Let's talk about Sexismus, Baby!

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(c) MB:  Fight Sexism  (CC BY-NC 2.0)

Erinnert ihr euch noch an den tollen Poetry Slam-Text von Veronika Rieger? Heute präsentieren wir euch einen Artikel, den sie zum Thema Sexismus geschrieben hat – und zwar inklusive Tipps, was ihr selbst tun könnt, wenn euch mal wieder jemand einen sexistischen ‚Witz‘ erzählt. Aber lest selbst!

Die Bewegungen #aufschrei und #metoo haben das Thema Sexismus und sexualisierte Gewalt wieder stärker in die Gespräche der Gesellschaft gebracht. Sexistische Aussagen und ‚Witze‘ sind in unserer Gesprächskultur aber leider nach wie vor allgegenwärtig. Doch wie soll man reagieren, wenn mitten im netten Quatschen eine sexistische Äußerung fällt? Und was genau ist in Gesprächen überhaupt sexistisch?

Sexismus bezeichnet die persönliche oder soziale Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Diese Diskriminierung betrifft alle Geschlechter, Frauen sind davon jedoch stärker betroffen. Sexismus tritt in Gesprächen meist so auf, dass für Personen eines bestimmten Geschlechts traditionelle Rollenbilder, Umgangsweisen und ungleiche gesellschaftliche Bedingungen als gegeben betrachtet werden. Das kann von der Frau, die vermeintlich schlecht einparken kann, über den Mann, der aufgrund seines „Jagdtriebs“ beim Flirten aufdringlich wird, bis hin zu vermeintlichen Nettigkeiten wie den von Frauen oft gehörten Satz „Lach doch mal, dann bist du viel hübscher!“ gehen.

Wie jedoch kann man reagieren, wenn uns solche Sätze vor die Füße fallen? Es gibt bestimmt so viele unterschiedliche Wege wie Menschen, um das Problem zu thematisieren, ob auf witzige, ernste, laute, leise oder eben ganz andere Weise. Der hier dargestellte Weg kann nur Vorschläge machen und aufzeigen, wie wir alle selbst einen Weg finden können, so zu reagieren, wie es für uns und zu uns passt.

  1. Nenn das Kind beim Namen

Wenn du sexistische Aussagen hörst, dann benenne sie auch so. Die Äußerungen „Diese Aussage ist sexistisch“ oder „Den Satz, den du gerade gesagt hast, empfinde ich als sexistisch“ benennen die Dinge konkret und geben trotzdem die Möglichkeit, gemeinsam weiter über das Thema zu sprechen, da du nicht die sprechende Person angreifst, sondern ihrer Aussage deinen Standpunkt gegenüber stellst.

  1. Erkläre deinen Standpunkt

Wenn du der sprechenden Person gesagt hast, dass eine Aussage sexistisch war, versuche in einem Satz kurz zu erklären, wieso genau diese Aussage sexistisch ist. Auf den Satz: „Du wirfst wie ein Mädchen.“ wäre eine mögliche Antwort beispielsweise: „Diese Aussage ist sexistisch, weil du den Begriff Mädchen hier als Beleidigung verwendest und behauptest, dass Mädchen naturgemäß nicht werfen können. Das ist nicht okay.“

  1. Fragen lohnt sich

Sexistische Witze oder vermeintlich lustige Sprüche nerven. Tierisch. Besonders, wenn man sich dann noch überlegen muss, ob man jetzt wirklich die „Spaßbremse“ sein möchte, die diesen Witz als das entlarvt, was er wirklich ist, nämlich als sexistischen Mist.
Umso schöner ist es, wenn man diese Aufgabe der Person überlassen kann, die den Witz erzählt hat. Wenn du die Frage „Ich check den Witz nicht, kannst du’s mir erklären?“ an die Person richtest, die den Witz erzählt hat, muss sie sich gut überlegen, wie sie das jetzt erklärt. Sollte die Erklärung nicht zufriedenstellend sein, lässt sich die Frage „Und warum genau ist das jetzt witzig?“ wunderbar nachschieben – so lange, bis die Person selbst erkannt hat, dass der Witz wirklich Mist war.

  1. Fokus Fokus Fokus!

Frauen werden in Gesprächen von Männern so oft unterbrochen, dass sich im Englischen der Begriff Manterupting (zusammengesetzt aus man und interrupting) durchgesetzt hat. Wenn du unterbrochen wirst, mache darauf aufmerksam, dass du noch nicht ausgesprochen hast, bringe deinen Satz oder deinen Punkt zu Ende und wende dich dann wieder an die Person, die dich unterbrochen hat, um sie zu fragen, was sie sagen wollte. Wenn du bemerkst, dass Menschen unterbrochen werden, lenke die Aufmerksamkeit zurück auf sie, wenn sie mehrfach unterbrochen werden, weise die unterbrechende Person darauf hin, andere aussprechen zu lassen. Gesprächsregeln lernt man eigentlich in der ersten Klasse, aber man vergisst Schulstoff ja schnell.

  1. Let´s get loud!

Gerade sexistische Beleidigungen wie „Pussy“ oder „Schlappschwanz“ werden oft nur halblaut und hinter vorgehaltener Hand gesagt, weil es in diesem Gemunkel scheinbar sicher ist, unsagbare Dinge doch auszusprechen. Also warum den Spieß nicht umdrehen und die gesamte Peinlichkeit öffentlich machen. Durch das laute und langsame, gut hörbare Wiederholen des genauen Wortlaut des Gegenübers entsteht bei der Person, die die Beleidigung ausgesprochen hat, hoffentlich genug Schamgefühl, dass es sich in Anstand verwandeln kann, solche Beleidigungen in Zukunft zu vermeiden.

  1. Hab keine Angst davor unbequem zu sein.

Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis oft viel schwerer. Es erfordert Mut, dem eigenen Standpunkt zu vertrauen, dass mit einer Bemerkung eine Grenze überschritten wurde. Sexismus ist nicht immer einfach zu erklären, aber das eigene Bauchgefühl bemerkt meistens schnell, wenn Äußerungen nicht angebracht sind.

Auch wenn das Vorurteil der ‚verklemmten Spaßbremse‘ in unseren Köpfen nicht zu den Dingen zählt, zu denen wir gerne zugeordnet sein wollen, ist es wichtig, bei sexistischen Äußerungen den Mund aufzumachen. Nicht einfach drüber-, sondern für den eigenen Standpunkt einzustehen.
Letztendlich schafft unsere Sprache unsere Wirklichkeit, die Art und Weise, wie wir über Personen sprechen, beeinflusst, wie wir mit diesen Personen umgehen. Wenn dein Standpunkt nicht gehört wird, wird er auch nicht gesehen, also ist Klappe auf und den eigenen Standpunkt vertreten ein guter Anfang, ob unbequem oder nicht.

  1. Für ganz Mutige: Sharing is caring!

Sexismus ist ein Thema in unserem Leben, ob jetzt bewusst wahrgenommen oder unterbewusst davon beeinflusst. Wenn du von Menschen umgeben bist, denen du vertraust, wage es über deine Erfahrungen zu sprechen, teile mit, was du erlebst und was das in dir auslöst und hör dir die Geschichten und Meinungen deiner Freund*innen an. Dadurch, dass du mit anderen über deine Erlebnisse sprichst, wirst du schnell feststellen, dass du nicht alleine bist und die Begegnung mit Sexismus kein Einzelfall ist. Vielleicht machst du mit deinem Erzählen anderen Personen Mut, sich das nächste Mal auch zu äußern.

Mehr dazu:

Ich bin Veronika Rieger und bin Poetry Slammerin und Theologiestudentin. Weil ich Themen wie Identität, Gerechtigkeit, Kunst, ich sein und anders sein für besonders spannend und wichtig halte und mir einen breiteren Dialog über diese Themen wünsche, schreibe ich darüber bei meinTestgelände.

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