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	<title>Mare &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Kein Text über Malte C.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 08:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Transfeindlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute jährt sich der Todestag von Malte C. zum vierten Mal. Auf dem CSD 2022 in Münster stellte sich der junge Mann schützend vor zwei Teilnehmerinnen, die queerfeindlich beschimpft wurden. Der Täter schlug ihm ins Gesicht, Malte fiel zu Boden und erlag wenige Tage später seinen Verletzungen. Vier Jahre später ist seine Geschichte erschreckend aktuell:]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute jährt sich der Todestag von Malte C. zum vierten Mal. Auf dem CSD 2022 in Münster stellte sich der junge Mann schützend vor zwei Teilnehmerinnen, die queerfeindlich beschimpft wurden. Der Täter schlug ihm ins Gesicht, Malte fiel zu Boden und erlag wenige Tage später seinen Verletzungen. Vier Jahre später ist seine Geschichte erschreckend aktuell: Beim CSD in Berlin wurde im Juli 2026 ein Mensch getötet und 31 weitere verletzt. Was 2022 als düstere Prognose formuliert wurde, ist heute Realität. Genau das hat Mare schon vor vier Jahren in ihrem Text beschrieben.</strong><span id="more-15075"></span></p>
<p>Das ist kein Text über Malte C. Viel wurde schon über ihn geschrieben, und er verdient jedes einzelne wohlwollende Wort. Ich wollte auch über ihn schreiben, aber mit jedem Entwurf hatte ich das Gefühl, ihm und der Situation nicht gerecht zu werden. Ich konnte diesen Text hier erst schreiben, nachdem ich mich gefragt habe, wieso, und gemerkt habe, dass meine Gefühle das sind, was der Situation nicht gerecht wird. Dies ist also kein Text über Malte C. Es ist ein Text über mich.</p>
<p>Ich habe schon einmal hier über Trauer geschrieben. Das war 2016, nachdem ein Mann 49 Menschen in einem queeren Nachtclub während der Latino Night erschossen hatte. Dieses queerphobe und rassistische Hassverbrechen ist inzwischen mehr als sechs Jahre her.</p>
<p>Damals war ich aufrichtig erschüttert, in Trauer um Menschen, die ich nicht kannte. Heute? Heute sage ich „das erschüttert mich“. Ich sage „das ist ein tiefer Schock“ und „ich trauere“, wenn es um Malte geht. Ich sage all die Phrasen, die man so sagt, aber eigentlich meine ich sie nicht. Ich meine es zwar, wenn ich sage „das hätte nie passieren dürfen“ und „wir müssen unsere Gesellschaft ändern, damit sowas nie wieder geschieht“, aber das, was mir persönlich am meisten Angst macht, ist, dass ich dabei nichts fühle. Keine Erschütterung, keine Trauer, keine Wut.</p>
<p>Was ist geschehen, seitdem mein 20-Jähriges Ich bei einer Orlando-Mahnwache aufrichtig Tränen geweint hat, sich an eine Regenbogenflagge klammernd als könnte dieses in China genähte Stück Stoff mir und anderen queeren Menschen Schutz und Trost versprechen? Zwei Dinge: Ich habe mich verändert, und die Gesellschaft hat sich verändert. In vieler Hinsicht beides zum Positiven, viele Schritte in die richtige Richtung wurden gemacht, aber nicht nur.</p>
<p>Seit 2016 war ich viel in der queeren Szene aktiv, ich habe sie immer als eine Art zuhause gesehen. Eine Sache, die damit einhergeht, ist aber, dass sich über Jahre die Namen und Gesichter derer häufen, die nicht mehr hier sind. Die Gesichter und Namen derer, die fast nicht mehr hier gewesen wären. Derer, die noch hier sind, aber deren Schmerz und Trauma ein ständiger Begleiter sind. Einige flüchtige Bekannte, andere gute Freunde. Einige Gesichter für immer in das Hirn eingebrannt, andere miteinander verschwimmend.</p>
<p>Meistens fühle ich mich gut. Wir als Gesellschaft machen Fortschritt. Das merkt man, und das muss man feiern. Meine Freund*innen und ich sind in der Community nicht durch unser Leid verbunden, sondern durch unsere Lebensfreude und die Freude daran, so zu sein, wie wir sind.</p>
<p>Und dann gibt es doch immer wieder Momente, die einen erinnern, warum man hier ist. Hier in einer Community gemeinsam. „Hast du von XY gehört? XY ist jetzt im Krankenhaus“ oder „Ich bin vor fünf Jahren hier hin geflohen. Ich vertraue dir an, wieso.“ Über Jahre häufen sich die Geschichten und Tragödien. Sie häufen sich, und egal, wie sehr man sagt, dass man sich auf sich aufpasst und Selbstfürsorge betreibt, sie höhlen einen aus, stumpfen ab.</p>
<p>Nicht nur ich habe mich aber verändert, unsere Gesellschaft auch. Und wenn ich sage, vieles war für unsere Community positiv, dann stimmt das auch. Aber das ist die Sache daran, wenn man über Gesellschaften spricht und versucht sie zu verstehen. Ungleich der Mathematik können zwei gegenteilige Aussagen gleichzeitig wahr sein. Vieles hat sich zum Positiven verändert, vieles aber auch zum Negativen.</p>
<p>Trans* Menschen haben mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit als je zuvor, aber dafür hat auch Transphobie eine größere Bühne als je zuvor, denn das, was vorher implizit gedacht wurde, wird jetzt laut ausgesprochen. Feministinnen, mit denen wir Hand in Hand für unsere Rechte kämpfen sollten, wenden ihre Energie im Kampf gegen trans* Rechte ein. Ein deutscher Mann verklagt seinen Arbeitgeber wegen der Benutzung geschlechtsinklusiver Sprache. Menschen auf Twitter verkünden stolz, dass sie keine Pronomen benutzen. Was sie eigentlich damit meinen: Mann ist Mann, Frau ist Frau. Nichts, was davon abweicht, ist erlaubt. In vielen Ländern erkämpfen sich queere Menschen ihre Rechte, andernorts verlieren sie sie. Manchmal passiert beides gleichzeitig im gleichen Land.</p>
<p>Es ist ermüdend. Ermüdend in einer Gesellschaft zu leben, die offen und laut die Rechte von mir und meinen queeren Geschwistern angreift. Wir sollten wütend sein, Fürsorge und Mitgefühl füreinander spüren. An manchen Tagen fällt es schwer, sich über irgendwas zu empören, sich über irgendwas zu wundern.</p>
<p>Was mache ich aus diesem Text? Das Ende ist unbefriedigend. So wie es oft im Leben ist. So wie es oft für viele von uns ist. Ich habe nach dem CSD Münster viele Leute sagen hören, dass sie schockiert seien, dass sowas in Deutschland geschehen könne. Zu viele, auch aus der queeren Community, sind in rassistische Tiraden gegen den Angreifer übergegangen.</p>
<p>Vielleicht ist das der Abschluss für den Text. Das, was ich hoffe, was mitgenommen wird. Es passiert auch in Deutschland. Es passiert überall. Und wir als Gesellschaft haben noch nie Fortschritte gemacht, in dem wir uns gegenseitig unter den Bus werfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Nie zu spät für queeres Glück: Eine Geschichte über die Liebe im Alter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Mar 2023 11:22:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[„Es ist nie zu spät, um sein Leben zu verändern. Wir haben immer die Freiheit, neue Entscheidungen zu treffen!“ – Das wissen Dorle und Christel besonders gut. Dorle und Christel haben miteinander das gefunden, was für viele der Traum ist: Das große Glück in der Liebe. Eine Überraschung war es aber für beide. Sie haben]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Es ist nie zu spät, um sein Leben zu verändern. Wir haben immer die Freiheit, neue Entscheidungen zu treffen!“ – Das wissen Dorle und Christel besonders gut.</strong><span id="more-15384"></span></p>
<p align="justify"><em>Dorle und Christel haben miteinander das gefunden, was für viele der Traum ist: Das große Glück in der Liebe. Eine Überraschung war es aber für beide. Sie haben nämlich 2022 geheiratet, im Alter von 80 und 67 Jahren. Jetzt wollen sie, dass auch andere queere Menschen wissen: „Es ist nie zu spät, sich selbst zu finden!“</em></p>
<p align="justify">Der Weg zueinander hätte für beide unterschiedlicher nicht sein können: Christel wusste schon im Alter von 10 Jahren, dass sie andere Mädchen interessanter fand als Jungs und hat immer allein gelebt, bis Dorle bei ihr einzog. Dorle wiederum hat im Alter von 21 Jahren ihren inzwischen ex-Mann geheiratet, und mit ihm eine Familie mit 2 Kindern und 5 Enkelkindern gegründet. Ein Jahr vor der Trennung wurde noch die goldene Hochzeit gefeiert.</p>
<p align="justify">Dass Dorle sich auch zu Frauen hingezogen fühlen könnte, wäre ihr vor Christel nie in den Sinn gekommen.</p>
<p align="justify"><span style="color: #000000;">„Ich hatte einen Ehemann, den der Beruf sehr forderte und habe mich mein Leben lang immer nur um andere gesorgt und keinen Blick auf mich selbst gehabt. Als ich Christel kennengelernt habe, fing ich auf einmal an, mich selbst anzugucken </span>und da war diese große Zuneigung für sie. Es war eine Seelenfreundschaft“, erzählt Dorle über das erste zaghafte Erwachen ihrer Gefühle für Christel.</p>
<p align="justify">Kennengelernt haben sich die beiden in einem kirchlichen Arbeitskreis zum Weltgebetstag, einer ökumenischen Bewegung, die von Frauen auf der ganzen Welt gegründet wurde, die zusammen über Grenzen hinweg ihren Glauben feiern wollen. Die Kirche und der Glaube haben im Leben beider Frauen immer eine wichtige, aber auch zweischneidige Rolle gespielt. Beide kamen sehr früh mit der Kirche in Kontakt. „Ich bin nicht von meinem Elternhaus, sondern von der Kirchengemeinde religiös sozialisiert worden, und diese Kirche sagte mir, mein Begehren sei Sünde“, erinnert sich Christel, die schon sehr früh von ihrer Zuneigung zu Frauen wusste. Sie hatte einen kirchlichen Berufsweg als Gemeindepädagogin gewählt, und jahrzehntelang versucht, ihre eigenen Gefühle zu unterdrücken „denn mir wurde eingebläut, diese Gefühle seien in Gottes Augen falsch und ich wollte vor Gott doch richtig Leben.“</p>
<p align="justify">Dazu kam auch noch, dass es damals keine Informationen zu homosexuellen Identitäten gab. „Früher haben wir nie über andere Lebens- und Liebesformen gesprochen. Ich war 35, als ich zum ersten Mal ein Buch las, in dem Frauen andere Frauen lieben und das hat mich vor Freude zum Weinen gebracht. Ich freue mich sehr darüber, dass heutzutage Menschen sagen können, dass sie jemanden vom gleichen Geschlecht lieben oder ein anderes Geschlecht sind. Als Kind gab es für mich keine Filme, keine Bücher, mit deren Protagonistinnen ich mich identifizieren konnte, nix. Ich war sehr allein mit allen meinen Fragen und Ängsten.&#8220;</p>
<p align="justify">1995 führte die Unterdrückung ihrer Gefühle zu einem psychischen Zusammenbruch, doch die Klinik, in die sie daraufhin eingewiesen wurde, war christlich geprägt. „Meine Therapeutin sagte damals zu mir, wenn ich als Lesbe leben will, dann würde ich ein ‚behindertes Leben‘ führen.“ Trotzdem fand Christel den Mut, zu sich selbst und ihren Gefühlen zu stehen. „Ich habe für mich die Entscheidung getroffen: Die Kirche ist für mich nur Arbeitgeberin und ich will mich in meinem Glauben selbst weiterentwickeln und mich nicht mehr fesseln lassen. Mir wurde so eindeutig gesagt, dass ich ein falsches Leben führe, ein ‚behindertes Leben‘! Doch wenn es diesen Gott wirklich gibt, dann hat er mich geschaffen, wie ich bin. Ich bin ein wunderbares Geschöpf göttlicher Liebe und ich stehe in dieser Welt und freue mich.“ Kraft hat ihr in diesem Prozess die ökumenische Arbeitsgruppe „Homosexuelle und Kirche“ (kurz: HuK) gegeben.</p>
<p align="justify">Als Christel 2015 in den Ruhestand ging, hielt sie zum Abschied eine Rede, in der sie von der biblischen Geschichte der “Gekrümmten Frau” sprach, die von Jesus aufgerichtet wurde [Lukas 13, 10-17]. „Damit habe ich mich nämlich identifizieren können. Ich habe meine lesbische Identität nie versteckt, aber habe sie auch nie groß vor mir hergetragen und dann habe ich genau diese Geschichte der gekrümmten Frau 130 Menschen als meine Lebensgeschichte erzählt und mich geoutet. Als meine Ansprache zu Ende war, herrschte zunächst Schweigen, aber dann standen alle auf und applaudierten mir. Das war unbeschreiblich schön für mich. Ich <span style="color: #000000;">fühlte</span> mich sehr geehrt und angenommen. Einige waren zunächst überrascht über mein Outing, aber wenn Menschen andere Menschen kennen und sie schätzen und akzeptieren, dann entwickelt man auch für andere Lebensarten Verständnis.“</p>
<p align="justify">Dorle hatte andere, aber ähnliche Erfahrungen mit dem Thema Glaube und Kirche gemacht. „Ich habe immer das Wohlergehen von anderen vor mein eigenes gestellt, und gedacht, ich würde im Himmel einen Orden dafür kriegen, aber meine Seele verhungerte.“ Einen Wandel brachte ihr der Kontakt zum Arbeitskreis zum Weltgebetstag, in dem sie auch Christel kennenlernte. „Der Kreis hatte ein weniger enges Bild von Gott und ich konnte aufatmen, weil dieser Gott mehr Weite gab. Wir haben viele Veranstaltungen und Reisen organisiert und mein Leben weitete sich.”</p>
<p align="justify">In dem Arbeitskreis freundeten sich Dorle und Christel sehr schnell an. Für Christel kam aber zunächst nicht mehr in Frage, immerhin war Dorle ja verheiratet und auch Dorle selbst hatte es vorher in über 50 Jahren Ehe nie in Erwägung gezogen, fremdzugehen, „aber so ein Gefühl wie mit Christel habe ich noch nie gespürt, es erfüllte mich irgendwann ganz.“ Dorle war 72 und Christel 55, als ein einjähriges hin und her begann. Dorles Mann verbot ihr zunächst den Kontakt, als er erfuhr, dass sich seine Frau zu Christel hingezogen fühlte, und beide versuchten sich auch daran zu halten. Als sich Christel und Dorle beim evangelischen Kirchentag 2015 in Stuttgart nach einem halben Jahr ohne Kontakt wieder sahen, wurde beiden bewusst: ohneeinander leben möchten sie nicht mehr.</p>
<p align="justify">Es folgte vor allem für Dorle und ihre Familie eine schwierige Phase. Oma lässt sich nach über 50 Jahren Ehe scheiden, und dann auch noch, um mit einer anderen Frau zusammen zu sein. Das ist ein Gedanke, der viel Auseinandersetzung mit dem Thema erfordert, damit man ihn akzeptiert. Inzwischen ist aber sogar das Verhältnis zu ihrem Ex-Mann gut und zur Hochzeit kamen alle Kinder und Enkelkinder mit ihren Familien.</p>
<p align="justify">Der Gedanke, jemals heiraten zu können, war für Christel ihr Leben lang ein weit entfernter Traum. „Das war undenkbar in meiner Zeit, aber als der Prozess begann, die Ehe für gleichgeschlechtliche Beziehungen zu legalisieren, übertraf das schon alle meine Vorstellungen.“ Beim Gedanken, Dorle eines Tages zu heiraten, war sie aber auch zögerlich. „Immerhin hat sie das schon einmal mitgemacht und schon einmal versprochen, mit jemandem zusammenbleiben, bis dass der Tod sie scheidet. Ich hätte auch ein Nein zur Hochzeot von Dorle akzeptiert.“</p>
<p align="justify">Trotzdem fanden die beiden ihren eigenen Weg für eine Hochzeit. Dorle erzählt: „Es war mir wichtig, unsere eigenen Eheversprechen zu formulieren und einen eigenen Segen zu haben, um nicht noch einmal die Worte ‚bis dass der Tod euch scheidet‘ sagen zu müssen. Ich habe schon einmal mein Versprechen vor Gott gebrochen und ich kann jedem Paar nur raten, so etwas nicht leichtfertig zu versprechen, denn Trennungen können auch lebenswichtig sein.“</p>
<p align="justify">Im Endeffekt heirateten beide standesamtlich und kirchlich. “Die kirchliche Trauung und der Segen umhüllte uns wie ein liebevoller Mantel“, so Dorle. Das Eheleben könnten sich die beiden auch nicht schöner vorstellen. „Ich war noch nie in meinem Leben so glücklich wie in diesen letzten 7 Jahren mit Dorle zusammen”, erzählt Christel. „Freunde haben mir oft den gut gemeinten Rat gegeben, ich hätte zu hohe Erwartungen an eine Beziehung. Seit meinem Leben mit Dorle kann ich aber sagen, meine Erwartung war nicht zu hoch.“ Das wichtigste sei, ehrlich und offen über alles reden zu können und das Gegenüber auf Augenhöhe mit eigenen Schwächen und Stärken anzuerkennen. „Ich will Dorle nicht glücklich <i>machen.</i> Ich will, dass Dorle glücklich <i>ist</i>. Und dass ich glücklich bin.“</p>
<p align="justify">Was die beiden anderen Menschen in ihrem Alter raten würden? Diese Antwort kommt bei ihnen sehr schnell und bestimmt: „Es ist nie zu spät, um sein Leben zu verändern. Wir haben immer die Freiheit, neue Entscheidungen zu treffen!“ Es lohne sich, so Christel. „Wir haben viele Tage, die nennen wir Tage mit Goldrand. Das sind Tage, mit alltäglichen Erlebnissen, die uns mit Glück und Dankbarkeit füllen.”</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Ein paar Gedanken zum Gendern</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/09/ein-paar-gedanken-zum-gendern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Sep 2022 09:26:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechtergerechte Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Diskussion um gendergerechte Sprache bringt regelmäßig Kommentarspalten in Sozialen Medien zum Explodieren. Mare hat sich zu dem Thema ein paar Gedanken gemacht. Habt ihr auch welche? Ein paar Gedanken zum Gendern: Was mich stört und was ich mal gesagt haben wollte Wer kennt sie nicht? Social Media-Kommentarspalten, die einem Kopfschmerzen bereiten. Besonders beliebt für]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Diskussion um gendergerechte Sprache bringt regelmäßig Kommentarspalten in Sozialen Medien zum Explodieren. Mare hat sich zu dem Thema ein paar Gedanken gemacht. Habt ihr auch welche?</strong></p>
<p><span id="more-15023"></span></p>
<p>Ein paar Gedanken zum Gendern: Was mich stört und was ich mal gesagt haben wollte<br />
Wer kennt sie nicht? Social Media-Kommentarspalten, die einem Kopfschmerzen bereiten. Besonders beliebt für Diskussionen, bei denen sich Menschen schnell an die virtuelle Gurgel springen, ist jeder Beitrag, der etwas mit der Nutzung von gendersensibler Sprache, dem sogenannten Gendern, zu tun hat. Egal ob ein Artikel mit einem polemischen Titel wie „Gender-Gaga!“ schon dazu einlädt, oder die Tagesschau versucht, neutraler zu berichten, die Kommentarspalten sind immer aufgeheizt.<br />
Oft habe ich den Eindruck, dass es dabei auf beiden Seiten schon lange gar nicht mehr um gendergerechte Sprache an sich geht. Dass die Sternchen und Doppelpunkte gar nicht das sind, was die Emotionen so hochschaukeln. „Gender-Gaga“ steht in vielen Fällen nicht nur für „die Art, wie ihr Sprache benutzt, ist verrückt“, sondern auch für „eure Identitäten und eure politischen Forderungen sind verrückt“. Auf der anderen Seite sieht es aber genauso aus. Hinter „Wir sollten alle gendern“ steht auch „Akzeptiert uns und unsere politischen Forderungen.“<br />
Gendern ist auf viele Weise eine symbolische Debatte geworden und ich schließe mich da selber nicht aus. Oft genug habe ich mit Bekannten diskutiert und das Gendern verteidigt, während ich das Gefühl hatte, eigentlich geht es hier um etwas noch Fundamentaleres. Genau diese symbolische Rolle macht es aber auch schwierig, kritisch die Art zu diskutieren, wie wir Gendern und wie wir über Gendern sprechen. Mein Eindruck ist, dass wir es so gewohnt sind, dass es bei diesen Diskussionen unausgesprochen um viel mehr geht, als das was gesagt wird, und dass unser Gegenüber grundsätzlich nicht wohlwollend (queer)feministischen Ideen gesonnen ist, sodass wir direkt in eine Abwehrhaltung gehen, sobald Kritik am Gendern geübt wird.<br />
Das ist auch nicht gut, denn eine kritische Auseinandersetzung ist immer bei allem wichtig. Deshalb möchte im Folgenden ein paar Punkte darstellen, die ich selber an der Art, wie wir gendern und über das Gendern sprechen, kritisch sehe. Dabei möchte ich nicht verallgemeinern. Ich will nicht sagen „alle Feminist:innen denken so“ sondern „mir ist das häufiger aufgefallen, aber ich kenne natürlich auch Leute, die etwas anderes sagen“. Außerdem vertrete ich prinzipiell die Position, dass die Nutzung einer gendersensiblen Sprache wünschenswert ist. Ich möchte lediglich kritisieren, wie wir das häufig tun.<br />
1. Gendern kann einem schwer fallen. Das sollten wir akzeptieren.<br />
Mir ist in Debatten oft aufgefallen, dass die Aussage „Wir müssen das Gendern auch barrierefreier gestalten“ in den meisten Fällen auf großen Zuspruch stößt. Wenn man die Aussage allerdings umformuliert zu „Es gibt einige Menschen, denen fällt das Gendern schwer“, habe ich es schon häufiger erlebt, dass als Antwort kam „die sollen sich nicht so anstellen“ oder „die wollen doch nur eine Ausrede haben, nicht zu gendern“. Ich glaube, mit solchen Aussagen gaukeln wir uns was vor und vergraulen gleichzeitig Leute, die gute Absichten haben.<br />
Ich hätte es auch gerne, dass es einfach wäre, gendersensible Sprache zu benutzen. Und dabei bringe ich schon sehr gute Voraussetzungen mit: Ich schreibe gerne, sprachliche Themen lagen mir schon immer und ich hatte inzwischen sehr viele Jahre Zeit, mich daran zu gewöhnen, weil ich mit dem Thema schon relativ früh konfrontiert wurde. Und trotzdem. Wenn ich auf der Arbeit einen großen Berg an Texten Korrekturlesen muss mit der Bitte „Check das mal aufs Gendern und korrigier es“, dann gibt es mehr als genug Momente, wo ich leise vor mich hin fluche, denn es ist nicht immer einfach, den Lesefluss beizubehalten und gleichzeitig einen Text gendersensibel umzugestalten.<br />
„Du stellst dich doch nur an, ich habe keine Probleme damit“, höre ich gerade gedanklich mein fiktives Gegenüber sagen. Darauf kann ich nur antworten, dass es einfach meine ehrliche Meinung basierend auf jahrelanger Erfahrung ist und ich das Ganze ja trotzdem für sinnvoll halte. Und bei alldem dürfen wir nicht vergessen, dass es genug Menschen gibt, die aus sonstigen Gründen Probleme mit der deutschen Sprache und/oder dem Lesen und Schreiben im Allgemeinen haben. Ich würde mir wünschen, dass wir häufiger Verständnis dafür hätten und öfter annehmen, dass solche Kritik nicht automatisch bedeutet, dass sich jemand als anti-feministisch sieht.<br />
2. Es ist nicht nur wichtig, wie etwas gesagt wird, sondern mit welchen Absichten.<br />
Ah ja. Hier ist sie. Die altbekannte Kritik a la „Ich hab das Gefühl, es geht gar nicht mehr darum, was gesagt wird, sondern wie man es sagt“. Das haben viele von uns schon öfter auf verschiedenste Weise gehört. Von „diese Feministen, die wollen einem das Denken verbieten“ über „Das N-Wort werde ich ja noch wohl sagen dürfen, das macht mich nicht zum Rassisten“ bis hin zu nuancierterer Kritik, an der ich mich hier versuchen will.<br />
Natürlich kann die Art, wie wir Sprache benutzen, verletzend und diskriminierend sein, und ich finde, wir müssen auch als Gesellschaft ständig neu Grenzen aushandeln, die nicht überschritten werden dürfen. Gleichzeitig dürfen wir auch nicht vergessen, dass es ein Privileg ist, ständig auf dem neusten Stand sein zu können, was wie bezeichnet wird. In aktivistischen Kreisen, in denen man sich sehr intensiv mit solchen Themen beschäftigt, ist es einfach, ein Gefühl dafür zu verlieren, wie viel Kontakt andere Menschen (die teilweise z.B. auch selber queer sind!) mit diesen Themen haben. Das meine ich nicht herablassend-vorwurfsvoll. Ich schließe mich da selbst nicht aus.<br />
Gleichzeitig haben nicht binäre Personen, die ich kenne, auch schon ihren Frust geäußert, dass zwar immer mehr Menschen mit Sternchen oder Doppelpunkt gendern, diesen Personen aber oft nicht einmal bewusst ist, dass es nicht binäre und inter Personen gibt. Wir sollten also nicht nur im Blick behalten, dass wir uns nicht nur für die Nutzung gendersensibler Sprache einsetzen sollten, sondern auch für die Vermittlung dahinter warum und für wen und uns generell für Aufklärung einsetzen, um einen positiven gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben.<br />
3. Es gibt auch noch andere politische Ziele, und wir sollten Betroffenen zuhören, wenn sie sich wünschen, dass diese mehr Gehör finden.<br />
„Manchmal habe ich das Gefühl, dass cis Menschen im Internet denken, mein einziges Problem sei, dass ich in der Sprache oft nicht mitgemeint bin“, hat mir vor einer Weile eine befreundete Person gesagt, die nicht-binär ist. Dieses Stimmungsbild habe ich schon öfter mitgekriegt. Trans und nicht binäre Menschen, die von der Debatte müde sind und die sich wünschen, dass Allies stattdessen mehr Energie z.B. in die Forderung nach Gesetzesänderungen investieren. Gleichzeitig darf man aber auch nicht so tun, als würden sich nur cis Menschen für gendergerechte Sprache einsetzen und ich bin auch der Meinung, dass Aktivist:innen sich selber aussuchen sollten, wo sie ihre Energie reinstecken. Wir sollten diese Diskussion also als einen Austausch sehen, einen fortwährenden Prozess, an dem wir arbeiten, um gemeinsam weiter voranzukommen.<br />
Im Endeffekt Gendern wir, weil wir ein gemeinsames Ziel haben: Eine gerechtere Gesellschaft. Und um diese zu erreichen, müssen wir uns austauschen, uns gegenseitig zuhören und kritisch mit uns und unserer Bewegung sein. Die Punkte, die ich genannt habe, sind keine konkreten Lösungen. Das würde ich mir nicht anmaßen wollen. Es sind Dinge, von denen ich mir wünschen würde, dass sie in Debatten öfter im Hinterkopf behalten werden. Ich weiß, dass abseits von Social Media-Kommentarspalten schon häufig kritische Diskussionen geschehen, und ich möchte mit diesem Artikel meinen kleinen Beitrag dazu beitragen, zur Reflexion anzuregen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>China im Licht der Öffentlichkeit: Wir, die Guten?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/03/china-im-licht-der-oeffentlichkeit-wir-die-guten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2022 09:16:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[olympia]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit den olympischen und paralympischen Spielen stand China im Fokus der Öffentlichkeit. Diskutiert wurde über LGBTIQ*-Feindlichkeit und Rassismus gegen Teile der eigenen Bevölkerung. Gut so, schreibt Mare, aber kein Grund, darüber den Sexismus und Rassismus vor der eigenen Haustür zu übersehen. Genozid an den Uiguren, der vermeintliche sexuelle Missbrauch an der Tennisspielerin Peng Shuai und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit den olympischen und paralympischen Spielen stand China im Fokus der Öffentlichkeit. Diskutiert wurde über LGBTIQ*-Feindlichkeit und Rassismus gegen Teile der eigenen Bevölkerung. Gut so, schreibt Mare, aber kein Grund, darüber den Sexismus und Rassismus vor der eigenen Haustür zu übersehen.</strong></p>
<p><span id="more-14674"></span></p>
<p align="justify">Genozid an den Uiguren, der vermeintliche sexuelle Missbrauch an der Tennisspielerin Peng Shuai und generell ein fehlender Respekt gegenüber Menschenrechten &#8211; Die Olympiade in China hat die Probleme des Landes in die mediale Öffentlichkeit des sogenannten Westens gerückt. Es ist wichtig, gegen diese Probleme zu protestieren. Gleichzeitig leiden schon seit Beginn der Pandemie chinesische und chinesischstämmige Menschen unter wachsendem anti-chinesischem Rassismus. Wir dürfen in unserer Kritik an China und der dort stattgefundenen Olympiade nicht vergessen, dass die Handlungen einer Regierung nie mit den Meinungen und Handlungen einzelner Personen gleichzusetzen sind.</p>
<p align="justify">Dieser Rassismus, Dinge nur schwarz oder weiß sehen zu können, führt auch dazu, dass wir unsere eigenen Probleme herunterspielen. Ein Beispiel: Vielleicht habt ihr das Glück, weniger als ich in sozialen Netzwerken wie Twitter aktiv zu sein. Falls ihr genauso wie ich leider zu viel Zeit dort verbringt, dann kennt ihr diese Diskussion vielleicht auch. Ein neuer Disneyfilm kommt bald raus und das Marketing verkündet stolz, dass schon wieder Disney neue bahnbrechende LGBTIQ*-Repräsentation zeigen wird. Im Endeffekt heißt das, dass sich zwei Frauen für zwei Sekunden im Hintergrund küssen. „Das ist wegen China!“, werden dann Disney-Fans sagen, um das arme milliardenschwere Medienimperium vor genervten Tweets zu verteidigen. „Man kann in China sowas nicht zeigen, deshalb müssen die das so machen, damit man das einfach rausschneiden kann.“</p>
<p align="justify">Hat China ein Problem mit Homophobie? Sicherlich. Das darf man auch nicht vergessen, wenn man über diese Diskussion spricht, und viele Gegenreaktionen auf Twitter und co. schlagen über das Ziel hinaus und verleugnen die Existenz davon. Aber gleichzeitig muss man sich fragen, ob ein so einflussreiches und vermögendes Medienmonopol wie Disney nicht in der Lage wäre, mehr Rückgrat zu zeigen. Gleichzeitig hat Disney auch keine reine Weste, was die Unterstützung von LGBTIQ*-Rechten im Westen angeht.<a class="sdfootnoteanc" href="https://www.yahoo.com/lifestyle/disney-called-out-funding-hate-florida-lgbtq-youth-213725312.html?guccounter=1&amp;guce_referrer=aHR0cHM6Ly93d3cuZ29vZ2xlLmNvbS8&amp;guce_referrer_sig=AQAAAC3ZTtoDsmKUokkJ-s_haS4s4QyI2g59j1KP5qh5dTvw8a543JgiCSwoaoiVte_dxATQ0s9hs-hWCCXuh4uCgRxgQrut957Cf78oTFfWcep3b-SfZg-GEyk3sk6aIkgI6bOdM2-gew_ayr6i_NY7pp3njjWMO_5zK7uV3b8hkvvP" name="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a> Wir müssen in der Lage sein können, Homophobie nicht nur als Problem „rückschrittiger“ Länder zu sehen, sonst ist das Homonationalismus<a class="sdfootnoteanc" href="https://www.meintestgelaende.de/2021/11/regenbogenflagge/" name="sdfootnote2anc"><sup>2</sup></a> und Homonationalismus ist immer auch rassistisch.</p>
<p align="justify">Natürlich wirkt das Beispiel von Twitterdiskussionen über Disney-Filme banal im Vergleich zu Themen wie Genozid, aber es zeigt ein Muster, dass sich durch unsere öffentlichen Diskussionen zieht: Wir sind die Guten, die anderen sind die Rückständigen und Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben, gibt es bei uns nicht mehr. Die andere Seite, die gegen den Rassismus einstehen will, verleumdet dann häufig in diesen Twitter-Diskussionen die Existenz des ursprünglichen Problems. Aber das hilft natürlich auch niemandem.</p>
<p align="justify"><a name="_GoBack"></a> Die Olympischen Winterspiele 2022 sind vorbei, die Paralympics auch. Was andauern wird sind die Menschenrechtsverletzungen, unter denen die chinesische Bevölkerung zu leben hat, genauso wie der Rassismus, unter denen chinesische und chinesischstämmige Menschen zu leiden haben. Mit dem Einfall Russlands in der Ukraine gibt es ein neues Nr. 1 Nachrichtenthema, und auch wenn die internationale Solidarität mit der Ukraine gut und richtig ist, dürfen wir nicht vergessen, dass in vielen Fällen die russische Bevölkerung selbst unter ihrer Regierung leidet und Personen keine Schuld dafür haben, in Russland geboren oder russischer Abstammung zu sein.</p>
<p align="justify">Bei allem gilt: Wir müssen Nuancen erkennen können. Im Endeffekt sollten wir uns über Diskriminierung, Menschenrechtsverletzungen, Krieg und Genozid empören, weil uns Menschen wichtig sind. Dass wir dabei andere Menschen nicht mit unserem Rassismus unter den Bus werfen, ist fundamental. Und oft müssen wir als Menschen aus Westeuropa auch mal in solchen Diskussionen einen Schritt zurücktreten, um zu hören, was tatsächliche Betroffene zu sagen haben.</p>
<div id="sdfootnote1">
<p class="sdfootnote">
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Pinkwashing und Homonationalismus:  Was mir die Regenbogenflagge immer noch bedeutet</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/11/regenbogenflagge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Nov 2021 07:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Toleranz]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns über einen neuen Text von Mare! Sie schreibt über die Regenbogenflagge. Das hat sie für meinTestgelände 2017 schon einmal getan. Was hat sich seitdem verändert? Was bedeutet es, dass wir die Regenbogenflagge immer häufiger sehen, dass sich Unternehmen, Produkte, Organisationen und ganze Staaten damit schmücken? Ist die Welt dadurch ein sicherer, ein]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns über einen neuen Text von Mare! Sie schreibt über die Regenbogenflagge. Das hat sie für meinTestgelände 2017 <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/07/remembering-orlando-was-mir-die-regenbogenflagge-bedeutet/" target="_blank" rel="noopener">schon einmal getan</a>. Was hat sich seitdem verändert? Was bedeutet es, dass wir die Regenbogenflagge immer häufiger sehen, dass sich Unternehmen, Produkte, Organisationen und ganze Staaten damit schmücken? Ist die Welt dadurch ein sicherer, ein besserer Ort für LGBTQIA+-Personen geworden? Viel Spaß beim Lesen!</strong></p>
<p><span id="more-14313"></span></p>
<p>Es ist der 23. Juni 2021. Die deutsche Nationalmannschaft spielt gegen Ungarn in der Münchener Allianzarena. Aus Protest gegen die queerfeindliche Politik Orbáns und aus Trotz gegen die Entscheidung der UEFA, das Münchener Fußballstadion nicht in Regenbogenfahnen erstrahlen zu lassen, zeigen sich viele deutsche Städte solidarisch und wehen Regenbogenflaggen. Auch Social Media wird geflutet von regenbogenfarbenen Profilbildern und Posts. Mit dabei: Die UEFA selbst.</p>
<p>Vor vier Jahren schrieb ich bereits einen Beitrag auf meinTestgelände zu der Regenbogenflagge. Ich schrieb damals, dass sie vor allem eine Sache für mich bedeutet:</p>
<p>„Stolz. Stolz auf uns. Stolz auf den Mut, man selbst zu sein. Stolz auf die Menschen, die trotz aller Widerstände Rechte und Räume erkämpft haben. Stolz, dass wir einen Ort haben, an dem wir weinen können, uns gegenseitig halten können und dass dabei eine Flagge auf unserer Schulter liegt, die keinem Staat gehört, sondern uns.“</p>
<p>Diesen Beitrag hatte ich damals zum Jahrestag des Anschlages auf den queeren Nachtclub <i>Pulse </i>in Orlando geschrieben. Es war ein Ereignis, das mich und viele um mich herum zutiefst erschütterte. Viel hat sich seitdem verändert, in der Welt und in meinen Einstellungen. Einige Sachen zum Positiven, einige zum Negativen und einige Sachen, die ich noch nicht einordnen kann.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Pinkwashing“ ist in den letzten Jahren ein Begriff geworden, der immer mehr auf Social Media und unter Aktivist*innen herumgeistert. Laut Wikipedia bedeutet das Wort „Strategien, die durch das Vorgeben einer Identifizierung mit der LGBT-Bewegung bestimmte Produkte, Personen, Organisationen oder Staaten bewerben, um dadurch modern, fortschrittlich und tolerant zu wirken.“</p>
<p>Immer öfter höre ich diese Kritik: Firmen wollen nur unser Geld und zeigen deshalb die Regenbogenflagge, aber zeitgleich unterstützen sie homophobe Regierungen, wenn es für sie profitabel ist. Das Beispiel der UEFA ist dafür sehr anschaulich.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ein anderes Wort ist vor allem im Zuge des Ungarn-Deutschland-Spiels auch häufiger gefallen: Homonationalismus. Vereinfacht gesagt bezeichnet dieser Begriff eine Kombination aus Nationalstolz und pro-queeren Einstellungen. Einige Beispiele, die ich in den Tagen vor besagtem Länderspiel selber gesehen habe:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Politiker*innen, die noch ein paar Wochen vorher gegen das Selbstbestimmungsgesetz für trans* Menschen gestimmt haben, aber sich selber auf die Schulter klopfen „weil sich Deutschland so offen und fortschrittlich zeigt!“</p>
<p>Leute, die sagen, wie toll doch Deutschland ist und ungarischen Personen Gewalt wünschen für die Taten ihrer Regierung, ohne dabei zu bedenken, dass es die (queeren) Menschen in Ungarn sind, die am meisten unter seiner Politik leiden.</p>
<p>Frontex, die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, die maßgeblich an der Abschottung der „Festung Europas“ arbeitet und zum Massensterben im Mittelmeer beiträgt, veröffentlicht einen Post in Regenbogenfarben. Das zähle ich auch dazu, denn europäischer Patriotismus gehört genauso auf die Liste hier.</p>
<p>Hat sich also die Regenbogenflagge verkauft und ist, wie einige behaupten, nur noch ein Werbe- und Propagandamittel? Die Sache ist kompliziert.</p>
<p>Genauso wie sich Leute über diese Entwicklung beschweren, gibt es auch Menschen, denen es schwerfällt, Pinkwashing als ein Problem zu sehen. Ein Tweet ist mir dabei vor allem in Gedächtnis geblieben. „In meinem Land wird man verprügelt, wenn man eine Regenbogenflagge vom Balkon hängen lässt, und Europäer beschweren sich, wenn Unternehmen Regenbogenflaggen benutzen? Wisst ihr, wie viel ich dafür geben würde, in so einem Land zu leben?“</p>
<p>Außerdem ist es einfach, auszublenden, was für Prozesse in den Unternehmen an sich stattfinden. Oft sind es Mitarbeitende, die selber queer sind, die von innen heraus versuchen, positive Veränderungen zu bewirken. Natürlich ist Doppelmoral und heuchlerisches Verhalten von Unternehmen und Staaten zu kritisieren, aber dass queere Menschen überhaupt als Zielgruppe für Marketing und Propaganda gesehen werden, ist, so paradox es auch scheinen mag, ein immenser Fortschritt. Wir als queere Community dürfen nicht vergessen, wie weit wir eigentlich in den letzten Jahren gekommen sind und wie sehr wir noch vor einigen Jahren an den sozialen Rand gedrängt wurden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Im Endeffekt sehe ich die Dinge so: Queer sein ist für mich nicht primär eine Identität, sondern eine politische Forderung, und die queere Community ist für mich vor allem eine politische Gemeinschaft. Das klingt vielleicht im ersten Moment merkwürdig, aber was ich damit meine ist, dass wir in unserer jetzigen Welt, die noch voller Hass, Verfolgung und Diskriminierung gegen queere Menschen ist, vor allem zusammenkommen, weil wir Forderungen an die Gesellschaft und die Politik haben, die wir noch nicht erfüllt sehen. In einer Welt komplett ohne Queerfeindlichkeit gäbe es vielleicht noch Labels wie „lesbisch“ oder „nicht-binär“, aber würden wir wirklich eine Community brauchen?</p>
<p>Die Regenbogenflagge ist für mich also eine politische Flagge, die mit politischen Forderungen verbunden ist. Eine Flagge, wie ich schon 2017 schrieb, „die keinem Staat gehört, sondern uns“. Aber was bedeutet sie jetzt? Für mich steht sie dafür, dass Menschen ein Recht darauf besitzen, frei von Diskriminierung leben und lieben zu dürfen, wie sie möchten. Das bedeutet für mich, dass jeder Mensch ein Anrecht darauf besitzt, dass seine*ihre Menschenrechte geachtet werden, und dazu gehört, dass Geschlechtsidentität und Sexualität frei ausgelebt werden dürfen.</p>
<p>Klingt erstmal ganz nett. Jetzt kommt aber der Haken: Wenn die Regenbogenflagge eine politische Flagge ist, dann heißt das, dass sie keine feste Bedeutung hat, sondern ihre Bedeutung in gesellschaftlichen Prozessen immer neu ausgehandelt wird. Ein Beispiel: Wofür steht Deutschland? Wofür sollte Deutschland stehen? Je nach politischer Einstellung kriegt man auf diese Frage unterschiedliche Antworten, und wofür im Endeffekt die Deutschlandfahne steht, ist kein festes Ergebnis, sondern verändert sich auch danach, wie genau die Diskussion darum in einem spezifischen Moment aussieht, und wen man fragt. Für die Regenbogenfahne also heißt das, dass die eigentlich wichtige Frage ist: Was will ich, wofür die Regenbogenflagge steht, und wie setze ich das um? Das ist eine offene Frage, auf die ich auch kein abschließendes Ergebnis präsentieren kann, sondern nur meine eigene Meinung.</p>
<p>Zusammenfassend also: Wenn wir Pinkwashing und Homonationalismus kritisieren, dürfen wir nicht vergessen, dass die bloße Existenz dieser Phänomene ein Zeichen dafür ist, wie weit wir als Bewegung schon gekommen sind. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch laut in unseren Taten und Worten dafür einsetzen, dass die Regenbogenflagge eine Bedeutung besitzt, die es wert ist zu unterstützen, und nicht von Bewegungen vereinnahmt wird, die versuchen, ihre Bedeutung zu verändern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Für mich persönlich heißt die Flagge: Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Leben in Würde und Freiheit, nicht nur unabhängig von der Sexualität und Geschlechtsidentität, sondern auch von Herkunft, Hautfarbe, Religion und sozialer Herkunft. Und das versuche ich nicht zu vergessen, wenn ich die Regenbogenflagge wehen lasse.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Queer, queer, queer: <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/queer/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Hier entlang!</strong></a></li>
</ul>
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			</item>
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		<title>Meine Mantren: Gesundheit und Self-Care während der Corona-Krise</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/03/meine-mantren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Mar 2021 07:00:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Covid19]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Gesundheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Teamsport, Schwimmbad, Fitness-Studio oder Meditationskurs: Was uns ansonsten Struktur und Entspannung beschert, ist leider momentan nicht möglich. Was also tun? Auf Online-Angebote zurückgreifen? Irgendwie müssen wir uns schließlich um uns selbst kümmern, eine Balance finden, richtig? Unsere Autorin Mare hat aufgeschrieben, wie sie die Sache mit der Self-Care in Zeiten der Pandemie angeht. „Wir beginnen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Teamsport, Schwimmbad, Fitness-Studio oder Meditationskurs: Was uns ansonsten Struktur und Entspannung beschert, ist leider momentan nicht möglich. Was also tun? Auf Online-Angebote zurückgreifen? Irgendwie müssen wir uns schließlich um uns selbst kümmern, eine Balance finden, richtig? Unsere Autorin Mare hat aufgeschrieben, wie sie die Sache mit der Self-Care in Zeiten der Pandemie angeht.</b></p>
<p><span id="more-12827"></span></p>
<p>„Wir beginnen. Einatmen. Ausatmen. Ohhhhm.“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich atme ein. Ich atme aus. Ich fühle mich vollkommen bescheuert dabei, wie ich im Schneidersitz auf dem Boden sitze und der Frau auf dem Computerbildschirm dabei zuhöre, wie sie auf einer Sprache schief Wörter singt, die weder ich noch sie verstehen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich mag Yoga. Oder besser gesagt: ich bin im Fitnessstudio gerne in die Yogakurse gegangen. Genauso wie ich gerne schwimmen war und in den Kampfsportverein gegangen bin. Oder einfach nur am Ende eines langen Tages ein bisschen im Park eine Runde spazieren war.</p>
<p>Was ich nicht mag, sind Online-Yogakurse, die unbedingt dem ganzen einen esoterischen Flair geben müssen, indem Worte rezitiert werden, die keiner versteht (oder noch schlimmer, die man lieber nicht verstehen würde a la „Ich fühle Mondenergie in meinem Herzen wachsen!“). Aber mir bleibt momentan dank Corona nichts anderes übrig, als mich von Video von Video zu klicken, um merkwürdige Mantren-Gesänge zu vermeiden.</p>
<p>Dabei können Mantren hilfreich sein. Gerade in dieser Zeit. „Ein Mantra kann eine Silbe, ein Wort oder (meistens) eine Wortfolge sein, die wiederholt aufgesagt, gedacht oder gesungen wird“, sagt das <a href="https://neueswort.de/mantra/">Online-Wörterbuch</a>. Und ich habe auch Mantren.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><i>Ich mache es, um gesund zu sein und mich um meinen Körper zu kümmern. Nicht um irgendeinen Schönheitsideal zu entsprechen.</i> Immer und immer wieder<i>. Ich mache es, um gesund zu sein. </i>Und irgendwie stimmt das auch.<span class="Apple-converted-space">  </span>Mir geht es so gut wie noch nie. Plötzlich ist da Energie, wo vorher nie welche war. Und auch die chronischen Rückenschmerzen lassen nach. Und trotzdem. Mit jedem Kilo, das auf der Waage fällt, kommt das Erfolgsgefühl.</p>
<p>Aber dann kommt der Schnitt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Bleib mal lieber zu Hause und geh nicht zum Training. Herunterfahren des öffentlichen Lebens. Kontaktverbot. Und jetzt auch noch das böse Wort mit Q.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Unterstimulierung. Energieüberschuss. Zukunftsängste. Rückenschmerzen. Frustessen. Home-Workouts und Online-Yogakurse. Seit Tagen kein Blick auf die Waage. Und mein Mantra. <i>Ich mache es, um gesund zu sein.</i></p>
<p>Ich versuche es zu dem Mantra von allem zu machen, was ich in diesen Tagen tue. Für meine körperliche Gesundheit und für meine geistige. Denn einige Tage ziehen sich hin, strecken sich aus, fühlen sich an, als müsste ich mich durch Stunde um Stunde kämpfen, denn hinter jedem Gedanken warten die Sorgen. An anderen Tagen überschlagen die Stunden sich. Mit jeder Vibration vom Handy kommt die Angst um schlechte Nachrichten, von der Tagesschau oder dem Bekanntenkreis, und oft genug kommen sie auch.</p>
<p><i>Ich mache es, um gesund zu bleiben</i>. An manchen Tagen heißt das, dass mein Wecker um 8 klingelt, denn ich brauche einen Tagesrhythmus. Frühstück. Yoga. Arbeit. Mittagessen. Hausarbeiten. Cardio-Training. Abendessen. Gruppenchats auf Discord oder Brettspiele mit den Mitbewohnern. Fast schon das Gefühl von Normalität.</p>
<p><i>Ich mache es, um gesund zu bleiben. </i>An manchen Tagen heißt das, dass ich mich mit dem Snackvorrat in eine Decke auf dem Sofa einwickle und eine Staffel von irgendeiner dummen Serie auf Netflix in einem Rutsch durchgucke. Denn die Ereignisse überschlagen sich, genauso wie die schlechten Nachrichten. Wir durchleben momentan eine globale Pandemie, keinen normalen Hausarrest. Die beste Version von mir selber in der Quarantäne ist nicht die, die fünf neue Sprachen anfängt und einmal komplett das Haus grundreinigt, während sie Gewichte stemmt. Die beste Version von mir selber, ist die, die es da irgendwie durchschafft. Das ist genug. Das ist genug. <i>Das ist genug.</i></p>
<p>Zwei Gedanken gehören zu meinem Mantra: Ich darf nicht aufgeben. Ich muss mich um mich selber kümmern, darf nicht versinken in Angewohnheiten, die mir am Ende nur schaden.</p>
<p>Und: Wenn ich mich schone, meine Batterien auflade, die Kekspackung für ein bisschen Glückgefühl leer esse, dann kümmere ich mich auch um mich. Ich kümmere mich darum, durch den Tag zu kommen.</p>
<p>Es ist ein Balanceakt. Ständig fühle ich, wie ich von der einen Seite zu der anderen schwanke. Aber genau für sowas hat mir Yoga ein Mantra mitgegeben. Einatmen. Ausatmen. Und auf einen Punkt direkt vor mir konzentrieren. Und nicht zu weit nach vorne oder oben gucken. Dann fällt das mit dem Gleichgewicht leichter.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Weitere Beiträge von Mare gibt&#8217;s <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/mare/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier</strong></a>!</li>
</ul>
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		<item>
		<title>Die LGBTQ*-Community und Black Lives Matter: Wo wir stehen sollten</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/07/lgbtq-und-black-lives-matter/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2020/07/lgbtq-und-black-lives-matter/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2020 07:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Pride-Month Juni ist zwar gerade vorüber, für die Rechte queerer Menschen muss aber weiterhin gekämpft werden. Und wie diese Kämpfe mit der Black Lives Matter-Bewegung zusammenhängen, das erklärt euch unsere Autorin Mare in folgendem Text. Und ein kleiner Extratipp für diejenigen unter euch, die ein Netflix-Abo haben: über die Schwarze Aktivistin Marsha P. Johnson]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Pride-Month Juni ist zwar gerade vorüber, für die Rechte queerer Menschen muss aber weiterhin gekämpft werden. Und wie diese Kämpfe mit der Black Lives Matter-Bewegung zusammenhängen, das erklärt euch unsere Autorin Mare in folgendem Text. Und ein kleiner Extratipp für diejenigen unter euch, die ein Netflix-Abo haben: über die Schwarze Aktivistin Marsha P. Johnson gibt es dort <a href="https://www.netflix.com/title/80189623" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eine sehr empfehlenswerte Doku</a>!</strong><span id="more-12345"></span></p>
<p>28. Juni 1969. Bei einer Polizei-Razzia des Stonewall Inn in der New Yorker Christopher Street kam es zu gewaltvollen Auseinandersetzungen mit der Polizei, nachdem diese Menschen auf brutale Weise verhaften wollte. Viele der Besucher*innen der Bar hatten in ihrem Leben schon viel Polizeigewalt erfahren. Immerhin war das Stonewall Inn eine „Schwulenbar“, oder genauer gesagt, viele Menschen, die trans*, homo- oder bisexuell waren, besuchten die Kneipe. Viele, die zu den Aufständen in der Nacht dazu kamen, waren sogar obdachlos. Von ihren Eltern verstoßen lebten sie am Rand der Gesellschaft.</p>
<p>Es gibt in der LGBTQ*-Community viele Debatten, wer den ersten Stein geworfen hat. Oft wird gesagt, es wäre die Schwarze trans* Frau Marsha P. Johnson gewesen. Auf vielen Demos wird noch heute ihr Gesicht auf Schildern und T-Shirts getragen. Ob sie tatsächlich auch den ersten Stein geworfen hat ist umstritten. Und egal. Denn was zählt, ist, dass nach den Stonewall-Aufständen eine massive Bürgerrechtsbewegung losgetreten wurde, der wir viele unserer heutigen Rechte verdanken. Und was wir nicht vergessen dürfen, ist, dass viele der Aktivist*innen wie Marsha P. Johnson immer noch zu einer stark diskriminierten Gruppen gehört: Schwarze trans* Menschen.</p>
<p>Wir leben im 21. Jahrhundert, im Jahr 2020. Vieles hat sich seit Stonewall zum Guten verändert. Vieles läuft noch immer schlecht. Aber es gibt Hoffnung, dass sich einige Dinge zum besseren entwickeln werden, denn Tausende Menschen protestieren weltweit und wollen Veränderung. Ihr Motto: Black Lives Matter.</p>
<p>Black Lives Matter. Schwarze Menschenleben sind wichtig. Es ist wichtig, diese Aussage zu wiederholen, immer und immer wieder, auf den Straßen, aber auch in unserem Alltag, selbst nachdem der Medienhype um die Proteste abgeklungen ist. Denn selbst wenn die Berichterstattung über Rassismus nachlässt, heißt das nicht, dass wir Rassismus hinter uns gelassen haben. Aber wo stehen wir da als LGBTQ*-Community?</p>
<p>Ich denke, wir haben eine doppelte Rolle: Einerseits können und sollten wir solidarisch mit der Bewegung sein. Immerhin kämpfen seit Jahrzehnten Aktivist*innen dafür, dass wir selber frei leben und lieben können. Da sollten wir auch Menschen unterstützen, die sich für dasselbe einsetzen, und auch unsere eigene Community besteht auch nicht nur aus weißen Menschen ohne Migrationshintergrund.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Andererseits müssen wir auch bei uns selber anfangen. Denn nur weil unsere Community durch einen Kampf um Recht und Anerkennung zusammengekommen ist, heißt das nicht, dass wir selber davor geschützt sind, andere bewusst oder unbewusst mit unseren Vorurteilen zu verletzen. Und es heißt auch nicht, dass wir Rassismus direkt verstehen können, nur weil wir selber Diskriminierungserfahrungen gemacht haben.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Welches rassistisches Verhalten gibt es bei uns in der Community? Was für Erfahrungen machen Schwarze, queere Menschen und queere Menschen mit Migrationshintergrund? Wie kann ich am Besten helfen? Welches Verhalten muss ich selber bei mir ändern?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Das sind Fragen, die wir uns alle stellen sollten. Und am besten finden wir Antworten, indem wir zuhören. Zuhören, lesen und lernen. Damit wir an einer besseren Zukunft für alle arbeiten können, unabhängig von der Sexualität und dem Geschlecht, aber auch der Hautfarbe, Herkunft und Religion.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Weitere Beiträge von Mare <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/mare/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Glück in Zeiten von Corona</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/05/glueck-in-zeiten-von-corona/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2020 07:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Covid19]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
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					<description><![CDATA[Glück und Unglück liegen bekanntlich nah beieinander. In Zeiten von Corona, Lockdown und Kontaktsperre aber womöglich noch ein bisschen näher als sowieso schon, oder? Unsere Autorin Mare schreibt über ihre Gefühle, Ängste und Sorgen &#8211; um sich selbst, um ihre Familie und ihre Mitmenschen. Und sie schreibt auch darüber, wie wichtig es besonders in Krisenzeiten]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Glück und Unglück liegen bekanntlich nah beieinander. In Zeiten von Corona, Lockdown und Kontaktsperre aber womöglich noch ein bisschen näher als sowieso schon, oder? Unsere Autorin Mare schreibt über ihre Gefühle, Ängste und Sorgen &#8211; um sich selbst, um ihre Familie und ihre Mitmenschen. Und sie schreibt auch darüber, wie wichtig es besonders in Krisenzeiten ist, das kleine Glück zwischendurch zu erkennen und in vollen Zügen zu genießen.</strong></p>
<p><span id="more-12170"></span></p>
<p>Früher als kleines Kind hatte ich manchmal Alpträume, in denen meine Eltern oder Großeltern starben. Es passierte nicht regelmäßig und auch nicht wegen irgendeines schlimmen Ereignisses in meiner Vergangenheit, immerhin verlief meine Kindheit relativ friedlich und die erste Beerdigung eines Verwandten besuchte ich erst mit 15. Und trotzdem. Manchmal wachte ich weinend auf, überwältigt von dem Gefühl zurückgelassen worden zu sein von Menschen, die ich liebte.</p>
<p>Manchmal wachte meine Mutter von meinem Schluchzen auf, manchmal tapste ich zu meinen Eltern ins Bett. Aber immer wusste meine Mutter, was ich hören wollte. „Wir sind doch noch hier“, sagte sie und nahm mich in den Arm, „und du weißt doch, was meine Mutter immer gesagt hat: Wenn jemand im Traum stirbt, heißt das, dass dieser Mensch ein langes, glückliches Leben führen wird.“ Schon als kleines Kind glaubte ich nicht wirklich daran, dass Träume etwas bedeuten. Und trotzdem tat es jedes einzelne Mal gut, die Worte zu hören. Sie beruhigten mich. Sie gaben mir Sicherheit. Genauso wie die Umarmung meiner Mutter.</p>
<p>Gestern Nacht träumte ich, dass meine beiden Eltern starben. <em>Waise</em>. Dachte ich im Traum. <em>24 und Waise.</em> Ich wachte weinend auf. Alleine. Mein Verlobter war schon im Frühdienst. Er hatte sonst nie Frühdienst, aber jetzt ist er <em>systemrelevant</em>. Auch ein merkwürdiges Wort. Wie <em>Waise</em>. Es gehört nicht in meine alltäglichen Gedanken, soll dort nichts zu suchen und doch ist es jetzt ständig da. Genauso wie Zuhause-Instagramsticker, rissige Handinnenflächen und das unsichtbare Schwert, das über zu vielen von uns hängt: <em>Risikogruppe</em>.</p>
<p>Am nächsten Morgen schrieb ich meiner Mutter. „Ich habe heute Nacht geträumt, dass ihr beiden gestorben seid ☹“. Ich erwartete keine Umarmung. Nur schwarze Worte auf weißem Bildschirm. Aber dieselben Worte von eh und je. Irgendwas musste mich beruhigen, mir in diesen merkwürdigen Zeiten Sicherheit geben. „Wir tun alles was wir können“, antwortete  sie mir, „aber wenn es doch irgendwann mal soweit ist, möchten wir, dass du weißt, dass wir uns wünschen, dass du ein langes, glückliches Leben führst.“ Ich hatte keine Umarmung erwartet. Nur schwarze Worte auf weißem Bildschirm. Aber ich wollte lieber meine Eltern umarmen. Und durfte es trotzdem nicht.</p>
<p>Heute Morgen bin ich aufgewacht. Nicht weinend aus einem Albtraum, sondern sanft aus einem erholsamen Schlaf. <em>Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich der Mensch umgewöhnen kann</em>, dachte ich, als ich mich freute, Klopapier kaufen zu können. Heute war ein guter Tag, ein erholsamer Tag. Voller Whatsapp-Sprachnachrichten, Verlinkungen zu dummen Instagram-Challenges und sogar einer Party-Einladung. „Heute, 20 Uhr, soll ich dich zu unserem Discord-Server hinzufügen?“</p>
<p>Heute war ein guter Tag, ein erholsamer Tag. <em>Die Welt hat schon immer geendet</em>, las ich erst vor Kurzem in einem Gedicht und irgendwie gab es mir Kraft. Die Situation fühlt sich zwar katastrophal an, aber die Menschheit hat es schon durch viele Katastrophen geschafft. Zeitgleich fühle ich mich schuldig. Manchmal ist mir sowas schon früher passiert, aber in letzter Zeit immer häufiger. In den kleinen und großen Momenten, in denen ich Glück finde, oder auch nur Ablenkung, spricht die Stimme in meinem Kopf. <em>Du bist nur gerade hier, weil andere Menschen leiden oder sogar sterben müssen</em>. <em>Denk an die ganzen Menschen, die jetzt ihren Job verlieren, oder die ganzen Menschen, die sich noch infizieren werden. Was ist mit Menschen, die schon vorher nichts hatten? Und was ist mit deinen Eltern? Eine Sekunde mal nicht besorgt sein, wenn deine Eltern gefährdet sind! Was bist du denn für eine Tochter?</em></p>
<p>Ein langes, glückliches Leben führen. Das wollen wir eigentlich alle. Für uns, und für die Menschen, die wir lieben, und eigentlich auch für all unsere Mitmenschen. Und dafür müssen wir jetzt kämpfen. Indem wir Künstler*innen und Kulturschaffende aus unserer Gegend unterstützen oder an Gabenzäune für Obdachlose in unserer Umgebung spenden. Indem wir online gegen die Zustände an unseren Außengrenzen protestieren oder Petitionen zu unseren Herzensthemen unterschreiben. Aber nicht jede*r ist dazu in der Lage. Weil Geld oder Zeit fehlt, oder schlicht und ergreifend die Nerven. Aber das ist egal. Denn wir alle helfen trotzdem. Indem wir die Regeln einhalten, die wir alle schon oft genug gehört haben. Und indem wir nicht die Menschen umarmen, um die wir uns am meisten sorgen, selbst wenn wir uns nichts sehnlicher wünschen.</p>
<p>Aber auch, indem wir das kleine Glück, das wir manchmal finden, nicht wegwerfen. Denn auch um uns selber müssen wir uns kümmern. Das schulden wir auch den Menschen, die sich um uns sorgen.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr Texte und Beiträge von Mare <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/mare/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
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					<wfw:commentRss>https://www.meintestgelaende.de/2020/05/glueck-in-zeiten-von-corona/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
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		<title>Die Angst vorm Scheitern</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/09/die-angst-vorm-scheitern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Sep 2018 07:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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					<description><![CDATA[„Prekäre Arbeitsverhältnisse. Zeitverträge. Hungerhonorare. Eine sich ständig verändernde Arbeitswelt. Und dazu Medien, die einem das schöne Leben vorleben, die uns sagen, dass wir es schaffen können und wenn nicht, dann ist das unsere Schuld […].“ Unsere Autorin Mare hat sich in einem sehr persönlichen Text mit ihrer Angst vorm Scheitern auseinandergesetzt und dabei den Nerv]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Prekäre Arbeitsverhältnisse. Zeitverträge. Hungerhonorare. Eine sich ständig verändernde Arbeitswelt. Und dazu Medien, die einem das schöne Leben vorleben, die uns sagen, dass wir es schaffen können und wenn nicht, dann ist das unsere Schuld […].“ Unsere Autorin Mare hat sich in einem sehr persönlichen Text mit ihrer Angst vorm Scheitern auseinandergesetzt und dabei den Nerv einer ganzen Generation getroffen. Unbedingt lesen!</strong></p>
<p><span id="more-10933"></span></p>
<p>„Ich glaube“, sagt die ergraute Psychotherapeutin gegenüber von mir bei der ersten Probesitzung, „deine Probleme lassen sich alle auf eine Sache herunterbrechen: Die Angst vor dem Scheitern. Schreib doch dazu mal einen Artikel, das ist so typisch für eure Generation. Ihr habt da alle mit Probleme.“</p>
<p>Schreib doch dazu mal einen Artikel. Zu dieser Diagnose. Noch gibt es sie nicht schwarz auf weiß. Eher schwarz auf dem gelbem Überweisungsschein vom Hausarzt. <em>Anpassungsstörung. </em>Das klingt fremd. <em>Anpassungsstörung. </em>Das klingt nach dem Jungen, der sich früher immer geprügelt hat, nicht stillsitzen konnte und ständig Fünfen nach Hause gebracht hat. Nicht nach dem Lehrerliebling, mit den glatten Einsen. <em>Anpassungsstörung. </em>Aber vielleicht passt es doch. Vielleicht gerade deshalb. Lehrerliebling, glatte Einsen und ein ständiges „Aus dir wird mal was!“ Denn die Frage ist jetzt da. Ich werd‘ mal was. Aber <em>was?</em> Und vor allem <em>wann?</em></p>
<p>„Du machst so viel“, wird mir manchmal gesagt, „Du machst so viel“, mit einem Unterton, den ich kenne, denn es ist gibt immer eine, die ein Auslandssemester, zwei Fremdsprachen und drei unbezahlte Praktika mehr auf dem Lebenslauf hat als man selbst. „Du machst so viel“, und dann kenne ich diesen Unterton auch bei mir. Ist es Neid? Angst?</p>
<p>„Du machst doch so viel“, sagt meine Psychotherapeutin und es klingt ungläubig. „Du machst so viel. Woher die Angst?“. Zwischen uns liegen gut 40 Jahre, aber ich fühle mich wie die, deren Zeit abläuft. Abitur. 18. 19. 20. 21. 22. 22. 22. 22. Schon 22. Das ist fast 25 ist fast 30 ist doch eigentlich der Punkt, wo ich weiß, wo es hingeht, wo ich schon mit beiden Beinen fest im Leben stehe und in die richtige Richtung gehe. Stattdessen fühle ich mich so, als würde ich mich nur im Kreis drehen, genau wie meine Gedanken, die mir immer wieder dasselbe sagen. „Du schaffst das nicht. Das wird doch nichts. Du machst nur Fehler. Du schaffst das nicht“.</p>
<p>Oder vielleicht geht es auch einfach nach unten. Wie in einer Sanduhr. Die Zeit vergeht und es wird enger und enger und immer weniger kommen weiter und werden erfolgreich, und so rieseln wir uns durch das Leben. So fühle ich es zumindest. So fühlen <em>wir </em>uns zumindest, denn ich bin bestimmt nicht die Einzige.</p>
<p>Prekäre Arbeitsverhältnisse. Zeitverträge. Hungerhonorare. Eine sich ständig verändernde Arbeitswelt. Und dazu Medien, die einem das schöne Leben vorleben, die uns sagen, dass wir es schaffen können und wenn nicht, dann ist das unsere Schuld und „WOW! Dieser 16-jährige hat das Rad neu erfunden und verdient jetzt mit seinem Start-Up mehr, als Du in Deinem Leben je besitzen wirst. HAHAHA, DU LOSER! Mehr nach der Werbung, bleiben Sie dran!“.</p>
<p>Und in den Medien sehen wir es ja auch immer wieder, wir sind starke, unabhängige Frauen im 21. Jahrhundert. Immer top gestylt. Immer tough im Job mit bloßen Fäusten das Glasdach zerschlagend, das uns von den Führungspositionen fernhält. Und dazwischen noch Zeit für perfekte Instagram-Fotos aus dem Fitnessstudio mit Rosenkohl-Mango-Quinoa-Shake. Kein Wunder, dass wir alle falsch Erwartungen haben.</p>
<p>Wie es da raus geht? Ich weiß es nicht ganz genau. Ich weiß nur, es ist ein Prozess. Ich lerne langsam, Dinge auf mich zukommen zu lassen, Dinge hinzunehmen, und vor allem zu akzeptieren: Mit 22 kann noch alles passieren. Mit 30 muss ich noch nicht den Job haben, den ich 10 Jahre später noch habe. Man kann nicht immer alles 40 Jahre in die Zukunft planen. Und man kann auch nicht immer perfekt sein.</p>
<p>Ich lerne es aber nicht mit der Psychotherapeutin aus der Probesitzung. „Weißt du, das ist so ein Generationending bei dir. Ich bin da viel zu alt für. Ich versteh das einfach nicht. Immer so viele Ansprüche haben wollen. Such dir lieber mal jemanden, der da näher dran ist. Und schreib vor allem wirklich mal einen Artikel darüber. Es gibt einfach so viele.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Weitere Texte von <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/mare/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Mare</strong></a> gibt es hier.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und hier könnte ihr Mare mit einem <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/07/sterne/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Poetry Slam-Text</strong></a> sehen.</span></li>
</ul>
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		<title>Sterne</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/07/sterne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Jul 2018 07:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Poetry Slam]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>
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					<description><![CDATA[Rassismus, Sexismus, Umweltverschmutzung, es läuft so ungeheuer viel schief auf der Welt &#8211; nicht selten wird es einem*einer einfach zu viel. Unsere Autorin Mare präsentiert euch in ihrem neuen Video einen Trick, den ihr in solchen Situation anwenden könnt. Mehr dazu: Hier gibt es einen weiteren Text von Mare: Einen Liebesbrief an sie selbst. Und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Rassismus, Sexismus, Umweltverschmutzung, es läuft so ungeheuer viel schief auf der Welt &#8211; nicht selten wird es einem*einer einfach zu viel. Unsere Autorin Mare präsentiert euch in ihrem neuen Video einen Trick, den ihr in solchen Situation anwenden könnt.</strong></p>
<p><span id="more-10787"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Hier gibt es <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/mare/" target="_blank" rel="noopener"><strong>einen weiteren Text von Mare</strong></a>: Einen Liebesbrief an sie selbst.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und hier <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/04/100-mensch/" target="_blank" rel="noopener"><strong>einen von den Sunrise Writers</strong></a>, die sich fragen, warum es so wenig Akzeptanz unter den Menschen gibt.</span><strong style="font-size: 1.14285rem;"> </strong></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Depressionen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/11/depressionen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Nov 2017 07:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
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					<description><![CDATA[Jede*r zwanzigste Jugendliche erkrankt bis zum 18. Geburtstag an Depressionen. Unter den Erkrankten finden sich etwa 2/3 Mädchen und 1/3 Jungen. Mediziner*innen haben viele Ursachen herausgefunden – u.a. eigene Körperbilder, Hormonschwankungen und ein erbliches Risiko. Viele Ursachen haben auch etwas mit Geschlechterbildern zu tun. Depressionen sind eine ernste Erkrankung &#8211; und unsere Autorin Mare hat]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jede*r zwanzigste Jugendliche erkrankt bis zum 18. Geburtstag an Depressionen. Unter den Erkrankten finden sich etwa 2/3 Mädchen und 1/3 Jungen. Mediziner*innen haben viele Ursachen herausgefunden – u.a. eigene Körperbilder, Hormonschwankungen und ein erbliches Risiko. Viele Ursachen haben auch etwas mit Geschlechterbildern zu tun. Depressionen sind eine ernste Erkrankung &#8211; und unsere Autorin Mare hat einen Ratgeber für nahestehende Freund*innen und Verwandte geschrieben. </strong></p>
<p><span id="more-10140"></span></p>
<p>Vielleicht kennst du auch jemanden, der unter Depressionen leidet. Immerhin Vielleicht steht dir diese Person sogar ziemlich nahe. In diesem Fall möchte dieser Ratgeber dir helfen, in dieser oft überfordernden und schmerzhaften Situation etwas besser zurechtzukommen. Er soll keinesfalls professionelle Hilfe ersetzen, sondern nur eine erste Orientierung geben.</p>
<p>Sorge dich zu aller erst um dich selbst und respektiere deine Grenzen! Es ist nie leicht, mitansehen zu müssen, wie eine geliebte Person leidet. Es ist aber wichtig, sich bewusst zu machen, dass du zu allererst für dich selbst und dein eigenes Wohlergehen verantwortlich bist. Pass also auf dich und überlege dir Sachen, die dir einen Ausgleich verschaffen. Triff dich mit Freunden, reagier dich beim Sport ab oder schreibe dir den Frust von der Seele und vor allen Dingen: Zögere nicht, dir professionelle Hilfe zu holen, wenn die Belastung zu viel wird!  Vermeide abgedroschene Phrasen! Dein Gegenüber erzählt dir, dass es ihr schlecht geht. Oft weiß man zuerst nicht, was man sagen soll, und vieles, was einem einfällt, kann mehr Schaden zufügen als man denkt.  Beispiele dafür sind: „Du hast es doch nicht so schlimm! Denk nur an die ganzen Kinder, die auf der Welt hungern müssen!“  Damit sagst du so viel wie „Hey, du hast gerade 40 Fieber? Immerhin hast du keinen Krebs!“ Leid sollte nie gegeneinander aufgewogen werden. Außerdem sind Depressionen eine Krankheit. Die Person weiß wahrscheinlich, dass es Leute gibt, die in schwierigeren Situationen leben. Sie daran zu erinnern, hilft aber nicht. Wahrscheinlich verstärkst du damit nur die Schuldgefühle, weil die betroffene Person sich selber dafür verantwortlich macht, nicht einfach glücklich sein zu können. „Als mein Hund/Papagei/Hamster gestorben ist, war ich auch eine Weile lang sehr traurig“  Es ist verständlich, dass du möchtest, dass sich die andere Person nicht alleine fühlt. Allerdings werden solche Anekdoten kaum etwas bringen. Außerdem bedeutet depressiv sein nicht traurig sein, sondern eher das Gegenteil (wie der Autor Tobi Katze hier anschaulich erklärt: LINK). „Warum versuchst du nicht einfach, etwas positiver zu sein?“ „Oh ja, danke. Auf diese weisen Worte habe ich nur gewartet. Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen? Mir geht es gleich viel besser.“ „Hat das etwas mit deiner Kindheit zu tun? Haben dich deine Eltern nicht richtig geliebt?“ Natürlich, wenn du die Person schon etwas kennst, glaubst du vielleicht die Ursachen und Auslöser für ihre momentane Situation zu kennen, aber wenn du dich wie ein Hobby-Psychologe benimmst, dann fühlt sich die Person auch meistens wie auf der Couch. Das führt uns direkt zum nächsten Punkt.</p>
<p>Überschätze dich nicht und halte dich nicht für einen Psychologen! Wenn eine dir nahestehende Person Depressionen hat, ist es verständlich, wenn du helfen möchtest. Du solltest dich dabei aber auf keinen Fall für den strahlenden Helden halten, der die betroffene Person alleine aus der Dunkelheit ins Licht holen kann. So leicht ist die Realität im Gegensatz zu den meisten Märchen nicht. Du kannst im besten Fall Unterstützung und Rückhalt geben, wenn es der betroffenen Person schlecht geht, aber du kannst keinen Psychologen ersetzen. Depression ist eine Krankheit (ich kann es nicht oft genug wiederholen) und sollte auch wie eine behandelt werden. Psychotherapeuten haben Jahre ihres Lebens damit verbracht, zu lernen, wie man diese Krankheit am besten behandeln kann. Wenn sich jemand ein Bein bricht, sagt auch niemand: “Ach was, wenn ich der anderen Person nur mit genug Liebe begegne, wird sie schon bald wieder laufen können!“ und vor allem würden es die meisten Menschen auch für keine gute Idee halten, wenn jemand ein gebrochenes Bein selber eingipsen möchte, nachdem sie eine Anleitung im Internet dazu gelesen hat. Das gleiche gilt für die Behandlung von Depressionen.  Unterstütze die betroffene Person dabei, einen Therapieplatz zu finden! Ermutige die Person, sich professionelle Hilfe zu holen. Wenn sie bereit ist, diese anzunehmen, kannst du ihr anbieten, bei der Suche eines Psychotherapeuten zu helfen, denn das ist oft ein langwieriger Prozess. Zuerst sollte die Person zum Hausarzt gehen und sich eine Überweisung holen. Dabei bekommt man dann auch meistens eine Liste mitgegeben von Psychotherapeuten, bei denen man anrufen kann. Die erste Hürde kann dann schon sein, überhaupt jemanden zu erreichen. Oft ist während der angegebenen Telefonsprechzeiten niemand zu erreichen oder es ist besetzt. Wenn dann jemand drangeht, ist oftmals erst in 6 Monaten ein Termin frei. Es lohnt sich deshalb, in so vielen Praxen wie möglich anzurufen. Manchmal springt nämlich spontan ein Patient ab und es wird ein naheliegender Termin frei. Man kann sich außerdem bei der Krankenkasse die Kosten für einen Psychotherapeuten ohne Kassensitz erstatten lassen, wenn man nachweisen kann, das man sonst keinen Platz gefunden hat. Trotzdem – die Suche nach einem freien Therapeuten kann oft mühsam sein. Das ist eindeutig ein Fehler im System. Wenn sich jemand ein Bein gebrochen hat, gibt man dem Betroffenen ja auch nicht einfach eine Wegbeschreibung zum nächsten Krankenhaus und erwartet, dass er dorthin humpelt. Trotzdem wird von Menschen, zu deren Krankheitsbild Motivationsprobleme gehören, erwartet, dass sie so viel Zeit und Eigeninitiative für ihre medizinische Versorgung investieren. Du kannst helfen, indem du anbietest, herumzutelefonieren, wenn die betroffene Person keine Kraft dafür hat. Auch gibt es Beratungsstellen, die vorübergehende Hilfe leisten können, wenn erst in mehreren Monaten ein Therapieplatz frei wird. Google nach Psychologischer Beratung, die von deiner Stadt oder der Caritas, der Diakonie o.ä. angeboten wird.</p>
<p>Akzeptiere, dass es mit dem Finden eines Therapieplatzes noch lange nicht vorbei ist!</p>
<p>Endlich! Nach langem Herumtelefonieren ist endlich ein Therapieplatz gefunden worden. Ihr dürft euch aber damit nicht vormachen, dass es von heute auf morgen besser wird. Therapien sind langfristige Angelegenheiten, die stetig über die Zeit hinweg ihre Wirksamkeit zeigen und es kann trotz Therapie noch zu heftigen akuten Phasen kommen. Außerdem ist der erste Therapeut vielleicht nicht der richtige. Vielleicht hat er sich auf eine Therapiemethode spezialisiert, die einfach nicht zu dem Betroffenen passt oder vielleicht sind sie einfach nicht auf einer Wellenlänge. Auf jeden Fall ist es wichtig, einen Therapeuten zu finden, bei dem man das Gefühl hat, dass es passt.</p>
<p>Erwarte nicht, dass deine Worte direkt etwas bewirken! Es ist doch verrückt. Vielleicht ist die Person, die dir gegenübersteht, der wichtigste Mensch in deinem Leben. Vielleicht habt ihr schon sehr viel Zeit miteinander verbracht und auch wenn du all ihre Schwächen kennst, hast du schon oft miterleben dürfen, was für ein großartiger Mensch diese Person ist. Und trotzdem. Trotzdem versteht sie es einfach nicht und redet davon, dass sie sich für eine schlechte Freundin/Schwester/Partnerin hält. Erwarte nicht, dass du sie direkt vom Gegenteil überzeugen kannst. Wahrscheinlich wirst du sogar noch oft genug immer und immer das gleiche wiederholen müssen.  Sei ein guter Zuhörer! Biete an, der anderen Person zuzuhören, wenn sie reden möchte. Meistens möchte die Person dann keine Ratschläge hören oder Geschichten von Situationen, in denen es dir ähnlich ging. Meistens möchte die Person dann einfach, dass man ihr zuhört und ihre Gefühle ernst nimmt. Das kann schwierig zu erreichen sein. [evtl Ratschläge für aktives Zuhären geben???]</p>
<p>Rate der Person davon ab, in akuten Phasen wichtige Entscheidungen zu treffen! Während der akuten Phasen ist die Wahrnehmung der Betroffenen oft verzehrt. Wichtige berufliche und private Entscheidungen werden oft im Nachhinein bereut. Rate der Person also dazu, mit ihrer Entscheidung zu warten, bis es ihr etwas bessergeht.</p>
<p>Du kannst eine Umgebung schaffen, in der sich die andere Person beim Schlecht-Fühlen sicher fühlt. Phasen, in denen die betroffene Person leidet, werden nicht zu vermeiden sein. Du kannst aber dabei helfen, eine Umgebung zu schaffen, in der sie sich nicht alleine fühlt. Akzeptiere es, wenn auch mal geschweigt wird. Lies ein Buch, während die andere Person am Handy rumspielt. Das ist genau das, was sie auch ohne dich machen würde, aber nicht dabei alleine sein zu müssen, hilft schon. Respektiere die Möglichkeiten, die die andere Person gefunden hat, um sich besser zu fühlen. Guckt zum zwanzigsten Mal ihren Lieblingsfilm. Akzeptiere es, wenn sie sich Kopfhörer in die Ohren steckt und Musik hören will. Akzeptiere ihren Wunsch, auch alleine gelassen zu werden. Hilf ihr, an Wasser und Essen zu denken. Biete Umarmungen an, wenn sie welche zu brauchen scheint, aber gehe nicht davon aus, dass sie dir körperlich nahe sein möchte, nur, weil ihr das normalerweise seid. Frage bei körperlicher Nähe nach, ob es in Ordnung ist, und vor allem erwarte keinen Sex! Depressive Menschen haben oft einen geringeren Sexdrang, aber aus schlechtem Gewissen heraus wird vielleicht trotzdem eingewilligt. Also frage lieber noch mal nach! Das gilt übrigens für alle Geschlechter. Nicht nur Frauen lehnen Sex ab.</p>
<p>Aber bei allem darfst du eine Sache nicht vergessen: Sorge dich zu aller erst um dich selbst und respektiere deine Grenzen!</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Sarah von LizzyNet <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/05/beeinflussen-models-unser-selbstwertgefuehl/" target="_blank" rel="noopener"><strong>fragt sich</strong></a>, ob Models unser Selbstwertgefühl beeinflussen.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Mare hat sich in einem weiteren Text bereits mit einer ernstzunehmenden Krankheit beschäftigt: <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/06/endometriose/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Endometriose</strong></a>.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Remembering Orlando: Was mir die Regenbogenflagge bedeutet</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/07/remembering-orlando-was-mir-die-regenbogenflagge-bedeutet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Jul 2017 07:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Homofeindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Als am 12. Juni 2016 der queere Nachtclub Pulse in Orlando zur Zielscheibe eines Attentates wurde, bildeten sich weltweit spontane Mahnwachen. Der Attentäter hat Menschen getötet, verletzt und einer ganzen Community das Gefühl genommen, zumindest in selbstgeschaffenen Räumen sicher zu sein. 12. Juni 2016. Orlando, Florida. Im queeren Nachtclub Pulse findet die allwöchentliche Latin Night]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> Als am 12. Juni 2016 der queere Nachtclub <em>Pulse</em> in Orlando zur Zielscheibe eines Attentates wurde, bildeten sich weltweit spontane Mahnwachen. Der Attentäter hat Menschen getötet, verletzt und einer ganzen Community das Gefühl genommen, zumindest in selbstgeschaffenen Räumen sicher zu sein.</strong></p>
<p><span id="more-9093"></span></p>
<p>12. Juni 2016. Orlando, Florida. Im queeren Nachtclub Pulse findet die allwöchentliche Latin Night statt. Zu lateinamerikanischer Musik tanzen hunderte Menschen, die in ihrer Vielfalt vor allem darin verbunden sind, hier einen geschützten Raum gefunden zu haben, wo sie ohne die üblichen Vorurteile sie selbst sein und Spaß haben können. Einige sind vielleicht zum ersten Mal in einem queeren Nachtclub und fühlen den Rausch, sich nicht verstecken zu müssen. Einige sind vielleicht schon sehr betrunken. Einige hoffen, für den Rest der Nacht jemanden zu finden. 58 werden verletzt. 49 sterben.</p>
<p>Es gibt viele Attentate, die uns erschüttern und berühren. Es gibt viele Attentate, die angesichts dieser stumpfen Gewalt die Frage aufwerfen, warum. Mich persönlich hat kein Attentat so sehr emotional aufgewühlt wie das Orlando-Shooting &#8211; auch jetzt noch.</p>
<p>Am Tag nach dem Attentat hat die Dortmunder Community spontan eine Mahnwache organisiert. Jedem, der da war, konnte man die Betroffenheit anmerken. Zwei etwa 15-jährige Mädchen hielten sich einander fest. Die Tränen flossen. Ihre Gesichter waren rotgeweint. Um ihre Schultern hing eine große Regenbogenflagge, in die sie schützend wickelten wie eine Decke. Ich fragte mich, was die Mädchen selber erlebt hatten, dass ihnen der Attentat so nahe ging. Das Bild ist hängengeblieben.</p>
<p>Ich halte es fest.</p>
<p>Jemand hat mich einmal gefragt, warum ich mich denn so viel für queere Menschen in Deutschland einsetze. Immerhin investiere ich viel Zeit da rein, aber habe doch selber seit Jahren eine heterosexuelle Beziehung. Und in Deutschland haben es die Homos doch ganz gut. Viele Rechte und niemand muss um sein Leben fürchten.</p>
<p>Ich wollte ihn fragen, ob er schon einmal eine Nacht nicht geschlafen habe. Ob er schon mal eine Nacht nicht geschlafen habe, um eine Hand zu halten, weil bei seinem Gegenüber die immer wieder gleichen Gedanken wiedergekommen sind. „Ich bin falsch. Ich bin falsch. Ich bin falsch. Ich kann das nicht mehr. Ich kann das alles nicht mehr.“</p>
<p>Diese Nächte gibt es auch in Deutschland. Immer noch viel zu oft. Genau wie die Geschichten von Jugendlichen, die nach ihrem Coming-Out von zu Hause raus mussten. Oder ins Krankenhaus. Gerade jetzt beim Schreiben dieses Textes wurde mir wieder so eine Geschichte erzählt.</p>
<p>In ihrem Kern geht es bei der Regenbogenflagge und dem Bild der zwei Mädchen für mich aber nicht um die Verfolgung und den Hass und die Gewalt und all das Schlechte, das es noch viel zu oft auf der Erde gibt.</p>
<p>Für mich geht es um Menschen, die sich umeinander kümmern und für einander da sind. Um unterschiedliche Identitäten, die voneinander lernen. Um den Mut, zu sich selbst zu stehen und sich selbst zu lieben und eine Gemeinschaft, die einem das beibringt. Um Solidarität mit Menschen, die vielleicht geographisch weit weg sind, mit denen man sich aber trotzdem verbunden fühlt.</p>
<p>Das heißt nicht, dass die Community nicht ihre Fehler hat. Auch dort findet man zum Beispiel viel zu oft Rassismus und Transfeindlichkeit an. Aber das heißt nur, dass wir nicht aufhören dürfen, an uns zu arbeiten.</p>
<p>Und vor allem geht es um dieses eine Wort, dass man schon so oft in diesem Zusammenhang gehört hat, dass es schon fast seine Bedeutung verliert, aber trotzdem noch immer wichtig ist: Stolz. Stolz auf uns. Stolz auf den Mut, man selbst zu sein. Stolz auf die Menschen, die trotz aller Widerstände Rechte und Räume erkämpft haben. Stolz, dass wir einen Ort haben an dem wir weinen können, uns gegenseitig halten können und dass dabei eine Flagge auf unserer Schulter liegt, die keinem Staat gehört, sondern uns.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Der Kurzfilm <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/06/orlando-wir-werden-euch-nicht-vergessen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>„ORLANDO &#8211; We will never forget you“</strong></a> will ein Zeichen gegen das Vergessen und den Übergang zur Normalität setzen.</li>
<li>Eine Anleitung der Story Teller, wie es funktioniert, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/04/toleranz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>anderen Menschen gegenüber tolerant zu sein</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Endometri-HÄ? – Wenn sich hinter den Regelschmerzen eine Krankheit versteckt</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/06/endometriose/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jun 2017 07:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Krankheit]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Menstruation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=9005</guid>

					<description><![CDATA[Menstruationsbeschwerden sind für viele Frauen* ein stetiger Begleiter. Oftmals werden diese Schmerzen hingenommen, sie gehören nunmal dazu wenn ein Mensch mit Uterus geboren wurde. Doch eventuell sind starke Schmerzen auch krankheitsbedingt. Unsere Autorin Mare plädiert auf jeden Fall dafür, sich medizinisch untersuchen zu lassen. Hinweis: Der folgende Text ersetzt nicht das Gespräch mit einem Arzt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Menstruationsbeschwerden sind für viele Frauen* ein stetiger Begleiter. Oftmals werden diese Schmerzen hingenommen, sie gehören nunmal dazu wenn ein Mensch mit Uterus geboren wurde. Doch eventuell sind starke Schmerzen auch krankheitsbedingt. Unsere Autorin Mare plädiert auf jeden Fall dafür, sich medizinisch untersuchen zu lassen.</strong></p>
<p><span id="more-9005"></span></p>
<p><strong>Hinweis: Der folgende Text ersetzt nicht das Gespräch mit einem Arzt. Die im Text beschriebenen Symptome können auf Endometriose hinweisen, aber auch auf andere Krankheiten. Sie können allerdings auch nicht-krankheitsbedingten Menstruationsbeschwerden sein. Auf jeden Fall solltest du mit einem Frauenarzt über deine Beschwerden reden.</strong></p>
<p>Es ist mal wieder soweit. Du fühlst dich schwach und leicht schwindlig. Dumpfer Schmerz im Unterleib ist dein ständiger Begleiter. Vielleicht strahlt er in den Rücken aus, vielleicht auch in die Beine. Vielleicht ist dir nicht nach aufstehen. Vielleicht sind die Schmerzen einfach zu stark und dir ist zu schwummrig. Wahrscheinlich stehst du aber trotzdem auf, weil du dir sagst, dass du nicht so anstellen sollst. Immerhin muss da jeder Mensch mit einer Gebärmutter einmal im Monat durch. Wenn die sich nicht so anstellen, dann schaffst du das auch und diese Schmerzen sind doch ganz normal, oder?</p>
<p>Falsch. Denn was häufig als normal hingenommen wird, kann auf Krankheiten hindeuten. Zum Beispiel Endometriose. Rund 10% aller Frauen und Trans*-Männer sind davon betroffen. Allein in Deutschland kommen jedes Jahr 40 000 Neuerkrankungen hinzu. Und trotzdem ist die Erkrankung den meisten Menschen nicht bekannt.</p>
<p>Endometriose kommt von „Endometrium“, was Gebärmutterschleimhaut bedeutet. Die Gebärmutterschleimhaut ist in der Gebärmutter eine dünne Schicht, in der sich die befruchtete Eizelle während der Schwangerschaft einnistet. Wenn man nicht schwanger wird, wird die Gebärmutterschleimhaut bei der Menstruation ausgeschieden. Bei einer Endometriose wächst sie nicht nur in der Gebärmutter, sondern auch außerhalb. Meistens ist dies im Bauch- und Beckenraum der Fall, theoretisch kann sich die Gebärmutterschleimhaut aber überall bilden, in einigen seltenen Fällen z.B. sogar in der Lunge.</p>
<p>Endometriose ist eine gutartige Krankheit. Das heißt, dass sie sich nicht aggressiv ausbreitet. Rund die Hälfte aller Betroffenen hat sogar gar keine oder fast eine Beschwerden. Andere können jedoch selbst von sehr kleinen Stellen, die von Endometriose befallen sind, sehr starke Schmerzen bekommen. Es hängt sehr davon ab, welche Stellen am Körper genau betroffen sind.</p>
<p>Folgende Symptome kommen laut der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. häufig vor:</p>
<ul>
<li>Bauch- und Rückenschmerzen, die oft auch in die Beine ausstrahlen, vor und während der Menstruation</li>
<li>Starke und unregelmäßige Monatsblutungen</li>
<li>Schmerzen während und nach dem Geschlechtsverkehr</li>
<li>Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen</li>
<li>Schmerzen während des Eisprungs</li>
<li>Plötzliche Ohnmachtsanfälle im Zusammenhang mit Menstruationsschmerzen</li>
<li>Blasen- und Darmkrämpfe</li>
<li>Ungewollte Kinderlosigkeit</li>
</ul>
<p>(Quelle: http://www.endometriose-vereinigung.de/symptome.html)</p>
<p>Oft werden die Symptome mit normalen Menstruationsbeschwerden verwechselt und gar nicht als etwas Ungewöhnliches wahrgenommen. Deshalb dauert es in der Regel sehr lange, bis die Diagnose „Endometriose“ gestellt wird. Menschen, die aufgrund ihrer Kinderlosigkeit eine Diagnose suchen, brauchen im Schnitt 3 Jahre, bis Endometriose bei ihnen festgestellt wird, während Schmerzpatienten durchschnittlich 10 Jahre brauchen. Hinzu kommt, dass die oben genannten Symptome nur die häufigsten, aber nicht die einzigen Symptome sind und auch gar nicht unbedingt bei einer Endometriose vorkommen müssen.</p>
<p>Bei Beschwerden im Zusammenhang mit der Menstruation und dem Zyklus ist es auf jeden Fall wichtig, einen Frauenarzt aufzusuchen. Wenn er eine Endometriose feststellt, kann er dir dabei helfen, die richtige Therapie zu finden und selbst wenn die Beschwerden doch nicht von dadurch verursacht werden, kannst du mit Hilfe des Frauenarztes herausfinden, woran es dann liegt und was bei dir dagegen hilft. Denn starke Menstruationsbeschwerden sind etwas, dass wir nicht mehr einfach so hinnehmen sollen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Verweis auf die <strong><a href="http://www.lokalkompass.de/duesseldorf/ratgeber/infoveranstaltung-zum-thema-endometriose-am-universitaetsklinikum-d767233.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Infoveranstaltung zum Thema &#8222;Endometriose&#8220;</a></strong> am Universitätsklinikum Düsseldorf.</li>
<li>Mare mit einer <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/05/menstruation-eine-momentaufnahme/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Momentaufnahme während der Menstruation</strong></a>.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Menstruation – eine Momentaufnahme</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/05/menstruation-eine-momentaufnahme/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 May 2017 07:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Menstruation]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Werbung suggeriert, dass allein die passende Tamponmarke schon dafür sorgt, sich auch während der Menstruation frisch und zufrieden zu fühlen. Außer in derlei unrealistischen Werbespots – warum ist das Blut da immer blau? &#8211; findet das Thema jedoch zu selten in der Öffentlichkeit statt. Aber wir müssen darüber reden, findet auch unsere Autorin Mare.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Werbung suggeriert, dass allein die passende Tamponmarke schon dafür sorgt, sich auch während der Menstruation frisch und zufrieden zu fühlen. Außer in derlei unrealistischen Werbespots – warum ist das Blut da immer blau? &#8211; findet das Thema jedoch zu selten in der Öffentlichkeit statt. Aber wir müssen darüber reden, findet auch unsere Autorin Mare.</strong></p>
<p><span id="more-8813"></span></p>
<p>„Hey, hat einer mal eine Schmerztablette?“, frage ich in die Runde, eine Hand plakativ auf dem<br />
schmerzenden Unterleib.<br />
Verneinendes Kopfschütteln.<br />
„Ich hab nur Aspirin, sorry. Das hilft dir ja wahrscheinlich eher weniger bei, naja“, kommt mir einer<br />
entgegen und legt selber eine Hand auf den wahrscheinlich deutlich weniger schmerzenden Unterleib.</p>
<p>Ich nicke. Ich nippe an meinem Bier. Eigentlich ist mir gar nicht nach Bier, aber man kennt das ja. Man sitzt in der Runde, und da wird dann Bier getrunken.</p>
<p>Eigentlich ist mir auch gar nicht nach Nicken. Zu dem aufgeklärten Typen, der weiß, dass Aspirin nicht hilft, wenn ich im Stundentakt meine Binden vollblute, aber der es trotzdem nicht schafft MENSTRUATION zu sagen. Genauso wenig wie ich. Man kennt das ja.</p>
<p>Man kennt das ja. Aber genauso wenig ist mir danach, ominös-plakativ meine Hand auf den Unterleib zu legen, anstatt zu sagen: „Hey, mein Uterus hasst mich mal wieder, ich blute wie blöd aus meiner Vagina. Und ich Idiot habe natürlich schon gestern meine Ietzten Ibus weggefressen, weil es sich da schon so anfühlte, als würde mein Uterus sich selbst aufessen“.</p>
<p>Eigentlich ist mir nicht nach Flecken in der Unterhose und der unwillkürlichen stillen Frage, ob das<br />
normal ist, oder ich die einzige bin, die nach Jahren noch immer zu blöd ist, Flecken komplett zu<br />
vermeiden.Eigentlich ist mir nicht nach kreativen Umschreibungen finden, als wäre ich ein Student, der versucht, auf die Mindestwortanzahl eines Essays zu kommen.</p>
<p>„Du weißt schon, naja, UNTERLEIBschmerzen, nicht nur Unterleibschmerzen“ statt einfach zu sagen MENSTRUATION.</p>
<p>Eigentlich ist mir nicht nach Schmerzen im 28-Tage-Takt.<br />
Eigentlich. Eigentlich. Eigentlich. Meine Fresse.</p>
<p>Fuck it. Ich sollte es nicht als normal hinnehmen, über meinen Körper still zu sein. Denn das ist nicht normal. Und ich sollte es nicht als normal hinnehmen, meinen Körper als Feind zu sehen. Denn das ist nicht normal.</p>
<p>Und wir alle zusammen sollten verdammt noch mal anfangen darüber zu reden, dass starke Menstruationsbeschwerden nicht normal sind. Auch wenn Frauen und Trans-Männern von klein auf<br />
beigebracht wird, dass es normal ist und man es einfach hinnehmen soll, wenn man vor Schmerzen kaum aus dem Bett kommt. Aber mit der richtigen Tamponmarke kann man ja weiße Kleider tragen und Fahrrad fahren und lachen und tanzen. Das ersetzt den Gang zur Frauenärztin, die einem sagt, dass so starke Schmerzen nicht normal sind. Und vielleicht stellt sie dann Endometriose fest und findet die richtige Behandlung dagegen, vielleicht ist es dann auch nicht Endometriose, aber sie hilft dir auf anderen Wegen und dann tut es endlich nicht mehr so verdammt verschissen weh, weil wir endlich den Mund aufgemacht haben.</p>
<p>Und eigentlich denke ich das alles.<br />
Und ich nicke, und nippe weiter an meinem Bier.</p>
<p><strong> Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Ein weiterer Text von Mare zur <strong><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/10/zahlen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahrnehmung des eigenen Körpers</a></strong>.</li>
<li>Ein Video von Sophia zum <a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/08/shopping-king/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Thema &#8218;Pink Tax&#8216;</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Du bist schön.</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/02/du-bist-schoen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Feb 2017 08:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Schönheit]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstliebe]]></category>
		<category><![CDATA[Selfcare]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn wir eines wirklich brauchen in dieser Welt, dann definitiv mehr Liebesbriefe. Hier ein ganz besonderer von Mare, die immer wieder versuchen will, sich selbst zu lieben &#8211; nicht obwohl, sondern weil sie so ist, wie sie ist. Ganz egal, wie viele Rückschläge es auch geben mag und wie viele Normierungen es beinah unmöglich machen, sich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn wir eines wirklich brauchen in dieser Welt, dann definitiv mehr Liebesbriefe. Hier ein ganz besonderer von Mare, die immer wieder versuchen will, sich selbst zu lieben &#8211; nicht obwohl, sondern <em>weil</em> sie so ist, wie sie ist. Ganz egal, wie viele Rückschläge es auch geben mag und wie viele Normierungen es beinah unmöglich machen, sich selbst zu akzeptieren. Start a revolution! </strong></p>
<p><span id="more-8595"></span></p>
<p>Liebesbriefe gibt es viele. Liebesgedichte auch. Ich möchte dich lieben, und es dir auch zeigen, aber es wäre zu leicht, Seiten über deine Schönheit zu schreiben, oder deinen wunderbaren Charakter, denn ich möchte mit dir alt werden und auch in deinen dunklen Stunden meine Zeit mit dir teilen. In den Momenten, in denen es schwerfällt, dich zu lieben. In denen du zeigst, dass auch ein Mensch, der perfekt wirken möchte, manchmal einfach nicht perfekt sein kann. Und ich möchte dich nackt sehen können, ohne dass du dich für dich schämen musst. Deshalb möchte ich dir sagen, wofür du wirklich schön bist.</p>
<p>Du bist so schön für deine Narben, denn sie erzählen Geschichten.<br />
Sie erzählen die Geschichte von dem kleinen Mädchen, das über jede Wiese rannte und auf jeden Baum kletterte und den Preis dafür mit so manchen blutigen Knien und aufgescheuerten Handflächen zahlen musste, aber immer war da die besorgte Mutter, die dem kleinen Mädchen aufhalf und auf die Wunde pustete, und dem Mädchen so beibrachte, immer wieder aufzustehen.</p>
<p>Sie erzählen die Geschichte von all den Malen, an denen sich dein Körper gegen dich wandte. Von all den roten Flecken auf deinem Körper, die dich nicht schlafen ließen. Von all Schmerzen und all den Ärzten, die dir Angst machten, aber halfen, dass die Schmerzen weggingen. Aber am Ende konntest du wieder aufstehen und das ist schön.</p>
<p>Du bist so schön für jedes Gramm Fett, das um Oberschenkel und Bauch schwabbelt und wabbelt. Rettungsringe, die, dich in stürmischen Zeiten über Wasser halten, denn sie erinnern dich an die Pizzen, die du mit Freunden in gemütlichen Runden oder vor dem Fernseher gegessen hast. Jeder Streifen steht für eine Mahlzeit. Vielleicht ein oder zwei Mahlzeiten zu viel, aber es waren Mahlzeiten, die du zu dir genommen hast. Jeder Streifen steht für einen Sieg. Jeder Zentimeter für eine Erinnerung. Und das ist schön.<br />
Du bist so schön für all die Stunden und Tage, die du in deinem Bett verbracht hast. Unfähig, dich zu bewegen. Unfähig aufzustehen. In einer stummen Umgebung mit lauten Gedanken, die dich anschreien und dich an all deine Fehler erinnern und dir sagen, wie wertlos du doch bist. Du bist nicht wegen all dieser Stunden und Tage schön (vielleicht waren es auch Wochen, für dich waren es jedenfalls Jahre). Du bist schön, weil du am Ende doch immer aufgestanden bist. Du bist aufgestanden und irgendwann wurden dadurch die Farben um dich herum wieder intensiver und du konntest wieder den Wind auf deiner Haut spüren und den Geruch von frischer Luft genießen. Du bist immer wieder aufgestanden und deshalb kannst du jetzt heute hier sein und das ist schön.</p>
<p>Du bist so schön für all die Male, an denen du ein schlechterer Mensch bist, als du es eigentlich gerne wärst und als die Leute, die du liebst, verdient hätten. All die Male, an denen du eifersüchtig bist, neidisch oder wütend und vielleicht auch Dinge sagst oder tust, die du nicht so meinst, denn dann fragst du dich, warum du das tust, warum du nicht ein besserer Mensch sein kannst und Dinge heil lassen kannst. In den Moment verstehst du dann, dass sich hinter all den lauten Emotionen ein verängstigtes Kind versteckt, dass doch nur Liebe und Sicherheit möchte, in einer Welt, die viel zu oft Angst macht. Dann reichst du dir die Hand und versuchst dir das alles zu geben und vielleicht machen wir es dann das nächste Mal besser. Und das ist schön.<br />
Sage ich mir, während ich vor dem Spiegel stehe.<br />
Revolutionen fangen bei uns selber an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Mehr dazu: </b></p>
<ul>
<li>Sexismus, Schönheitszwang und Co.: LizzyNet über Dinge, mit denen <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/06/netzheldin-dinge-mit-denen-jede-frau-im-internet-konfrontiert-wird/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Frauen* im Internet</strong></a> konfrontiert werden.</li>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/07/ich-bin-richtig/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Ein Statement</strong></a> gegen den Stress mit der Körpernormierung, yay! Danke, Hollies. <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/06/netzheldin-dinge-mit-denen-jede-frau-im-internet-konfrontiert-wird/"><br />
</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nicht eine weniger! Lebendig wollen wir sein!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/11/nicht-eine-weniger-lebendig-wollen-wir-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2016 08:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Sexuelle Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie ein grausames Gewaltverbrechen an der 16 jährigen Lucía Perez, die Menschen und vor allem Frauen auf die Straßen treibt, um zu demonstrieren! Zu demonstrieren gegen die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Argentinien und auf der ganzen Welt. Mehr dazu lest ihr im Text von Mare. „Nicht eine weniger! Lebendig wollen wir sein!“ – Frauen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie ein grausames Gewaltverbrechen an der 16 jährigen Lucía Perez, die Menschen und vor allem Frauen auf die Straßen treibt, um zu demonstrieren! Zu demonstrieren gegen die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Argentinien und auf der ganzen Welt. Mehr dazu lest ihr im Text von Mare.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-7509"></span></p>
<p><strong><u>„Nicht eine weniger! Lebendig wollen wir sein!“ – Frauen gegen sexuelle Gewalt</u></strong></p>
<p>Das Wetter auf den Straßen Argentiniens kann man an diesem grauen Mittwoch Ende Oktober bestenfalls als trist bezeichnen. „Einen schlechteren Tag hätte man sich nicht aussuchen können“, kommentiert eine Nachrichtensprecherin des argentinischen Senders Canal 5 Notícias. Doch trotz des Regens und der Kälte sind Tausende Frauen auf der Straße. In schwarz gekleidet haben sie ihre Arbeit niedergelegt, um gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren. „Denn Freiheit bedeutet, endgültig das Patriarchat abzuschaffen“, verkündigt die Gruppierung „Ni Una Menos“ („Nicht Eine Weniger“) in ihrem Manifest zum „Schwarzen Mittwoch“, wie der Streik der Frauen am 19.10.2016 auch genannt wird.<br />
Ausgelöst wurde die Protestwelle durch den grausamen Fall der 16jährigen Lucía Perez. Ihr sind von den Tätern Drogen verabreicht worden, bevor sie vergewaltigt und zu Tode gefoltert worden ist.<br />
Diese abscheuliche Tat steht aber nicht für sich alleine. In den ersten 19 Tagen des Oktobers sind in Argentinien bereits 19 Frauen ermordet worden. Im Durchschnitt wird in Argentinien alle 30 Stunden eine Frau umgebracht.</p>
<p>„Unter Freundinnen sagen wir „Gib Bescheid, wenn du zu Hause angekommen bist“. Versteht ihr? Es gibt immer die Möglichkeit, nicht anzukommen“, steht auf dem Plakat einer Demonstrantin.<br />
„Ich möchte nicht die nächste Frau sein, die in einem Plastikbeutel endet“, erklärt eine andere Demonstrantin gegenüber AJ+ „Deshalb müssen wir alle auf die Straße – Männer, Frauen, Jungen, Mädchen, Teenager“<br />
„Jedes Mädchen, das umgebracht wird, ist wie ein neuer Schlag gegen die Brust“, erzählt die Mutter eines ermordeten Mädchens der spanischen Zeitung El Pais.</p>
<p>Aber nicht nur in Argentinien gehen die Menschen auf die Straße. In vielen Ländern Lateinamerikas sowie in Spanien demonstrieren die Menschen für Gleichberechtigung und gegen Gewalt an Frauen. Allein in Córdoba im Süden Spaniens protestierten am Mittwoch 25 000 Menschen.</p>
<p>Gewalt gegen Frauen ist ein internationales Problem. Auch wenn einige Leute in Deutschland die Situation so darstellen, als würde „der“ Araber und „der“ Nordafrikaner hier in unser aufgeklärtes Land kommen und unsere emanzipierten Frauen belästigen, ist die Wahrheit leider nicht so einfach und auch nicht so schön. Man muss sich nur angucken, was mit Gina-Lisa passiert ist. Wer dann immer noch nicht glauben möchte, dass Sexismus auch „deutsch“ sein kann, kann sich die Statistiken anschauen. Laut einer Statistik des Bundesministeriums für Familien, Senioren. Frauen, und Jugend haben 37% aller befragten Frauen seit dem 16. Lebensjahr schon einmal Gewalt erfahren. 58% wurden mindestens schon einmal sexuell belästigt.</p>
<p>Gewalt gegen Frauen ist ein internationales Problem. Und lösen können wir es nur zusammen, solidarisch und laut.<br />
Ni Una Menos!</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Bilder der Protestbewegung auf YouTube findest du <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_ZqJMn0d1lE" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">hier</span></a></li>
<li>Zum Thema Gewalt in Ehrenkulturen haben die HeRoes diesen starken Clip gedreht: <a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/05/guck-nicht-weg/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">Gewalt gegen Frauen, guck nicht weg!</span></a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich-Geschlecht</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/11/ich-geschlecht/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2016/11/ich-geschlecht/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Nov 2016 08:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
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					<description><![CDATA[„Du bist doch ein Mädchen, warum&#8230;“ Wenn Menschen in Rollenklischees denken, dann kann das sehr einschränkend sein. Wie sich Mare von Stereotypen und Klischees befreit, lest ihr hier. Es sind die kleinen Dinge, die einen runterziehen. Von „komm, ich muss doch ein Gentleman sein, ich trag&#8216; dir die Tasche“ über das Ego, das verletzt wird,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>„Du bist doch ein Mädchen, warum&#8230;“</em> Wenn Menschen in Rollenklischees denken, dann kann das sehr einschränkend sein. Wie sich Mare von Stereotypen und Klischees befreit, lest ihr hier.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-7490"></span></p>
<p>Es sind die kleinen Dinge, die einen runterziehen. Von „komm, ich muss doch ein Gentleman sein, ich trag&#8216; dir die Tasche“ über das Ego, das verletzt wird, wenn man sagt „das gebe ich mal heute dir aus“, zu Aussagen wie „Aber du bist doch ein Mädchen, warum möchtest du da kein Kleid tragen?“.</p>
<p>Und in diesen Momenten legt sich ein dunkler Schleier um mich und wischt aus meinem Gesicht alles, was sich ich nennt und dann bin ich nicht mehr alle meine Träume, Hoffnungen und Ängste und nicht mehr meine Vorlieben und Fähigkeiten oder meine Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, sondern ich bin nur noch mein Geschlecht, nur noch Vagina. Vagina und Brüste und Östrogen und „Du bist doch ein Mädchen, mit uns shoppen zu gehen muss dir doch Spaß machen“ und ich gucke sie böse an, denn ihr dunkler Schleier nimmt mit die Luft zum Atmen.</p>
<p>Da nehme ich einen Lappen und wische mein Geschlecht weg.<br />
Sie gucken geschockt, doch ich bin noch lange nicht fertig.</p>
<p>Ich reiße mir die Kleidung vom Leib, denn auch das lenkt vom Ich ab und dann wische ich mit dem Lappen über meine Haut, so dass meine Hautfarbe verschwindet und ich fahre damit über mein Gesicht, so lange, bis nichts mehr zu erkennen ist, und was übrig bleibt, ist – Ich.</p>
<p>Einige wenden sich geschockt oder sich ekelnd ab, denn sie haben noch nie ein unmaskiertes Ich, anderen gefällt das, was sie sehen, nicht, teilweise auch, weil sie dachten, mein Ich müsste ganz anders aussehen.</p>
<p>Doch dann, dann gibt es die, die erkennen mich. Und sie mögen, was sie sehen.</p>
<p>Sie treten auf mich zu und nehmen meine Hand mit dem Lappen. Und so stehen wir da eine ganze Weile und allmählich, ganz allmählich und langsam nehmen sie den Lappen und waschen all den Dreck von sich weg.</p>
<p>Und so sehen wir uns dann an, nackt, entblößt, und finden uns schön.</p>
<p>Mare</p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<ul>
<li>Was ist männlich? <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/08/7155/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Eine Theaterszene vom #gelände2016</a></span></li>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/10/du-bist-du/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">&#8222;Du bist Du&#8220;</span> </a>von den Sunrise Writers</li>
<li>Welche Rolle Rollenklischees bei der <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/leaderin/umfrage-klare-rollenklischees-bei-der-wahl-von-ausbildungsberufen/9674740-2.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">Berufswahl</span></a> spielen</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Zahlen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/10/zahlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Oct 2016 07:42:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
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					<description><![CDATA[Kleidergröße, Gewicht, BMI: An diesen Zahlen wird bemessen, ob ein Körper der Norm entspricht, oder nicht. Das eigene Körperbild, die Eigen-und Fremdwahrnehmung in der heutigen medial geprägten Welt. Warum der weibliche Körper immer stärker unter Druck gerät und das für einige zur Lebensgefahr werden kann. Ich muss babysitten. Naja, vielleicht trifft es babysitten nicht so]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kleidergröße, Gewicht, BMI: An diesen Zahlen wird bemessen, ob ein Körper der Norm entspricht, oder nicht. Das eigene Körperbild, die Eigen-und Fremdwahrnehmung in der heutigen medial geprägten Welt. Warum der weibliche Körper immer stärker unter Druck gerät und das für einige zur Lebensgefahr werden kann.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-7354"></span></p>
<p>Ich muss babysitten. Naja, vielleicht trifft es babysitten nicht so ganz. Mein hyperaktives Gegenüber ist immerhin schon 8 Jahre alt und kann nicht aufhören, über ihre Lieblingsdisneyfilme zu sprechen. Um nicht zum nun zehnten Mal an diesem Abend „Let It Go“ hören zu müssen, lasse ich mir von ihr ihre Büchersammlung zeigen. „Was ist denn dein Lieblingsbuch?“, frage ich sie, während sie mich stolz rumführt. „Der kleine Prinz!“, sagt sie mir breit lächelnd. Ich gehe zu meiner Tasche und hole das Buch heraus, das ich gerade lese – es ist das gleiche.</p>
<p>Es gibt viele Gründe, den kleinen Prinzen immer und immer wieder zu lesen. Für mich ist ein Grund dieses Zitat:</p>
<p>„Die großen Leute lieben nämlich Zahlen. Wenn ihr euch über einen neuen Freund unterhaltet, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen dich nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie wollen lieber wissen: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?« Erst dann werden sie glauben, ihn zu kennen. Und wenn ihr den großen Leuten erzählt: »Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den Fenstern und Tauben auf dem Dach …« werden sie sich das Haus nicht vorstellen können. Ihr müsst vielmehr sagen: »Ich habe ein Haus gesehen, das hunderttausend Franken wert ist.« Dann kreischen sie gleich: »Oh, wie schön!«“</p>
<p>Das ist ein Zitat, das bei mir besonders hängen geblieben ist und im Laufe der Zeit immer mehr an Bedeutung bekommen hat. Ich setze mich auf das Sofa und lasse meine Cousine in ihre eigene Glitzerwelt versunken Puppen spielen. Während ich sie so dabei beobachte, wundere ich mich, was sie so aus dem Buch für sich später mitnehmen wird und ob sie die Bedeutung dieses Zitates schon verstehen kann und es ihr dabei helfen kann, einige Fehler zu vermeiden.</p>
<p>Vielleicht.</p>
<p>Vielleicht auch nicht.</p>
<p>Vielleicht wird sie ihr eigenes Selbstwertgefühl trotzdem von Zahlen abhängig machen, die gar nichts über sie aussagen.</p>
<p>Vielleicht wird später in der Umkleidekabine stehen. Aus Kindergrößen ist erst 32 geworden. Dann 34, 36, vielleicht auch 38, 42, 44 oder auch mehr. Vielleicht wird mit dem Größerwerden ihrer Kleidung auch ihr Ekel größer werden und sie wird mit einer zu kleinen Jeans in der Umkleide stehen, in der Hoffnung, dass sie doch noch passt. Dann wird sie versuchen, sich die Hose anzuziehen, obwohl sie eigentlich weiß, dass es vergeblich ist und in dem Moment, in dem der Knopf nicht zugeht und Haut und Hüftfett aus dem viel zu engen Hosenbund quillt, wird sie wütend werden auf die Spiegel, die in jeder Umkleidekabine stehen und sich wünschen, nie wieder shoppen gehen zu müssen, einfach um nie wieder in einen Spiegel gucken  und dieses widerliche, widerliche Fett sehen zu müssen und sich eingestehen zu müssen, dass sie wieder eine Kleidergrößer größer tragen muss.</p>
<p>Vielleicht wird sie sich dann abends im Badezimmer einschließen und dann komplett ausziehen. Hose, Oberteil, Socken, selbst die Unterwäsche und alles an Schmuck, was sie am Körper trägt, um das Ergebnis bloß nicht zu beeinflussen. Dann wird sie sich wie schon jeden Abend dieser Woche auf die Waage stellen. Vielleicht wird sie sich freuen, dass der Zeiger ein bisschen mehr Richtung 0 geht, und das, obwohl sie eigentlich in einem Alter ist, in dem sie jeden Tag ein Stückchen größer und breiter wird. Wahrscheinlich wird die Freude beim Gedanken an die zu kleine Jeanshose dann aber schnell verfliegen. Nicht genug. Es ist immer noch nicht genug. Die Zahl auf der Waage ist immer noch viel zu hoch und sie immer noch viel zu fett. Sie wird sich dann aber trotzdem vor den Spiegel stellen und sich dafür mutig finden, denn eigentlich will sie das alles eigentlich gar nicht sehen, aber sie muss sich der Wahrheit stellen, wenn sie an sich arbeiten will und die Wahrheit, ja die Wahrheit ist die Haut an ihrer Hüfte, die sie langziehen wird und ihre Oberschenkel, die sich immer noch berühren, und ihre Arme, die so eklig wabbeln, wenn sie den Arm hebt und noch fetter aussehen, wenn sie sie vor der Brust verschränkt. Das sollte sie nicht mehr in der Öffentlichkeit machen.</p>
<p>Vielleicht werden all diese Zahlen sie daran hindern, eine richtige Bindung mit anderen Menschen einzugehen. Vielleicht wird es ihr schwer fallen, andere Mädchen in ihrer Komplexität wahrzunehmen, denn für sie gibt es zwei Kategorien, die ihren: dicker als sie und dünner als sie – oder auch: „Zum Glück bin ich nicht so!“ oder „So will ich werden!“. Letztere lernt sie vielleicht vor allem im Internet kennen. Auf Tumblr oder Instagram oder welche Plattform auch immer gerade in ist, wenn sie alt genug ist. Dort, wo „Ana“ ihre beste Freundin ist, und „Ana“, das sind nicht die, deren Oberschenkel sich berühren und deren Arme so eklig wabbeln, sondern jeder mit diesen wunderschönen Schlüsselbeinen, die hervorstehen.</p>
<p>Hunger als Machtgefühl, Macht über den eigenen Körper. Magersucht als Sucht, die ihr zuflüstert, dass sie die Kontrolle noch behält, ja, dass sie mehr Kontrolle hat als jemals zuvor, solange sie nur stärker ist als der Hunger. Und wenn der Hunger dann doch einmal stärker ist, dann sind da ihre Freunde im Internet, die ihr helfen. Die ihr sagen, was sie tun muss, um stärker zu werden als ihr Körper. Vielleicht wird sie dann an der Toilettenschüssel stehen, und alles versuchen, um dieses gottverdammte Essen wieder aus ihrem Körper zu bekommen. Vielleicht wird der klassische Finger im Rachen nichts bringen, denn zu sehr will das Essen in ihrem hungrigen Körper bleiben. Würgen. Tränen. Nichts. Vielleicht wird sie dann das gesamte Reportoire ausprobieren, das ihr die anderen empfohlen haben. Trick um Trick. Das Beste aus dem machen, was so da ist. Vielleicht wird das Essen dann trotzdem in ihrem Magen bleiben und sie wird aus dem Badezimmer stolpern, eine Hand an der Wand gestützt, denn ihre Beine zittern und in ihrem Kopf ist da dieser Nebel und ihr Körper ist geschunden. Vielleicht wird sie sich fragen, ob sie es mit ihrem Körper diesmal zu weit getrieben und ihre Beine werden mit jedem Schritt etwas mehr zittern, während sie sich fragt, ob es das jetzt wohl war, und sie muss sich vorstellen, wie ihre Eltern sie finden, wie sie auf dem Boden liegt und sich nicht mehr bewegt und der Krankenwagen wird gerufen und sie würden es ja nicht verstehen, sie würden es nicht verstehen, wie viel leichter sich die Welt anfühlt, wenn man doch nur selber leicht wäre, und sie würden es nicht verstehen und sie entsetzt angucken und sich fragen, wer die Schuld hat und wo die Schuld ist, wo alles schief gegangen ist, aber sie werden nicht verstehen, wie viel leichter es doch wäre, und wahrscheinlich wäre es leichter, wenn ihre Beine jetzt die Kraft aufgeben würde und ihre Eltern den Krankenwagen rufen, aber sie müsste sich nie mit ihren Fragen auseinandersetzen, denn vielleicht wäre es einfacher, wenn sie dann einfach schon tot wäre.<br />
Vielleicht wird sie das in dem Moment denken.</p>
<p>Vielleicht.<br />
Vielleicht auch nicht.<br />
Hoffentlich nicht.</p>
<p>Ich gucke ihr weiter beim Spielen zu, klatsche begeistert an den richtigen Stellen und gleichzeitig wünsche ich mir, dass sie einen einfacheren Weg haben wird als ich. Meine Waage steht verstaubt im Keller. Zu schwer wiegt noch die Last der Zahlen auf mir, als dass ich sie wieder abstauben und nach oben holen würde. Ich habe schon ganz viele erste Schritte gemacht, aber es ist ein langsamer Prozess. Ich frage mich selber immer noch viel zu oft nach Zahlen, anstatt mich die wirklich wichtigen Fragen zu stellen. „Bin ich mit mir und meinem Umfeld glücklich? Wie sehr im Reinen bin ich mit mir selbst? Was könnte ich noch tun, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen? Zeige ich den Menschen, die mir wichtig sind, das auch oft genug? Wie kann ich etwas mehr Liebe in die Welt bringen? Wonach riecht eigentlich Glück?“ Das sind Fragen, die es sich zu stellen lohnt, aber egal wie ich sie beantworte – mein Wert als Mensch bleibt unantastbar. Die Waage bleibt noch eine Weile im Keller – zumindest so lange wie die Zahlen auf ihr für mich mehr Wert sind als bloße Information.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Anerkennung: Das erhofft sich Sarah, wenn Sie Bilder von ihrem Körper online postet. Doch die Glücksgefühle, die ihr die Likes bescheren, sind nur von kurzer Dauer. Mehr dazu lest ihr in ihrem Text <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/03/genuss/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><u>Genuss</u>.</a></li>
<li>“Wäre es nicht herrlich, wenn die neue Perfektion das ICH wäre?” Gedankensammlers Gedanken zu Körpernormen und Schönheitsidealen lest ihr in <u><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/09/die-neue-perfektion-das-ich/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die neue Perfektion des ICH</a>.</u></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lieblingspulli als Sexismus Schutzschild</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/09/lieblingspulli-als-sexismus-schutzschild/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Sep 2016 08:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Selbstbewusstsein ist attraktiv. Aber worin äußert sich Selbstbewusstsein eigentlich genau? Ganz bestimmt nicht darin, das andere Geschlecht zu beleidigen&#8230; sie stehen da locker lässig selbstbewusst und die arme cool verschränkt vor der brust &#160; sie stehen da locker lässig selbstbewusst und ich? ich bin kein objekt ihrer lust &#160; mein lieblingspulli hose sneakers und sie]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Selbstbewusstsein ist attraktiv. Aber worin äußert sich Selbstbewusstsein eigentlich genau? Ganz bestimmt nicht darin, das andere Geschlecht zu beleidigen&#8230;</strong></p>
<p><span id="more-7180"></span></p>
<p>sie stehen da<br />
locker lässig selbstbewusst</p>
<p>und die arme cool verschränkt vor der brust</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>sie stehen da</p>
<p>locker lässig selbstbewusst</p>
<p>und ich?</p>
<p>ich bin kein objekt ihrer lust</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>mein lieblingspulli hose sneakers</p>
<p>und sie stehen da</p>
<p>und reden lieber</p>
<p>über die schlampen die sie ficken</p>
<p>als mich auch nur mal anzublicken</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>mein lieblingspulli hose sneakers</p>
<p>vielleicht ists mir auch so lieber</p>
<p>unsichtbar vor ihren blicken</p>
<p>verstehn sie nicht, dass ich nur frauen</p>
<p>und nicht schlampen ficke</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>sie stehen da</p>
<p>locker lässig lächerlich</p>
<p>und ich?</p>
<p>unsichtbar und selbstbewusst</p>
<p>selbstbestimm ich meine lust</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#8211; mare</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Sexismus ist das Gegenteil von sexy. Wie sehr sie das Verhalten einiger Jungs abstößt, erklären die Mädchen von Was geht Almanya in <u><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/06/alltags-sexismus-gehts-noch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Geht’s noch?!</a></u></li>
<li>Worauf es beim Flirten ankommt, beschreibt Tamy Keitel von den story-tellern in <u><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/08/frauen-maenner-sommer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frauen, Männer, Sommer</a></u>.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Trans* in Brasilien: Beten, dass es besser wird</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/05/trans-in-brasilien-beten-dass-es-besser-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 May 2016 07:03:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Lage von Trans*Frauen in Brasilien ist zum Verzweifeln: Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, bleibt 90 Prozent von ihnen nur die Prostitution. Hoffnung gibt es trotzdem, fand Mare auf ihrer Reise heraus. 35 Grad. Der Schweiß läuft aus allen Poren. Die Luft steht, genau wie der Bus, denn vor uns ist mal wieder ein Unfall]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Lage von Trans*Frauen in Brasilien ist zum Verzweifeln: Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, bleibt 90 Prozent von ihnen nur die Prostitution. Hoffnung gibt es trotzdem, fand Mare auf ihrer Reise heraus.</strong></p>
<p><span id="more-6616"></span></p>
<p>35 Grad. Der Schweiß läuft aus allen Poren. Die Luft steht, genau wie der Bus, denn vor uns ist mal wieder ein Unfall passiert. Langsam beginne ich sehr gut nachvollziehen zu können, warum eine Erhöhung der Buspreise 2013 hier in Brasilien der Auslöser für eine Protestwelle war. Wenn der Bus endlich fährt, wird man dank der Haufen Schlaglöcher und Bremsschwellen unliebevoll durch die Gegend geschleudert – gesetzt dem Fall, dass es nicht so voll ist, dass man sich keinen Zentimeter mehr bewegen kann. Man kann es vielleicht mit einer S-Bahn zur Rush Hour vergleichen, aber gerade bin ich tatsächlich selbst für die beim Pendeln schon so oft verfluchte Deutsche Bahn zu Hause in Deutschland dankbar.</p>
<p>Ich nutze die zusätzliche Zeit, um noch einmal alle Fakten und Fragen im Kopf durchzugehen. Ich fahre in die Innenstadt, um für eine Reportage mit Rafaelly zu sprechen. Sie ist Präsidentin einer Trans*organisation und ehemalige Sexarbeiterin. Die Reportage soll um die Situation von queeren Menschen in Brasilien gehen, und eine Zahl, die mir immer wieder in Gesprächen und Artikeln über den Weg lief, hat mein besonderes Interesse an der Situation von Trans*-Menschen geweckt. 90 Prozent. 90 Prozent aller Trans*Frauen in Brasilien prostituieren sich. 9 von 10. Noch ganz kann ich diese Zahl immer noch nicht glauben. Sie wirkt surreal hoch und einfach nur erschreckend. Umso mehr bin ich aber auf das Gespräch mit Rafaelly gespannt.</p>
<p>Cut.<br />
Ich sitze im Auto meines Cousins. Wir fahren zu meinem Onkel. An einer Autobahnausfahrt fällt mir ein großes Schild auf. „Zum Internationalen Frauentag wünschen wir unseren Frauen alles Gute!“, steht da in rosa Schrift auf dem pinken Plakat. Meine Auge bluten bei dem hässlichen Farbkontrast. „Frauen in Aktion sind das Stärkste überhaupt“ ist der Untertitel, umgeben von Bildern von Frauen, die Hausarbeiten erledigen. Meine Augen bluten noch ein bisschen mehr. „Ich glaube, du hast nur den Eindruck, dass die Geschlechterrollen hier so starr sind, weil du hier vor allem Zeit mit unserer Familie verbringst. An der Universität ist das Klima zum Beispiel ganz anders“, rechtfertigt sich mein Cousin, nachdem ich ihn von dem Plakat erzählt habe, weil er zu sehr auf das Autofahren konzentriert war, um es zu bemerken. „Aber dieses Plakat klingt echt hässlich.“</p>
<p>Cut.<br />
Ich stehe im Empfangsraum der Trans*-Organisation. Das erste, was mir auffällt ist ein großer Banner über der Rezeption. Foto. Name. Alter. Studiengang. Unterschiedliche Trans*-Menschen werden dort vorgestellt. Ich wundere mich kurz, aber dann erinnere ich mich wage daran, auf Wikipedia gelesen zu haben, dass es gar nicht so lange her ist, dass es die erste Trans*-Frau an eine Universität geschafft hat. Das Banner scheint also dazu da sein, Hoffnung zu geben. „Guckt mal, es ist doch nicht unmöglich! ihr könnt Trans* sein und es trotzdem an eine Universität schaffen!“</p>
<p>Cut.<br />
Ich sitze mal wieder im Auto meines Cousins und mal wieder fahren wir zu meinem Onkel „Guck mal, da neben dir ist eine Schule“. Ich gucke. Und ich wundere mich. „Wofür ist denn die Mauer und das Wachpersonal?“, frage ich etwas naiv. „Sowas haben wir an meiner Schule auch“, erklärt er, „Wir wollen verhindern, dass Drogendealer in die Schule reingehen. Trotz der Mauer müssen wir Lehrer aber trotzdem aufpassen, weil die manchmal einfach drüberklettern.“ &#8211;  „Welche Drogen verkaufen die denn?“ Manchmal fühle ich mich hier wie ein kleines Kind mit meinen ganzen W-Fragen. Aber die Sesamstraße hat mir damals beigebracht, dass ich sonst dumm bleibe. Und Recht hat sie, weil eigentlich glaube ich fast immer die Antwort schon zu kennen. Tue ich aber nicht. Ich denke an die Leute in meiner Stufe die Gras auf dem Schulhof vertickt haben, nur um sich davon mehr Gras zu kaufen. Innerlich lache ich bei der Vorstellung, wie sie bekifft versuchen, über Mauern zu klettern „Och, weißt du, das Übliche. Crack. Kokain.“</p>
<p>Cut.<br />
Nach anderthalb Stunden Gespräch komme ich aus Rafaellys Büro. Diese 90 Prozent erscheinen für mich inzwischen greifbarer, ergeben mehr Sinn. Ich habe im Gespräch auch neue Zahlen kennengelernt, die mir noch mehr Angst machen. 320. 320 Morde an Homosexuellen und Transsexuellen Menschen in Brasilien innerhalb von 365 Tage. Ich verstehe die Mechanismen. Ich verstehe, wie viele Faktoren diese Gruppen zu einem leichten Ziel machen. Diskriminierung von Eltern. Diskriminierung von Lehrern. Arbeitslosigkeit. Obdachlosigkeit. Drogensucht. Prostitution. Ich verstehe trotzdem nichts, und gerade hilft mir auch keine W-Frage.</p>
<p>Cut.</p>
<p>Ich sitze in der Küche meines Cousins. Für meine Reportage hat mir seine Frau eigentlich ein Gespräch mit einer Drag Queen organisiert. Er? Sie? Ich-kenne-das-präferierte-Pronomen-noch-nicht, wollte eigentlich um 3 Uhr da sein. Die Zeit vergeht. Es ist 3. Es ist 10 nach 3. Es ist 20 nach 3. Langsam wird es Ich-glaube-das-wird-heute-nichts-mehr nach 3. In der Zwischenzeit erzähle ich der Frau meines Cousins von meiner Recherche. „Wir haben hier im Ort auch so eine Ecke, wo die stehen“, erzählt sie mir. „Die“, damit meint sie Trans*Frauen, die als Sexarbeiterinnen arbeiten. „Ich habe ja kein Problem damit, aber ich verstehe nicht, warum viele von denen so viel Haut zeigen müssen“, wundert sie sich. Ich wundere mich, dass sie sich wundert. Sie zeigt mir ein Youtube-Video, dass mit einer wackligen Handy-Kamera an eben jener Ecke gedreht wurde. Zu sehen sind zwei Sexarbeiterinnen die sich wegen irgendetwas streiten. Person A schlägt Person B mit ihrer Handtasche. Person B zieht Person A an den Haaren. Beide gehen wie Furien aufeinander los, rollen schon ziemlich bald aufeinander auf dem Boden. Die Frau meines Cousins lacht. Ich sage nichts.</p>
<p>Cut.</p>
<p>Es liegen Süßigkeiten auf dem Boden verstreut herum. Der Innenhof war bis vor ein paar Minuten noch mit Lachen erfüllt, als die Kinder nach der Geburtstags-Piñata schlugen. Jetzt ist alles still. Die Köpfe sind andächtig gesenkt. Auf vielen Gesichtern liegt eine Ernsthaftigkeit, die Religion hier so oft den Menschen entlockt. Ein Priester ist zu Besuch gekommen und betet für die Gesundheit und das Wohlergehen des einjährigen Geburtstagskindes. Es ist faszinierend zu sehen, wie viel Gefühl und wie viel Aufrichtigkeit beim stillen Gebet in den Gesichtern der Menschen zu lesen ist. Die Mutter scheint jede Segnung für ihr kleines Mädchen mit ihrem ganzen Herzen zu fühlen. Ich wundere mich für einen kurzen Moment, ob sie auch so aufrichtig mitfühlen würde, würde ihr kleines Mädchen einmal merken, dass es eigentlich als Junge geboren wurde.</p>
<p>Cut.</p>
<p>Ich sitze in der Küche meines Cousins, aber diesmal sind meine Interviewpartner erschienen. Zwei verheiratete lesbische Frauen. Ihr gemeinsames Glück gibt mir Hoffnung. Wie meine anderen homosexuellen Interviewpartner glauben sie, dass alles in Zukunft besser wird. Ihr Grund? „Es hat sich schon vieles zum Guten verändert und es wird sich auch weiter verbessern, weil ich und viele andere Menschen jeden Abend dafür beten.“ Wieder ist da diese Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit in ihren Gesichtern. Ich wundere mich ein bisschen darüber. Mir kommt der Gedanke, dass manchmal Dinge einfach anders sind. Nicht besser, nicht schlechter. Einfach nur anders.</p>
<p>Cut.</p>
<p>Ich will meinen Koffer beim Check-In abgeben.Wie nach jedem Besuch in Brasilien habe nicht nur ich Übergewicht vom Essen meiner Oma, sondern mein Koffer auch. Getrocknete Schwarze Bohnen. Guaven-Marmelade. Speisen, für die es nicht einmal deutsche Übersetzungen gibt. Und zwei kleine Tüten ganz normale Erdnüsse. Mein Koffer quillt über mit Essen, von dem meine Verwandten denken, dass ich es in Deutschland vermissen werde und mit dem sie mich in den letzten Tagen reichlich beschenkt haben. Im Gegensatz zu den neuen brasilianischen Kilos auf meinen Hüften, können mich die neuen brasilianischen Kilos meines Koffers allerdings viel Geld kosten. Ich versuche meine Nervosität zu unterdrücken, während sich der Mann hinter dem Schalter meinen Pass anguckt. Plötzlich schleicht sich ein breites Lächeln auf sein Gesicht. „Dortmund!“, ruft er aufgeregt. „Borussia!“ Er scheint vor Freude quasi zu strahlen. Wir führen ein kurzes Gespräch über Fußball, bei dem ich meine fehlende Begeisterung für das Thema versuche zu vertuschen. Anscheinend bin ich erfolgreich, denn auf das Übergewicht meines Koffers beim Wiegen reagiert er nur mit einem Zwinkern und schickt dann den Koffer kommentarlos weiter.</p>
<p>Hinter dem Sicherheitscheck betrachte ich nachdenklich meine beiden Pässe, den deutschen in der einen, den brasilianischen in der anderen Hand, und ich denke an Rafaelly und wie sie alles dafür tut, um nach ihrem Abschluss nach Nordamerika gehen zu können, weil sie keine Zukunft für sich in diesem Land sieht. Ich wiege beide Pässe in meiner Hand gegeneinander auf und denke an den Glauben, der mir so oft und begegnet ist, dass es in Zukunft besser wird, und wie Rafaelly einfach nicht mehr glauben kann. Ich wiege beide Pässe in meiner Hand gegeneinander auf und denke an den BVB-Check-In-Mann und daran, wie ich eigentlich immer bei Passkontrollen einfach durchgewunken werde. Und ich denke an Sätze wie „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ und es hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Diskriminierung gibt es auch in Deutschland. In <u><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/01/verschweigen-der-vielfalt/" target="_blank" rel="noopener">Verschweigen der Vielfalt</a></u> erklärt Nev, warum Trans*identität kein Tabu sein darf.</li>
<li>Wie fühlt es sich an, wegen seiner Sexualität diskriminiert zu werden? Im Kurzfilm <a href="http://[https://www.meintestgelaende.de/2016/04/kurzfilm-different/" target="_blank" rel="noopener"><span style="text-decoration: underline;">Different</span></a> bekommt ihr einen Eindruck.</li>
</ul>
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