgänge, gute Ergebnisse erzielen.</p>
<p>Fünfeinhalb Wochen verbrachte ich insgesamt im Alfred Denny Building der University of Sheffield in der Arbeitsgruppe Animal and Plant Science. Doch – wie bin ich überhaupt zu diesem Praktikum gekommen? Es ist ein Gewinn meiner Teilnahme an der IBO (Internationale Biologie Olympiade). Darüber hinaus hat mich Programmieren schon lange begeistert. Nicht umsonst hatte ich bereits 2016 am Fraunhofer-Institut in Stuttgart in der Programmiersprache Java Roboter programmiert und mit komplexen Aufgaben und Hardwareprogrammierung in den Sommerferien 2016 in gleich zwei Informatikcamps meine Erfahrungen in diesem Bereich erweitert.</p>
<p>Informatiker – die meisten Deutschen stellen sich darunter die Nerds vor, die in dunklen Kammern pizzamampfend auf ihrer Tastatur herumschlagen. Frauen werden hierin ebensowenig gesehen, wie sie sich selbst in einem solchen Beruf vorstellen können. Der Anteil an Frauen in diesem Bereich ist tatsächlich nicht nur niedrig, sondern wird noch dazu geringer. Während 1997 noch 14 % der Lehrplätze für Informatik an Frauen vergeben wurden, sank der Anteil bis zum Jahr 2012 auf 7,5 %.</p>
<p>Dabei ist „Software Engineering“ historisch gesehen ein Frauenberuf: Die erste bekannte Programmiererin hieß Ada Lovelace und war Mathematikerin. Sie trug bereits im 19. Jahrhundert zu großen Fortschritten der Informatik bei. Und auch Jahrzehnte später während des Zweiten Weltkriegs saßen fast ausnahmslos Frauen vor den Bildschirmen. Wie kann es also sein, dass wir die Informatik heutzutage egal ob im Bereich der Wirtschaft oder Wissenschaft als vollkommen männerdominiert erleben müssen?</p>
<p>Viele Erklärungsversuche liegen im lange anhaltenden schlechten Image des Programmierens. Damit wollen Frauen heute wohl nichts zu tun haben. Die weit verbreitete Meinung, dass Frauen ein geringeres Interesse an Computern und Technik zeigen würden, ist wissenschaftlich nachgewiesen falsch. Umso überzeugender wird das Argument, dass weibliche Jugendliche und junge Frauen trotz grundsätzlich vorhandenem Interesse, tatsächlich besonders aufgrund des schlechten Image von einem Studien- oder Berufswunsch in dieser Richtung absehen. Auch die stereotype Erziehung von Mädchen und Jungen gilt als entscheidender Grund sowie die weit verbreitete falsche Überzeugung der verlangten Voraussetzungen. So denken viele Mädchen, dass sie es ohne das Beherrschen einer Programmiersprache gar nicht erst an einer Uni im Fach Informatik versuchen müssen.</p>
<p>Besonders alarmierend ist auch die nicht selten geäußerte Angst, in einem Beruf zu arbeiten, in denen fast ausschließlich Männer vertreten sind. Die Befürchtungen beginnen hierbei bei fehlendem Respekt und reichen bis hin zu Angst vor sexueller Belästigung. Ganz interessant ist zudem ein Unterschied, der zu anderen MINT-Berufen auffällt: im Fach Informatik weisen die Frauen eine deutlich höhere Abbruchquote auf. Stichhaltige Gründe dafür wurden nicht gefunden.</p>
<p>Alles verloren ist jedoch nicht. Auch im 21. Jahrhundert gibt es Beispiele für erfolgreiche Frauen, die das Informatik-Stereotyp mehr und mehr entkräften. Jade Raymond, z.B. die</p>
<p>als Produzentin mehrerer erfolgreicher Spiele aus dem Bereich des Action-Adventure sowie als Gründerin der Ubisoft-Dividion Schlagzeilen macht. 2011 wurde sie für diese Leistungen mit dem Wiener Frauenpreis ausgezeichnet. In Wien gibt es noch mehr Preise. Z.B. den Wissenschaftspreis der TU Wien, den ebenfalls 2011 Ivona Brandic erlangte. Sie hat sich auf den Bereich der Forschung konzentriert und beschäftigt sich mit der Energiereduktion bei Hochleistungsrechnern. widmet sich nebenher aber noch der Appentwicklung. Dass Frauen nicht nur im Beruf, sondern bereits im Informatikstudium erfolgreich sein können, zeigte Marissa Mayer, die ihr Studium in Stanford mit Auszeichnung beendete. Dass sie diese wirklich verdient hat, lässt sich an ihrem Aufstieg bei Google bis zur Vizepräsidentin und zur CEO von Yahoo erkennen.</p>
<p>Auch dass Deutschland mit Prof. Dr. Ina Schieferdecker, die sich als Leiterin zahlreicher Institute, wie z.B. des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme FOKUS und als Professorin an der TU Berlin im Fach „Quality Engineering of Open Distributed Systems“ hervorhebt, ebenfalls eine wichtige weibliche Persönlichkeit in diesem Feld vorzuweisen hat, kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Deutschland eine ganz besonders schlechte Rolle im internationalen Vergleich einnimmt. Auch an die restlichen westeuropäischen Länder kann man keine Komplimente verteilen. Besonders im Vergleich mit den romanischen und slawischen Ländern sieht die Involvierung der Frauen in der Informatik im deutschsprachigen Ländern, den Niederlanden, wie auch in der skandinavischen Region und Großbritannien erschreckend schlecht aus.</p>
<p>Eine hohe Jobsicherheit besonders durch die rasante technische Entwicklung in den letzten und kommenden Jahrzehnten könnte jedoch zu einer Steigerung der Attraktivität der technischen Berufe im Allgemeinen und für ehrgeizige Frauen im Besonderen führen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Programme mit dem Ziel, Frauen an diese Berufe heranzuführen. Die meisten von ihnen setzen bei den Schülerinnen an. Gerade da das Fach Informatik an vielen Schulen noch keinen Einzug gefunden hat, sollten Lehrkräfte sich bemühen, Mädchen von den Fachgebieten Mathematik und Physik zu begeistern, da Können in und Interesse an diesen Fächern eine wichtige Grundlage für das Verständnis der Informatik darstellen. Spezielle Programme für die MINT Bereiche im Allgemeinen (z.B. „Komm mach MINT“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung), aber auch für Informatik im Speziellen sprießen seit einigen Jahren in die Höhe. So entwickelte z.B. die Gesellschaft für Informatik eV: die Initiative „Girls go Informatik: Der Link in Deine Zukunft!“. Auch der Girl’s Day bietet Schülerinnen die Möglichkeit, in männerdominierte Berufe reinzuschnuppern. Zu erwähnen ist zudem „FrITZI“, die angenehme Abkürzung der langen Bezeichnung „Forum zu Fragen der Informationsgesellschaft, Technologie, Zukunfts- und Informatikberufe“. Auch einzelne Hochschulen sind mit Programmen aktiv, um Mädchen besonders der höheren Klassen anzuwerben, etwa die Technische Universität München. Die Hoffnung liegt darin, mit derartigen Angeboten das schlechte Image aufzubessern, den Zugang zur Informatik zu erleichtern und den Facettenreichtum sowie Zukunftsperspektiven des Berufes aufzuzeigen.</p>
<p>Nun aber zurück zu meinen Erfahrungen: Tatsächlich saß ich während dieses Praktikums klischeehaft die meiste Zeit des Tages vor meinem Programmcode am Laptop, doch auch das kann unglaublich viel Spaß machen. Und das war noch lange nicht das einzige.</p>
<p>Mit einer bunten Mischung aus Programmieren, inhaltlicher Arbeit und dem Besuch von Gruppen-Meetings und Vorträgen konnte ich genügend Abwechslung genießen und Einblicke in weitere Themen erhalten. Auch das Uni-Leben durfte ich nebenbei kennenlernen, sodass meine Abende mit Sportprogramm und Diskussionen anlässlich von Themenwochen, wie z.B. der „International Week“ oder des „SocialScienceEvents“ gefüllt waren.</p>
<p>Ganz besonders gerade in Hinblick auf Frauen- und Mädchenrechte hat mich eine Aktionswoche mit dem Titel „ThisGirlCan“ begeistert. Eine Woche lang konnten Mädchen kostenlos die verschiedensten Sportarten ausprobieren und ich hatte meinen Spaß beim Baseball, Taekwondo und Rugby.</p>
<p>Dass England im Bereich der Gender-Politik und der Gesellschaftsakzeptanz von Frauen, Transgender, LGBT+ und Queer keineswegs rückschrittlicher ist, als Deutschland zeigte zudem ein weiteres 16-Tage-Programm, das sich an diese Woche anschloss: „16 Days Against Gendered Violence“. Leider reiste ich bereits vier Tage nach Start dieser Aktion ab, aber immerhin konnte ich an dem Umzug „Reclaim the Night“ teilnehmen und die Einführungsveranstaltung mit spannenden Vorträgen, Diskussionen und Live-Band miterleben. Auch ein Blick durchs Programm war vielversprechend: Eine Begleitausstellung im Hauptgebäude der Universität, Gruppentreffen muslimischer Frauen, und eine kostenlose Filmvorstellung des Films „Girl Rising“, sind nur wenige Beispiele.</p>
<p>Neben dem Beweis, dass Frauen durchaus einen Platz in der Forschung und der Informatik verdienen, konnte ich so noch mehr Erfahrung im Gender-Thema sammeln.</p>
<p>Auch wenn ich noch nicht genau weiß, was ich tatsächlich studieren möchte, stehen die Begriffe Informatik und Software Engineering auf jeden Fall auf meiner Liste. Und, dass ich in meiner Freizeit weitermachen werde, zu programmieren, steht ohnehin außer Frage.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Florian ist Erzieher. Und <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/12/ein-tag-im-rollstuhl/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier erzählt er</strong></a>, was er in seiner Ausbildung so erlebt hat.</li>
<li>Falls euch interessiert, was Lilith neben dem Praktikum so macht, schaut doch mal <a href="https://lilithpowersite.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener"><strong>auf ihrem Blog</strong></a> vorbei.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Als Junge wärst du ganz hübsch!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/12/als-junge-waerst-du-ganz-huebsch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Dec 2017 07:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=10215</guid>

					<description><![CDATA[„Ich bin transgender“ sagt Ben. Als er im Alter von 13 von einer Klassenkameradin die Aussage “Als Junge wärst du eigentlich schon ganz hübsch” hörte, begann er sich intensiv mit seiner Geschlechtsidentität auseinanderzusetzen. „Ich habe diese Frage: warum denn “eigentlich”? einfach nicht mehr aus meinem Kopf bekommen“. Mein Testgelände-Autorin Lilith hat sich mit Ben unterhalten]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Ich bin transgender“ sagt Ben. Als er im Alter von 13 von einer Klassenkameradin die Aussage “Als Junge wärst du eigentlich schon ganz hübsch” hörte, begann er sich intensiv mit seiner Geschlechtsidentität auseinanderzusetzen. „Ich habe diese Frage: warum denn “eigentlich”? einfach nicht mehr aus meinem Kopf bekommen“. Mein Testgelände-Autorin Lilith hat sich mit Ben unterhalten und alles gefragt, was sie wissen wollte – und das ist eine ganze Menge.</p>
<p><span id="more-10215"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Lilith: Wann hast du gemerkt, dass du nicht das typische Mädchen bist und wie bist du damit umgegangen? </em></strong></p>
<p>Ben: Meine Geschlechtsidentität ist schon seit meiner Geburt immer die gleiche gewesen, aber wenn man ein Kind ist, glaubt man ja, dass die Sachen, mit denen man aufwächst normal sind. Ich dachte, das wäre einfach so und würde sich schon irgendwie von selbst regeln. Als dann diese Aussage meiner Klassenkameradin kam, ließ mich das Thema nicht mehr los.</p>
<p>Wie ich darauf reagiert habe, weiß ich nicht mehr ganz genau. Ich habe ziemlich schnell entschieden, dass es das richtige für mich ist, Maßnahmen zu ergreifen, damit dieses “eigentlich” nicht mehr bestehen würde. Angst war zu dem Zeitpunkt nicht dabei. Eher dann, als ich meinem größeren Bekanntenkreis, also zum Beispiel meiner Klasse, erzählen musste: Hey, übrigens, ich bin und war auch noch nie ein Mädchen…</p>
<p><em><strong>Wann hast du dich dazu entschlossen, es jemandem zu erzählen? Wer war der/die Erste?</strong> </em></p>
<p>Wenn ich etwas will, handle ich ziemlich schnell und entschlossen und das habe ich damals auch gemacht. Zuerst habe ich es tatsächlich meiner Sportlehrerin erzählt, weil ich den Sportunterricht nicht mehr ausgehalten habe. Kurz darauf habe ich es aber auch meinen Eltern erzählt.</p>
<p><strong><em>Und – wie haben sie darauf reagiert? Wie verhält sich das mit weiteren Verwandten? </em></strong></p>
<p>Eigentlich wissen alle davon. Meine Verwandten finden das alle gut. Meine Großmutter ist die einzige, die sich damit schwertut, weil sie eben religiös ist.</p>
<p><strong><em>Was haben deine Freundinnen dazu gesagt? </em></strong></p>
<p>Daran kann ich mich auch nicht mehr unbedingt erinnern. Wenn man seinen Freunden sowas erzählt, dann müssen die das auch erst mal prozessieren. Das ging aber ziemlich schnell und ich hab auch nicht wirklich Ablehnung erfahren. Einer meinte, dass ich mich ja “vielleicht noch eher in Richtung Mädchen” entwickeln würde, was mich natürlich wütend gemacht hat, schließlich hat der einfach mal eben meine Identität in Frage gestellt, als wäre da nichts dabei.</p>
<p><strong><em>Wie sehr hast du dich von anderen unterstützt gefühlt? </em></strong></p>
<p>Geht so. Zuerst ist mir vor allem meine Mutter im Weg gestanden, weil sie Angst hatte vor Maßnahmen wie Hormonblockern etc. Seit ich aus Kanada zurück bin*, ist es aber deutlich besser. Meine Eltern haben sich ziemlich angestrengt, als es darum ging, meinen Personenstand zu ändern und den Kostenantrag für meine OP durchzubringen. Von Freunden kommt da eher weniger Unterstützung. Das liegt aber glaube ich auch daran, dass sie einfach nicht wissen, wie sehr es einen beeinflusst, wenn man transgender ist. Für mich ist das ein Problem, das jede Sekunde meines Daseins in meinem Bewusstsein präsent ist.</p>
<p><strong><em>Wie würdest du die Rolle des Staates bewerten? Hältst du sie Möglichkeiten, die sich für Transsexuelle bieten für ausreichend? </em></strong></p>
<p>Prinzipiell kann man als Minderjähriger sowie als Erwachsener Behandlungen durchführen lassen, wie z.B: Hormontherapie, Personenstandsänderung und Operationen. Allerdings ist individuelle Diskriminierung sehr wohl möglich, z.B. gibt es Richter, die einen bei seiner gewünschten Personenstandsänderung einfach warten lassen, bis man 18 ist. In meinem Fall war es auch so, dass die zuständige Richterin bei ihrer Beschlussverkündung sehr klar formuliert hat, dass sie Transmenschen nicht gut findet. Ich musste mir sogar eine Anwältin nehmen.</p>
<p><strong><em>Welche Maßnahmen hast du bereits durchgeführt? </em></strong></p>
<p>Bevor ich Testosteron nehmen konnte, bekam ich erst einmal Hormonblocker. Jetzt werde ich schon seit fast einem Jahr mit Testosteron behandelt, habe meinen Personenstand geändert und bald eine Mastektomie (Brust-OP). Ansonsten brauche ich noch eine Hysterektomie (Uterusentfernung) und Ovarektomie (Entfernung der Eierstöcke), da man durch Testosteron in diesen Organen ein gewisses Krebsrisiko hat. Den Glauben, dass jeder Transmann unbedingt eine Phalloplastik (künstliches Geschlechtsorgan des Mannes) will und braucht, halte ich für falsch. Es dreht sich viel um das soziale Geschlecht und darum, wie man von anderen wahrgenommen wird. Dafür reicht eine Mastektomie und Testosteron aus.</p>
<p><em><strong>Hast du deine Entscheidung jemals bereut, oder denkst du, du wirst sie irgendwann einmal bereuen?</strong> </em></p>
<p>Das einzige, was ich jemals bereut habe, war dass ich nicht früher wusste, dass es so etwas wie transgender-Sein gibt. Dann hätte ich alles viel früher machen können. Ich schließe es absolut aus, dass ich jemals etwas bereuen oder meine Position ändern werde. Es stört mich, dass bei Transmenschen alle ständig meinen, unsere Identität wäre weniger wert, weshalb wir unsere Gefühle schon noch irgendwann mal ändern werden. Das stimmt einfach nicht. Unsere Identitäten sind genauso valide und stabil, wie die von anderen. Wir hatten einfach nicht so viel Glück, als wir geboren wurden.<strong> </strong><strong> </strong></p>
<p><strong><em>Wie sieht es mit der sexuellen Orientierung aus? Ist es dabei einfach, deine Gefühle zu identifizieren und auszudrücken?</em></strong></p>
<p>Grundsätzlich hängen Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung nicht miteinander zusammen. Es ist bei mir grundsätzlich nicht anders als bei anderen Menschen, nur eben schwieriger. Der Partner muss Bescheid wissen, dass man transgender ist, wofür man ein gewisses Vertrauensverhältnis haben muss. Man kann nicht einfach mal einen aus dem Club mit nach Hause nehmen.</p>
<p><strong><em>Wie fühlt es sich an, wenn dich jemand ausversehen mit deinem Mädchennamen nennt?</em></strong></p>
<p>Ich finde, zu diesem Zeitpunkt gibt es kein “Versehen” mehr. Mein Auftreten, meine Stimme und Einstellung lassen es nicht zu, dass jemand “aus Versehen” einen falschen Eindruck bekommt. Es reizt mich und ich lege es als persönlichen Angriff aus, wenn jemand falsche Pronomen benutzt. Aber das kommt eigentlich nie vor.</p>
<p><em><strong>Auf welche Toilette gingst/gehst du? Welchen Sportunterricht hast du besucht?</strong> </em></p>
<p>Auf welche Toilette man geht, hat immer etwas mit dem Passing zu tun. Vorher fragt man sich: Wo werde ich eher auffallen/angesprochen etc? Seit mein Passing okay ist, gehe ich immer auf die Herrentoilette. Vom Sportunterricht habe ich mich einfach befreien lassen, als ich in Deutschland war. Mittlerweile nehme ich aber wieder teil.</p>
<p><em><strong>Würdest du dir Extratoiletten sowie Zusatzankreuzfelder für Transgender Personen wünschen?</strong> </em></p>
<p>Das fände ich tatsächlich sinnvoll, weil man sich dann nicht immer die Frage stellen muss, wo man denn jetzt reingeht. Diese Frage verursacht deutlich mehr Stress, als Außenstehende vielleicht annehmen. Bezüglich der Ankreuzfelder, muss ich sagen, dass ich mich persönlich ja nicht Geschlechtern bewege. Aber eine dritte Option wäre gut. Vor allem, wenn man sich grade noch in der Transition befindet, ist es nicht einfach, sowas anzukreuzen.</p>
<p><strong><em>Hast du eine unterschiedliche Akzeptanz in Deutschland und während deines Auslandsjahrs in Kanada bemerkt?</em></strong></p>
<p>Ja, schon. In Kanada war das alles sehr viel offener und freundlicher. Die Schule dort hatte auch eine neutrale Toilette, im Gegensatz zu meiner deutschen Schule. In Deutschland hatte ich immer das Gefühl, noch um Toleranz ringen zu müssen, während in Kanada Akzeptanz der Standard war. Aber das ist in anderen Regionen Kanadas auch anders als dort, wo ich war.</p>
<p><strong><em>Hast du das Gefühl auf der Straße, der Toilette, auf öffentlichen Veranstaltungen, oder in der Schule (z.B. auch von Lehrern) seltsam angeschaut zu werden? </em></strong></p>
<p>Definitiv. Früher war das noch stärker, aber es kommt immer vor, wenn man rausgeht. Ich könnte einen Binder tragen, damit ich weniger angeglotzt werde, aber auf Dauer blockiert der die Brustwirbelsäule und ist auch generell nicht gesundheitsfördernd. Es kommt auch vor, dass einem was hinterhergerufen wird oder die Leute, sobald sie an mir vorbeigelaufen sind, sich über meine Identität unterhalten. Ich denke, das wird aber noch besser, wenn die Brust-OP hinter mir liegt.</p>
<p><strong><em>Hast du bereits offen Diskriminierung erlebt bzw. Diskussionen führen müssen? </em></strong></p>
<p>Diskriminierung nein, Diskussionen schon eher. Also man hat mir schon mal mehr oder weniger offen ins Gesicht gesagt: “Ich finde das, was du da machst, nicht gut.” Aber das waren meistens religiöse Menschen, deren Überzeugung man nicht so leicht ändern kann.</p>
<p><strong><em>Bist du selbst mit deinem Aussehen zufrieden? Findest du dich als Junge hübsch? Fandest du dich als Mädchen hübsch? </em></strong></p>
<p>Jetzt kann ich noch nicht zufrieden sein mit seinem Äußeren. Erst, wenn ich meine Mastektomie hatte, kann ich damit zufrieden sein. Da ich nicht als Mädchen leben kann, kann ich dazu keine Aussage treffen. Mir wird aber gesagt, dass ich ein Hübsches abgegeben hätte.</p>
<p><strong><em>Was denkst du, müsste getan werden, damit die Toleranz in der Bevölkerung für Transsexuelle sowie auch Homosexuelle etc. sprich, alles, was dem klassischen Mann-Frau-Bild widerspricht, wächst?</em></strong></p>
<p>Tatsächlich setzt sich momentan der Staat nicht unbedingt für Transmenschen ein. Man erhält in der Schule ja keinerlei Informationen zu dem Thema und dadurch werden zwei Dinge erreicht:</p>
<p>1) Transmenschen wird es erschwert, herauszufinden, wer sie sind.</p>
<p>2) Es ist wahrscheinlicher, dass Transmenschen diskriminiert werden, weil Cismenschen nichts über sie wissen.</p>
<p>Auch bei der Personenstandsänderung bekleckert sich der Staat nicht mit Ruhm: Wie gesagt versuchte die Richterin in meinem Fall alles dafür zu tun, mich hinzuhalten, bis ich 18 sein würde, damit ein anderes Gericht sich darum hätte kümmern müssen.</p>
<p><em><strong>Setzt du dich für die Rechte von Transgender ein, oder möchtest du eher dein privates Leben leben?</strong> </em></p>
<p>In einem gewissen Rahmen setze ich mich natürlich dafür ein, schließlich geht es hier auch um meine Rechte. Ich bin sehr politisch und kann mich nicht damit abfinden, wenn einer Minderheit, vor allem aber der Minderheit, der ich angehöre, gewisse Rechte abgesprochen werden.</p>
<p><em><strong>Vielen Dank für das Interview und deine Offenheit.</strong></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>* die 10. Klasse des Gymnasiums absolvierte Ben bei einer Gastfamilie in Kanada.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Auch unser Autor Nev ist trans*. Er <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/nev/" target="_blank" rel="noopener"><strong>berichtet auf meinTestgelände</strong></a> regelmäßig darüber, wie sich sein Leben und sein Körper verändern.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">FaulenzA ist eine junge Frau, die mit <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/faulenza/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Rapmusik</strong></a> Diskriminierungen gegen trans*Frauen verarbeitet. </span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Männer-Fußballtrainerin Melanie Fink</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/10/melanie-fink/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Oct 2017 07:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=9726</guid>

					<description><![CDATA[Melanie Fink ist seit dieser Saison neue Co-Trainerin im Männerfußballverein SSV Mörsch. Die Autorin Lilith fand heraus, wie Melanie Fink zum Fußball kam und wie sie die Rolle von Frauen im Männersport sowie den Frauenfußball allgemein wahrnimmt. Ein Bericht über eine Frau in der Verbandsliga – im Fußballsport ist das ein Novum! Melanie Fink lebt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Melanie Fink ist seit dieser Saison neue Co-Trainerin im Männerfußballverein SSV Mörsch. Die Autorin Lilith fand heraus, wie Melanie Fink zum Fußball kam und wie sie die Rolle von Frauen im Männersport sowie den Frauenfußball allgemein wahrnimmt. Ein Bericht über eine Frau in der Verbandsliga – im Fußballsport ist das ein Novum!</strong></p>
<p><span id="more-9726"></span></p>
<p>Melanie Fink lebt in Karlsruhe und studiert dort Sport – doch sie hält sich gar nicht so viel in Karlsruhe auf. Denn in jeder freien Minute verschlägt es sie auf den Fußballplatz – nach Hoffenheim und seit dieser Saison auch nach Mörsch. Denn die 21-Jährige trainiert seit Juli neben Cheftrainer Dietmar Blicker die Männermannschaft in der Verbandsliga. Eine gelungene Möglichkeit, zu lernen, die sich nicht jeder jungen Fußballtrainerin bietet, so Melanie Fink. „Ich kann durch die Zusammenarbeit mit ihm sehr viel Erfahrung sammeln“. Als Dozent am KIT war Dietmar Blicker auf die Sportstudentin aufmerksam geworden. Nach einigen Gesprächen, erkannte er, „dass ich ziemlich viel Ahnung vom Fußball habe“, so erinnert sich Melanie. Der SSV Mörsch war gerade auf der Suche nach einem Co-Trainer und Melanie hatte bereits ihre Trainer – B-Lizenz während eines Praktikums nach dem Abitur absolviert. Die Zusammenarbeit bot sich also ideal an.</p>
<p>Die 21-Jährige begann mit 16 Jahren beim FFC Niederkirch zu spielen. Zuvor hatte sie bereits viel auf der Straße gekickt, hauptsächlich aber Tennis gespielt und Garde getanzt. „Es gab keinen Verein bei uns im Dorf und meine Eltern erklärten sich nicht dazu bereit, mich jeden Tag herumzufahren. Ab 16 kam ich dann mit der Wesper nach Niederkirch“.</p>
<p>Schnell zeigte sich ihr Talent. Melanie Fink durfte bereits nach einem halben Jahr mit zum DFB Sichtungsturnier. Weitere Erlebnisse wie ein Spiel gegen die Nationalmannschaft der Frauen von Katar, und die Teilnahme an Spielen des Kaders der zweiten Bundesliga folgten. Seit ihrem Studienbeginn in Karlsruhe schloss sie sich der Frauenmannschaft des KSC an.</p>
<p>Der Grund, weshalb sie es nun schafft ihre Arbeit in Hoffenheim, bei der sie das männliche Perspektivteam U11 trainiert und die neue Beschäftigung in Mörsch unter einen Hut bekommt, ist jedoch traurig. Im vergangenen Herbst verletzte sie sich schwer. Mehrmaliger Meniskusriss, Kreuzbandanriss. Erst zwei Monate später wurde sie operiert, die Verletzung verheilte nicht wie geplant und es folgten fast 12 Monate erzwungene sportfreie Zeit. Nun hatte ihr Meniskus fast vollständig entfernt werden müssen. Ihr Studium muss sie um zwei Semester verlängert. Aber dies ist eher Nebensache. „Der erste Gedanke, den ich hatte war: Nein. Jetzt kann ich gar nicht mehr richtig kicken!“ Als festes Mitglied einer Mannschaft wird sie vermutlich in Zukunft nie mehr fungieren. Sehr früh, seine Karriere im Sportbereich mit 21 an den Nagel hängen zu müssen. Normalerweise hört man als Fußballerin nicht vor 30 auf. Doch die Trainertätigkeit tut Melanie Fink gut. „Die nahe Arbeit am Platz bringt mir das Fußballgefühl zurück. Mir macht es wirklich Spaß, mein Wissen an andere weiterzugeben. Als Spielerin habe ich nur auf meinen Trainer gehört – jetzt analysiere ich Spiele, entwickle neue Spielstrategien – in einem Zimmer hängt sogar eine Taktikwand.“</p>
<p>Und – welche Pläne hat sie für die Zukunft? „Gerade weil ich so jung bin, möchte ich alles mitnehmen“. Melanie Fink erzählt mir, dass sie gerne in so vielen Positionen wie möglich arbeiten und Erfahrungen sammeln, von Profis lernen und selbst ausprobieren möchte. Am liebsten würde sie nach ihrem Sportstudium einen Beruf im Fußball mit Platznähe ergreifen. Als Trainerin sei es laut ihr jedoch schwierig. Man wechsele viel zu häufig – „Ich weiß nicht, ob mir dies ausreichend Sicherheit in meiner Lebenskonzeption geben würde. Die Verträge beziehen sich immer erst einmal auf eine Saison“. Eine Arbeitsstelle in einer Reha Klinik könnte sie sich jedoch auch vorstellen, wie sie während eines Praktikums herausfand. Gerade wenn man Sport studiert, müsse man sich frühzeitig um Berufsperspektiven kümmern, so Melanie.</p>
<p>Auf die Frage, welche Rolle sie den Frauen im Fußball anmaßt, kommt eine lange Antwort. Zum einen hat der Frauenfußball eine ganz andere Struktur. Er ist viel weniger professionalisiert – alleine schon aufgrund der schlechten Finanzlage. „Im Männerfußball zählt man bereits als Profi, wenn man es in die zweite Bundesliga geschafft hat. Frauen haben teilweise selbst in der ersten Bundesliga noch Berufe nebenher, weil das Gehalt nicht ausreicht. Da kann man nicht erwarten, dass sie genau so viel trainieren“. Dass gerade diese Gründe dafür gesorgt haben, dass sie selbst im Alter von 16 noch eine Fußballkarriere starten konnte, streitet sie nicht ab. „Jungs spielen in diesem Alter schon ganz oben mit. Oft werden sie mit 12 ausgewählt und unterschreiben Verträge bei Vereinen, besuchen Internate… . Sie werden bereits viel früher unter die Lupe genommen. Als Junge hätte ich im Alter von 16 ganz sicher nicht mehr in einen Dorfverein hineinstolpern und im Fußballsport erfolgreich sein können.“</p>
<p>Warum sie nun als Frau in einem Männerverein trainiert? „Ich habe durchaus auch schon Mädchenmannschaften trainiert. Besonders Auswahlmannschaften und bei Sichtungsturnieren.“ Im Männerfußball müsse man sich gerade aufgrund der Professionalisierung jedoch um viel weniger kümmern, erläutert mir die 21-Jährige. Während einem als Trainerin bei den Frauen die Rolle der Allrounderin zukommt, die sich oftmals alleine um alles kümmern muss, kann man sich im Männerfußball auf die Trainertätigkeit konzentrieren. Natürlich gebe es auch Leistungszentren, ergänzt Melanie. Diese seien jedoch deutlich seltener und selbst dann oftmals nicht so professionell wie bei Jungs. Darüber hinaus liebt sie die Dynamik im Männerfußball, wodurch ihr das Trainerdasein umso mehr Spaß bereitet. Und – „In Mörsch und Hoffenheim bieten sich mir nun super Chancen. Das nicht zu nutzen wäre eine Verschwendung gewesen“.</p>
<p>Insgesamt meint sie, dass sich in Bezug auf die Thematik der Frauenrolle im Fußballsport bereits einiges verändert. „Es gibt wenigstens schon eine Frau, die bei den Männern in den oberen Ligen pfeift“. Ihr Wunsch? „Dass die Gesellschaft den Frauenfußball akzeptiert und nicht abwertend betrachtet“. Ob sie damit bereits schlechte Erfahrung gemacht hat?</p>
<p>„Meine Eltern haben mein Hobby zwar nicht unterstützt, sie haben es aber auch nicht abgelehnt. Meine Nachbarn fanden es cool. Insgesamt habe ich selber noch eher weniger Ablehnung erlebt, habe aber umso mehr negative Geschichten von Freundinnen und Bekannten mitbekommen“</p>
<p>Auf meine Nachfrage ergänzt sie: „Klar, man hört schon ab und an abwertende Kommentare, die auch wirklich verletzten können. Mir war das aber oftmals egal – um mich dadurch abschrecken zu lassen, war meine Leidenschaft viel zu groß. Ich wollte einfach kicken, egal was die anderen davon halten. Und in Mörsch und Hoffenheim z.B. ist das gar keine Frage. Ich werde dort vollkommen akzeptiert.“ Nach einigem Nachdenken ergänzt sie. „Aber irgendwie ist es doch auch auffällig, dass ich dort überall die einzige Frau bin. Außerdem stört es, dass Personen, die sich im Frauenfußball nicht auskennen, häufig vorurteilig auf diesen Sport blicken. „Spielt ihr eigentlich auf einem kleineren Feld?“ – Alleine diese Frage nervt mich schon.“</p>
<p>„Am meisten stört mich, dass Fußball in meinen Augen die einzige Sportart darstellt, in der Männer und Frauen direkt verglichen werden. Niemand schaut sich die Schwimmzeiten von Männern und Frauen an und meckert darüber, dass Frauen langsamer sind. Im Fußball behaupten jedoch viele, dass Frauenfußball langweilig sei. „Ihr seid so langsam!“ höre ich immer wieder. Ja, es stimmt Wir sind langsamer als die Männer, was schlichtweg auf biologische Faktoren zurückzuführen ist. Das heißt aber doch nicht, dass unsere Spiele langweiliger sind. Oftmals sind wir dafür taktisch ausgefeilter als es im Männersport Standard ist.“</p>
<p>Und &#8211; wie ist ihre Meinung zu gemischten Mannschaften? „Aktuell ist es erlaub, dass Mädchen bis zur B-Jugend in Jungsmannschaften mitspielen. Darüber hinaus gibt es für Frauen ein Zweitspielrecht. Sie dürfen Gleichzeitig in einer Mädchen- und einer Jungenmannschaft mitspielen. Ich glaube, ab einem gewissen Alter muss man sie aber schon trennen. Das Niveau unterscheidet sich wenn es in Richtung Profisport geht doch sehr. Umso wichtiger ist es, dass man im jungen Alter mit Jungs zusammenspielt. Die Mädchen orientieren sich an deren Niveau, holen mehr aus sich heraus und gewöhnen sich an das hohe Tempo. Meiner Meinung nach sieht man jedem Mädchen an, ob es früher einmal mit Jungs gespielt hat, oder nicht.“</p>
<p>Insgesamt ist Melanie zuversichtlich. „Aktuell ist es zwar noch sehr schwer als Frau – sowohl im Männer- wie im Frauenfußball. Aber ich denke schon, dass sich das in Zukunft verbessern wird! Die kleinen Anzeichen dafür, die bereits jetzt zu sehen sind, geben zumindest Hoffnung.“</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>In <a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/06/der-schwule-fussballspieler/" target="_blank" rel="noopener"><strong>dieser Geschichte</strong></a> der Story Teller geht es um einen schwulen Fussballspieler.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Die &#8222;Spielerfrau&#8220; <a href="https://www.meintestgelaende.de/2014/04/spielerfrau/" target="_blank" rel="noopener"><strong>kann auch ein Mann sein</strong></a>.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Erst einmal weg (Teil 3)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/09/erst-einmal-weg-teil-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Sep 2017 07:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=9707</guid>

					<description><![CDATA[Unsere Autorin Lilith hat nach der Schule einiges vor. &#8218;Erst einmal weg&#8216; ist dabei ihr Motto. Was zunächst nach entspanntem Backpacking-Urlaub in Südostasien klingt, entpuppt sich dann doch als größeres Projekt. Jugendbotschafterin für das Goethe-Institut, Praktikum bei der deutschen Zentrale für Luft- und Raumfahrttechnik, Praktikum im Bereich Bioinformatik in Sheffield oder arbeiten in einem Kinderheim]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Lilith hat nach der Schule einiges vor. &#8218;Erst einmal weg&#8216; ist dabei ihr Motto. Was zunächst nach entspanntem Backpacking-Urlaub in Südostasien klingt, entpuppt sich dann doch als größeres Projekt. Jugendbotschafterin für das Goethe-Institut, Praktikum bei der deutschen Zentrale für Luft- und Raumfahrttechnik, Praktikum im Bereich Bioinformatik in Sheffield oder arbeiten in einem Kinderheim in Burkina Faso &#8211; das sind nur einige Sachen, die Lilith nach der Schule gemacht hat. Was sie noch so vor hat, lest ihr im dritten Teil ihrer Geschichte.</strong></p>
<p><span id="more-9707"></span></p>
<p>Nach einem kurzen Aufenthalt am CERN in der Schweiz, den ich ebenfalls bei einem Wettbewerb gewonnen habe, heißt es dann: Auf nach China!</p>
<p>Jedes Mal, wenn ich gefragt werde, wie ich gerade auf China komme, kann ich meine Zufallsgeschichte auspacken. Wie so oft wartete ich einmal wieder am Lehrerzimmer auf eine der Lehrkräfte, die sich verspätete. Die Zeit nutzte ich dazu, die Flyer zu betrachten, die vor dem Lehrerzimmer ausliegen und zu denen ab und an dann doch ein neuer Flyer hinzukommt. Unter den vielen Prospekten und Werbematerialien, die nicht sehr interessant für mich waren, fiel mir schließlich ein roter Flyer von „starexchange“ in die Hände, den ich direkt durchblätterte. Auf den ersten Blick klang das angepriesene Au-Pair-Programm sehr attraktiv – keine Kosten, sondern zusätzliche Bezahlung, Kindergeld, Sprachunterricht an der Universität… Ich informierte mich also direkt noch am gleichen Tag über die Organisation und schrieb eine erste Mail. Es folgten Anmelde- und Bewerbebögen sowie Skypetermine und das Einrichten sowie reges Nutzen von WeChat – auch mit Chinesen vor Ort. Bereits diese ersten Kontakte waren sehr interessant und aktuell befinde ich mich in der Familienfindungsphase. Eine Familie aus Chonquin plant für chinesische Verhältnisse erstaunlich früh und zeigt schon jetzt Interesse an mir als Au-Pair für das erste Halbjahr 2018. Ein erstes Videotreffen mit der Betreuerin vor Ort hat bereits stattgefunden, es werden jedoch innerhalb der nächsten Wochen weitere Gespräche mit meinen deutschen Betreuern, der Familie selbst und dem Au-Pair, das aktuell bei der Familie lebt, folgen. Es bleibt also weiterhin spannend, ob die vorgeschlagene Familie zu mir passt oder es mich doch in eine andere Ecke Chinas verschlagen wird. Fest steht aber schon jetzt, was ich vor Ort dann zu tun haben werde – meine Aufgabe besteht darin, den Kindern der Familie die englische Sprache näher zu bringen. Dies soll jedoch nicht nach dem Vorbild klassischen Unterrichts erfolgen, sondern es gilt: je kreativer, desto besser. Ich kann also z.B. Töne auf dem Klavier mit irgendwelchen Worten verbinden lassen, mit den Kindern kochen und ihnen dabei Zutaten auf Englisch zeigen und so weiter. Diese Tätigkeit führe ich jedoch nur zwei Stunden pro Tag aus. Die restliche Zeit befinde ich mich an der Universität und lerne selbst Chinesisch und besuche andere Kurse, wie z.B. sportliche oder musikalische Aktivitäten &#8211; ganz, was mich interessiert. An den Wochenenden werde ich zudem von der Familie auf Ausflüge und zu Familienfesten mitgenommen. Ich bin gespannt auf China und die ganz andere Kultur, der ich zum ersten Mal persönlich begegnen werde.</p>
<p>Und danach? – Ich habe mir schon einige Studiengänge sowie Studienorte herausgesucht, bei denen ich mich während meines Chinaaufenthaltes bewerben möchte, aber so ganz sicher bin ich mir noch nicht. Außerdem kann sich das natürlich auch durch die innerhalb der nächsten Monate gesammelten Erfahrungen verändern.</p>
<p>Wie ihr sehen könnt, ist mein Jahr „Pause“ schon jetzt voller als voll, sodass ich mich auf ein sehr anstrengendes, aber auch sehr interessantes, aufregendes und vielseitiges Jahr freuen kann – ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, welche Erfahrungen ich sammeln werde.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Hier könnte ihr nochmal <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/06/erst-einmal-weg-teil-1/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Teil 1</strong></a> und <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/07/erst-einmal-weg-teil-2/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Teil 2</strong></a> von Liliths Geschichte „Erst einmal weg“ lesen.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Erst einmal weg (Teil 2)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/07/erst-einmal-weg-teil-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jul 2017 07:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Poetry Slam]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=9257</guid>

					<description><![CDATA[Die Zeit nach dem Abi kann die schönste im Leben sein! Schule vorbei und im Idealfall eine Pause, bevor Studium, Ausbildung oder andere ernste Lebensthemen anstehen. MeinTestgelände-Autorin Lilith hat in dieser Zeit einiges vor &#8211; und das Einzige, mit dem sie sich nicht beschäftigen wird, ist Langeweile. Hier lest ihr den zweiten Teil ihrer Geschichte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Zeit nach dem Abi kann die schönste im Leben sein!</strong> <span id="more-9257"></span></p>
<p><strong>Schule vorbei und im Idealfall eine Pause, bevor Studium, Ausbildung oder andere ernste Lebensthemen anstehen. MeinTestgelände-Autorin Lilith hat in dieser Zeit einiges vor &#8211; und das Einzige, mit dem sie sich nicht beschäftigen wird, ist Langeweile. Hier lest ihr den zweiten Teil ihrer Geschichte.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Meine Planung begann damit, dass ich viel zu viel machen wollte, als dass es alles in ein Jahr passen konnte. Work and Travel sagte mir ebenso zu, wie eine Arbeitsstelle in einem Hotel als Animateurin, auch das Aushelfen auf einer Farm klang für mich interessant, das Schafehüten in Schottland, der Besuch einiger Universitäten für ein paar Wochen als „Probestudentin“, Praktika… Mein Dokument, das sich während meiner Schulzeit mit Links und Informationen darüber gefüllt hatte, was ich einmal alles machen wollte, wenn ich mehr Zeit hätte, umfasste inzwischen schon über zwanzig Seiten. Aber – war ja auch nicht schlecht. Schließlich bin ich erst 17 Jahre alt und das ein oder andere, was ich mir vorgenommen habe, lässt sich sicherlich auch noch in den Semesterferien in die Tat umsetzen.</p>
<p>Nach langem Hin und Her habe ich mich nun für die folgende Planung entschieden: wenn ich am 30. Juni mein Zeugnis in den Händen halten werde, geht es erst einmal direkt am nächsten Tag weiter mit Proben für die PROMS in Karlsruhe mit dem Badischen Jugendchor, anschließend steht eine dreiwöchige Tätigkeit als Jugendbotschafterin eines PASCH-Austausches des Goethe-Instituts an, in dem ich mich um deutschlernende Schüler aus dem Ausland kümmern werde. Nach zwei Tagen zu Hause geht es schließlich weiter in die Nähe von München, wo ich durch einen Jugend Forscht Gewinn die Möglichkeit habe, ein vollfinanziertes Praktikum bei der deutschen Zentrale für Luft- und Raumfahrttechnik durchzuführen. Davon wieder zurück, muss ich zu Hause leider warten, bis ich Ende Oktober 18 werde, um dann endlich mein bei der IBO gewonnenes Praktikum im Bereich Bioinformatik in Sheffield antreten zu können. Doch das „Warten“ wird sich keinesfalls als langweilig herausstellen. Denn in diesem knappen Monat werde ich Kurse für Grundschüler an der Hector-Akademie Ettlingen halten, auf Science sowie Poetry Slams auftreten, bei einigen Filmprojekten teilnehmen, eigene planen, ein wenig Zeit zum kreativen Schreiben nutzen, mich auf meine Musikinstrumente sowie meine sportlichen Tätigkeiten konzentrieren, ein wenig Arbeiten, um Geld zu verdienen…. Ihr seht schon. Ich habe immer etwas zu tun. Nach Sheffield und ein paar Tagen zu Hause zum Umpacken geht es schließlich nach Burkina Faso. Hier stutzen meist die Ersten, denen ich von meiner „Nach-Abi-Planung“ erzähle. Burkina Faso – wie kommt man denn darauf? Die Antwort ist für mich ziemlich einfach; meine Eltern unterstützen seit über zwanzig Jahren den Verein „Garango“, der in Burkina Faso Waisenkinder, sowie Halbwaisen in eine Hauswirtschaftsschule aufnimmt. Die Kinder werden dort bis zu ihrem 18. Lebensjahr ausgebildet. Um dies zu finanzieren, werden in Deutschland Paten gesucht, die sich jeweils um ein bis zwei dieser Kinder kümmern und ihnen finanzielle Mittel sowie kleine Präsente zur Verfügung stellen. Vor Ort werde ich die Möglichkeit haben, bei den Schwestern, die das Heim führen, zu leben und dort das Treiben in einem afrikanischen Land direkt mit zu bekommen. Ich werde Computer- sowie Englischkurse geben und auch mitgehen, wenn neue Patenkinder ausgesucht werden. Nach einem Monat heißt es auch hier wieder Adieu – sagen. Doch laut der ersten Vorsitzenden des Vereins ist es erst einmal gut, nicht länger als vier Wochen vor Ort zu bleiben. Zum einen ist das Klima dort für Europäer ohnehin nur von Dezember bis Februar einigermaßen erträglich, und zusätzlich sollte man sich das Ganze erst einmal anschauen. Später noch einmal für einen längeren Aufenthalt nach Burkina Faso zu reisen, ist ohnehin jederzeit möglich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Hier findet ihr den <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/06/erst-einmal-weg-teil-1/" target="_blank" rel="noopener"><strong>ersten Teil</strong></a> von Liliths Geschichte.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Nach der Schule geht es oft um die Suche nach dem richtigen Job. Dazu mehr <a href="https://www.meintestgelaende.de/2014/05/typisch/" target="_blank" rel="noopener"><strong>in diesem Video</strong></a>.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Erst einmal weg! (Teil 1)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/06/erst-einmal-weg-teil-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Jun 2017 07:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=9016</guid>

					<description><![CDATA[Der Sommer ist da und viele Schüler*innen haben gerade die Abitur-Prüfungen hinter sich gebracht. Zeit ein paar Pläne zu machen um die neugewonnene Freiheit zu genießen. Unsere Autorin Lilith hat einige davon &#8211; aber erst einmal will sie weg! Wer träumt nicht davon. Irgendwann einmal auf dieser Bühne zu stehen und stolz das Abiturzeugnis in]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Sommer ist da und viele Schüler*innen haben gerade die Abitur-Prüfungen hinter sich gebracht. Zeit ein paar Pläne zu machen um die neugewonnene Freiheit zu genießen. Unsere Autorin Lilith hat einige davon &#8211; aber erst einmal will sie weg!</strong></p>
<p><span id="more-9016"></span></p>
<p>Wer träumt nicht davon. Irgendwann einmal auf dieser Bühne zu stehen und stolz das Abiturzeugnis in den Händen zu halten. Nach zwölf Jahren Schulzeit. Jedes Jahr davor waren die Abiturienten irgendwie etwas Besonderes. Egal ob man aus den Augen eines Fünft-, Siebt-, oder Elftklässlers auf sie blickte. Die Ältesten an der Schule, die, vor denen man noch Respekt besitzt, die man bemitleidete, wenn sie im Prüfungsraum verschwinden und auf die man an den Abiturtagen Rücksicht nehmen muss – auf einmal gehört man selbst zu ihnen. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Doch am Ende seiner Schullaufbahn heißt es nicht nur zurückblicken auf die ereignisreichen, manchmal entspannt und manchmal stressigen, teils erfreulich und teils glücklich verlaufenden Jahre &#8211; sondern auch nach vorne schauen. Denn so schön es auch ist, nun keinen vorgeschriebenen Tagesablauf mehr zu haben und nicht mehr zu einer ganz bestimmten Uhrzeit zu einem ganz bestimmten Fach erscheinen zu müssen, muss man auch mit der neu gewonnenen Freiheit umzugehen wissen.</p>
<p>Blicke ich mich in den Reihen der Schüler um, sind nicht wenige unter ihnen, die selbst am Tag der Abiturzeugnisübergabe noch nicht wissen, was sie nun mit ihrer hart erkämpften Freiheit anfangen sollen. Sie zucken mit den Schultern, wenn man sie darauf anspricht, oder meinen „Ja, ein bisschen Geld verdienen, irgendwo und dann mal schauen!“. Es gibt aber auch die Anderen. Diejenigen, die schon einen festen Ausbildungsplatz haben, oder bei denen der Duale Studienplatz schon seit einem Jahr feststeht. Dazwischen noch ein paar Wochen Partyurlaub zur Entspannung und dann ab in den Hörsaal oder in den Betrieb. Ich gehöre zu keiner dieser Gruppen. Auch meine Zeit nach dem Abitur ist schon vollkommen durchgeplant, aber mit ganz anderen Aktivitäten.</p>
<p>Ich bin immer sehr gerne zur Schule gegangen, habe mich dafür interessiert, was mir die Lehrer erzählt haben, mir gefiel zudem die Vielfalt an unterschiedlichen Fächern, die man nie mehr auf diese Art und Weise haben wird. Dennoch waren zwölf Jahre nun erst einmal genug, und ich will etwas Anderes erleben – wie so viele von den Abiturienten will auch ich etwas mehr von der Welt sehen, als nur ein paar Dörfer in der Nähe von Karlsruhe, in denen ich bisher einen Großteil meines Lebens verbracht hatte.</p>
<p>Ich war schon immer gerne auf Reisen gegangen. Meine Familie war zum Glück ähnlich urlaubsbegeistert wie ich, sodass es fast in jeden Ferien mit dem Auto, Bus, Zug oder Flugzeug los ging. Doch auf viele andere Kontinente als Europa und ein paar portugiesische sowie spanische Inseln war ich bisher nicht gekommen. Außerdem waren wir zwar nie die typischen Touristen, die sich entweder nur an den Strand legten oder nur Sightseeing betrieben, aber dennoch realisierte ich mit zunehmendem Alter immer mehr, dass es schwierig ist, ein Land in einem zweiwöchigen Aufenthalt mit der gesamten Familie wirklich zu verstehen. Also hegte ich schon immer den Plan, mindestens ein halbes Jahr weiter weg zu gehen – alleine. Ein Auslandsjahr während der Schulzeit hatte ich mir lange durch den Kopf gehen lassen, aber dann sagte es mir doch mehr zu, erst einmal den einen Lebensabschnitt Schule abzuschließen, und mich danach auf andere Bereiche zu konzentrieren. Und so kam es schließlich zu meinem jetzt stehenden „Nach-Abiturplan“ auf dessen Umsetzung ich schon jetzt gespannt bin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Wie sich die <a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/05/wegzumglueck/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Ausbildungs- und Berufswelt</strong></a> verändert hat, zeigen die 10BS Queens in einem Fotofilm.</li>
<li>Auch die Schule ist voll von klischeebeladenen Rollenbildern: Sophia <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/09/wtf-welt-genderzeug-und-wie-es-uns-alle-beeinflusst/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>über Genderklischees im Matheunterricht.</strong></a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Anruf, der ihr Leben veränderte</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/05/ein-anruf-der-ihr-leben-veraenderte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 May 2017 07:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Cybermobbing]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mobbing]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=8964</guid>

					<description><![CDATA[Mila postet selten auf Facebook, private Bilder sind überhaupt nicht auf ihrem Profil zu finden. Doch dann wird ihr Account gehackt und verbreitet bearbeitete Fotos von ihr. Als ihre Mutter ihr davon am Telefon berichtet, ist ihr klar, dass sich ihr Leben verändert&#8230; Das Telefon klingelte, während Mila gerade dabei war, die aktuelle Version ihres]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mila postet selten auf Facebook, private Bilder sind überhaupt nicht auf ihrem Profil zu finden. Doch dann wird ihr Account gehackt und verbreitet bearbeitete Fotos von ihr. Als ihre Mutter ihr davon am Telefon berichtet, ist ihr klar, dass sich ihr Leben verändert&#8230;</strong></p>
<p><span id="more-8964"></span></p>
<p>Das Telefon klingelte, während Mila gerade dabei war, die aktuelle Version ihres Praktikumberichts zum gefühlt zwanzigsten Mal zu überarbeiten – es war wirklich nicht sonderlich nett gewesen, diese Ausarbeitung über die Ferien aufzugeben – aber gut. Jetzt quälte sie sich eben zum hoffentlich letzten Mal durch die allerfeinsten Korrekturen in Sprache und Format ihres zwanzigseitigen Textes.</p>
<p>Das Klingeln ertönte erneut. Wer rief denn jetzt an!? An einem Dienstagvormittag!? Wenn keine Ferien waren, war zu dieser Zeit doch nie jemand zu Hause – das sollten selbst die Werbefuzzies wissen, die sie und insbesondere ihre Mutter ununterbrochen belästigten – und die Mila immer wieder abwimmeln musste. Sie hasste es, diesen Angestellten, die in ihrem pseudofreundlichen Ton und mit ihrer überaus korrekten Wortwahl pausenlos auf sie einredeten, tausend Mal erklären zu müssen, dass momentan niemand anderes als sie zu Hause sei und sie auch ganz sicher sowohl keinen neuen Handstaubsauger oder Türabtreter als auch keine „ultramoderne“ gestreifte Porzellankatze kaufen wolle, bevor sich diese endlich geschlagen gaben und ein erzwungenes „Tschüss! Dann bis zum nächsten Mal!“ herausbrachten.</p>
<p>Gerade jetzt war sie jedoch besonders sauer auf das Klingeln, da das nervige Geräusch sie nun vollkommen aus dem Konzept brachte. Trotzdem machte sie sich schließlich auf die Suche nach dem Telefon &#8211; man konnte schließlich nie wissen, ob vielleicht doch auch einmal jemand anderes als nur Firmenvertreter anriefen.</p>
<p>Also rannte sie die zwei Stockwerke nach oben, von woher sie die Tonfolge vernommen hatte, und nachdem sie es schließlich geschafft hatte, auf die grüne Taste zu drücken, kurz bevor der Anrufbeantworter ansprang, rief sie atemlos „Wibekind, Mila; Hallo!?“ in den Hörer.</p>
<p>Mila erkannte sofort, dass es ihre Mutter war, die am anderen Ende der Leitung sprach. Sie kannte keine andere Person, die so laut in ihren Handylautsprecher sprach, wie diese Frau, sodass man bei Telefonaten mit ihr das eigene Telefon mindestens zwei Meter von seinem Ohr entfernt halten musste, um keine irreversiblen Schäden davon zu tragen. Ihre Rechtfertigung: man muss ja schließlich so laut rufen, dass die Worte beim Gesprächspartner ankämen. Naja – wenn man es eben immer noch nicht realisieren kann, wie fortgeschritten die Technik inzwischen ist, muss man sich damit abfinden. Auch dieses Mal dröhnte Mila wieder ein „Hallo!“ entgegen, noch bevor sie fertiggesprochen hatte. Daher war an diesem Telefonat zumindest zu Beginn nichts anders als an jedem anderen – und Mila hatte nicht die geringste Chance zu ahnen, was dieser kurze Anruf für sie noch alles bedeuten würde.</p>
<p>„Hi Schatz! Schau mal bitte auf deiner Facebook-Seite!! Da passiert gerade etwas vollkommen Seltsames. Es geht irgendso eine Nachricht herum mit einem total seltsamen Text. Warte! Ich lese ihn dir kurz einmal vor:</p>
<p><img /></p>
<p>Und dann ist da noch ein Link. Irgendwie postet das dein Facebook-Account gerade auf die Seiten von all deinen Freunden!“</p>
<p>Mila war ein beliebtes Mädchen. Sportlich, schlau, hilfsbereit, selbstbewusst und ganz besonders dickköpfig. Sie war fast überall beteiligt, plante zahlreiche Aktionen, die auf Missstände in der Welt aufmerksam machen sollten – und hatte viele Freunde. Ihre facebook-Liste zählte über 500 – dabei ist anzumerken, dass sie nie jemanden annahm, den sie nicht persönlich kannte, auch niemanden, den sie zwar kannte, bei dem sie aber nicht wusste, was sie jemals mit ihm über facebook kommunizieren sollte. Sie nutzte diese Plattform meistens nur dazu, um auf dem Laufenden zu bleiben, oder andere auf dem Laufenden zu halten. Verwendete sie, um auf Aktionen hinzuweisen, Anhänger und Unterstützer zu gewinnen und Termine und Treffpunkte bekannt zu geben.</p>
<p>Nach einem eigenen Bild von ihr selbst konnte man auf ihrer Seite vergeblich suchen. Stattdessen hatte sie eine Petunie – ihre Lieblingsblüte &#8211; als Profilbild, ihr Hintergrund war eine Fotografie aus dem letzten Urlaub, auf dem man nichts sah als Palmen und Meer bis zum Horizont.</p>
<p>Sie hatte nie viel über sich in ihrem virtuellen Profil bekannt gegeben, hatte weder bestätigt, welche Schule sie besuchte, noch ihr wirkliches Geburtsdatum eingetragen. Den „Like“- Button verwendete sie ausschließlich für Aktionen, die von ihrem Gymnasium oder ihren Freunden ins Leben gerufen worden waren und den Beziehungsstatus hatte sie einfach durchgehend auf „Single“ gestellt – was zwar auch stimmte, aber auch wenn sie einmal einen Freund haben würde, sah sie keinen Sinn darin, dies sofort der gesamten Facebook-Welt bekannt zu geben.</p>
<p>Es gab viele Jungs, die auf sie gestanden hatten. Mila war groß für ihr Alter, schlank und sportlich &#8211; und ihre dunklen Augen strahlten etwas Geheimnisvolles aus – sie glänzten. Ihre langen schwarzen Haare trug sie meist offen, sodass sie in großzügigen Wellen über ihre Schultern flossen. Nur im Sommer band sie diese zu einem Pferdeschwanz zusammen, wenn es ihr zu heiß wurde und ihre Haare drohten, an ihrem T-Shirt festzukleben.</p>
<p>Sie hatte nie auf Anfragen der Jungs reagiert, rückte ihre Handynummer nur sehr sparsam heraus – sie wollte keinen Freund. Hatte einfach keine Zeit dazu und war sich jetzt schon sicher, dass er sich spätestens einen Monat nach dem ersten Kuss darüber beklagen würde, dass sie bisher immer noch kein einziges Mal mit ihm ins Kino, Schwimmbad, oder ähnliches gegangen war und sie bisher vielleicht gerade einmal zwanzig Sätze persönlich und drei Nachrichten per Handy ausgetauscht hatten – nein! Ein Junge passte in ihren Zeitplan wirklich überhaupt nicht rein – aber diese Einstellung machte sie für viele Jungen nur noch interessanter.</p>
<p>&#8212;-                              &#8212;-</p>
<p>Am 21.06.2017 traf ein dunkelhaariges Mädchen bei der Polizei ein. Es war hübsch, ihre langen schwarzen Haare fielen in großzügigen Wellen über ihre Schultern, ihre Augen zogen mit ihrem tiefen Braunton den Blick von Tim an, der ihren Fall übernehmen sollte. Doch irgendetwas trog an dem Schein dieses hübschen, jungen Mädchens. Erst auf den zweiten Blick bemerkte er, wie stark ihre Fingernägel abgekaut waren, wie abgemagert ihr gesamter Körper wirkte und wie traurig und verzweifelt ihn die eigentlich so schönen Augen anstarrten. Unterlegt von einem tiefen Schatten der Augenringe, die von schlaflosen Nächten zeugten und umrahmt von einem roten eiförmigen Abdruck, der ahnen ließ, wie oft sie in ihrem Leben schon geweint haben musste. Ihre gesamte Körperhaltung wirkte ängstlich, seltsam in sich geschlossen &#8211; einsam.</p>
<p>Als er sie bat, ihm doch bitte zu erzählen, worin ihr Anliegen bestünde, wollte sie sich gar nicht erst setzen. Als sie es letztendlich doch tat, schaute sie sich unruhig um. Ihr Blick schnellte von seiner Ausgangsposition in der Mitte immer wieder ruckartig nach rechts oder links, wenn sie meinte, etwas gehört oder einen fremden Blick im Nacken gespürt zu haben. Ihre Augen immer wachsam und ängstlich. Wurde sie verfolgt!?</p>
<p>Als sie zu erzählen begann, war ihre Stimme so leise, dass sich Tim ein wenig nach vorne über den Tisch beugen musste, um sie zu verstehen. Ihre Stimme war nicht nur leise, sondern auch zittrig, immer wieder stockte sie mitten im Wort und das Mädchen schien andauernd den Faden ihres Berichtes zu verlieren. Tim schaffte es nur einzelne Wortfetzen zu verstehen: Hacker, facebook, Nacktfotos, die nicht ihre waren, PhotoShop, Anti-Gruppe, schon wieder facebook, Neid, Angst, Drohbriefe, Freunde, Feinde, Kommentare, Bilder… . Mehr konnte er nicht entschlüsseln, bevor das Mädchen in Tränen ausbrach.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier lest ihr, wie schnell aus <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/11/die-vierte-stunde/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Cybermobbing Übergriffe</strong></a> in der Schule werden.</li>
<li>Tipps wie ihr euch gegen Cyberübergriffe wehren könnt findet ihr <a href="https://www.lizzynet.de/wws/behaupte-dich-gegen-mobbing-tag.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>bei LizzyNet</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Eine Reise durch die Zeit</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/03/eine-reise-durch-die-zeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Mar 2017 08:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Benachteiligung]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=7817</guid>

					<description><![CDATA[Unsere neue Autorin Lilith steigt mit einer furiosen Zeitreise in meinTestgelände ein. Sie versetzt sich 100 Jahre zurück in der Zeit und beschreibt, wie es Mädchen und jungen Frauen damals ergangen ist: welche Bildung konnten sie bekommen? Wie frei waren sie zu entscheiden, wie sie leben wollten? Und was bedeutet das für die Gegenwart und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere neue Autorin Lilith steigt mit einer furiosen Zeitreise in meinTestgelände ein. Sie versetzt sich 100 Jahre zurück in der Zeit und beschreibt, wie es Mädchen und jungen Frauen damals ergangen ist: welche Bildung konnten sie bekommen? Wie frei waren sie zu entscheiden, wie sie leben wollten? Und was bedeutet das für die Gegenwart und das Gefühl, heute Mädchen zu sein? Eine spannende Zeitreise in das Leben von Mädchen.</strong></p>
<p><span id="more-7817"></span></p>
<p>Ich trete einen Schritt aus der Umkleide heraus und betrachte mich im Spiegel. Der Rock, den ich trage ist weit, an einigen Stellen leicht verschmutzt, an anderer etwas zu faltig. Die Bluse ist im langweiligen Grau gehalten, die Schürze schon nicht mehr ganz so eng, wie noch in der Mode von vor einigen Jahren- nach Farben, die nicht weiß, schwarz oder grau heißen, lässt sich jedoch vergeblich suchen.</p>
<p>So würde ich auf die Straßen gehen, wenn ich hundert Jahre früher geboren wäre. 1899. Das Jahr 1916. Auch dann wäre ich 16 Jahre alt gewesen – genau wie jetzt. Doch ansonsten hätte mein Leben nichts mit meinem heutigen gemein. Krieg war der diese Zeit bestimmende Begriff. Ich hätte nach der Schule arbeiten müssen, je nachdem in welche Familie ich hineingeboren wäre, hätte ich gar nicht einmal eine Schule besucht. Auch die Aussicht auf eine Universität zählte nicht gerade zu den Normalvorstellungen der meisten Mädchen. Ab 1900 begannen zwar die ersten Frauen, sich an Universitäten einzuschreiben, aber selbst 1916 waren sie nur vereinzelt in Unis zu finden. Ein merklicher Anteil an Frauen in Studiengängen konnte sogar erst nach dem zweiten Weltkrieg gemessen werden– aber in diese Zeiten dringen wir erst später vor. Bleiben wir erst einmal im Jahr 2016.</p>
<p>Nach der Schule als junge Dame arbeiten. Vermutlich irgendwo in der Rüstungsindustrie. Monotone Hilfsaufgaben. Für fast alle Frauen die nicht zum Adel zählten, gehörte das zum Alltag. Somit würde auch ich vermutlich bereits vor ein paar Jahren mit einer solchen Arbeit begonnen haben. Spätestens seit Beginn des Krieges. Ohne richtige Schulbildung musste man nicht nur schon früh im eigenen Haushalt helfen, sondern meist auch mehrere Kilometer hin und zurück zu irgendeiner Schmuckfabrik, oder einem Rüstungsbetrieb laufen. Nicht selten waren die Arbeiterinnen dafür drei bis fünf Stunden alleine für eine Strecke unterwegs. Bei ganz viel Pech, oder vielleicht auch Glück, würde ich im Alter von 14 bereits an eine andere Familie verkauft worden sein, um dort zu dienen und den ganzen Tag die Kinder und Tiere zu versorgen, sowie das Haus in Stand zu halten.</p>
<p>Doch auch, wenn meine Eltern sich nicht dazu entschlossen hätten, mich zu verkaufen, musste meine Situation zu Hause nicht zwingend besser aussehen. Laut statistischem Durchschnitt warten dort vier Geschwister auf mich, denn die Geburtenrate lag damals mit 5 Kindern/Frau deutlich höher als die heutigen 1,4. Doch dafür starben unter 1000 Kindern auch 160 während diese Zahl heutzutage auf drei Stück stark gesunken ist. Ich habe momentan also eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit zu sterben – wobei man sagen kann, dass die meisten mit 16 das kritischste Alter bereits überschritten hatten. Meine Hilfe ist durch die hohe Geburtenrate aber umso wichtiger, da meine Mutter regelmäßig aufgrund ihrer Schwangerschaft ausfällt. Und selbst wenn ich eine der jüngeren Geschwister wäre, hätte ich bereits ab dem siebten Lebensjahr so einige Aufgaben übernehmen müssen – denn dann wäre meine ältere Schwester vielleicht selbst schon in einer anderen Familie tätig, oder sie wäre selbst bereits schwanger. Doch wenn man glaubt, dass diese Zeiten heute, im Jahr 2016, schon lange überwunden seien, so ist Vorsicht geboten. Denn weltweit sterben jährlich immer noch 1,5 Mio. weibliche Säuglinge und Kleinkinder vor dem Erreichen ihres fünften Lebensjahres- und dabei ist die Dunkelziffer noch zusätzlich hoch. Aber lasst uns wieder ins Jahr 1916 zurückkehren.</p>
<p>Die Mehrfachbelastung, der ich momentan standhalten muss, ist für diese Zeit vollkommen selbstverständlich. Meine Pflichten im Haushalt sind sogar durch ein Gesetz festgeschrieben. Denn bis noch vor 40 Jahren war die Frau gesetzlich zur „Führung des Haushaltes“ verpflichtet. Sie durfte nur einen zusätzlichen Beruf ausüben, wenn sie dadurch ihre Haushaltspflichten nicht vernachlässigte. Ansonsten konnte ihr Ehemann ihre Arbeitsstelle in ihrem Namen kündigen und sie somit zwingen, zu Hause zu bleiben – ohne diese Maßnahme überhaupt mit ihr abgesprochen zu haben. Dieser Artikel wurde erst 1977 entfernt.</p>
<p>Wenn wir doch schon einmal bei den Gesetzen sind, schauen wir uns direkt meine Möglichkeiten zur politischen Mitsprache an – die aktuell wirklich gegen 0 laufen. Momentan darf weder meine Mutter wählen, noch habe ich Aussichten darauf, wenn ich 18 werde, wählen gehen zu dürfen, so wie das in meinem wirklichen Leben der Fall ist. Von den wirklichen Geschehnissen an der Front bekomme ich zudem wie die meisten Menschen innerhalb Deutschlands überhaupt nichts mit und kann wenn dann lediglich die Briefe meines Vaters oder meines älteren Bruders lesen, von denen alles Wahre jedoch bereits von den Kontrollstellen ausraddiert wurde, bevor die Nachrichten in meine Hände fallen – daher auch die Pflicht mit Bleistift zu schreiben. Aber auch trotz Bleistift ist es nicht gerade unauffällig, wenn jeder zweite Satz ein sinnfreier Halbsatz ist, der nirgendwo endet.</p>
<p>Viel mehr bekommen jedoch auch die Männer an der Front nicht von den Geschehnissen von zu Hause mit, wo sich gerade einiges im Bereich meiner Rechte als Mädchen verändert. Denn der Krieg stellt zwar gerade für Mädchen und Frauen wie mich eine riesige Belastung dar, auf der anderen Seite dienen die harten Jahre aber auch als Sprungbrett in eine neue Ära der Frauenrechte. Für 89 Mio. Soldaten und 7,8 Mio. Zivilisten wird der erste Weltkrieg den Tod bedeuten. Alleine in Deutschland werden es 2 Mio. Soldaten sein, die von den Schlachtfeldern nicht mehr zurückkehren werden. Und gerade jetzt während des Krieges fehlen noch einmal deutlich mehr Männer an ihrem eigentlichen Arbeitsplatz zu Hause. Ein großer Teil der männlichen Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ist bis 1916 für den Kriegsdienst eingezogen – daher auch zu erklären, dass ich neben der Heimarbeit zusätzlich arbeiten gehen muss. Nicht nur ich, sondern allgemein werden Immer mehr Frauen beschäftigt, neben den bereits erwähnten Rüstungsbetrieben auch in der Landwirtschaft und als Männerersatz als Lockführerinnen- und das hat nicht nur negative Effekte. Natürlich leiden wir in erster Linie unter den harten Tagen und den vielen Arbeitsstunden. Die dabei aufkommende Belastung vermag man sich hundert Jahre später kaum mehr vorzustellen. Noch einmal zusammengefasst: Ich muss mich um meine Geschwister kümmern, arbeiten gehen, um verstorbene Verwandte trauern oder um das Leben derer bangen, die noch an der Front kämpften. Ich sehe meinen Geschwistern zu, wie sie an Krankheiten oder Hunger sterben und versuche durch stundenlanges Warten doch noch an irgendetwas Essbares heranzukommen. Zu allem Überfluss ruft er Kaiser, Wilhelm II, noch dazu auf, dass Frauen mehr Kinder bekommen sollen, um die Toten an der Front auszugleichen – nicht gerade einfach das Ganze auch noch schwanger mitzumachen, im Anschluss ein paar Kinder mehr zu versorgen und bei allem auch noch seinem weit entfernt stationierten Mann treu zu bleiben. Aber dennoch hatte es nicht nur negative Folgen, dass man auf einmal Frauen als Straßenbahnführerinnen und vermehrt Frauen in Fabriken sehen konnte. Denn unter anderem diesen Tatsachen habe ich es zu verdanken, dass ich eine der ersten sein werde, die zu den Wahlen gehen kann. 1918 werden diese schließlich nach jahrelangem Kampf vieler Frauen eingeführt. Und auch wenn es heute noch weniger als 100 Jahre zurück liegt, war Deutschland im europäischen Vergleich doch eines der ersten Länder, die dies erreichten. Finnland war bereits im Jahr 1906 so weit fortgeschritten, Luxembourg auf der anderen Seite brauchte hingegen bis ins Jahr 1984, um sich dazu durchzuringen, endlich auch die Frauen zu den Wahlurnen zu lassen. Und nicht nur das haben wir dem ersten Weltkrieg zu verdanken. Auch das Tragen der Hosen etablierte sich allmählich. Einen erheblichen Beitrat trugen hierzu die Arbeitsuniformen bei, die von Frauen in einigen während des Krieges übernommenen Berufen ohnehin getragen werden mussten.</p>
<p>Springen wir nun aber einmal zu einem anderen Thema – Hochzeit. Wenn die gleichaltrigen starken und attraktiven Männer an der Front sind, wird es schwierig, den Traumprinzen zu finden – aber solche Fantasien dürfen sich Mädchen wie ich ohnehin nicht leisten. Denn die Liebe ist 1916 auch in Deutschland noch alles andere als frei. Selbst wenn wir davon absehen, dass es zu diesen kritischen Zeiten sehr wahrscheinlich ist, dass der Junge, mit dem du dich immer so nett unterhältst und der dir immer so süß zulächelt, ein paar Monate später mit einer Kugel in der Brust auf einem Schlachtfeld liegen wird, gibt es noch einige weitere Hürden zu bewältigen. Ich als Mädchen darf mir keinesfalls selbst aussuchen, wem ich länger als nötig hinterherschaue. Dabei wäre das 1916 nicht einmal nur vom Aussehen und dem Charakter abhängig gewesen, sondern hätte auch eng mit der Namensgebung in Verbindung gestanden. Denn noch bis 1976 wurde bei einer Hochzeit automatisch der Familienname des Mannes übernommen. Wenn man sich nicht einigen konnte, galt das sogar noch bis 1991, falls man sich nicht dazu entschied, einen Doppelnamen anzunehmen. Erst seit 1991 ist es erlaubt, als Ehepaar die beiden unterschiedlichen Nachnamen zu behalten. Das heißt, dass frühestens mein Enkelkind, mindestens aber mein Urenkelkind als erste in meiner Familie davon Gebrauch machen könnte. In Städten nutzt diese Freiheit inzwischen etwa jedes fünfte Ehepaar.</p>
<p>Nicht selbst entschieden, welcher Mann das Ehebett teilt, kann auch damit gerechnet werden, dass es zu Hause bei mir auch falls ich einmal heiraten sollte, nicht ausschließlich friedlich zugehen wird – und das ist auch 100 Jahre später noch der Fall, auch wenn sich in der Zwischenzeit so einiges getan hat. Das Gewaltschutzrecht aus dem Jahr 2001 schreibt vor, dass Männer, die ihre Ehefrauen schlagen, ein vorläufiges Hausverbot erteilt bekommen, und die Frau ein Recht darauf hat, in der Wohnung zu bleiben. Dennoch erfährt noch heute jede dritte Frau häusliche Gewalt. Bereits etwas früher wurde die sexuelle Belästigung gesondert geregelt. Bis 1997 galt als Vergewaltigung lediglich ein außerehelich erzwungener Geschlechtsverkehr – der eigene Mann konnte mit seiner Frau also tun und lassen, was er wollte. Erst seit diesem Jahr kann eine Frau auch ihren Mann aufgrund von Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht ziehen. Für mich würde das viel zu spät sein.</p>
<p>Ebenfalls bis vor 1977 galten Frauen als schuldig und ihr Verhalten wurde als „böswillig“ angesehen, wenn sie ihren Mann verließen, (auch z.B. weil er sie betrog oder schlug). Wenn ich mich nun also von meinem Mann loslösen möchte, weil er mich jeden Abend betrunken verprügelt, werde ich als „Schuldige“ angesehen, erhalte keinen Unterhalt und stehe somit vor dem finanziellen Nichts. Zudem habe ich keine Chance auf das Sorgerecht meiner Kinder. Ich werde also in einer brenzligen Situation stehen, wenn ich nicht ganz viel Glück mit meinem Mann haben werde. Denn dann muss auch ich die Misshandlungen eines Mannes über mich ergehen lassen, wenn ich nicht riskieren möchte, meine Kinder im Anschluss nie wieder zu Gesicht zu bekommen. Schreckliche Vorstellung.</p>
<p>Mühsam schäle ich mich nun wieder aus den Klamotten heraus, die ich mir vorhin in mehreren Lagen übergezogen habe und betrachte mich erneut im Spiegel. Draußen hat es 30 Grad. Ich trage eine kurze Jeans und ein Top. Viel freier komme ich mir endlich wieder vor und die bunten Farben stechen im Gegensatz zu den grau-weiß-schwarzen Stoffen umso mehr hervor. Wie fröhlich es auf einmal wirkt. In einem Jahr bin ich 18 und darf zur Wahl gehen, falls ich irgendwann einmal den passenden Mann finden werde, kann ich ganz beruhigt mit ihm darüber reden, ob wir vielleicht heiraten möchten und auch in meiner Berufswahl stehen mir alle Türen offen – aber: so ganz ideal ist auch heute die Situation noch nicht, auch wenn es einem im Vergleich zu der Zeit vor 100 Jahren nahezu paradiesisch vorkommt. Weniger Lohn, weniger Frauen in der Politik sowie in Führungspositionen, durchschnittlich noch über 87 % des Haushaltes von weiblichen Familienmitgliedern geführt &#8211; Was werden da wohl die Menschen in 100 Jahren von uns denken? Vielleicht sind wir in ihren Augen dann genauso erschreckend, wie uns heute die Gesellschaft von vor 100 Jahren vorkommt? Es wäre einfach zu schön, in die Zukunft reisen zu können!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Mehr dazu: </b></p>
<ul>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2013/11/maedchen-sein/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Ein Video</strong></a> über&#8217;s Mädchensein.</li>
<li>Und gleich <a href="https://www.meintestgelaende.de/2014/03/vorurteile/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>noch eines</strong></a> zum Thema Vorurteile.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
